Im Faden der Zeit [132]

XIII. Die Nebenrollen im Drama des Bodens

Die Rente existiert, weil es Klassen gibt

Aus der gesamten Theorie der Rente resultiert die Feststellung, dass der Rentenempfang und -genuss einer parasitären Klasse, die zwar nicht sät, aber erntet, nicht etwa dadurch bedingt ist, dass sie ein von Naturkräften, ohne das Dazutun menschlicher Arbeit, erzeugtes Produkt monopolisiert hätte – es sich hier also nicht um ein Vorrecht an der Natur handelt, sondern um ein „Vorrecht am Menschen“. Das Eigentumsrecht, d.h. das Recht, anderen Menschengruppen den Zugang zu bestimmten Zonen der Erdoberfläche zu verwehren, würde keinem bzw. keiner gesellschaftlichen Gruppierung eine faulenzende Lebensweise erlauben, wenn sich das Verbot – dank der sozialen und politischen Institutionen und deren Zwangsmittel – nicht in das Gebot für die „Ausgeschlossenen“ verwandeln würde, jene Zonen zu betreten, hier zu schuften und einen Teil ihres Arbeitsertrages an die Gruppe der Rentiers abzutreten.

Die gesamte Untersuchung der Preisbildung der agrikolen Lebensmittel sowie dessen Zerfällung in Lohn, Profit und Rente führt die Ursache dieses Phänomens auf die Klassenherrschaft, auf die Produktionsbedingungen und -verhältnisse zurück. Nur auf diese Weise lässt sich wirklich begreifen, dass das Eigentumsrecht am Boden das Recht ist, einen Teil der Arbeit der Menschen für sich abzuzweigen, und dass sich daher im „reinen System“ (d.h. Pächter und Grundeigentümer sitzen auf den Schultern der den Boden aufwühlenden Lohnarbeiter) folgende zwei Wege zur sozialen Befreiung als illusorisch erwiesen haben: Illusionen übrigens, deren Täuschung schon Marx aufdeckte.

Erste Illusion: Ausbeutung und Unterdrückung haben ein Ende, wenn jeder Landarbeiter ein Stückchen Boden sein eigen nennt.

Zweite Illusion: Ausbeutung und Unterdrückung haben ein Ende, wenn der ganze Boden Eigentum des Staates wird.

Als er zur Geschichte der Grundrente und ihrer weit zurückliegenden Genesis kommt, schärft Marx uns noch Folgendes ein:

„Überall, wo Naturkräfte monopolisierbar sind und dem Industriellen, der sie anwendet, einen Surplusprofit sichern, sei es ein Wassergefälle oder ein reichhaltiges Bergwerk oder ein fischreiches Wasser oder ein gutgelegner Bauplatz, fängt der durch seinen Titel auf einen Teil des Erdballs zum Eigentümer dieser Naturgegenstände Gestempelte diesen Surplusprofit dem fungierenden Kapital in der Form der Rente ab“ [MEW 25, S. 781].

In dieser Textstelle steht die Person des Titelinhabers und Rentenbeziehers im Vordergrund. Doch je länger die Rente besteht, desto unwichtiger wird der Rentier:

„Ein Teil der Gesellschaft verlangt hier von den andern einen Tribut für das Recht, die Erde bewohnen zu dürfen, wie überhaupt im Grundeigentum das Recht der Eigentümer eingeschlossen ist, den Erdkörper, die Eingeweide der Erde, die Luft und damit die Erhaltung und Entwicklung des Lebens zu exploitieren“ [MEW 25, S. 782].

Und die Rente wächst infolge all der gesellschaftlichen Lebenskraft, zu der die Klasse der Rentenbezieher jedenfalls nichts beigetragen hat – jene Klasse also, zu der Marx nicht die frühe Handels-, Pächter- und Manufakturbourgeoisie zählt, sondern worin er, weit blickend und mit glühenden Worten, die Bourgeoisklasse des entwickelten und parasitären Kapitalismus, der vorgezeichneten und prophezeiten erweiterten Akkumulation einordnet.

Die Rente wächst durch „das Steigen der Bevölkerung“ (nicht der Reiche, sondern das Proletariat zeugt mit Volldampf Nachkommen) und durch „die Entwicklung des fixen Kapitals, das sich entweder“ (durch Arbeitskraft) „der Erde einverleibt oder Wurzeln in ihr schlägt, auf ihr ruht, wie alle industriellen Gebäude, Eisenbahnen, Warenhäuser, Fabrikgebäude, Docks usw. (…).“

„Es kommen hier zwei Elemente in Betracht: Auf der einen Seite die Exploitation der Erde zum Zweck der Reproduktion oder Extraktion“ (es heißt, ein Feld be- und eine Mine abbauen), „auf der andern der Raum, der als ein Element aller Produktion und alles menschlichen Wirkens erheischt ist.“

Nach beiden Seiten hin befähigt die Entwicklung der Arbeits- wie der schöpferischen Kraft der Gattung den Moloch der Grundeigentumsmacht, d.h. der Macht einer Klasse über eine andere Klasse, den Tribut zu erheben.

„Die Nachfrage für Bauterrain hebt den Wert des Bodens als Raum und Grundlage“ (von Fabrikwaren) „während dadurch zugleich die Nachfrage nach Elementen des Erdkörpers wächst, die als Baumaterial dienen“ [MEW 25, S. 782].

Der große Adam Smith stellte fest:

„’Die Pflasterung der Londoner Straßen hat die Eigentümer einiger nackten Felsen an der schottischen Küste befähigt, eine Rente aus früher absolut nutzlosem Steinboden zu ziehen’“ [MEW 25, S. 782, Fußnote].

Dabei haben sie keinen Finger gerührt, keine Nervenzelle auf Trab gebracht.

Ein gewaltiger Handstreich gegen die um die Mitte des 19. Jahrhunderts sich verbreiternde aufgeblasene und schäbige Zivilisation:

„Man kann zwar – und dies tut die große Industrie – in einem (…) kleinen Raum eine große Produktionsanlage konzentrieren“ [MEW 25, S. 789].

Man kann, mit den Mitteln einer außer Rand und Band geratenen modernen Wissenschaft und Technik, wahnsinnige Mengen „destruktiven Kapitals“ – als regne es vom Himmel – im engen Kreis eines elendigen asiatischen Dorfes konzentrieren (das so aus dem letzten Winkel der Erde ins Licht der Weltöffentlichkeit geschleudert wird).

„Aber, die Entwicklungsstufe der Produktivkraft gegeben, ist immer ein bestimmter Raum erforderlich, und das Bauen in die Höhe hat auch seine bestimmten praktischen Grenzen“ [MEW 25, S. 789.].

Kommunismus ist die Revanche des Raumes gegen die Höhe.

In diesem Sinne hat die gelbe Welle gut daran getan, über den morbiden Technizismus der weißen Totengräber in Dien Bien Phu[1] hinwegzurollen.

Das Joch und die Peitsche kommen wieder

„Man muss unterscheiden, ob die Rente aus einem Monopolpreis fließt, weil ein von ihr unabhängiger Monopolpreis der Produkte oder des Bodens selbst existiert, oder ob die Produkte zu einem Monopolpreis verkauft werden, weil eine Rente existiert“ [MEW 25, S. 783].

Kein Wortspiel im Sinne hegelianischer Koketterie ist es, an Stelle des Begriffs der Rente zu lesen: „eine Klasse geht der anderen an die Gurgel“.

Es mag der nicht sehr interessante Fall eines reinen „Handels“monopols, das Rente gebiert, eintreten. Marx erklärt das: Ein besonderer, von gewissen Weinliebhabern begehrter Wein ist das Produkt einiger weniger Weinberge – weshalb sein Preis hoch ist: Surplusprofit für den Züchter, Rente für den glücklichen Grundeigentümer. Doch

„wenn Getreide“ (oder schlechter Wein) „nicht nur über seinen Produktionspreis“ (denkt daran: wirkliche Produktionskosten plus normaler Profit), „sondern auch über seinen Wert“ (Produktionskosten auf dem schlechtesten Boden plus normaler Profit) „verkauft würde“,

dann ist es

„infolge der Schranke, die das Grundeigentum der rentelosen Anlage von Kapital auf unbebautem Boden zieht“ [MEW 25, S. 784],

die Rente, die den Monopolpreis geschaffen hat.

„Dass es nur der Titel einer Anzahl von Personen auf das Eigentum am Erdball ist, der sie befähigt, einen Teil der Mehrarbeit der Gesellschaft sich als Tribut anzueignen und mit der Entwicklung der Produktion sich in stets steigendem Maß anzueignen“ (eine Sache des bloßen Kräfteverhältnisses), „wird durch den Umstand verdeckt, dass die kapitalisierte Rente, (…) als Preis des Bodens erscheint und dieser daher wie jeder andre Handelsartikel verkauft werden kann.“

(Marx sagt hier, dass die falsche Theorie, wonach die Rente einen Besitzanspruch auf Produkte rechtfertige, die keinerlei unbezahlte Arbeit gekostet hätten, noch durch das Missverständnis untermauert wird, dass der „Käufer des Bodens“ die zukünftigen Produkte bzw. einen Teil davon, zu seinem Geldäquivalent, das gemäß der Werttheorie kristallisierte Arbeit ist, gekauft zu haben scheint.)

„Für den Käufer erscheint daher sein Anspruch auf die Rente nicht als umsonst erhalten, und ohne die Arbeit, das Risiko und den Unternehmungsgeist des Kapitals umsonst erhalten (…).“

Hier haben wir noch die Aussage, dass der auf der geschichtlichen Stufe der ursprünglichen Akkumulation hervorgebrachte Schwung in der Arbeitsproduktivität zwar einerseits dem Macht- und Reichtumshunger der jungen Bourgeoisie, andererseits aber auch ihrer Risikobereitschaft und ihrem Unternehmungsgeist zu verdanken ist. Was jedoch nach unserer, seit damals vollständig reifen Lehre nicht für immer, auf ewig, galt: Entweder kommt es, nach einem bestimmten Zyklus und infolge der dem Kapitalismus eigenen Entwicklung – nämlich durch massenhafte Lohnarbeit gesellschaftliche Mehrarbeit hervorzubringen – zu seinem Sturz, oder aber er wird eine ebenso parasitäre Produktionsform wie es die Sklavenwirtschaft, der Feudalismus oder der „Agrarismus“ war, den Ricardo so verabscheute und genauestens als nutzlosen Auswuchs nachwies.

So wie der Zins des ruhenden Kapitals, den die mittelalterliche Philosophie als Wucher und Sünde geißelte, „juristisch“ und „ethisch“ aus dem Gewinn des Manufakturisten erklärt wird, so

„(…) erscheint [dem Käufer] die Rente nur als Zins des Kapitals, womit er den Boden und damit den Anspruch auf die Rente erkauft hat“ [MEW 25, S. 784].

Sie entstammt indes nicht einem „nachträglichen Empfang“ akkumulierter Arbeit, sondern einer Klassenunterjochung, einer physischen, durch Staat und Gesetz sanktionierten Gewalt. Deutlich machte Marx diese Auffassung durch eine der mächtigen historischen Gegenüberstellungen, ohne die man niemals gesehen hätte, dass die Lohnarbeit (für den Privatmann oder den Staat) keine notwendige und ewige, sondern temporäre und dem Untergang geweihte Form ist. Es wird nur eine Erinnerung davon bleiben – eine Erinnerung, sei es auch nur bei den Unbedarften, des Befremdens und der Scham.

Lohnarbeiter, Leibeigener, Sklave

„Ganz so erscheint einem Sklavenhalter, der einen Neger gekauft hat, sein Eigentum an dem Neger nicht durch die Institution der Sklaverei als solche, sondern durch Kauf und Verkauf von Ware erworben. Aber der Titel selbst wird durch den Verkauf nicht erzeugt, sondern nur übertragen. Der Titel muss da sein, bevor er verkauft werden kann, und sowenig wie ein Verkauf, kann eine Reihe von solchen Verkäufen, ihre beständige Wiederholung, diesen Titel schaffen. Was ihn überhaupt geschaffen hat, waren die Produktionsverhältnisse“ (Unterwerfung der Menschen unter die Sklaverei, legaler Zwang). „Sobald diese auf einem Punkt angelangt sind, wo sie sich umhäuten müssen, fällt die materielle, die ökonomisch und historisch berechtigte, die aus dem Prozess der gesellschaftlichen Lebenserzeugung entspringende Quelle des Titels und aller auf ihm begründeten Transaktionen fort“ [MEW 25, S. 784].

Während hier scheinbar sachlich und nüchtern von Baustellenrente, Bergwerksrente, vom Bodenpreis die Rede ist und jemand, der in unserer Theorie nicht sehr sattelfest ist, sich bemüßigt fühlt anzumerken: „Wozu denn Marxsche Kapitel transkribieren? Wir müssen vielmehr wissen, was zu tun ist“ (!? sicher nicht um coelum terramque movere[2]…), wird wie stets und einmal mehr die mächtige Bestimmung des revolutionären Programms angeführt.

„Vom Standpunkt einer höhern ökonomischen Gesellschaftsformation wird das Privateigentum einzelner Individuen am Erdball ganz so abgeschmackt erscheinen wie das Privateigentum eines Menschen an einem andern Menschen. Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als BONI PATRES FAMILIAS[3] den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen“ [MEW 25, 784].

Kommunismus bedeutet nicht, wie es oftmals heißt, Privateigentum durch gesellschaftliches Eigentum zu ersetzen – denn wer Eigentum sagt, sagt auch Eigentümer und Nichteigentümer, Spaltung in Klassen, Herrschaft einer Klasse über eine andere; um klar zu machen, dass er hingegen in der Ablösung der privaten Produktionsleitung und -organisation durch die gemeinschaftliche und gesellschaftlich einheitliche Leitung und Organisation besteht, paraphrasiert Marx eine Formulierung, die dem römischen Recht nachgebildet ist und sich in allen neuzeitlichen Gesetzbüchern findet.[4] Der Pächter, der den ihm vom Eigentümer vermieteten Boden bestellt, darf denselben nicht erschöpfen und ihn auch nicht so belassen, wie er ihn vorfand, sondern er muss ihn „als guter Familienvater“ bewirtschaften, d.h. nicht so, als würde er ihn, nach Ablauf des Kontrakts, einer fremden Person zurückgeben, sondern so, als würde er ihn seinen Kindern und Erben hinterlassen.

Der Vergleich mit der zur bestehenden Gesellschaft angehörenden Institution der Familie wird sicherlich nicht in dem Sinne gezogen, dass Familie und Erbschaft in die Zukunft projiziert werden. Wenn das Individuum, mit seinen Rechten und Pflichten, seiner Genealogie und Abstammung, seinem Vermögen und dessen Vererbung, außer Gefecht gesetzt ist, wird an seine Stelle mitnichten eine Art Aktiengesellschaft – als Gemeinschaft der Lebenden und registriert in den Wahllisten – treten, sondern etwas viel Weitergehendes: Die Gattung, die durch ein Leben ohne Tod charakterisiert ist, die die organisierte Natur, also die Erdrinde mit ihren Ausrüstungen und Einrichtungen, bestellt, bewirtschaftet und an sich selbst weitergibt – ohne zeitliche Fristen, und ohne irgendwelche Übertragungen in ein lausiges Grundbuch eintragen zu lassen.

Wiederholen wir deshalb das schon Gesagte: Die Agrarformel des Kommunismus heißt mit Sicherheit nicht: „den Boden der Nation“. So wie diese Formel in der revolutionären französischen Politik schon von den radikalen Jakobinern ausgesprochen wurde und eine theoretische Forderung der fortgeschrittensten ökonomischen Schule des klassischen Kapitalismus in England war, so konnte sie – als nicht temporäre, sondern definitiv gültige Formel – nur noch die der späten modernen Revolution in Russland sein, welche sich nunmehr als bürgerliche Revolution konsolidiert hat: Als Volksrevolution erkämpft und siegreich, hat sie als proletarische und Klassenrevolution auf europäischer Ebene verloren.

Zurück in die Geschichte

Auf unserem Weg durch die klassische trinitarische Gesellschaft, mit ihren faulenzenden Grundeigentümern, ihren habgierigen Agrarunternehmern und jenen revolutionären Kämpfern (den kleinbürgerlichen Einflüssen und dem ganzen Rüstzeug der konservativen bürgerlichen Propaganda zum Trotz, die sich oft die geringe Notwendigkeit beruflicher Kenntnisse zunutze macht), die in den Hilfsarbeitern der Erde auszumachen sind, reinen, bloßen besitzlosen Proletariern, den Vertretern jener Klasse, die absolut nichts zu verlieren, aber eine ganze Welt zu gewinnen hat – auf diesem Weg, der schließlich zur kommunistischen Gesellschaft führen wird, werden wir, das wird klar geworden sein, keinen Kleinbauern oder selbstarbeitenden Kleinpächtern, mit ihren persönlichen Gerätschaften, der Enge ihrer familiären Verhältnisse, ihrer altväterlichen Produktion und abergläubischen Furcht begegnen. Und deshalb müssen wir – heri dicebamus[5]– an Bord des in die Tiefen der Geschichte abtauchenden Bathyskaphen gehen, wenn wir die Romanze dieser Schichten, die niemals die Protagonisten sind, schreiben wollen.

Bei Marx wurzelt die Genesis der modernen Grundrente in der feudalen Welt, worin die Agrarwirtschaft den Charakter einer „Natural“wirtschaft trägt. Zunächst sticht der unmittelbare Zusammenhang zwischen Arbeit und Selbstgebrauch ins Auge, ein Zusammenhang also, der sich im Umkreis eines Dorfes bzw. eines bestimmten, vom Seigneur[6] regierten Gebietes selbst genügt, eine „Insel“ bildet. Und schon oft wurde gesagt, dass der Herr nicht über ein Territorium gebietet, weil eine komplexe gesellschaftliche Situation dies erfordert hätte, sondern weil die Bestellung der Felder, die kriegslustigen und noch nicht sesshaft gewordenen Eindringlingen ausgeliefert waren, einen Schutz unabdingbar machte, den nicht mehr wie in der Sklavenhaltergesellschaft mächtige und gut bewaffnete Staaten gewährleisteten.

Auch mit den anderen Merkmalen eines solchen Ackerbaus haben wir uns schon mehrmals befasst.

Der Warenumlauf, die Verwandlung von Produkt in Geld, ist in diesem System noch am allerwenigsten anzutreffen. In höherem Maße war das sogar in der klassischen Agrarwirtschaft, mit den Sklavenarbeitern der Fall; auf den Latifundien wurden große Mengen von Nahrungsmitteln erzeugt, wie auch in den modernen Plantagenwirtschaften in Übersee, mit ihren Massen versklavter oder halbversklavter Arbeitskräfte.

Als eine dem feudalen Ackerbau vorhergehende Produktionsform soll auch an die noch fortlebende asiatische Despotie erinnert werden. Die Bauern arbeiten gemeinschaftlich in kleinen, dem Herrscher tributpflichtigen Stammesgemeinden. Der Tribut wird in Produkten und manchmal auch in Gold entrichtet, so wie der Aga Khan[7] in Gold aufgewogen wurde. Der Eigentümer identifiziert sich schließlich mit dem politischen Staat, so dass Rente und Steuer zuletzt ein und dasselbe sind. Dies ist eins der Beispiele, an dem Marx zeigt, dass das System der Warenproduktion nicht das einzig mögliche historische Bindegewebe zwischen Produktion und Konsumtion ist.

Doch kommen wir auf das europäische Mittelalter und seine Naturalwirtschaft, d.h. nicht auf den Markt begründeten Verhältnissen zurück. Dieses System gewährleistet, dass die Produktion ziemlich genau dem Konsum einerseits der Arbeiter, andererseits des Herrn mit seinem Gefolge entspricht. Ein schwerwiegendes Ungleichgewicht tritt nur bei Missernten und Hungersnöten oder im Falle feindlicher Überfälle auf.

Die Klasse der Landarbeiter besteht hier aus Leibeigenen, mit denen wir uns nicht weiter befassen brauchen, weil dieser soziale Typus in der bestehenden bürgerlichen Gesellschaft nicht vorkommt. Der Leibeigene hat ein Stückchen Land zur Verfügung, das er bestellen kann und dessen Produkt ihm und seiner Familie zukommt, zugleich besitzt er ein paar Arbeitsgeräte. In der ersten, „Arbeitsrente“ genannten Form besteht seine Pflicht darin, eine gewisse Zeit, beispielweise zwei Arbeitstage in der Woche, auf dem dem Grundeigentümer vorbehaltenen Grund und Boden zu arbeiten, wobei sich Letzterer am Jahresende das Produkt aneignet. Es handelt sich also um persönliche Knechtschaft, der Bauer darf seinen Wohnort nicht verlassen, er kann aus dem der Macht des Lehnsherrn unterworfenen Gebiet nicht heraus. Dessen Reichtum beruht nicht auf dem jeweiligen Umfang der Ländereien, die ihm vom obersten Lehnsherrn oder Monarchen zugeteilt werden, sondern auf der Zahl seiner Untersassen, die bei den verschiedenen Landübertragungen mit einbegriffen sind.

Die hauptsächliche Schicht der Landbevölkerung besteht auch dann weiterhin aus Leibeigenen, wenn die Arbeitspflicht auf dem Herrenland durch die Pflicht abgelöst wird, einen aliquoten Produktenteil des selbstbewirtschafteten Bodens abzuliefern. Von der ursprünglichen Form der Arbeitsrente kommen wir zur Produktenrente; die erste Form war die Fronarbeit, die zweite Form der Zehnt, gleich ob dem Lehnsherrn, dem Staat oder der Kirche geschuldet.

Vom Leibeigenen zum selbständigen Bauern

In dem engen und beschränkten Milieu dieser einfachen Formen kann der Bauer dennoch in bestimmten Fällen eine ökonomische, wenn auch noch nicht soziale Unabhängigkeit erringen. Die Ökonomen haben sich gewundert, wie das sein kann. Doch die Sache liegt auf der Hand, wenn man das Verhältnis gemäß der Analyse deutet, die für die komplexen Zusammenhänge der kapitalistischen Zeit Geltung hat – und das schon allein in der Unterscheidung zwischen der Arbeit für sich selbst und der Mehrarbeit klar hervortritt, welche als Teile der Arbeitszeit oder als Produktenanteile unmittelbar in die Augen springen.

Auch auf einem unfruchtbaren Boden wird es zur Erfüllung der feudalen Pflichten immer notwendig sein, dass die bäuerliche Arbeit etwas mehr einbringt, als für den eigenen Lebenserhalt nötig ist, d.h. mehr als das, was heutigentags am „Lohn“ gemessen wird.

„Dass das Produkt des Frönens hier hinreichen muss, außer seiner Subsistenz, seine Arbeitsbedingungen zu ersetzen, ist ein Umstand, der in allen Produktionsweisen derselbe bleibt…“ „Dieser Überschuss über die notwendigsten Subsistenzmittel (…) ist also ganz und gar bestimmt durch die Höhe der Grundrente“ [MEW 25, S. 798].

Wenn nun aber der Boden etwas fruchtbarer ist, kann es sein, dass der unmittelbare Produzent – nachdem er die vom Grundherrn oder einer anderen Einrichtung vorgeschriebene Arbeits- oder Produktenmenge abgeliefert hat – weniger von dem verzehrt, was er übrig behalten hat. Er kann also eine gewisse Reserve anlegen: Zuerst Lebensmittel, dann Werkzeug oder Ackergerät, und in dem Maße, wie sich das Landrecht entwickelt, auch Ackerboden, bescheidenen Wohnraum, Vieh etc.

Auch schon vor der revolutionären und politischen Aufhebung der feudalen Verhältnisse finden wir besser gestellte Bauern, die selbst wieder Hörige unterwerfen.

Doch mit der Naturalwirtschaft geht es in dem Maße dem Ende zu, wie die Geldrente die Arbeits- und Produktenrente ablöst. Gleichzeitig dehnt sich die Warenproduktion aus, und zwar nicht nur in Bezug auf Manufakturerzeugnisse (die die ländliche Hausindustrie früher zum großen Teil selbst gefertigt hatte), sondern auch auf agrarische Produkte.

Wir stehen jetzt an der Schwelle einer großartigen Entwicklung. In ihrer reinsten Form führt sie zur vollständig kapitalistischen Landwirtschaft: Alle Produkte werden tendenziell zu Waren und treten in den Kreis einer großen, erst nationalen, dann die Landesgrenzen überschreitenden Zirkulation ein. Auf der einen Seite bildet sich die Klasse der kapitalistischen Pächter, und auf der anderen die der allen Land- und Geldbesitzes beraubten Landarbeiter. Das von den Feudalrechten befreite Land wird ohne jede Einschränkung verkäuflich, und mit den in den Städten angehäuften Kapitalien treten neue Grundbesitzer auf, die das erworbene Land zum Teil selbst bewirtschaften, zum Teil Pächtern überlassen. Eine wirkliche Revolution ist in das Verhältnis zwischen Stadt und Land getreten und diese Umwälzung ist radikaler als die, welche stattfand, als die großen Manufakturen das Handwerk verdrängten. Eben diese Revolution lässt uns den Kapitalismus als Agrarrevolution definieren.

Die Abhängigkeit zwischen Stadt und Land kehrt sich um, es ist nicht mehr der natürliche Konsum, der die Produktion bestimmt, sondern die künstliche Produktion, die die Konsumtion bestimmt. Die Preise der Manufakturwaren beginnen zu fallen, die der Lebensmittel zu steigen.

In Italien tyrannisierte das flache Land weniger als anderswo die Stadt – anders als im feudal-monarchistischen Frankreich, als die Louis’ regierten und ein Hofadel den Magistraturen und „Parlements“ von Paris[8] das Leben schwer machte. Die liberale Revolution trat auf den Plan, welche die Seigneurs und Bauern politisch unterwarf – und dann auch die von der juristischen Souveränität berauschten städtischen Volksschichten Kohldampf schieben ließ.

„Die hohe Profitrate im Mittelalter ist nicht nur geschuldet der niedrigen Zusammensetzung des Kapitals, worin das variable, in Arbeitslohn ausgelegte Element vorherrscht. Sie ist geschuldet der am flachen Land verübten Prellerei, der Aneignung eines Teils der Rente des Grundeigentümers und des Einkommens seiner Untersassen. Wenn das Land im Mittelalter die Stadt politisch ausbeutet, überall da, wo der Feudalismus nicht durch ausnahmsweise städtische Entwicklung gebrochen ist, wie in Italien, so exploitiert die Stadt überall und ohne Ausnahme das Land ökonomisch durch ihre Monopolpreise, ihr Steuersystem, ihr Zunftwesen, ihren direkten kaufmännischen Betrug und ihren Wucher“ [MEW 25, S. 809].

Doch die Entwicklung ist nicht ausschließlich dahin gegangen, Seigneurs und Leibeigene durch Pächter, Lohnarbeiter und bürgerliche Grundeigentümer zu ersetzen. Je nach Region verwandelten sich die wohlhabenden Bauern und kleinen Landverwalter in mehr oder minder dichte Bevölkerungsschichten unabhängiger selbstarbeitender Grundbesitzer und Kleinpächter, die nicht mehr dem Feudalherrn, sondern dem bürgerlichen Grundeigentümer tributpflichtig waren.

Die Teilpacht

Kolone[9] ist derjenige, der mit seiner Muskelkraft, und der seiner Familie, nicht ihm gehöriges Land bestellt. Er hat also dem juristischen Eigentümer Rente zu zahlen. Zahlt er Geldrente, haben wir es mit der Kleinpacht zu tun. Zahlt er die Rente jedoch in der Naturalform des Produkts, das der Eigentümer dann selbst verzehren oder auf dem Markt verkaufen mag, nennt man dies gemeinhin „Metäriesystem“, worunter die Teilung der Ernte in zwei gleiche Teile verstanden wird: eine Hälfte für den Eigentümer, die andere für den Bebauer.

Da diese Aufteilung den Ländern und Zeiten nach stark variiert und in ein und demselben Pachtvertrag für die „der Erde einverleibten“, für die „auf ihr ruhenden Produkte“, für Früchte, Wein etc., unterschiedlich sein kann, und im Allgemeinen auch ist, manchmal auch zur Gänze an nur eine Partei geht, ist es genauer, statt den Begriff Metärie bzw. Halbpacht den der „Teilpacht“ zu benutzen.

So wie wir vom eine kleine Geldpacht zahlenden Kolonen unmerklich zum kapitalistischen Pächter kommen (denn der Pächter, der das Land nicht mehr allein mit seiner Familie bestellen kann, wird Tagelöhner verdingen), so haben wir in der Neuzeit, besonders in Italien (Romagna), reiche Teilpächter, oder per Antonomasie[10], Halbpächter, die das vom Eigentümer überlassene Land mit einer oft ansehnlichen Anzahl Tagelöhner bewirtschaften.

Wie man weiß, entsteht durch eine solche Lage ein doppelter Interessengegensatz: Zum einen der zwischen Halbpächter und Grundeigentümer, wo sich der Gegensatz um die durch einen aliquoten Teil der Lebensmittel dargestellte Höhe des Pachtgeldes dreht (Herrenrente), zum anderen der zwischen Tagelöhner und Halbpächter, wo es um die Höhe des Lohnes geht. Historisch ist der Halbpächter immer weniger Bauer und wird immer mehr zum kapitalistischen Pächter (wie zumeist in der Lombardei), und dieser Dreikampf zeigte sich im Vorkriegsitalien in folgenden politischen Lagern: klerikale oder liberale (Agrar)eigentümer – republikanische Pächter, mit den „gelben“ Arbeitskammern – sozialistische Tagelöhner, mit den „roten“ Arbeitskammern[11] (in Venetien auch katholische Tagelöhner mit den „weißen“ Bünden).

Im Moment geht es uns um den „metayer“, den Halbpächter, der noch selbst arbeitet und den Boden hackt, und um das ökonomische Verhältnis, das diesen, nicht rein kapitalistischen Typus ländlicher Produktion kennzeichnet.

„Als eine Übergangsform von der ursprünglichen Form der Rente zur kapitalistischen Rente kann betrachtet werden das Metäriesystem oder Teilwirtschaft-System, wo der Bewirtschafter (Pächter) außer seiner Arbeit (eigner oder fremder) einen Teil des Betriebskapitals und der Grundeigentümer außer dem Boden einen andern Teil des Betriebskapitals (z.B. das Vieh) stellt und das Produkt in bestimmten, in verschiednen Ländern wechselnden Proportionen zwischen dem Maier und dem Grundeigentümer geteilt wird“ [MEW 25, S. 811].

Das, was der Grundeigentümer bezieht, erklärt Marx, muss nicht unbedingt nur die Grundrente im vollständig modernen Sinn sein, es kann auch ein Teil des Profits einbegriffen sein. Was seinerseits der Maier herausschlägt, ist vielleicht nicht nur der seiner Arbeitskraft entsprechende Lohn, sondern überdies ein Teil des Betriebsprofits, insofern er zumindest einen Teil der Arbeitsmittel besitzt. Rente, Profit und Lohn sind also nicht immer klar unterscheidbar wie im Fall der Betriebsführung durch den kapitalistischen Pächter.

Wichtig hervorzuheben ist jedoch der Umstand – insbesondere wenn wir nicht den selbstarbeitenden Klein-, sondern den produktpflichtigen Teilpächter behandeln –, dass ein großer Teil des produzierten Werts der Zirkulation entzogen ist.

Vollendet ist die kapitalistische Revolution erst, wenn das Arbeitsprodukt in Waren- und dann auch Geldform in einen einzigen, geographisch immer größer werdenden Kreis eintritt, in dem die Produktion abgesetzt und aus dem die Konsumtion entnommen wird. Die Überwindung der Warenproduktion wird nicht möglich sein, ohne sich auf die Verschmelzung – in einem ungeheuren Magma – der alten selbstgenügsamen Produktions- und Konsumtionsinseln zu stützen.

Nun ist bei der Halbpacht der nach Abzug der Rente übrig bleibende Teil für den Selbstgebrauch des den Boden selbst bearbeitenden Pächters bestimmt, ohne in den allgemeinen Warenverkehr einzutreten. D.h. die dem Lohn und zum Teil dem Profit entsprechenden Anteile nehmen weder Waren- noch Geldform an. Dasselbe gilt zumindest teilweise für den Tribut, der in natura als Rente und Teil des Profits an den Grundeigentümer gezahlt wird; eine Portion wird in der Tat vom Grundherrn und seinem Gefolge verzehrt, während nur die übrig bleibende Portion auf dem Markt in anderweitige Bedarfsartikel umgewandelt oder als „Kapital“ angelegt wird.

Abgesehen von der Größe des Betriebs (einem anderen, nicht minder wichtigen Thema) reicht dieses Kriterium aus, um, insbesondere für den Übergang zum Kommunismus, die Rückständigkeit jeder derartigen Halb- oder Teilpacht gegenüber Lohnarbeiter beschäftigenden Agrarbetrieben festzuhalten.

Was dem Warenverkehr entzogen wird

Das Wesentliche beim Auftreten der modernen Ökonomie ist die Herausbildung und spätere Ausdehnung der Märkte. Dies ist das Hauptkapitel in der geschichtlichen Romanze der Bourgeoisie, die die Menschen der entferntesten Länder dazu bringt – und das ist revolutionär –, Produkte unterschiedlichster Herkunft zu konsumieren und, im Austausch gegen eben diese Produkte, anderen und neuen Lebens- und Tätigkeitsformen Tribut zu zollen.

Mit der kapitalistischen Warenproduktion ist die Ökonomie – vor allem durch das System der Warenproduktion und das Gesetz des Tauschwertes, dem einzigen Mittel, um zwischen den menschlichen Anstrengungen und Bedürfnissen ein Gleichgewicht herzustellen – schon nicht mehr ein persönliches Beziehungsgeflecht, sondern eine gesellschaftliche Tatsache, wenn auch nur innerhalb der Grenzen einer klassischen Produktionsweise.

Die Entwicklung des Kapitalismus bedingt, dass für das Verhältnis zwischen Arbeitsmühen und Bedürfnissen neue Lösungen unerlässlich werden. Dies ist der Kernpunkt unserer Lehre und unseres Programms. Vom Gesetz des Warenaustausches befreit, werden diese Lösungen dahin gehen, ein für allemal die Ausgleichungen innerhalb lokaler Kreise aufzugeben. Das Resultat dessen wird sein, dass es, um aus der gemeinschaftlichen Arbeit den größten Nutzen zu ziehen, eine zentrale (nicht betriebliche, regionale oder nationale, sondern internationale) Verfügung über alle Produkte des Konsums geben muss, allerdings ohne den Notbehelf der allgemeinen Äquivalenz des Geldes, was nur die Illusion einer solchen Verfügung schafft, doch jede Arbeitsinsel weiterhin dazu verurteilt, zur Befriedigung ihres Bedarfs nicht die durch ihre materielle lokale Produktion gesetzten Grenzen überschreiten zu können.

Noch einmal: Sozialismus heißt nicht, dass der Einzelne oder die Gruppe oder der als Produzentenorganismus geltende Betrieb den ganzen erzeugten Wert, ohne Abzüge, verzehren könnte (was vielmehr völlig absurd wäre); Sozialismus bedeutet vielmehr, wie aus den vielen Zitierungen aussagekräftiger Abschnitte unserer klassischen Schriften hervorgeht, die Produktion nach einem einheitlichen Plan, der sich auf einen einheitlichen Plan der gesellschaftlichen Bedürfnisse bezieht, organisieren zu können.

Dass irgendeine Fabrik oder Länderei durch ihre Arbeiter das Äquivalent dessen verbraucht, was produziert wurde, wird nicht nur nicht notwendig, sondern eine Sache sein, die überwunden werden muss; um so mehr gilt das für die Bilanzen, die die Nationen, Regionen, Städte oder Dörfer in diesem Sinne aufstellen. Bei solchen utopistischen Modellen haben wir es mit Syndikalismus, Kommunalismus, Betrieblertum zu tun, aber nicht im Entferntesten mit dem Programm des marxistischen Kommunismus.

Der industrielle Kapitalismus hat die Menschheit in der Produktivität einen Riesenschritt vorwärts machen lassen – wovon die arbeitende Klasse allerdings nichts hat –, denn für die Industrieerzeugnisse hat die mittels des Konkurrenzmechanismus sich durchsetzende Äquivalenz der Waren dazu geführt, die veralteten Produktionsmittel durch mächtigere und leistungsfähigere zu ersetzen. Durch den Vormarsch der neuen Produktionssysteme sind die alten fast verschwunden, wobei weit über die Befriedigung dieser Art des Bedarfs hinausgegangen wurde – eine fundierte Kritik ihrer Verkomplizierung lassen wir derweil außen vor.

Daraus folgt, dass (auf diesem von Technologie strotzendem Gebiet, auf dem unter anderem der größere Umfang betrieblicher Organisation ein entscheidendes Element ist, um sich gegenüber anderen durchzusetzen) die Unternehmen, die am breitesten, schnellsten und massenhaftesten produzieren, mag dies auch nur in einem schwierigen und durch furchtbare Krisen unterbrochenem Auf und Ab der Fall sein, es überall geschafft haben, die weniger ausgerüsteten und leistungsfähigen Betriebe auszusondern und beiseite zu fegen.

Doch mit einer Einschränkung, die stets und überall gilt: Die Kleinen werden von den Großen nur dort nicht geschluckt, wo es, „von Natur aus“, eine Rente [Bodenrente] gibt, und solange der vorhergesehene und unvermeidliche Verlauf des kapitalistischen Konzentrations- und Akkumulationszyklus nicht, künstlich, das Phänomen der Rente [Monopol] erzeugt.

Und deshalb hat diesem unleugbaren quantitativen, aber sicherlich nicht gleichermaßen qualitativen Fortschritt, den der Kapitalismus seit einigen Jahrhunderten hinsichtlich einer Anpassung der Arbeit an den Bedarf in der Sphäre der industriellen Erzeugnisse verwirklicht hat, nichts damit Vergleichbares auf dem Gebiet der Agrarwirtschaft entsprochen. Und deshalb ist sicher, dass der kapitalistische Zyklus auch über diese moderne Zeit hinaus auf ganzer Linie regressiv sein wird, obschon der Umfang der Produktion weiterhin alles bisher Dagewesene übertrifft.

Wo es dank der politischen Macht der Klasse, die die Staatsgewalt organisiert, Rente, d.h. ein Monopol gibt, ist – solange die kapitalistische Hülle nicht gesprengt wird – der Prozess, in dem die nützlichere die weniger nützliche Produktionsform verdrängt, in sein Gegenteil verkehrt.

Und eben hier ist auch das Gesetz in Kraft, wonach alles vom schlechtesten System, vom unfruchtbarsten Boden reguliert wird; eben hier schläft die Technologie seit fünf, zehn Jahrhunderten, in seltsamem Kontrast zur Rastlosigkeit, mit der die Ausrüstungen in anderen Bereichen innerhalb äußerst kurzer „Amortisierungs“zyklen ausgewechselt werden, vor allem auf dem Gebiet der todbringenden Technik[12], so dass der Begriff der Ökonomen nicht besser passen könnte.

Wortgedresch

Die Blockierung des Fortschritts in der Landwirtschaft ist wirklich zum Heulen, wo doch eines der vom Kapitalismus hervorgebrachten und anderen Epochen völlig unbekannten Phänomene das Tempo des demographischen Wachstums ist. Milliarden Menschen fluchen, weil sie nichts zu essen haben, weil sie weniger Brot haben als die Mitglieder der urwüchsigen Gemeinwesen, und sie scheren sich den Teufel darum, dass es mittlerweile hundert oder tausend Mal mehr Stahl, Öl, Uran oder Kobalt gibt.

Aber die landwirtschaftliche Produktion weist auch manch andere Seite auf, denn die die Ballungszentren quälende Pathologie des Kapitalismus verpestet das platte Land weniger grausam und weckt nicht so hohe, vor allem nicht so verkrüppelte und krankhafte Bedürfnisse. Und auch wenn die Arbeit im Freien, wovon die literarischen Apologien viel Aufsehens machen, ihre schrecklichen Seiten des Elends und der menschlichen Verkümmerung hat – vor allem dort, wo die heuchlerisch hochgehaltene Kleinkultur herrscht –, erstickt sie dennoch nicht auf so unmenschliche Weise den arbeitenden Menschen, und in der Regel zwingt sie ihn auch nicht unter die erbarmungslosen Bedingungen des städtischen Milieus und der, wo nicht Muskel-, so doch Nervenanspannungen.

Es gibt andere Bereiche, in denen durch Mittel, die eben gerade ein Ergebnis der hohen, technisch möglich gewordenen Produktionsleistung sind, für die besonderen Missstände der proletarischen Lebensbedingungen am Arbeitsplatz oder Wohnort ein Korrektiv geschaffen wurde, insofern für die höhere Intensität der Kräfteanspannungen unterschiedlichste Ausgleichsmechanismen bereit gestellt und schließlich die für die menschliche Plackerei kontraproduktivsten Elemente notgedrungen verdammt wurden – selbstredend nicht nur infolge der elementaren ökonomischen Gesetze, sondern nach wie vor im Interesse des kapitalistischen Systems selbst.

Die durch die Rente in Schranken gehaltene Landwirtschaft ist also primitiv geblieben, doch der für sie aufzubringende Kräfteaufwand ist nicht völlig unverhältnismäßig. Die bis anhin und in der Regel von einer solchen Schranke unbehelligte Industrie hat zu viele Arbeiter in zu enge Räume gepfercht, doch stieß sie ihrerseits nicht an die Barriere des „alle wie der schlechtest mögliche Fall“, weshalb es ihr gelang, alle unter die Bedingung des am wenigsten primitiven und noch besten Falles zu stellen.

Es gibt noch andere Bereiche außer der Agrikultur, wo das Phänomen der Rente eine Plage ist.

Wir werden jetzt nicht auf den städtischen Wohnraum zu sprechen kommen, wo das Monopol auf Bauland die Bau- und Mietkosten so hoch treibt, dass der Lebensstandard der Arbeiter zehnmal mehr als nötig belastet wird, wenngleich innerhalb des kapitalistischen Rahmens auch Gegenmaßnahmen denkbar wären.

Wir wollen auf ein Gebiet zu sprechen kommen, auf dem die Rente eine Plage und von grausamer Aktualität ist (und es ist uns keine Genugtuung, so denjenigen zu antworten, die diese Abhandlungen für abstrakt und weit weg von dem halten, was heute unter den Nägeln brennt), nämlich der extraktiven Industrie.

Ribolla: der differentiale Tod

Mit den ersten Meldungen über das Unglück, das 42 Arbeiter in der Finsternis unter Tage, in drückender Hitze und im Schlamm der extraktiven Industrie umbrachte, wurden auch die Zustände in der toskanischen Braunkohlenzeche bekannt.[13] Direkt nach den ersten Meldungen, den allerersten Informationen, sagten alle, ohne dass schon an die schäbigen Parteimachenschaften gedacht worden wäre: Diese alte Mine, die im schlechten Zustand ist, bald erschöpft sein wird und die Kosten einer Modernisierung nicht lohnt, muss stillgelegt werden, doch das würde für das kleine Ribolla, das keine anderen ökonomischen Ressourcen hat, Arbeitslosigkeit und Hunger bedeuten.

Also wird die Zeche weiter betrieben; eine Lösung, die den Prinzipien würdig ist, die das kapitalistische System auf den Beinen halten: es ist ja nun mal eine Tatsache, dass Tote nicht essen.

Eine andere Fabrik etwa, die pro Arbeitseinheit statt tausend nur hundert Produkt geliefert hätte, wäre seit Jahrzehnten geschlossen – nicht so diese Zeche. Das Abbauverfahren ist das gleiche wie schon Jahrhunderte zuvor, wir finden es in den Schilderungen der englischen und französischen Kohlezechen des 19. Jahrhunderts wieder. Doch während Letztere solche Verfahren dank moderner Sicherheitsanlagen aufgegeben haben, werden die hiesigen italienischen Einrichtungen immer schlechter.

Was eine direkte Folge der ökonomischen Gesetze des Kapitalismus ist. Andere und industriell besser dastehende Länder haben zunächst einmal reichere Kohlevorkommen von sehr viel höherer Qualität und folglich höherem Heizwert. Wir haben nur Braunkohle oder gar bloß Torf und bauen Kohle in Gruben von sehr viel schlechterer „Fruchtbarkeit“ ab.

Doch eben diese Zechen regulieren den internationalen Preis und sorgen für den hohen Preis der Anthrazit-Kohle, weshalb uns der Kohle-„Pool“ bzw. der Rentier der europäischen Kohleförderung (dem warmen Nest des kapitalistischen Surplusprofits, gebaut auf den Rohstoffen des zivilen und militärischen Todes) teuer zu stehen kommt.

Die aus den Eingeweiden der Erde hervorgeholten Brennstoffe sind das Produkt der geologischen Verdauung von Pflanzen, Savannen und Wäldern. Sie enthalten mal mehr, mal weniger Kohlenstoff und haben unterschiedliche Heizwerte. Grob werden sie in Torf, Braunkohle, Steinkohle und Anthrazit eingeteilt, wobei Letztere reich an Kohlenstoff sind und zum großen Teil aus England, den USA, Südafrika etc. importiert werden. In Italien ist deren Vorkommen gering, es werden heute kaum zwei Millionen Tonnen gefördert, während der Gesamtbedarf zwischen 12 und 15 Millionen Tonnen jährlich liegt. In seinen Autarkieplänen wollte Mussolini die Produktion von drei Millionen im Jahr 1939 auf vier Millionen bringen, einem Drittel des Bedarfs. Im Kriegsjahr 1942 kam die berühmt-berüchtigte Azienda Statale Carboni Italiani[14], das neue Städte aus dem Boden stampfte, tatsächlich auf fünf Millionen Tonnen.[15]

Das bisschen Anthrazit wird im Aosta-Tal und im Zentrum Sardiniens (Barbagia) gefördert. Noch geringer ist die Menge an Steinkohle in Friaul und im Südwesten Sardiniens (Iglesiente). Das Anthrazit der ergiebigen istrischen Gruben war nach dem Krieg verloren. Das Gros des Brennstoffs stellt die Braunkohle aus Sardinien, Umbrien, Valdarno und Grosseto. Unter den an Kohlenstoff reichsten Sorten bis zu den an Kohlenstoff ärmsten, torfhaltigen Sorten zählt die über nur geringen Heizwert verfügende „Sulcis“ genannte Kohle aus dem Süden Sardiniens bereits zur Braunkohle.

Anthrazit der besten Qualität bringt es auf einen Heizwert von über 9.000 cal/kg, Steinkohle auf ca. 8.000, der Heizwert von Braunkohle liegt zwischen 7.000 und 7.500 cal/kg und weniger, Torf, der zuerst getrocknet werden muss, hat etwa 3.000 cal/kg.

Der Kohlepreis auf den internationalen Märkten bewegt sich zwischen 24.000 Lire pro Tonne für die südafrikanische Kohle, 18.000 für englischen Anthrazit, 14.000 für Steinkohle, ca. 8.000 für unsere heimische Braunkohle, die besseren Sorten kommen gar auf 10 bis 11.000 Lire. Der Preis richtet sich also nach der Wärmeleistung, und zwar in Höhe von 2.000 Lire pro 1.000 cal/kg. Und das wiederum heißt, die am wenigsten geschätzte Kohle, also die am wenigsten ergiebige Mine, reguliert den allgemeinen Marktpreis.

Ökonomische Politik!

Es heißt, die Förderkosten der Sulcis-Kohle, die gegenüber der importierten Kohle äußerst minderwertig ist (allerdings hängen die Förderkosten grundsätzlich nicht vom Heizwert, sondern von der abgebauten Menge ab, sie sollten daher überall die gleichen sein, da die technischen Schwierigkeiten sich nicht groß unterscheiden: Die reicheren Zechen sind natürlich hinsichtlich der Gewinnungsgeräte, der Förder- und Sicherheitsanlagen besser ausgerüstet und folglich produktiver), die Förderkosten der Sulcis-Kohle also sollen bei 11.700 Lire netto pro Tonne liegen. Laut den Handelsblättern jedoch wird diese Kohle zu einem niedrigeren Preis als notiert abgesetzt, Verlust: 4.000 Lire pro Tonne – eine umgekehrte Rente. Doch ohne Zweifel kommen zu den Nettoausgaben des konstanten Kapitals und der Löhne (die Belegschaften drohen mit unbegrenzten Streiks, um Subventionen für die Zechen durchzusetzen) der Profit und auch eine „absolute“ Rente. Derjenige der bezahlt, ist Pantalone[16]. Ein Spiel, das den italienischen Staat 4 Milliarden Lire jährlich kostet. Unter solch unsinnigen Bedingungen wird die Produktion hochgefahren, die Zechen legen Berge dieser schlechten Kohle auf Halde, und es sieht so aus, als ob ebenso große Mengen guter, im Übermaß importierter und in harter Währung bezahlter Kohle in den Genueser Docks herumliegen.

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der individuelle Produktionspreis der Kohle aus Cardiff oder außereuropäischen Gebieten sehr von den 11 bis 12.000 Lire in Italien abweicht, weshalb die Differenz zwischen diesem Preis und dem Marktwert, bei einer Preisspanne zwischen 6 und 12.000 Lire, Differentialrente für jene Zechen bildet. Diese zahlen, so wird gesagt, höhere Löhne, doch Dank besserer Maschinen ist auch klar, dass pro Arbeitseinheit wesentlich mehr Tonnen pro Jahr gefördert werden.

Was ist nun der größte Irrsinn, die blödeste ökonomische Demagogie bei alldem? Wohl kaum das Anprangern der Rente, des Surplusprofits, des Profits der kapitalistischen Gesellschaften (die sich nur auf dem Boden der sozialen und politischen Organisationen ganz Europas und nicht mittels kommerzieller und legislativer Tricks bekämpfen), sondern die Forderung, die stillzulegenden Zechen weiter zu betreiben, die Forderung, sie mit kostspieligen Sicherheitsanlagen auszurüsten, obwohl jeder sehr wohl weiß, dass die Minen in Kürze erschöpft sein werden und dies unsinnig ist.

Dies fordern die „radikalen“ Parteien, die nichts weiter tun müssen, als in den Wahlen lokale Stimmen zu mobilisieren, indem sie dem Wahnwitz des Kampfes „gegen auch nur eine einzige Entlassung“ huldigen.

Dies fordern einmütig die Unternehmer, wobei sie oben Genannte nur der Publikumswirkung wegen beschimpfen und sich freuen, dass Vater Staat – auf eigene Rechnung – und natürlich die italienische Arbeiterschaft für die Passiva aufkommen werden.

Bei all diesen irrsinnigen Manövern scheffelt die Welt der Geschäftemacher nur so das Geld, und die Welt der parlamentarischen Schwatzbuden bewirtschaftet die idiotischste aller Minen: jene der menschlichen Dummheit.

Wenn die zwangsläufige Entwicklung der ökonomischen Gesetze – die in Russland zweifelsfrei die gleichen sind und die gleichen verhängnisvollen Folgen haben – des auf den Pfeilern der Betriebe ruhenden Kapitalismus in einem solchen Blutvergießen mündet, wird das mit Sicherheit keinen dazu bringen, die Arbeiterklasse zur Besitzergreifung der revolutionären Klassentheorie aufzufordern. Man wird im Gegenteil in der grobschlächtigsten bürgerlichen Geisteshaltung nach der „Verantwortung“, der Schuld – am besten nur eines bestimmten Leiters – suchen, nach dem Skandal, der besten Stütze dieses saft- und kraftlosen post-Dongo-Italiens[17], dessen unselige Verwaltungsarbeit (deren Richtlinien Regierungs- und Oppositionsparteien in brüderlicher Eintracht festlegten) sich die Anweisungen des Dongo-Mannes zum Vorbild nimmt, mit dem einzigen Unterschied, dass dabei noch viel groteskere Dinge herauskommen als ehedem.

Wenn das italienische Kapital – eine kleine Unterabteilung des Weltkapitals, doch durch das historische Erbe reich an Erfahrung und Notbehelfen – einen Wettbewerb darüber ausgeschrieben hätte, wie die Arbeiterklasse am besten von einer Rückkehr zur revolutionären potentiellen Kraft abgehalten werden könnte, würden die hiesigen Stalinisten (die es mit ihren Manövern und ihrer Sprache, die bei jedem neuen Anlass noch gemeiner wird und sich noch mehr anbiedert, zur Meisterschaft gebracht haben) haushoch den ersten Preis gewinnen.

Man kann ruhig glauben, dass sie dafür stehen. Und sollte ihnen das schmeicheln, wären sie noch verachtenswerter.

Quellen:

„Nel dramma della terra parti di fianco“: Il programma comunista, Nr. 10, Mai 1954.

* * *

MEW 21: Engels – Über den Verfall des Feudalismus und das Aufkommen der Bourgeoisie, 1884

MEW 25: Marx – Das Kapital III, 1894.

 


[1] Die Niederlage der französischen Armee in Dien Bien Phu durch die Vietminh unter dem Kommando General Giaps datiert vom Mai 1954 (fällt also in die Zeit der Niederschrift der vorliegenden Arbeit); sie stellte das Vorspiel zum langen, schließlich siegreichen Befreiungskrieg Indochinas dar.

[2] coelum terramque movere (lat.): Himmel und Erde in Bewegung setzen.

[3] boni patres familias (lat.): gute Familienväter

[4] „Das römische Recht ist so sehr der klassische juristische Ausdruck der Lebensverhältnisse und Kollisionen einer Gesellschaft, in der das reine Privateigentum herrscht, dass alle späteren Gesetzgebungen nichts Wesentliches daran zu bessern vermochten.“ MEW 21, S. 397.

[5]heri dicebamus (lat.): Wir sagten es gestern.

[6] Seigneur (frz.): Herr; jemand der in Frankreich ein Lehen der Krone mit allen damit verbundenen Rechten über Person und Eigentum besaß. 1789 wurde dieser Status mit der Aufhebung des Lehnswesens abgeschafft.

[7] Der Aga Khan ist das geistliche Oberhaupt (Imam) der islamischen Ismaeliten. Er hat das verbriefte Recht, sich einmal im Jahr von seinen Anhängern in Gold aufwiegen zu lassen.

[8] Parlements (frz.): „souveräne“ Gerichtshöfe letzter Instanz.

[9] Kolone: Sklave des Bodens, Vorläufer der Leibeigenen in der Epoche der Merowinger und Karolinger. Sie besitzen weder eigenes Land noch Gerätschaften, wirtschaften zwar selbständig, aber ohne ein Eigentumsrecht. Sie haben nur ein Nutzungsrecht.

[10] Antonomasie (gr.-lat.): „andere Benennung“. Die Ersetzung eines Eigennamens durch ein Synonym (z.B.: der Korse = Napoleon; Krösus = reicher Mann).

[11] Arbeitskammern sind in Italien keine staatlichen Arbeitsämter, sondern regionale Arbeitsvermittlungsstellen der jeweiligen Gewerkschaft sowie Sitz der Basisorganisation.

[12] technica mortifera: nicht übersetzbares Wortspiel. In Amortisierung steckt „mort“, „morto“ bedeutet tot. Anspielung auf die Rüstungstechnologie.

[13] Die Explosion infolge eines Schlagwetters in der Grube von Ribolla (Grosseto) geschah am 4. Mai 1954.

[14] ASCI: staatliches Bergbauunternehmen.

[15] 1953 fiel die gesamte Kohleförderung, von Anthrazit bis Sulcis, in Italien auf gut eine Million Tonnen, seitdem ist die Ausbeute verschwindend klein geworden.

[16] Pantalone: Im Mittelalter ein in Venedig sehr verbreiteter Eigenname: Pantaleone. Charaktermaske der Commedia dell’arte des 16. Jahrhunderts: Figur des Reichen und habgierigen Kaufmanns. Im Laufe der Zeit wandelte sich die Figur und wurde schließlich zu der des „guten Alten“, ein bisschen skorbutisch und stets von leichter Erregung erfasst. Daran anlehnend gibt es das Sprichwort: „paga Pantalone“ (Pantalone soll zahlen), womit gesagt wird, dass es zu guter Letzt zumeist das Volk ist, das für die Fehler derer, die es regieren, bezahlen muss. Es geht also um die Verschwendung öffentlicher Gelder.

[17] Im Städtchen Dongo am Comer See nahmen Partisanen im April 1945 Mussolini und Gefolgsleute gefangen.