Im Faden der Zeit [128]

IX. Stiefmütterliche Erde – zuhälterischer Markt

Alma parens frugum[1]

In unseren Rubriken ist jetzt die erste Form der Differentialrente an der Reihe. Ihr Begriff wurde am Beispiel der Papierfabrik erklärt, die mit Wasser- statt mit Dampfkraft betrieben wird. Ihre Ausgaben sind geringer, gleichwohl verkauft sie zum selben Preis wie die mit Dampf arbeitende Fabrik. Der Gewinn entsteht daher aus einer Differenz über den „Produktionspreis“ und ist Rente.

Aber es wird Zeit, dass wir zum Ackerbauboden kommen. Seitdem die menschliche Gattung den Boden bebaut, um pflanzliche Nahrung zu erhalten, gibt es zwei grundsätzliche Gesichtspunkte: Die Eroberung bzw. Aneignung von Boden, d.h. das sich verändernde Verhältnis zwischen unbebauten und bebauten, urbargemachten Landstücken, andererseits die durch natürliche Bedingungen und durch menschliche Arbeit veränderliche Fruchtbarkeit des Bodens, d.h. sein Vermögen, für weniger Plackerei größeren Ertrag zu liefern.

Die ökonomische, d.h. bestimmende Geschichte der Gattung bewegt sich zwischen folgenden zwei Seiten der Frage: Wie viel Boden noch in Bebauung genommen werden kann, und: Wie hoch die Bodenfruchtbarkeit sein muss, damit unbebautes Land aufgebrochen wird (wobei Arbeitsmühe und Nahrungsverbrauch sich entsprechen müssen).

Anders gefragt: Wie lange noch wird, in kapitalistischer Zeit, der ganze verfügbare Boden, der fruchtbarste genauso wie der unfruchtbarste, eine Ausbeute hergeben? Und die menschliche Gattung hat gewaltigen Hunger.

Nach unserer Lehre beschaffen sich die Menschen ihre Nahrung durch eigener Hände Arbeit; es ist nicht die Natur, die sie zum Mittagessen einlädt, ohne dass sie die Zeche zu zahlen hätten oder, wenn sie nicht zahlen können, sich nach angelsächsischem Vorbild als Tellerwäscher zu verdingen hätten. Beglichen wird die Rechnung in Arbeitszeit.

Der Poesie, der Literatur, der Fabel vom goldenen Zeitalter (das es einst gab, denn jeder Mythos entspringt dem wirklichen Leben und nicht einem bloßen Traum; doch war es, in den ersten heiteren und furchtlosen Gemeinwesen, die noch kein Eigentum am Boden kannten, nicht etwa dadurch charakterisiert, zu ernten ohne gesät zu haben, sondern zu essen, nachdem zuvor gearbeitet worden war) kommt es zu, der „Mutter der Früchte“ zu huldigen.

Mutter der Früchte ist die Arbeit.

Natürliche Fruchtbarkeit

„Ricardo“ – betont Marx zu Beginn der Abhandlung – „hat vollständig recht in folgenden Sätzen:

‚Rente’ (d.h. Differentialrente; er unterstellt, dass überhaupt keine Rente existiert außer Differentialrente) ‚ist immer die Differenz zwischen dem Produkt, das man durch Anwendung von zwei gleichen Mengen Kapital und Arbeit erhält’“ [MEW 25, S. 662].

Dies stimmt, sagt Marx genauer, soweit es sich um Surplusprofit überhaupt handelt (wie im Falle der Papierfabrik mit dem Wasserfall), wenn wir aber von der Grundrente sprechen, muss eine andere Voraussetzung hinzukommen, nämlich die „derselben Bodenquantität“.

Die Anwendung von gleichen Mengen Kapital (in dem vom Pächter angelegten Kapital ist der Lohn der Tagelöhner miteinbegriffen) ist der einfachste Fall, praktisch kommt er aber selten vor. Es können auch, sogar auf gleichen Bodenflächen, ungleich große Kapitale mit ungleichen Produktenmengen beschäftigt werden, doch die Gegenüberstellung bleibt dieselbe, wenn man sich die proportionalen Erträge verschiedener Kapitale ansieht. Wo dieses Verhältnis (Profitrate) größer wird, gibt es einen Surplusprofit, und somit eine Differentialrente.

Nehmen wir ein Beispiel: Ein Kapital von 100.000 hat einen Profit von 15.000 gegeben, Profitrate 15%. Auf einem anderen Boden gibt ein Kapital von 200.000 einen Profit von 40.000; die Profitrate ist von 15% (was 30.000 Profit ausgemacht hätte) auf 20% gestiegen; der Surplusprofit bzw. die Differentialrente beläuft sich dann auf 10.000, also 5%.

Ricardo hat ferner recht, die Ungleichheit des Produkts als eine Ursache der Rente zu nennen:

„’Was immer die Ungleichheit des Produkts vermindert, das man auf demselben oder auf neuem Land erhält, hat die Tendenz, die Rente zu senken; und was immer diese Ungleichheit vermehrt, erzeugt notwendigerweise eine entgegengesetzte Wirkung, hat die Tendenz, sie zu erhöhen’“ [MEW 25, S. 663].

Nachdem Marx all das kurz angerissen hat, was im ökonomisch-sozialen Sinne Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit hat, beschränkt er sich der Einfachheit der Darstellung halber auf die „natürliche Fruchtbarkeit“, die ein Ergebnis der geologisch und organisch natürlich entwickelten chemischen Beschaffenheit des bis anhin „jungfräulichen“ Bodens ist, und dann ja auch ein Resultat der Anbaumethode und der technischen Entwicklungsstufe der Agrikultur. Andere Faktoren der Fruchtbarkeit, d.h. der Zweckmäßigkeit seiner Bewirtschaftung, sind die Lage der Ländereien in Bezug auf die Nähe lokaler Märkte, die gleichmäßige Steuerbelastung, sofern die Steuer proportional zu den Erträgen veranschlagt wird […], die Ungleichheit der Entwicklungsstufe der Agrikultur in den verschiedenen Landesteilen (z.B. ist die Agrikultur im industriellen Norden Italiens entwickelter und das Produkt des Bodens hier höher), die ungleiche Verfügbarkeit industriellen Kapitals für die Pächter (siehe Italien, idem bei Kartoffeln).

Marx bleibt eine Weile bei der Lage und ihren Folgen: Einer der gewohnten Hiebe gegen das kapitalistische System, worin das Wesentliche dieser ganzen Analyse enthalten ist (Pech für die Faulen, die schnell ermüden und sich ärgern, weil ihnen der Sinn nur nach schlüpfrigen und kriminellen Geschichtchen steht). Der Kapitalismus verringert nach einer Seite hin die aus der Lage resultierenden Folgen und beutet, um Geld zu machen, selbst die Berggipfel aus, indem er neue Verkehrsmittel und neue Märkte schafft; nach der anderen Seite hin aber steigert er die der Lage geschuldeten Folgen „durch die Trennung der Agrikultur von der Manufaktur“, „durch Bildung großer Zentren“, durch „Vereinsamung des Landes“. In Sachen Programm der zukünftigen Gesellschaft geht dieser Hieb, ihr reizenden Aktualisierer, an eine kürzlich gehaltene Rede Malenkows.

Der Kerl verkündet nämlich, dass, um den Kommunismus aufzubauen (der Ausdruck Aufbau des Sozialismus, mit dem so viel Schindluder getrieben wird, ist von erlesen kapitalistischer Güte; nicht nur, dass er nach voluntaristischer Philosophie stinkt, er entspricht auch dem wirklichen Moment der kapitalistischen Dynamik und seinem wirklichen Antrieb: Wichtig ist nicht, ein Haus zu bewohnen und zu nutzen, sondern es zu bauen, und ein Geschäft, das die Leistungsfähigkeit der Fabrik auf gleichem Niveau hält, lockt keinen hinterm Ofen hervor, sondern erst das Geschäft, Kapital in fortschreitender Akkumulation, in erweiterter Reproduktion, damit in einem neuen Geschäft anzulegen), um also den Kommunismus aufzubauen, müsse zwar auch die – qualitativ und quantitativ ernsthafte Mängel aufweisende – Konsumgüterproduktion gehoben, vor allem aber die „Politik der Förderung der Schwerindustrie“ fortgeführt werden, die „die Grundlage der sowjetischen Wirtschaft und der Eckstein der Verteidigung der UdSSR ist.“

Falsch: Eckstein der kommunistischen Wirtschaft wird die Aufhebung der Trennung zwischen Agrikultur und Industrie, die Abschaffung der großen Produktionszentren, das Ende der Isolierung bestimmter Landesteile sein, wie jene in der Wüste liegenden, für Atomversuche reservierte Regionen.

Sogar der Architekt Wright kommt dahin zu prophezeien, welch ungeheure Laune es machen wird, wenn es sich die Weltrevolution gönnen wird (allerdings nicht auf der Ebene des „Aufbaus“), auf dem Areal des Wolkenkratzers der Vereinten Nationen Kartoffeln zu pflanzen. So wie das Standbild Napoleons von der Höhe der Vendôme-Säule herabstürzte, so wird auch jenes blödsinnige Meisterwerk herabstürzen.

Die vier Böden

Nachdem man diesen Betonkasten vollständig hat in die Luft sprengen müssen, werden die Kartoffeln etwas teurer sein, weshalb wir uns mit Marx auf die natürliche Fruchtbarkeit beschränken und uns vier Bodenstücke von gleichem Umfang vorstellen, bei gleicher Bebauung, gleichen Kosten für Löhne, Rohstoffe und Verschleiß, doch differierender und fortschreitend höherer Produktenmenge.

A ist die wichtige Persönlichkeit „schlechtester Boden“. Ich werde sie euch noch vorstellen. B, C, D sind die besseren Böden.

Hier gibt es eine Schwierigkeit, auf die wir bei der Lektüre Marxens öfter stoßen: die Maßeinheiten. Auch wenn Marx simplifiziert, exemplifiziert er. Seht mir das Wortspiel nach: Seine Zahlen entsprechen in der Praxis den konkreten Daten seiner Zeit, meistens denen Englands, weshalb er nicht umhin kommt, in das Wespennest der englischen Maße zu stechen, die nicht dem Dezimalsystem folgen. Die Rede ist von Pfund Sterling, Shilling, Penny; von Pfund, Unze, Quarter – samt all ihren teuflischen Brüchen. Engels mahnte die Übersetzer bei der Änderung von Einheiten und Zahlen zur Zurückhaltung – und tatsächlich machten die wenigen, die dies wagten, grobe Schnitzer.

Bei den Fällen, die sich auf Italien beziehen, gebrauchen wir ein dezimales Maß: Es handelt sich um ein Ar, gleich 100 m², den hundertsten Teil eines Hektars (die italienischen Professoren und Agrartechniker treiben sich leider immer noch in Einheiten wie moggia, versure, tomoli, trabucchi, giornate[2] etc. herum. Nichtsdestotrotz sind es ausdrucksstarke Einheiten, denn sie leiten sich aus der Arbeit und dem Produkt ab).

Das Produkt (Korn) wird in Hohlmaßen (Quarter, Bushel) angegeben. Kapital, Rente etc. in Shilling [sh.]. Vorerst ist der Preis konstant: 60 sh. pro Quarter [qr.].

Die Kompilatoren oder Übersetzer konnten nicht vermeiden, sich manch unfreiwilligen Scherz zu leisten. 60 sh. sind 3 Pfd. St. Also nach heutigem Wert [1954] etwa 5250 Lire. Wenn das Hohlmaß Bushel benutzt wird, rund 36 Liter, sind dies an die 30 kg und es käme ein Kornpreis von 17.000 Lire pro Doppelzentner heraus, was viel zu viel ist. Jedenfalls können auf dem schlechtesten Boden nicht 30 dz Korn pro Hektar erzeugt werden, da der beste Boden 4 Bushel pro Ar, also 120 dz pro Hektar tragen soll; das ist also Unsinn. Wir halten uns daher lieber an die Marx’sche Tabelle, außer wir nehmen uns vor, anhand der heutigen Daten der italienischen Landwirtschaft nachzuweisen, dass die Marx’sche Beweisführung bis aufs Komma stimmt.

Boden A: Dieser schlechteste Boden gibt auf einem Acre nur einen Quarter Korn her, zum durchschnittlichen Marktpreis verkauft, wird ein Bruttoerlös von 60 sh. herausspringen. Alles klar.

In der gesamten Darstellung wird durchwegs angenommen, dass auf einem Acre 50 sh. Kapital angelegt werden; der Pächterunternehmer hat 50 sh. ausgegeben, um 60 herauszuschlagen. Gewinn 10 sh. Eine weitere Annahme ist ein normaler Durchschnittsprofit von 20%, also auf 60 sh. Erlös 10 sh. Gewinn, was nur für den kapitalistischen Profit reicht, es bleibt kein Surplusprofit übrig. Rente gleich Null.

Gesellschaftlich bedeutet das: Nachdem Löhne und andere Vorschüsse gezahlt sind und der Gewinn des Agrarunternehmers gesichert ist, bleibt auf diesem schlechtesten Boden nichts für den Grundeigentümer. Der Boden wird dann entweder nicht bebaut (solange der Kornpreis nicht steigt) oder man sucht Rente in der 2. Form heraus zu schlagen, also weiteres Kapital anzulegen.

Aufstellung der Stufenfolge

Fassen wir zusammen: Bodenart A: 1 qr. Produkt, verkauft zu 60 sh., Kapitalvorschuss 50 sh., Gewinn 10 sh., Unternehmerprofit 10 sh., Rente Null.

Marx nennt neben der Aufteilung der Shillinge auch die der Quarters. Bei einem Quarter ersetzen 5/6 das vorgeschossene Kapital, 1/6 ist der industrielle Profit, 0 die Rente.

Krempelt die Ärmel auf, wir kommen jetzt zu Boden B. Bei gleicher Bodenfläche und gleichem Vorschuss wird das Doppelte erzeugt: 2 qrs. Korn. Verkaufserlös nach Adam Riese 120 sh. Da der Vorschuss stets 50 sh. beträgt und der Pächtergewinn 10 sh., bleiben noch 60 sh. übrig. Das ist die erste Differentialrente, die der Pächter als Pachtgeld an den Grundeigentümer zahlen wird.

Also: Produkt 120 sh., Kapital 50, Profit 10, Rente 60. Oder anders: 2 qrs. Produkt, Kapital 5/6, Gesamtgewinn 7/6, wovon 1/6 Profit, 1 qr. Rente.

Boden C: produziert werden 3 qrs., Bruttoerlös 180 sh., Kapital wie immer 50 sh., Gewinn 130, Profit wie immer 10, Rente 120. Oder: 3 qrs. Korn, Kapital 5/6, Profit 1/6, Rente 2 Quarters.

Schließlich Boden D: 4 qrs. Produkt, das macht 240 sh. Auf die üblichen 50 Kapital Gewinn von 190. Wie immer 10 Profit. Rente 180. D.h. 4 Quarters Produkt, 1/6 Profit, Rente 3 Quarters.

Während in der Marx’schen Tabelle die Bodenfläche, Kapital sowie Pächtergewinn gleich bleiben, haben wir eine Steigerung des Produkts von 1 zu 2, zu 3, zu 4 qrs. Im ersten Fall gibt es keine Rente, und dann 60 sh. bei Boden B, 120 bei C, 180 bei D.

Marx unterstellt, dass die vier Bodenarten (die ihr, wenn ihr wollt, mit Millionen multiplizieren könnt) den ganzen in Kultur genommenen Boden eines Landes darstellen und rechnet die Gesamtsumme aus: auf 4 Acre 10 qrs. Ernte, was 600 sh. sind; 200 Kapitalvorschuss, 40 Profit. Gesamtrental 360 sh., d.h. von den 10 qrs. Produkt den Wert von 6 qrs.

Bis hierhin ist also auch der „Produktionspreis“ des Korns konstant, 60 sh. pro Quarter. Er schließt die Lohnvorschüsse, das konstante Kapital und den Durchschnittsprofit ein.

Unterstellt ist weiter, dass sich auf dem Markt alles zum Produktionspreis verkauft, und die üblichen zufälligen Abweichungen außen vor bleiben. Die Rente kommt nicht daher, dass teuer verkauft wird, und sie kommt nicht vom Markt. Sie entspringt keinen Preisschwankungen, sondern einem Surplusprodukt, das an denjenigen geht, der den „Schlüssel“ zu den Gattern der besseren Böden in Händen hält und „Kapital und Arbeit“ den Zugang verwehren kann. Wenn allerdings kein Arbeitskapital, d.h. Geld, das tote Arbeit gekauft hat und lebendige kauft, „hinein gebracht“ wird, gibt es schlechterdings auch keine Rente.

Daten der heutigen Zeit

Es mag verwundern, dass die Rente einer Bodenfläche von 0 auf ¾ des Gesamtprodukts klettert, wobei Lohn und Rendite von Arbeitern und Unternehmern auf gleichem Niveau verharren. Tatsächlich besteht die Schwierigkeit des Beispiels in der Annahme, dass es Böden geben soll, deren Produktion sich nur aufgrund ihrer natürlichen Fruchtbarkeit im Verhältnis 1 zu 4 ändert, und dies mit gleichen Vorschüssen für die gleiche Arbeitsmenge bewerkstelligt wird. Wenn die organische Produktivität um so viel differiert, müsste auch das darauf verwendete Kapital und die darauf verwendete Arbeit differieren: eine Sache, die sich mit der 2. Form der Differentialrente klärt.

Doch da theoretisches Überlegen einerseits dem Faulen, andererseits dem Skeptiker schwer fällt, sollten wir besser ein konkretes und (pfui Teufel) aktuelles Beispiel nehmen.

Das italienische Grundbuchamt besteuert die verschiedenen Bodenarten gemäß der Flächeneinheit (Hektar) auf doppelte Weise. Der vom Grundeigentümer zu erhebende Betrag wird durch den steuerpflichtigen Pachtertrag festgelegt, d.h. er stellt die eigentliche Rente dar (genauer: die grundherrliche Rente ergibt sich nach Abzug des Steuerbetrages, was aber, wie Marx sagt, nichts weiter ausmacht, wenn die Steuer der Rente proportional ist, wie in Italien). Das steuerpflichtige landwirtschaftliche Einkommen dient als Grundlage für die Berechnung der vom Bewirtschafter zu entrichtenden Steuer, drückt also den industriellen Profit aus, jenes Einkommen nämlich, das in der nicht-agrikolen Industrie als „bewegliches Vermögen“ oder in anderen Formen besteuert wird.

Wir werden sehen, dass es nicht unsinnig ist, wenn es im Fortgang zu stets besseren Böden sehr verschiedene grundherrliche Renten gibt, während sich die Agrareinkommen kaum verändern, und jene sehr viel höher als diese sind. Das ist vor allem bei Saatland der Fall, das den größten Teil der bebauten Flächen ausmacht. Wenn wir von den 28 Millionen Hektaren Agrarland in Italien die unbebauten, aber produktiven Ländereien wie Weideland und Wiesen ausklammern, bleiben 15½ Hektaren, wovon 13 Saatland sind.

Eine italienische Gemeinde, eine von denen, wo der Boden schlecht ist – und tatsächlich gibt es enteignete und unter Kleineigentümern aufgeteilte „Latifundien“ –, legt folgende Steuertarife für die Saatland„klassen“ fest (in diesen Tarifen drücken sich die jedem Hektar zugeschriebenen Einkommen in Lire des Vorkriegsjahres 1939 aus).

Pachtertrag: In der ersten Bodenklasse 550 Lire. In der zweiten 400. In der dritten 300. In der vierten 190. In der fünften 95.

Landwirtschaftliches Einkommen: In der ersten 180 Lire, dann, nach der obigen Reihenfolge, 170, 160, 130, 80.

Um das Ganze noch klarer zu machen, geben wir diese Zahlen nach heutigem Wert wieder, wobei wir die Lira vorsichtshalber nur mit 40 multiplizieren.

Rente: In der ersten Bodenklasse 22.000 Lire. In der zweiten 16.000. In der dritten 12.000. In der vierten 7.600, und in der fünften 3.800.

Profit: In der ersten 7.200 Lire, weiter 6.800, dann 6.400, 5.200, und 3.200.

Wir sehen, die Rente ist im Allgemeinen sehr viel höher als der Profit. Doch in der fünften Bodenklasse ist sie nur wenig höher, in der ersten gut dreimal so hoch. Hier sieht man wieder mal, wie dumm der christ-demokratische Staat mit den Kommunisten als Anhängsel ist, wenn er die Ländereien enteignet, deren Steuerlast gering ist, er sich also jene Böden nimmt und zudem gut abfindet, die eine Rente von 3.800 aufweisen, und sich an den 22.000 und mehr andere erfreuen lässt.

Zweite Bemerkung: Während der Profit wenig variiert, etwa um das Doppelte, variiert die Rente sehr stark, ca. um das Sechsfache.

Dritte Bemerkung: Wenn wir uns die ersten drei Klassen ansehen, stellen wir fest, dass die Profite wenig voneinander abweichen (zwischen 6.400 und 7.200), was der ersten Form der Differentialrente bei Marx entspricht, während die Renten große Unterschiede aufweisen: 12.000, 16.000, 22.000. Versuchen wir es mit diesen der Praxis entnommenen Zahlen der Marx’schen Tabelle gleichzutun.

Der durchschnittliche Getreidepreis liegt bei 8.000 Lire pro Doppelzentner. Was uns fehlt, ist die Angabe der durchschnittlichen Profitrate, was heißt, das Verhältnis zwischen dem Profit, den wir in annähernder Übereinstimmung mit den Steuertarifen auf 8.000 festlegen, und dem Kapitalvorschuss.

Um die Zahlen (wenn auch abgeleitet, so doch rationell) herauszufinden, nutzen wir die interessante Übersicht einer landwirtschaftlichen Buchführung aus der schon des Öfteren zitierten Abhandlung über die Agrarwirtschaft. Die Tabelle enthält vier Beispiele von Landgütern in der Po-Ebene, wo auf einer zeitgemäßen Flächeneinheit von 50 bis 60 Hektaren der Anbau durch Viehzucht ergänzt wird. Diese, im Detail durch Verkäufe, Ausgaben etc. berechneten Konten geben die Lire der Vorkriegszeit wieder, aber uns interessieren hier nur die Verhältnisse zum Bruttoprodukt. Die Konten stellen in der Tat nicht eine Vermögensbilanz dar, sondern die jährliche Betriebsbilanz, und weil das Bruttoprodukt sich zwischen Arbeitskraft, Ausgaben und Verschleiß, Zinsen, Profit und Rente aufteilt, eignet es sich durchaus für unsere Auslegung. Das Ergebnis zeigt im Durchschnitt Folgendes: Von 100 Produkt entfallen 28 auf Löhne, 33 auf andere Ausgaben, 7 auf die Kapitalzinsen, 8 auf den Unternehmensprofit, 24 auf die Rente.

Die Angaben dieser Produktion in marxistischer Lesart: konstantes Kapital 33, variables 28 (also niedriger Grad der Produktivität bzw. technischen Zusammensetzung, kaum 1,18, während die Industrie schon zu Marxens Zeit ein Verhältnis von 4 zu 1 aufwies, heute [1954] mindestens 8); gesamtes vorgeschossenes Kapital 61, Unternehmerprofit (Zinsen und Gewinn) 15, daher eine Profitrate von ca. 25%, Mehrwertrate ca. 54%. Gewinnmarge gesamt 39, d.h. ca. 65%. Profit also 25%, Surplusprofit, der sich in Rente verwandelt, ca. 40%. All das im Verhältnis zum gesamten vorgeschossenen Kapital von 61.

Zu diesen drei realen Fällen müssen wir noch den Fall A dazunehmen, den uns die Steuertarife nicht angeben können, weil sie für alle Bodenstücke die Rente angeben. Für die drei höheren Bodenklassen müssen wir einen Profit von 8.000 voraussetzen, und da die entsprechende Profitrate 25% ist, wird sich der Kapitalvorschuss auf 32.000 Lire belaufen. Der Erlös beläuft sich dann auf 32.000 plus 8.000, plus Null Rente, also 40.000. Ein solcher Boden dürfte kaum 5 dz Getreide pro Hektar abwerfen, pro Doppelzentner also 8.000 Lire. Um von diesem Fall aus zu den nachfolgenden überzugehen, müssen wir nur ein höheres Produkt in Betracht ziehen, nämlich so, das die Rentensteigerungen von Null auf 12.000, 16.000 und 22.000 der ersten drei Klassen ersichtlich werden.

Die Würfel sind gefallen

Bodenart Produkt in Kapitalvorschuss Gesamtertrag in Rente in
dz Lire dz Lire dz Lire
A 5 40.000 32.000 1 8.000 - -
B 6,50 52.000 32.000 2,5 20.000 1,5 12.000
C 7 56.000 32.000 3 24.000 2 16.000
D 7,75 62.000 32.000 3,75 30.000 2,75 22.000
Gesamt 26,25 210.000 128.000 10,25 82.000 6,25 50.000

Konstant bleibende Angaben: Anlagenkapital pro Hektar: 32.000 Lire, Pächtergewinn 8.000 Lire. Marktpreis des Getreides: 8.000 Lire pro dz.

Nehmen wir an, die Tabelle zeige die gesamte Agrarwirtschaft Italiens. Das Gesamtprodukt aus der Arbeit der Lohnempfänger beläuft sich auf 210.000 Lire. Davon erhalten, wie wir sahen, die Arbeitskräfte 28% also 59.000 Lire. Unternehmerprofit 32.000 Lire. Grundrente 50.000 Lire. Oder anders ausgedrückt: von den 26,25 dz Getreide essen die Landmänner nur 7,4 dz, 4 dz verzehrt der Kapitalist, 6,25 dz der Baron.

8,6 dz bzw. 69.000 Lire bleiben bei beiden Konten ausgeklammert. Quesnay würde sagen, dies sind die Käufe der Manufakturklasse und die Saatrücklage; wir sagen, es ist konstantes Kapital.

Was sagte Ricardo? Arbeiter und Unternehmer, verbünden wir uns, schaffen wir die 6,25 des landlords ab, dann habt ihr Tagelöhner noch genauso gut eure 7,4, wir Unternehmer kommen auf 10,25.

Was würde ein einfacher sozialistischer Gewerkschafter sagen? Schaffen wir die 6,25 der Barone und ebenso die 4 der Kapitalisten ab, dann bleiben für uns, Arbeiter und Arbeiterinnen, 17,65.

Was sagt die Landwirtschaftsabteilung (bla, bla) der italischen Kommunistischen Partei? Der wahre Baron ist der des Bodens A oder höchstens der Böden A und B aus der Tabelle der ehemaligen Latifundien. Die Eigentümer der besseren Böden hingegen sind ebenso wie deren Pächter die Blüte der Ehrenmänner und willkommene Wähler unserer Partei. Enteignen wir also lediglich die Renten des Latifundiums: von 26,25 dz Gesamtprodukt wären das 1,5 dz. Da wir ihnen wie üblich den Marktpreis dafür bezahlen, gehen sie als Zins an das Kapital, also an die Unternehmerklasse, die statt auf nur 4 dz dann auf 5,5 dz kommt, während den bürgerlichen Grundbesitzern statt 6,25 dz noch 4,75 dz bleiben. Die monopolistischen Stände sind also gut versorgt. Und die Proletarier? Wie die Sterne blicken sie herab.[3]

Was sagt Marx, und wir mit ihm als seine Plagiatoren? Auf die Tabelle kommt’s nicht an und wenn’s sein muss, soll sich auch derjenige, der sie aufgestellt hat, zum Teufel scheren – Hauptsache, das grundherrliche Bodenmonopol und das kapitalistische Produktmonopol werden zu Fall gebracht. Denn hier geht’s um den Kornpreis und um den Hunger: Wir werden dann ca. das Vierfache des Getreides haben und dankend darauf verzichten, als Eckstein à la Malenkow die Atombombe gratis zu bekommen.

Heben wir noch ein paar andere Dinge hervor, um zu zeigen, dass unsere ökonomischen Angaben plausibel sind. Die Pacht der Böden, in Korn ausgedrückt, wie es in der Praxis oft üblich ist, beläuft sich auf 1,5 dz pro Hektar: entsprechend den Ländereien, die nur eine spärliche Ausbeute liefern; auf den höheren Stufen beläuft sie sich dann auf 2 und 2,75 dz. Doch es wird nicht schaden anzumerken, dass wir mit Angaben aus der Vorkriegszeit gearbeitet haben; wenn wir die heutigen Grundbücher zur Grundlage der Schätzungen nähmen, würden die Agrareinkommen gegenüber der Rente der Grundeigentümer beträchtlich gestiegen sein. Denn während die Renten zur Bodenfläche proportional sind, ist das bei den Profiten nicht so, entgegen dem Anschein, den das Grundbuch erweckt, denn der Profit ist nicht proportional zur Fläche, sondern wächst mit der Betriebsgröße, vom kleinen Pachtbetrieb fortgehend zum Optimum des großen Landgutes. Die kleinen Teil- und Halbpächter zahlen hohe Renten, müssen sich mit einem kärglichen Profit begnügen, und wenn sie selbst arbeiten, machen sie das durch Überarbeitung wett.

Ein anderer Vergleich betrifft den Verkaufswert jener Böden. Wenn ein offizieller Schätzer den Preis des Bodens bei Eigentumsübertragungen Kapitalwert nennt, gebraucht er einen unpassenden Ausdruck. Die landwirtschaftliche Kontoführung eignet sich gut, um die Kluft zwischen der bürgerlichen Buchführung und der marxistischen Buchführung des Kapitalismus (die Bücher des Sozialismus werden nicht in Geld geführt) hervorzuheben. Der Preis des Bodens wird in den Marx’schen Rubriken noch ein Thema sein, jedenfalls, sagt Marx, ist er kein Kapital.

Bei einem Zinsfuß von 5% sind unsere drei Böden pro Hektar 240.000, 320.000, 440.000 Lire wert. Womit wir zeigen wollen, dass es sich um reale Kauf- und Verkaufszahlen handelt, aber vor allem wollen wir den Unterschied zwischen diesen Vermögenswerten und dem Kapital zeigen. Kapital ist der jährlich vorzuschießende Betrag des Agrarbetriebs, der, wie wir gesehen haben, konstant ist, nämlich 32.000 Lire. Aber der Wert des Betriebs samt Anlagen ist eine andere Sache. Sagen wir, er hat Gerätschaften, Pflüge, Traktoren, Zugtiere, einen Saat- und Düngerbestand, soviel Geld, um den Jahresvorschuss (eben 32.000) zu leisten, und, so nötig, einen gewissen Warenbestand und einen guten Ruf, so dass der Nächste den Betrieb zu übernehmen gewillt ist, es sei denn der Pachtherr ist nicht einverstanden oder der Vertrag noch nicht abgelaufen: Der Käufer wird wohl, indem er den jährlichen Reingewinn von 8.000 Lire zu einem Zinsfuß von 5% oder etwas mehr kapitalisiert, 160.000 Lire zahlen. Deswegen also sprechen die bürgerlichen Herren Eigentümer und Unternehmer von einem bescheiden Gewinn von 5 bis 6%, und wir hauen ihnen immer wieder, wie im obigen Fall, Profitraten von 25%, Surplusprofite und Renten von 40% und Mehrwertraten von 54% um die Ohren.

Die Maschine setzt sich in Bewegung

Wir haben die Maschine der Geschichte der Ackerböden und der Nahrungsmittelpreise einen Moment lang angehalten, um sie in der Tabelle zu fotografieren. Angetrieben wird diese Maschine also nicht von der in chemische Bodenbeschaffenheit umgewandelten Sonnenenergie, sondern von dem gesellschaftlichen Faktum, dass eine bestimmte Anzahl Landarbeiter 26,25 dz produzieren kann, und nur 7,4 dz davon konsumiert. Was heißt, sie erhalten nur den ca. vierten Teil dessen, was sie erzeugt und geerntet haben, zurück, um sich damit durchs Leben zu schlagen. Wäre der Landarbeiter hingegen nicht das im Einwohnermeldeamt registrierte und ebenso heilige wie bedauernswerte Individuum, sondern Robinson oder schon das aus der Larve der Person geschlüpfte Gattungswesen, würde er statt 8 nur 2 Stunden arbeiten. Allerdings hätte er dann auch die glorreichen Zeiten der Freiheit verleugnet. Wie definiert man den Lohnarbeiter? Als einen Verkäufer der Freiheit.

Nachdem wir die der neuesten Mode Rechnung tragende Beweisführung abgeschlossen haben, kommen wir lieber wieder auf die Marx’schen Zahlen zurück. Wir haben den Preis auf 60 Shilling fixiert und von hier an werden wir uns nur mehr um den relativen Wert der verschiedenen Mengen kümmern, wobei unterstellt ist, in der Tabelle sei die Produktion einer ganzen Gesellschaft vermerkt.

Bei der schlechten Angewohnheit der Menschenkinder, essen zu wollen, ist ihre Zahl jetzt so gestiegen, dass 10 qrs. nötig sind (oder, wenn es euch lieber ist, 10 Millionen), damit alle essen können und nicht gezwungen sind, auf brioche zurückzugreifen. In dieser Situation also ist das Aufbrechen und der Anbau auf den Boden A ausgedehnt worden, der daher den Produktionspreis, damit auch den Verkaufs- bzw. Kaufpreis diktiert: 60 sh.

„Der Produktionspreis des schlechtesten Bodens (…) ist stets der regulierende Marktpreis“ [MEW 25, S. 671].

Die besseren Böden, deren Produkt billiger verkauft werden könnte, ziehen nach. Je mehr der Kapitalismus urbar macht und kultiviert, desto mehr betreibt er, und mit ihm der sowjetische Kapitalismus, den Aufbau des Hungers. Aber urbar machen muss er sie doch.

Nehmen wir an, die Preise sind nicht konstant, sondern steigen, was Marx die absteigende Folge nennt. Wir maßen uns nicht an, ihm den Dienst zu erweisen, den er Quesnay erwies. Doch der Text ist ebenso kurz und schwierig wie präzise.

Ich lese die Tabelle jetzt nicht mehr in beständigen Preisen, sondern von oben nach unten, also absteigend hinsichtlich der Preise, und aufsteigend hinsichtlich der Böden.[4] Der Produktionspreis für Boden A muss auf 60 stehen. Doch wenn ich die Rente, wie Ricardo wollte, abschaffe, gelten die 60 sh. des Bodens B nicht mehr für nur einen Quarter, sondern für zwei Quarters, Preis pro qr. daher 30. Ich gehe zu C; der gleiche Vorschuss von Kapital plus Profit von zusammen 60 sh. bringt mir drei qrs. ein: 20 pro Quarter. Für D schließlich beträgt der Produktionspreis, die Rente ist ja getilgt, 15 Shilling.

Was hat das zu bedeuten? Wenn es keine Rente gäbe, würde bei wachsender Fruchtbarkeit der Böden der Produktions- und der Konsumentenpreis sinken. Das kapitalistische System indes schmiedet den Preis an den Ertrag des schlechtesten Bodens.

Und was hat es zu bedeuten, wenn es keine Rente gäbe? Das heißt, niemand würde einem anderen verbieten zu arbeiten, anzubauen und zu ernten. Wenn es tatsächlich „herrenloses“ Land gäbe, könnte (unter der Bedingung, dass das Land ebenso fruchtbar wie das zuvor von Menschen aufgebrochene ist) die Produktion erhöht werden, ohne die Preise zu erhöhen.

Geschichte der Urbarmachung

Und jetzt lesen wir das magische Kästchen in der absteigenden Folge, von oben nach unten, hinsichtlich der Böden, und heraufsteigend bezüglich der Preise. Wir unterstellen, dass von oben nach unten im historischen Sinne gemeint ist – und so ist es gemeint. Das Land war noch dünn besiedelt, und einst reichten 4 qrs., die Boden D lieferte. Solange es freies Land von derselben natürlichen Fruchtbarkeit gab, blieb der Preis bei 15 Shilling. 50 sh. Ausgaben plus 10 sh. Profit brachten 4 qrs.

Der Bedarf der Bevölkerung wächst nun (verwechselt diese Analyse in der Sphäre der Produktion nicht mit dem Mechanismus der Konkurrenz, der in beiden Richtungen – auf der Angebots- wie auf der Nachfrageseite – Schwankungen hervorrufen kann), es werden 7 statt 4 qrs. gebraucht, aber Boden D ist erschöpft, es muss zu C übergegangen werden, der bei gleichem Produktionspreis jedoch nur 3 qrs. liefert. Für diesen Boden muss der Preis sich also auf 20 sh. belaufen. Was passiert nun? Auch der Preis der 4 qrs. von Boden D klettert von 15 auf 20. Derjenige, der ihn zuerst in Besitz genommen hat, beginnt eine Rente von 20 sh. für 4 qrs. abzusahnen.

Es gibt immer mehr leere Bäuche, man muss über die 7 qrs. hinausgehen und zum weniger fruchtbaren Boden B übergehen. Auf diesem aber, das haben wir jetzt im Nu ausgerechnet, wird zu 30 sh. produziert, weshalb jetzt auch alle zu 30 verkaufen (bedenkt nebenbei, dass die Kaufkraft für alle Arbeiter die gleiche ist und daher bei steigenden Preisen jäh sinkt; wir haben es hier immer mit der Voraussetzung zu tun, dass alle Böden gleich bearbeitet werden, bei gleichem allgemeinen Lohn). Auf B liegt noch keine Rente, aber auf C eine Rente von 30 sh. bzw. 1 qr., und auf D steigt sie auf 60 sh. bzw. 2 qrs.

Um die hungrigen Mäuler zu stopfen, wird Hand an Boden A gelegt. Er benötigt die 50 sh. Kapital und 10 Profit, liefert dafür aber nur einen mickrigen Quarter. Überall haben wir einen Preis„sprung“ auf 60 Shilling. B gibt eine Rente von 60 sh., 1 Quarter. C 120 sh. oder 2 Quarter. D 180 sh. oder 3 Quarter, was wir, die Sprossen heraufsteigend, schon gesehen haben – jedenfalls sind diese Sprossen vielversprechender als die, die sich Christian auf allen vieren hinaufschwang, in die zärtlichen Arme Roxanes. Und kein Geringerer als Karl Cyrano Marx ruft diesem modernen, formidablen Kapitalismus zu: „Hinauf, Idiot!“[5], damit wir dich dann im Gleitflug herunter holen können.

Jetzt indes nehmen wir an, von unten anzufangen und heraufzusteigen. Es gab nur den Boden A und das bisschen Getreide kostete 60 sh. Man braucht mehr Korn und gleichzeitig wird Boden B aufgetan. Hier wird zu 30 sh. produziert, aber trotzdem zu 60 verkauft, bei einer Rente von 60 sh. Als die höhere Produktion nötig wurde, vermochte das spärliche Angebot den Preis auf 60 hochzutreiben; B wird urbar gemacht und alles ist Bestens. Das Volk wird zahlreicher und es zeigt sich eine neue Tendenz zur Steigerung: der fruchtbare Boden C wird entdeckt und aufgebrochen: Der Preis bleibt bei 60 sh. und C zieht eine Rente von 120 sh. an Land. Und so geht es immer weiter.

Marx entwickelt verschiedene Hypothesen der Bebauung sukzessive besserer Böden, sukzessive schlechterer Böden und in wechselnder Stufenfolge. Ganz gleich, welche Reihenfolge man nimmt, das zeigt er, stets bilden sich bei wachsendem Fortschritt der Agrikultur Differentialrenten, wobei die Gesamtrente tendenziell steigt. Damit widerlegt er West, Malthus und Ricardo, die alle vom Fortgang zu stets schlechteren Böden, also von abnehmender Fruchtbarkeit der Agrikultur ausgingen. Selbst bei beträchtlicher Ausdehnung der Anbauflächen und verbesserter Produktivität pro Flächeneinheit gehen die Dinge in der kapitalistischen Produktionsweise so vor sich, dass der reale Getreidepreis auf jeden Fall steigt.

Die These, dem Boden besser kein Kapital zur Steigerung seiner Fruchtbarkeit einzuverleiben (wir werden dies bei der Untersuchung der 2. Form besser sehen), ist nur der kapitalistischen Gesellschaft eigen. Denn durch Verbesserungen wird zwar ein höheres Produkt erzeugt, aber der Profit verringert sich im Verhältnis zu den sukzessiven Vorschüssen – eine Sache, die das Kapital mit Abscheu erfüllt.

Das Gesetz des Hungers

Die Schlussfolgerung, auf die Marx lossteuert, ist folgende: Während der Marktpreis des gesellschaftlichen Gesamtprodukts in der Industrie trotz Über- und Unterprofiten und sogar roten Zahlen, was räumlich und zeitlich kreuz und quer läuft, theoretisch gleich seinem Produktionspreis ist, d.h. dem auf der Grundlage der Arbeitszeit berechenbaren Wert, ist in der Agrikultur der Marktwert des ganzes Produkts stets höher als der Produktionspreis.

Tatsächlich ist, wenn wir auf die berühmte Marx’sche Tabelle zurückkommen, der Verkaufspreis in den vier Fällen der gleiche: 60 sh., die Gesamtmenge also zu 600 sh. Der Produktionspreis dagegen variiert: 1 qr. von Boden A à 60, 2 qrs. von B à 30, also zusammen 60, 3 qrs. von C à 20, auch zusammen 60, und 4 qrs. von D à 15, wieder 60. Insgesamt 240 sh. für 10 qrs., daher sind 24 sh. pro Quarter der durchschnittliche Produktionspreis.

Der Marktpreis der gesamten Nahrungsmittel liegt also 250% über dem Produktionspreis.

Würden wir ein solches Kriterium auf unsere Tabelle mit den heutigen Werten und weniger bedeutenden Spannen in der Fruchtbarkeit anwenden (von 5 auf 7,75 dz, während es tatsächlich Fälle gibt, in denen 40 dz und mehr pro Hektar erzeugt werden, die jedoch unter der 2. Form: zusätzliches Kapital, behandelt werden), hätten wir 5 dz à 8.000 Lire, 6,5 dz à 6.200 Produktionspreis, 7 dz à 5.700, 7,75 dz à 5.100. Insgesamt hätten wir für 26,25 dz 160.000 Lire und der durchschnittliche Produktionspreis läge bei 6.100 pro Doppelzentner gegenüber einem Marktpreis von 8.000, mehr als 131%.

Grundlegend ist, wie Marx dieses unerbittliche Gesetz veranschaulicht: Kapitalismus gleich teures Brot. Das liegt nicht daran, dass die Kapitalisten Einzelpersonen oder auch eine Gesellschaft, Gemeinschaft oder ein Staat sind. Es liegt an der Natur des marktwirtschaftlichen Austausches, am berüchtigten Wertgesetz, welches, nach dem was die Stalinisten sagen, vom Pontifex bis zum Laufburschen, die kapitalistische wie sozialistische Ökonomie lenkt!

Nehmen wir uns also die nachfolgende Stelle vor.

Der Warenproduktionskrebs

„Es ist dies die Bestimmung durch den Marktwert“ (anstelle des Produktionspreises), „wie er sich auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise vermittelst der Konkurrenz durchsetzt; diese erzeugt einen falschen sozialen Wert“ [MEW 25, S. 673].

Was versteht Marx hier unter „sozialem Wert“? Etwas ganz anderes als den Warenwert, der aus dem Zusammentreffen zweier ökonomischer Individuen hervorgeht und worauf die bürgerliche Ökonomie den gesamten wirtschaftlichen Mechanismus errichtet sehen möchte. Der soziale Wert aber ist die Summe der Arbeiten, die die Herstellung eines Produkts die Gesellschaft kostet, dividiert durch die Warenmasse und berechnet in durchschnittlicher gesellschaftlicher Arbeitszeit. Diese Arbeit schließt die akkumulierte wie die sich betätigende Arbeit ein, und ebenso einen Teil der Mehrarbeit für öffentliche Aufgaben, jedenfalls soweit keiner dieser Posten Warengestalt oder Kapitalform annimmt.

„Dies entspringt“ (der falsche soziale Wert) „aus dem Gesetz des Marktwerts, dem die Bodenprodukte unterworfen werden. Die Bestimmung des Marktwerts der Produkte“ (solange dieses Gesetz gültig ist), „also auch der Bodenprodukte, ist ein gesellschaftlicher Akt, wenn auch ein gesellschaftlich unbewusst und unabsichtlich vollzogner, der mit Notwendigkeit auf dem Tauschwert des Produkts beruht, nicht auf dem Boden und den Differenzen seiner Fruchtbarkeit.“

Wagt es, dem Gesetz des Warenwertes, wonach es ein Gleichgewicht gibt, weil die Tauschwerte allen Gebrauchswerten derselben Art äquivalent sind, die geringste Ehre zu erweisen, und ihr werdet nichts dagegen tun können, um zu verhindern, dass jedes Quarter Korn zu 60 sh. verkauft wird. Es spielt keine Rolle, ob es zu 60, 30, 20 oder 15 produziert wurde: Nichts und niemand kann bewerkstelligen, alle Quarters zu 24 zu verkaufen. Behaltet im Auge, dass Marx hier nicht gegen die 10 normalen Mehrwert, die dem Kapital zukommen, in die Schlacht zieht, sondern gegen die Renten-Surplusprofite, die sich durchschnittlich auf 36 belaufen. Die Gesamtheit aller angeblich freien und freiwilligen „Akte“ der Millionen Marktbewegungen, worauf die bürgerliche Ökonomie (auch in Russland) begründet sein will, führt zu keiner anderen Ordnung als der einer Gesellschaft, die auch als Ganzes unbewusst handelt und ohnmächtig ist.

Und nun kommt noch einmal (habt ihr aus diesen Perlen schon eine Kette gemacht?) die Erklärung und Definition der kommunistischen Gesellschaft.

„Denkt man sich die kapitalistische Form der Gesellschaft aufgehoben und die Gesellschaft als bewusste und planmäßige Assoziation“ (bloß vier, mit dem Seziermesser in die Hirnschale einzuritzende Wörter) „organisiert, so stellten die 10 qrs. ein Quantum selbständiger Arbeitszeit vor, gleich dem, das in 240 sh. enthalten ist. Die Gesellschaft würde also dies Bodenprodukt nicht erkaufen zu dem 2½-fachen der wirklichen Arbeitszeit, die darin steckt; die Basis einer Klasse von Grundeigentümern fiele damit weg.“

Ist diese ganze Kritik null und nichtig, sobald die Ricardosche Theorie, die Vorrechte des Grundeigentümers abzuschaffen und an den Staat zu überführen, erst mal angenommen wird?

„So richtig es daher ist zu sagen, dass – die jetzige Produktionsweise beibehalten, aber vorausgesetzt, dass die Differentialrente dem Staat zufiele – die Preise der Bodenprodukte bei sonst gleich bleibenden Umständen dieselben bleiben würden“ (Ricardo), „so falsch ist es zu sagen, dass der Wert der Produkte derselbe bliebe bei Ersetzung der kapitalistischen Produktion durch Assoziation“ (= Kommunismus).

Nach dieser zweiten These Ricardos ist der normale kapitalistische Profit keine parasitäre Form, sondern vervollständigt – nach Abschaffung der Rente – den richtigen Wert (als Arbeit) jeder Ware. Marx antwortet ihm und allen Verteidigern des Kapitalismus darauf:

„Die Dieselbigkeit des Marktpreises für Waren derselben Art“ (anders gesagt, wiederum das Wertgesetz) „ist die Weise, worin sich der gesellschaftliche Charakter des Werts auf Basis der kapitalistischen Produktionsweise und überhaupt der auf Warenaustausch zwischen Einzelnen beruhenden Produktion durchsetzt.“

Der Sozialismus wird nicht aufgebaut: Die Warenproduktion wird zerstört

Auch in kapitalistischer Zeit verwirklicht sich also ein gesellschaftlicher und nicht individueller Wert der Waren. Doch solange der Weg, die Wertquantität festzusetzen, aus persönlichen ökonomischen Handlungen resultiert, darunter die, einen Geldlohn für Arbeitszeit zu zahlen, wird ein falscher sozialer Wert erzeugt. Gerade wegen der auf allen Märkten geltenden grundsätzlichen Gleichheit kommt in diesem Wert nicht die gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitsmühe zum Ausdruck. Berechenbar wird diese erst mit den wirklichen Daten der Produktion und einer nicht für den Markt bestehenden, dannzumal erstmals nicht „unbewussten und unabsichtlichen“ Produktion.

„Was die Gesellschaft, als Konsument betrachtet, zuviel zahlt für die Bodenprodukte, was ein Minus der Realisierung ihrer Arbeitszeit in Bodenproduktion bildet, bildet jetzt das Plus für einen Teil der Gesellschaft, die Grundeigentümer“ [MEW 25, S. 674].

Das Übel, sagt Marx hier, ist nicht, dass die Grundeigentümer, die Hände über den Bauch gefaltet, diese Differenz aufessen, sondern das Übel besteht darin, dass es, weil alle Werte durch das Marktgesetz und marktkonform bestimmt werden, unmöglich ist, die Unbewusstheit, die Anarchie, die Ohnmacht der gesellschaftlichen Organisation zu überwinden. Und solange der Warenvergleich auf dem Markt der Maßstab aller ökonomischen Handlungen ist, wird es unmöglich sein, vom Kapitalismus zur kommunistischen „Assoziation“ zu kommen.

Die Bedeutung der manchmal schwierigen Rententheorie Marxens besteht darin, dass sie die wesentliche Kritik des gesamten Kapitalismus beinhaltet. Um die Marktpreise als in der Produktion geschaffene Werte aufzuzeigen, reicht es nicht, die Empfänger der Gewinne, die aus der Differenz zwischen Preisen und Werten hervorgehen, zu beseitigen. Hingegen stimmt es, dass diese immer monströsere Verschwendung nicht aufhören wird, solange die Produktion und deren Berechnung ihre Grundlage in der Zirkulationssphäre der Waren und bei Anwendung des Wertgesetzes haben.

All die parasitären Formen der Handels- und Industriemonopole, der Kartelle und Trusts, der Staatsbetriebe und kapitalistischen Staaten, brauchen keine neue Theorie, die unter dem dummen Vorwand proklamierte wird, Marx habe die Theorie des Kapitalismus unter der Hypothese der Konkurrenz verfasst.

Weil Marx sich um den Konkurrenzmechanismus gar nicht gekümmert oder besser, gezeigt hat, dass er ein unwesentliches Phänomen ist, findet sich die Theorie des Monopols und des Imperialismus bis zum letzten Satz und bis zur letzten Formel schon vollständig festgeschrieben: und zwar in der Lehre der Agrarrente.

Wollt ihr deshalb neue Patente? Wollt ihr Lücken bei Marx ausfüllen? Um mit euch fertig zu werden, genügt ein wenig erhabener Satz: Seht zu, dass ihr weiterkommt, ihr intellektuellen Handelsreisenden!

Quellen:

„Terra matrigna, mercato lenone“: Il programma comunista, Nr. 6, März 1954.

* * *

MEW 25: Marx – Das Kapital III, 1894.

 


[1] Alma parens frugum (lat.): hier: Mutter der Früchte.

[2] Maßeinheiten, die zum Teil in den verschiedenen Regionen Italiens variieren. Z.B. ist „tomolo“ ein Hohlmaß, das in Sizilien ca. 27,5 Liter, in Kampanien ca. 55,5 Liter bezeichnet. Oder das Flächenmaß „trabucco“, das zwischen 2,8 und 5,2 m2 variiert. „moggia“ ist ein Scheffel, ca. 55 Liter.

[3] Anspielung auf den Roman „Unter den Blicken der Sterne“ von Cronin.

[4] Siehe MEW 25, S. 673.

[5] Zitat aus „Cyrano de Bergerac“ von E. Rostand.