VI. EKKI

Erklärung

Da der Genosse Bucharin so freundlich war, meine in der Kommission vorgebrachte Kritik hier noch einmal aufzugreifen, sehe ich mich genötigt, die beiden Punkte, mit denen ich mich schon in der Kommission befasste, noch einmal zu präzisieren. Ich habe gegen die Methode, wie sie bezüglich der Resolution angewendet wurde, protestiert, nämlich einzelne Zitate von Genossen aus dem Zusammenhang zu reißen, um ihnen dann eine abweichende Linie nachzuweisen. Ich glaube nicht, dass dies Verfahren einer ideologischen Aufklärung der Massen dienlich ist.

Des Weiteren habe ich mich in der Kommission gegen den ideologischen Terror gewandt, was heißt, bei jeder Gelegenheit vor die einfachen Parteimitglieder zu treten und ihnen, bevor sie über gewisse politische Fragen aufgeklärt wurden, zu sagen, sie würden sich, wenn sie sich gegen den vom Zentralkomitee oder von der Exekutive dargestellten politischen Inhalt der Fragen aussprächen, zu Gegnern der Exekutive, des Kommunismus usw. machen. Es genügt nicht zu erklären, dass man zwischen linken Führern und linken Arbeitern unterscheidet,[1] man muss mit dieser Methode des ideologischen Terrors brechen und dazu kommen, vor den Arbeitern wirklich den politischen Inhalt darzulegen. Ich habe nicht verlangt, ein eingehendes Studium der Werke der linken Genossen vorzunehmen, aber ich möchte die Exekutive und die anwesenden Genossen davor warnen, die Verbindung mit den Massen zu vernachlässigen. Zwar wirft man mir vor, die Fühlung mit den Massen manchmal zu unterschätzen oder zu übersehen, doch ich möchte trotzdem die Genossen darauf aufmerksam machen, dass sie diese Verbindung nicht verlieren.

Quelle:

Protokoll des VI. Plenums der Erweiterten Exekutive der KI, S. 577; Hamburg, 1926.

VI Esecutivo allargato dell’IC – Dichiarazione.

 


[1] Bezieht sich u.a. auch auf den „Offenen Brief“ der Exekutive der KI gegen die Fischer-Maslow-Führung vom September 1925. Der Brief, der darauf abzielte, die linken Führer abzusetzen, schlug nicht zuletzt deshalb wie eine Bombe in der KPD ein, weil die KPD-Führung noch wenige Wochen zuvor auf dem X. Parteitag einvernehmlich gewählt worden war. Um die neue Politik trotz erheblicher innerparteilicher Widerstände durchsetzen zu können, wurde explizit die hier von Bordiga erwähnte Unterscheidung angeführt: „Nicht die deutsche Linke ist Bankrott, sondern einige ihrer Führer“.

Der deutsche Kommunismus – Dokumente 1915-45, S. 241; 1963.