VI. EKKI

Versammlung der italienischen Delegation mit Stalin

[…][1]

Bordiga: Meine Frage ist, ob die Umsetzung dieser Maßnahmen[2] in der Arbeiterklasse eine gewisse Unruhe ausgelöst hat? Und ist darin ein nützlicher oder ein negativer und schädlicher Faktor zu sehen?

Stalin: Zu dieser Politik hat auch das Industrieproletariat gedrängt, das die Bauern besser als das Zentralkomitee der Partei kennt. Die Industrie entwickelt sich und immer neue Bauern kommen vom Land in die Stadt und werden Arbeiter. Den Ruhemonat, der den Arbeitern zusteht, verbringen diese auf dem Lande. Es gibt daher eine beständige Verbindung zwischen Stadt und Land. Auch Ende 1920 drängten die Arbeiter auf die Umsetzung der NEP. Auf einer Konferenz von parteilosen Metallarbeitern kritisierte damals ein Arbeiter, Tschernow, Lenin und sagte, die bisher verfolgte Politik sei jetzt nicht mehr gut, es sei an der Zeit, mit den Methoden des Kriegskommunismus Schluss zu machen etc. Es war das erste Mal, dass Lenin in der Arbeiterklasse auf Widerstand stieß und das war einer der Punkte, die ihn bewogen, über die NEP nachzudenken. Daher gibt es darüber unter den Arbeitern heute keinerlei Unruhe.

Bordiga: Welche Bedeutung hat dann die Arbeiteropposition in Leningrad?[3]

Stalin: Es handelt sich nicht um Arbeiter, sondern um eine kleine Gruppe, ähnlich der, die am Vorabend der Oktoberrevolution, vor dem Aufstand, nicht an den Erfolg glauben mochte; sie erklärte offen, den vom ZK beschlossenen Aufstand nicht für möglich zu halten und stellte sich gegen die Beschlüsse des ZK.

Bordiga: Standen nicht auch Sie im Jahre 1917 gegen Lenin? Und waren Sie nicht auch 1919, in der Frage des Friedens, uneins mit Lenin?[4]

Stalin: Nein, ich war nicht uneins mit Lenin. Wir alle waren gegen die Fortführung des Krieges. Kein Kommunist hätte damals eine andere These vertreten können.[5]

Bordiga: Warum wurde, wo Sie doch selbst den 1917 begangenen Fehler einer Gruppe von Genossen als politisches Argument benutzen, gegen den Genossen Trotzki ein Feldzug geführt [1924], als auch er an diese Tatsachen erinnerte?

Stalin: Trotzki wurde nicht deswegen bekämpft, sondern weil er seine alte Überzeugung über die Beziehung zwischen Proletariat und Bauern aufrechterhielt, wonach, wenn in den anderen Ländern Europas die Revolution ausbleibe, die russische sich nicht entwickeln könne. Das ist eine sozialdemokratische Anschauung und deshalb wurde Trotzki bekämpft.

Bordiga: Fest steht jedoch, dass Trotzki einen Vergleich zwischen dem russischen Oktober und dem deutschen Oktober zog und die Schwächen jener Genossen kritisierte, die heute die „neue Opposition“ bilden. Damals hieß es, Trotzki stelle sich gegen die alte Garde. Heute indes werden dieselben Beschuldigungen vom Zentralkomitee gegen die „neue Opposition“ vorgebracht.

Stalin: Der Unterschied liegt darin: Genosse Trotzki begann mit einem Vergleich und baute dann darauf seine ganze Kritik auf. Zu welchem Zweck? Er wollte mitten im Rennen die Pferde wechseln[6], ohne das Wesentliche zu berücksichtigen. Aber sein Vergleich hinkt. Wenn man mit einen Vergleich beginnt, muss man auch mit demselben enden. Das aber heißt, literarisch tätig zu sein, statt politisch zu arbeiten.[7]

Bordiga: Trotzki benutzte den Vergleich, um die Gründe der Niederlage, die wir 1923 in Deutschland erlitten, zu untersuchen. Es war historisch nicht ohne Bedeutung, dass dieselben Männer, die 1917 in Russland geirrt hatten, an der Spitze der KI standen, als die deutsche Revolution 1923 scheiterte.

Stalin: Was jedenfalls 1923 betrifft, war Trotzki im Unrecht. Die radikalste Position in dieser Sache nahm damals gerade Sinowjew ein: Und Trotzki unterstützte die Brandler-Gruppe, die eine schwankende und unsichere Haltung einnahm. Trotzdem wurde diese von Trotzki und Radek unterstützt.

Bordiga: Ich glaube nicht, dass das von Trotzki in Brandler gesetzte Vertrauen besser in Fischer gesetzt worden wäre.

Stalin: Gewiß verdient Brandler größeres Vertrauen als Fischer. Es geschieht jedoch oft, dass ein redlicher Mensch eine falsche Position einnimmt, und umgekehrt, sich ein unredlicher Mensch in der richtigen Position befindet. In der Politik muss man nach den Positionen gehen, nicht nach den Personen.

Togliatti: Ich glaube, mit dieser Debatte zum Punkt der Frage Trotzki haben wir uns vom Thema entfernt, über das wir, die italienische Delegation, unterrichtet werden möchten. Mögen Sie, Genosse Stalin, erklären, welche Bedeutung die in der russischen Industrie vorhandenen sozialistischen Elemente haben?

Stalin: Die Partei ist der Ansicht, dass unsere Industrie – was den gesellschaftlichen Typus der Produktion angeht – höher steht als die kapitalistische Organisation. Unsere Industrie ist unter verwaltungstechnischem Aspekt kapitalistisch, doch organisatorisch gesehen ist sie sozialistisch. Im kapitalistischen Regime treten zwei Klassen in den Produktionsprozess ein, der Zweck dessen ist der Profit. In unserer Industrie ist nur eine Klasse vertreten – das Proletariat – und die Organisierung der Industrie hat nicht den Zweck, die Arbeiter zugunsten der Bourgeoisie auszubeuten, sondern im Gegenteil, die arbeitende Klasse ökonomisch zu stärken. Daher ihr sozialistischer Charakter. Die Leiter unserer Industrie sind mehrheitlich Arbeiter, und wenn die Arbeiter sie nicht wollen, können sie sich nicht mal eine Stunde länger in der Fabrik sehen lassen. Es kam diesbezüglich sogar zu Streiks, während die vom früheren System übernommenen alten Techniker auf ihren Posten blieben. Um die Menschen zu ändern, braucht es Zeit. Es ist nicht möglich, sogleich ein Heer neuer Techniker einzusetzen. Unsere Industrieorganisation – in der es nur eine Klasse gibt –, wo der Direktor dem Willen der Arbeiter entsprechend tätig ist, ist noch nicht sozialistisch, es gibt hier noch viele kapitalistische Elemente. Der Sozialismus muss jedoch landesweit, und nicht bloß in den Fabriken eingeführt werden. Nicht die Industrie, sondern der industrielle Typus ist sozialisiert. Lenin sagte, der Typus unserer Industrie ist im Grunde sozialistisch. Wenn die Industrie rückständig ist, ist auch das innere Fabrikleben rückständig, sowie auch die Abteilungen und die Rechnungsführung. Die Bildung der Arbeiter ist dürftig. Bei uns wird noch viel gestohlen, während dies in der kapitalistischen Produktionsorganisation schwieriger ist. All dies begreifen wir sehr gut. Doch bei uns gibt es eine enge Bindung der Arbeiter an die Fabrik, denn sie wissen, dass es ihre ist. Deshalb kann man hier von Steigerung der Produktion sprechen und sicher sein, von den Arbeitern verstanden zu werden. Noch nie wurden von Seiten der Arbeiter so viele Erfindungen gemacht wie jetzt bei uns. Würde sich unsere Industrie auf eine höhere Bildung der Arbeiter und vollkommenere Technik stützen können, würde in unseren Werkstätten viel mehr gearbeitet als im kapitalistischen Regime und es würden Wunder vollbracht.

[…]

Togliatti: Ich möchte fragen, ob die auf dem russischen Parteitag erörterten Fragen die der Entwicklung der Weltlage betreffenden Perspektiven miteinbeziehen.

Stalin: Unsere Perspektiven sind im Allgemeinen die der KI.

Bordiga: Um die Frage nach der Perspektive zu präzisieren, möchte ich wissen, ob Sie, Genosse Stalin, die Entwicklung der russischen Lage und der innerparteilichen Fragen der KPR an die Entwicklung der internationalen Arbeiterbewegung gebunden sehen.

Stalin: Diese Frage ist mir noch nie gestellt worden. Ich hätte nie gedacht, dass sie mir ein Kommunist stellen könnte. Gott möge Ihnen vergeben, dies getan zu haben.

Bordiga: Dann frage ich Sie, was in Rußland geschehen wird, wenn nicht innerhalb einer gewissen Zeit die proletarische Revolution in Europa kommt.

Stalin: Wenn wir es verstehen, die russische Wirtschaft richtig zu organisieren, wird sie sich entwickeln, und damit auch die Revolution. Zum anderen sagt unser Parteiprogramm, dass wir die Pflicht haben, die Revolution mit allen Mitteln in der Welt zu verbreiten, und das werden wir tun. Es ist keineswegs auszuschließen, dass, wenn uns die Bourgeoisie nicht zuvorkommt, wir gezwungen sein werden sie anzugreifen. Sicherlich hat, als wir schwach waren, die Bourgeoisie den richtigen Moment zum Angriff verpasst. Heute sind wir stärker. In der Großindustrie haben wir 2 Millionen Arbeiter und in den mittleren Betrieben 7 Millionen, deren Bildung und produktive Fähigkeiten ständig zunehmen werden. Der Marsch auf Warschau war ein taktischer, kein prinzipieller Fehler.[8]

Bordiga: Halten Sie die Zusammenarbeit mit den anderen Kommunistischen Parteien, dem Vortrupp des revolutionären Proletariats, zur Bestimmung der russischen Parteipolitik für notwendig?

Stalin: Ohne Zweifel ist das notwendig und wünschenswert. Zu diesem Zweck hat unser Parteitag die Resolution verabschiedet, nach der die großen Parteien der KI wirksam in der Kominternleitung eingebunden werden sollen.

Bordiga: Diese Zusammenarbeit hätte bereits im Vorfeld der letzten Diskussion stattfinden sollen. Die auf dem russischen Parteitag behandelten Fragen müssten also jetzt in der EKKI behandelt werden.

Stalin: Es ist zu bedenken, dass es sich um wesentlich russische Fragen handelt. Außerdem sind die westlichen Parteien noch nicht soweit, darüber zu diskutieren. Aus diesem Grunde hat das ZK der KPR an alle Sektionen der KI einen Brief gesandt, in dem das Hineintragen der jüngsten Diskussion der russischen Frage in die Parteien für unerwünscht erklärt wird. Dieser Resolution hat auch die Opposition zugestimmt ebenso wie das Präsidium der KI. Wir haben auch deshalb so gehandelt, damit sich nicht das wiederholt, was bei den vorhergehenden Diskussionen mit Trotzki geschah, die in einer künstlichen und mechanischen Art und Weise in andere Parteien hineingetragen wurden.

Bordiga: Ich glaube nicht, daß diese Argumente entscheidende Bedeutung haben. Zunächst, wenn man die russische Frage nicht im EKKI diskutieren will, muss ein diesbezüglicher Beschluss vom EKKI selbst gefasst werden. Außerdem können die Fragen, die in der russischen Diskussion angesprochen wurden, nicht als rein russische angesehen werden. Sie gehen die Arbeiter aller Länder an. Und, letztendlich, hat die Zustimmung seitens der Opposition keinerlei Bedeutung.

Stalin: Unter einem formalen Gesichtspunkt und dem der Verfahrensweise stimmt es sicherlich, dass es nicht ganz die Regel ist, wenn das EKKI nicht selbst beschließt, die russische Frage nicht anzusprechen. Aber man muss den Kern der Dinge im Auge behalten. Die Stellung der KPR in der KI ist derart, dass man nicht denken sollte, durch die Verfahrensweise die Probleme lösen zu können, die das Verhältnis zwischen der russischen Partei und der Internationale bzw. den anderen Parteien betreffen. Gewiss nimmt die KPR in der KI eine privilegierte Stellung ein. Wir sind uns dieses Vorrechts sehr wohl bewusst und sehen auch die daraus hervorgehende Verantwortung. Wir wissen, dass es, wenn die russischen Genossen im Präsidium sprechen, für die Genossen aus den anderen Parteien schwer ist, ihnen zu widersprechen, und das freut uns nicht. Wir haben auch andere Vorrechte, z.B. dass die Internationale in Moskau zusammentritt oder die Tatsache, die Revolution gewonnen zu haben. Doch wir halten die Weltkongresse sehr gerne in einem anderen Land ab, sobald die Revolution irgendwo anders den Sieg davon getragen hat. Wie man sieht, handelt es sich nicht um eine Verfahrensfrage. Ferner ist die diesbezügliche Schwierigkeit nichts im Vergleich zu den Schwierigkeiten, vor die wir uns gestellt sähen, wenn die russische Diskussion im EKKI wieder eröffnet würde. Dies würde in der Tat heißen, sie wieder in der russischen Partei aufzurollen. Nicht nur das, es würde heißen, dass die Opposition in der Internationale überstimmt werden würde, d.h. Genosse Sinowjew würde aus der Leitung der KI entfernt. Nun gibt es niemanden, der das wünscht.[9] Und wir glauben nicht, dass die Parteien der KI daran interessiert sind, die Auseinandersetzung in der KPR wieder zu entfachen.

[…][10]

Quelle:

„VI Esecutivo Allergato dell’IC – Riunione della delegazione italiana con Stalin”: Aus dem „Archivio Tasca“, publiziert in den „Annali Feltrinelli 1966“.

 


[1] Wie auch schon bei der V. EKKI-Tagung standen bei dem VI. Erweiterten Plenum des EKKI im Februar/März 1926 u.a. zwei wichtige Fragen im Raum – die sogenannte Bolschewisierung der Kommunistischen Parteien und der Kampf gegen den „Trotzkismus“ bzw. die russische Opposition. Wurde die italienische Delegation 1925 von Gramsci vertreten, die sich angesichts der „internen russischen Fragen“ sehr vorsichtig und „bänglich“ gezeigt hatte, so 1926 von Togliatti.

Guiseppe Berti (Delegierter der Kommunistischen Jugend, erklärter Gegner der Sinistra, Stalinist) berichtete 1966 vom Zustandekommen des Treffens zwischen den Italienern und Stalin am Vorabend des Beginns der Sitzungen:

Am 21. Februar hätten sich die italienischen Delegierten versammelt und Togliatti den Entwurf der politischen Thesen Sinowjews, der auf der EKKI-Sitzung vorgelegt werden sollte, zur Diskussion vorgelegt. Bordiga habe erklärt, da in diesem Entwurf nichts oder fast nichts zur Richtung gesagt werde, in die Russland gehe, und ebenso wenig zum Charakter, den die Entwicklung der russischen Wirtschaft annehme, habe er nichts dazu zu sagen. Berti berichtete weiter, Bordiga sei dann aufgestanden und gegangen. Togliatti, besorgt ob des Verhaltens Bordigas, habe vorgeschlagen, das Zentralkomitee der KPR über die Situation und die aufgeworfenen Fragen zu informieren. Am selben Abend habe man erfahren, dass Stalin am folgenden Tag die italienische Delegation aufsuchen wolle, um „alle Fragen zu beantworten“.

Nachdem Stalin zunächst über die von der russischen Parteikonferenz im April 1925 beschlossenen Maßnahmen gesprochen hatte, bemerkte er noch, die Kritik der Opposition auch in dieser Frage sei „nicht sehr klar“. An diesem Punkt ergriff Bordiga das Wort und da sich die Diskussion ab hier um die relevanten Fragen der politischen Ausrichtung der russischen Partei- und Staatspolitik zu drehen beginnt, geben wir den folgenden Dialog zwischen Bordiga und Stalin (mit einer kurzen Intervention Togliattis, der versucht, die Diskussion auf das vorgesehene Thema zurückzubringen) so wieder, wie ein lückenhaftes bzw. teilweise verfälschtes Protokoll ihn überliefert hat.

[2] Die Maßnahmen bestanden in Steuererleichterungen (nutzten also gerade den wohlhabenden Bauern), in einer staatlichen Preispolitik zugunsten der Bauern auf Kosten der städtischen Arbeiter, Kreditvergaben, Einführung der Lohnarbeit auch auf dem Lande, Erhebung von Hausmieten etc.

[3] Im Verlaufe des Jahres 1925 kam es zum Bruch der Troika Stalin-Sinowjew-Kamenew. Die „neue Opposition“ stützte sich vor allem auf die sehr starke proletarische Leningrader Parteiorganisation, die von Sinowjew geleitet wurde. Auf dem 14. Parteitag (Dezember 1925) blieb die Opposition allerdings in der Minderheit; im Februar 1926 gelang es der Parteiführung Stalin-Bucharin die Opposition aus der Leningrader Leitung zu entfernen: Sinowjew wurde durch Kirow ersetzt.

[4] Als Stalin und Kamenew im März 1917 aus der Verbannung zurückkehrten, lösten sie die alte Parteiführung ab, übernahmen die Prawda-Redaktion und nahmen eine Kursänderung vor. Am 15. März verfasste Kamenew einen Leitartikel, der zur Fortsetzung des Krieges aufrief, was im Gegensatz zur Haltung der Bolschewiki gegenüber dem imperialistischen Krieg stand. Stalin trat dafür ein die Provisorische Regierung bedingt zu unterstützen und schlug einen Zusammenschluss von Bolschewiki und Menschewiki vor.

Lenin wandte sich gegen einen Zusammenschluss und verfocht einen radikalen Bruch mit der Regierung und den Parteien, die weiterhin den Krieg unterstützten; zudem kritisierte er den versöhnlerischen Ton der Prawda: „Wir hoffen die Linie der ‚Prawda‘, die zum ‚Kautskyanertum‘ hin geschwankt hat, wieder völlig zu korrigieren“ [LW 36, S. 434 – Brief an die Genossen Hanecki und Radek, 12.4.1917].

[5] In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts stellt Bordiga die Antwort Stalins richtig.

„(…) in einer Versammlung zur russischen Frage (in dieser Zeit entstand gerade die Opposition Trotzki-Sinowjew-Kamenew), deren Diskussion vor die Plenarversammlung zu bringen mit der Begründung verhindert wurde, dass dies sogar die Opposition nicht verlangt habe, obschon sie nicht mehr so heftig chatiée“ [etwa „gezüchtigt“] wurde, fragte ein Delegierter der Linken der italienischen Partei Stalin, ob es stimme, dass in der Versammlung im April 1917 bezüglich der gegenüber dem Krieg zu führenden Politik Lenin auch ihn, Stalin, zu jenen zählte, die er mit „russische Chauvinisten“, „kosakische Nationalisten“ und ähnlichen Wörtern beschimpft habe. Als die junge Dolmetscherin betreten schwieg, wies Stalin sie barsch an, ihm die Frage zu übersetzen; er hob dann den Kopf und sagte klar „da“ – ja, das stimmt“ [„Struttura economica e sociale della russia d’oggi“; S. 117/18, Milano, 1976].

Berti bestätigte, dass das Protokoll an dieser Stelle falsch und unvollständig ist. Für 1919 verneinte Stalin aber laut Berti eine andere Position als Lenin gehabt zu haben.

[6] Laut Berti eine typische Formulierung Stalins, um zu sagen, dass Trotzkis wirkliches Ziel sei, die Richtung der Partei zu ändern.

[7] Die Auseinandersetzung um die „Lehren des Oktober“ wurde auch als „Literarische Debatte“ sprich: „akademische Frage“ bezeichnet.

[8] Im Mai 1920 stieß eine polnische Armee unter Marschall Pilsudski auf die Ukraine vor. Die Gegenoffensive der Roten Armee war so erfolgreich, dass sich die Möglichkeit ergab, Polen einzunehmen, um bis an die deutsche Grenze vorzustoßen. Dies wurde von Lenin, Sinowjew und Kamenew befürwortet. Stalin war zuerst, mit Trotzki, dagegen, später änderte er seine Meinung.

[9] Sprach‘s, und tat das Gegenteil: Sinowjew wurde Ende 1926 als EKKI-Vorsitzender abgelöst.

[10] Laut Protokoll erbat sich Stalin dann von Togliatti einige Erläuterungen über die Taktik der KPI hinsichtlich der Gewerkschaften und der Agitationskomitees.