Die Nachkriegsperspektiven im Lichte der Plattform[1] der Partei

Es lässt sich schlecht leugnen, dass die proletarische Bewegung während des gesamten II. Weltkrieges fast ausnahmslos unter opportunistischem Einfluss stand. Sie kämpfte unter Richtlinien, die nichts anderes waren als eine schlichte Unterwerfung unter die Bestrebungen, den Kapitalismus zu erhalten.

Gerade in der Politik der Parteien der ehemaligen III. Internationale zeigte sich diese Unterwerfung am krassesten. Diese Parteien ergänzten das Militärbündnis des russischen Staates mit den kapitalistischen Großmächten England und Amerika durch eine Politik der Klassenkollaboration, der nationalen Volksfront und der demokratischen Forderungen.

Im Laufe dieser ganzen geschichtlichen Phase konnte jedoch keine Stimme mit Weltgeltung die Richtlinien und Positionen des revolutionären Marxismus wiederherstellen. Gerade diese theoretische und politische „Plattform“, die während des kürzlich beendeten Krieges von den „offiziellen“ Sozialisten und Kommunisten gänzlich verraten wurde, zeigt den richtigen revolutionären Kurs an. Die Partei betrachtet daher ihre Wiederherstellung als grundlegend für die Wiederaufrichtung der proletarischen Klassenkraft in Italien und der Welt.

Mit dem vollständigen militärischen Sieg der verbündeten „drei Großen“, bzw. mit der Zerschlagung der Staatsapparate ihrer Gegner (Deutschland und Japan), eröffnet sich eine neue Periode, deren Entwicklungsperspektiven genau untersucht werden müssen. Wenn man daraus aber eindeutige Richtlinien für die zukünftige Aktion ableiten will, so muss diese Untersuchung in völliger Kontinuität und Kohärenz mit unseren früheren historischen Bewertungen stehen.

Das Wesen der praktischen Aufgabe der Partei – ihre Fähigkeit, Kräfteverhältnisse und reale Entwicklungen zu beeinflussen – beruht nicht auf Improvisationen bzw. entsteht nicht dadurch, dass im Schlepptau einer neu heranreifenden Situation ausgeklügelte Manöver und Auswege ausgeheckt werden, sondern beruht im Gegenteil auf einer strikten Kontinuität zwischen theoretischen Positionen und Propaganda- und Kampflosungen im Laufe der verschiedenen Situationen.

So konnte eine vom Opportunismus unbeeinflusste marxistische Kritik schon zu Anfang des jetzt beendeten Krieges zeigen, wie leer und abgedroschen das ganze Propagandamaterial der bürgerlichen Demokratien und des pseudo-proletarischen russischen Staates bzw. aller durch ihn beeinflussten und unterstützten Bewegungen war. Nachdem die Massen, die jenen Parolen weitgehend glaubten, eine schreckliche Niederlage erlitten, erscheinen heute die Schlussfolgerungen der marxistischen Kritik naheliegend und banal. Der Krieg gegen die faschistischen Staaten und der Sieg ihrer Gegner haben in der Tat nicht zu einer Wiedergeburt der überholten und unfruchtbaren Idylle des Liberalismus und der bürgerlichen Demokratie geführt, sondern zu einer weltweiten Festigung der modernen, d.h. monopolistischen, imperialistischen, totalitären und diktatorischen Daseinsform des Kapitalismus. Heute ist diese These für jeden annehmbar. Aber vor fünf oder sechs Jahren hätte lediglich eine strikt auf dem Boden der Geschichtsauffassung von Marx und Lenin verankerte revolutionäre Avantgarde sie aussprechen und verteidigen können.

Die Kraft der politischen Klassenpartei des Proletariats erwächst aus dem Wirkungsgrad dieser zugleich theoretischen wie praktischen Vorwegnahmen, aus ihrer Bestätigung durch die vonstattengehenden Tatsachen, und keineswegs aus dem Wechselspiel der Kompromisse, Vereinbarungen, Koalitionen und Koalitionsbrüche, auf dem die bürgerliche und parlamentarische Politik beruht.

Will die neue internationale Klassenpartei eine Kraft in der Geschichte darstellen und den proletarischen Massen die Möglichkeit eines Sieges aufzeigen, so müssen ihre zukünftigen Positionen stets mit eiserner Konsequenz und Kontinuität auf dem Boden der früheren revolutionären Klassenkämpfe stehen.

Die Kritik an der völlig falschen Richtung der Einschätzung, Propaganda und taktischen Haltung der sogenannten sozialistischen und kommunistischen Parteien während des Krieges behält für die Partei daher nach wie vor eine außerordentliche Bedeutung. Das bezieht sich auch auf die Forderung dessen, was die Wiederherstellung einer klassengemäßen politischen Auffassung im Krieg hätte sein sollen. Heute muss sie aber darüber hinaus die korrekte Einschätzung der neuen Periode – des sogenannten Friedens, der mit der Einstellung der Feinseligkeiten eingetreten ist – und die entsprechende Taktik der Richtlinien umreißen.

Aussichten des dritten Zyklus der opportunistischen Klassenkollaboration

Schien es nach dem I. Weltkrieg für lange Zeit nicht möglich, dass das Einvernehmen zwischen den Siegern in Frage gestellt werden könnte, so sind dagegen heute wenige Monate nach Kriegsende die schrillen Propagandareden verstummt, die die Staaten im Kampf gegen Deutschland und Japan als einen stabilen Block ausgaben. An ihre Stelle tritt selbst in der offiziellen Presse die Rede von heraufziehenden Wolken, vom Auftreten ernsthafter Gegensätze und sogar von einer nicht fernen Gefahr bewaffneter Zusammenstöße zwischen den einstigen Verbündeten.

Die Parteien und Gruppen, die allesamt bis gestern noch die Gemeinplätze der gelenkten antinazistischen und antifaschistischen Propaganda wiederholten, beginnen deshalb in eine Krise zu geraten, ihre Positionen zu revidieren, ihre Anhänger schrittweise auf die Möglichkeit von Kursänderungen und aufsehenerregenden politischen Wendungen vorzubereiten. Dies betrifft vor allem die sogenannten proletarischen Parteien, ob sie sich nun sozialistisch oder kommunistisch nennen, für die es jahrelang nur ein Ziel und nur eine Absicht gab: Zerschlagung der faschistischen Gefahr und Errichtung einer nebulösen, alle Klassengegensätze überwindenden Demokratie, wobei sie sich für die Versprechen, die die Führer der alliierten Staaten damals machten, verbürgten. Aber kaum können diese Parteien wieder das politische Rampenlicht genießen, kaum sind sie dabei, an der parlamentarischen Festtafel ihren Trinkspruch auf den Sieg über die reaktionäre Gefahr auszubringen, da werden sie schon mit der Möglichkeit eines Bruches innerhalb der Front der „drei Großen“ konfrontiert und müssen zwischen Positionen wählen, die theoretisch wie praktisch in schreiendem Gegensatz zueinander stehen.

Der revolutionären Avantgarde des Proletariats ist völlig klar, dass dem Krieg zunächst ein Zustand der Weltdiktatur der kapitalistischen Klasse folgte, sichergestellt durch ein Organ der allergrößten Staaten, die die kleineren Staaten, darunter auch viele der früheren „Großmächte“, jeglicher Autonomie und Souveränität beraubten. Diese politische Herrschaft im Weltmaßstab ist Ausdruck des Versuchs, die unerbittliche Diktatur der Bourgeoisie nach einem einheitlichen Plan zu organisieren und hinter Formeln wie dem „Rat der Vereinten Nationen“ oder „Sicherheitsrat“ zu verschleiern. Ihr Erfolg würde nichts anderes bedeuten als den größten Sieg jener Richtlinien, die unter der Bezeichnung Faschismus bekannt wurden und die die Sieger im Einklang mit der dialektischen Wirklichkeit der Geschichte von den Besiegten übernahmen.

Diese Perspektive einer internationalen totalitären Regierung des Kapitals steht ebenso wie ihre Dauer im Zusammenhang mit den ökonomischen Aussichten, die sich dem fast intakt gebliebenen Produktionsapparat der Siegermächte, allen voran dem der Amerikaner, eröffnen. In den vom Krieg hinterlassenen Wüsten bzw. in den Ländern, die infolge der Zerstörungen von der höchsten Stufe der kapitalistischen Entwicklung auf das Produktionsniveau einer Kolonie herabsanken, kann man nun im Sinne einer maßlos fortschreitenden kapitalistischen Akkumulation jahrelang ausgiebig investieren.

Die grundlegende Perspektive der revolutionären Marxisten zeigt, dass sich ein solcher einheitlicher, bürgerlicher Organisationplan definitiv nicht durchsetzen lässt. Schon allein das schwindelerregende Tempo, das alle menschlichen Tätigkeiten bestimmt, die unerbittliche Unterwerfung der arbeitenden Massen und der gesteigerte Einsatz aller Produktionsmittel, die damit einhergehen werden, schon allein das wird zu neuen Konflikten und Krisen führen: Einerseits zu Klassenzusammenstößen, andererseits zu einem Bruch in der Sphäre der bürgerlichen Diktatur und zu neuen imperialistischen Zusammenstößen zwischen den großen staatlichen Kolossen. Man darf allerdings nicht erwarten, dass sich – unmittelbar nach Kriegsende – diese komplexe Entwicklung von heute auf morgen vollzieht. Auch wenn im Hinblick auf das politische Zeitgeschehen vom Scheitern der Friedenskonferenzen und von unüberwindbaren Gegensätzen die Rede ist, und selbst wenn die jetzigen Ereignisse voraussehen lassen, dass anstelle der neuen Weltorganisation bzw. des „Superstaates“ tendenziell eine Teilung in Einflusszonen und in große – ein fragiles Gleichgewicht bildende – Blöcke verbündeter Staaten treten wird, so ist zunächst davon auszugehen, dass das Ausmaß der zu heilenden Kriegswunden (und des weiten, für das kapitalistische System daraus erwachsenden Betätigungsfeldes) dennoch den Triumpf des Kompromisses erlauben wird.

Wenn die großen und geschickt gelenkten Apparate der gleichgeschalteten Propaganda Nachrichten über die schreckliche Eventualität eines Zusammenpralls der siegreichen Kolosse verbreiten, wenn sie das Gespenst einer neuen weltweiten Hekatombe an die Wand malen – und angesichts des qualitativ und quantitativ gesteigerten Potentials der Angriffsmittel kann man sich vorstellen, wie verheerend dies wäre –, so entspricht dies wahrscheinlich dem Bedürfnis der neuen Super-Diktatur die Vasallen stärker zu terrorisieren. Mit einer so furchtbaren Alternative konfrontiert, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als jedes auch noch so unerträgliche Knechtschaftsverhältnis hinzunehmen und sich den knallharten Anordnungen zu beugen, welche die oberste internationale Herrschaftsinstanz in Sachen Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Grenzen usw. einträchtig diktieren wird – um die Welt nach den höchsten Interessen des Großkapitals neu zu ordnen.

Aber dieser Gegensatz, dieser Bruch, diese Reibung – was sich bereits abgezeichnet hat – muss von der proletarischen Klassenpartei als Ankündigung einer zukünftigen Situation betrachtet werden, auf die man sich, obwohl noch weit entfernt, bereits heute vorbereiten muss: Die Partei darf nicht auf entscheidende Ereignisse der Weltgeschichte mit improvisierten und unerwarteten Reaktionen in letzter Minute reagieren, denn dies würde zur Zersetzung und Verwirrung in den Reihen des Proletariats führen. Unzählige geschichtliche Beispiele sind hierfür eine Warnung.

Es sind keine nichtigen Gründe, die die Gegensätze zwischen dem englischen und dem amerikanischen Kapitalismus betreffen. Bisher beherrschte der englische Kapitalismus die Weltbühne und war Hauptträger der Konterrevolution. Inzwischen ist sein Nachfolger, der – historisch betrachtet – junge Kapitalismus der USA, jedoch England weit überlegen. Die Auswirkungen dieses Gegensatzes und die Aussichten dieses Kampfes zwischen zwei Kontinenten verdienen die aufmerksamste Untersuchung seitens der revolutionären marxistischen Avantgarde und sind eine Aufgabe der Partei, die diese Avantgarde verkörpert.

Es ist jedoch eine andere Bruchlinie, wenn auch noch weit entfernt, innerhalb der kapitalistischen Weltfront, die für die taktische Orientierung des Weltproletariats allergrößte Bedeutung hat: die Aussicht auf einen militärischen Zusammenstoß zwischen dem anglo-amerikanischen Block und Russland.

Dieser Gegensatz kann übrigens dadurch schnell virulent werden, dass die englische Bourgeoisie, die aufgrund der Festigung der amerikanischen Weltdiktatur gezwungen sein wird, sich von der Stellung einer Weltmacht auf die einer europäischen und schließlich lokalen Macht zurückzuziehen, das dringende Interesse haben wird, ihre Kontrolle über Zonen, Positionen und Verbindungswege in Europa zu behalten und auszudehnen, was sich gegen die Interessen des nach Westen expandierenden russischen Staates richtet. (Dass der russische Staat seinerseits eine Politik imperialistischer Expansion verfolgt, steht in vollkommenem Einklang mit seiner sozialen Natur, die wir in den Thesen unserer Plattform bereits ausführlich dargelegt haben.) Und in der asiatischen Welt treten gleichartige Verhältnisse zutage.

Man kann davon ausgehen, dass der Konflikt zwischen Russland und Amerika erst allmählich den Boden der diplomatischen Auseinandersetzungen verlassen wird, um sich in einen militärischen Zusammenstoß zu verwandeln. Parallel dazu kann man festhalten, wie unter der Regie der gesellschaftlichen Oligarchien, in deren Händen sich diese Staaten befinden, hüben und wie drüben der Versuch wiederholt wird, der Welt und den Massen die jeweiligen imperialistischen Interessen in Form von allgemeinen Thesen, gesellschaftlichen Idealen und Kreuzzügen für das Wohl der Menschheit zu präsentieren.

Nicht anders als seine Vorgänger wird auch der mögliche III. Weltkrieg auf beiden Seiten der Front als ein Kampf der Verteidigung von Werten und zur Eroberung von Positionen, die das Wohl und die Zukunft aller betroffenen Bevölkerungen betreffen, ausgegeben werden.

Damit werden die herrschenden Minderheiten wieder einmal versuchen, politische und soziale Kräfte, die sowohl auf ihrem Territorium als auch auf demjenigen des Feindes agieren, auf ihre Seite zu ziehen, um den Einfluss und die Aktionsmöglichkeiten dieser Kräfte zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Der mögliche zukünftige Krieg als vermeintlicher antikapitalistischer Feldzug

Im Laufe der letzten Kriegsjahre hatten die sozialistischen und kommunistischen Parteien in den Ländern, die gegen Deutschland kämpften, im Grunde genau dieselbe opportunistische Haltung: Sie benutzten die gleichen Parolen und verfolgten die gleiche Politik, die gänzlich auf den Zusammenschluss der antifaschistischen und antideutschen Kräfte ausgerichtet war, was sie selbst bis an die Schwelle der organisatorischen Vereinigung mit ebendiesen Kräften führte.

Kurz davor hatten ihre Positionen jedoch in einem krassen Widerspruch zueinander gestanden; denn vor dem fast unerwarteten Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Deutschland und Russland hatten sich die kommunistischen Parteien in Frankreich, England und Amerika nicht an den Volksfronten zur Zerschlagung des Nazismus beteiligt. Sie standen im Gegenteil in Opposition zu ihren Regierungen und waren manchmal (besonders in Frankreich) so weit gegangen, auf der Grundlage einer prodeutschen Propaganda eine Politik des offenen Defätismus und der Kriegssabotage zu betreiben. Mit dem Umschwung in der internationalen Lage vollzogen diese Parteien eine brüske Kehrtwendung, was zu einer Kollaboration mit ihren Regierungen und zum Beitritt in die Volksfronten führte. Seit dieser dreisten Wende erklären sie jeden Übergang zur unversöhnlichen Klassenpolitik, zur revolutionären Aktion und zum Bürgerkrieg für undenkbar, für eine um Generationen hinausgeschobene Sache, gleichgültig ob nun Krieg oder Frieden zwischen den Staaten herrsche.

Sollte aber ein Krieg zwischen dem russischen Staat und dessen heutigen Verbündeten ausbrechen, so würden die kommunistischen Parteien in allen gegen Russland kämpfenden Ländern mit einem Schlag die Volksfronten und Koalitionsregierungen verlassen, eine Oppositionspolitik einschlagen, zum illegalen und bewaffneten Kampf übergehen und zur Bildung von Partisanenverbänden zum Kampf für Russland hinter der Front aufrufen, wie man es früher in Deutschland tat.

Es ist sogar denkbar, dass diese Parteien ihre neue politische Strategie mit den Losungen des Klassenkampfes, des sozialen Krieges, der Notwendigkeit eines plötzlichen Übergangs des Proletariats vom historischen Ziel der fortschrittlichen Demokratie zu demjenigen der Klassenrevolution bemänteln und rechtfertigen.

Diese Agitation würde den neuen Krieg nicht als Ausdruck der unlösbaren kapitalistischen Krise darstellen, sondern als einen Kampf zwischen zwei Gesellschaftsformen, zwischen zwei gegensätzlichen Geschichtsepochen: dem Kapitalismus (verkörpert durch die bürgerlichen Staaten Europas und Amerikas) und dem Kommunismus (verkörpert durch das „proletarische“ Russland).

Es ist auch möglich, dass die heute völlig vergessene Kritik von Marx und Lenin an den Lügen der bürgerlichen Demokratie dann zu Zwecken der Kriegspropaganda wieder ausgegraben und hervorgekehrt wird.

Für die Länder, die infolge des Ergebnisses des II. Weltkrieges unter dem Einfluss des russischen Staates stehen und somit Verbündete Russlands sein werden, wird andererseits mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit die Parole des Zusammenschlusses aller Gesellschaftsklassen (Kapitalisten, Bauern, Arbeiter) zu einer Volkfront im gemeinsamen Kampf für nationale Unabhängigkeit und Freiheit ausgegeben werden.

Eine derartige Politik wird von revolutionären Marxisten keine Unterstützung, keine Befürwortung und keine Solidarität erfahren; denn ihre ganze Ausrichtung, ihre kritische Einschätzung, ihre Propagandalosungen und ihre taktische Haltung sind falsch und opportunistisch und ihre Wirkungen auf das revolutionäre Potential des Weltproletariats dementsprechend verheerend.

Wie wir in anderen Verlautbarungen unserer Bewegung ausführlich begründet haben, ist der russische Staat kein proletarischer Staat mehr. Die Macht liegt dort nicht mehr in den Händen der Arbeiterklasse, sondern ist in die einer Oligarchie übergegangen, welche die Interessen der neuentstehenden internen Bourgeoisie und des internationalen Kapitalismus zum Ausdruck bringt und vertritt. Gerade weil Russland kein proletarischer Staat mehr war, konnte es im letzten Krieg mit den stabilsten und größten kapitalistischen Mächten ein Bündnis eingehen und der Rettung dieser Mächte Millionen russischer Proletarier opfern; gerade deshalb konnte es darüber hinaus in allen Ländern die Klassenkollaboration und den Verrat an der revolutionären Vorbereitung des Proletariats predigen und organisieren.

Wenn dieser nicht-proletarische Staat zu einem Partisanenaufstand hinter der Front des feindlichen Heeres aufruft, so geht es ihm dabei nicht um die Mobilisierung des Proletariats auf dem Boden des Klassenkriegs, sondern – wie allen konservativen und konterrevolutionären bürgerlichen Staaten – nur darum, militärische Unterstützung zu bekommen, wobei sich alle Staaten darauf vorbereiten, nach dem Sieg die bürgerliche Ordnung und Klassenherrschaft wiederherzustellen.

Die Fähigkeit der politischen Bewegung des Proletariats für revolutionäre Zielsetzungen zu kämpfen, ergibt sich aus einer in allen Situationen konsequenten und beständigen Klassenhaltung. Jene Parteien, die bereits bewiesen haben, dass sie dazu fähig sind, das Proletariat an einem Wendepunkt der Entwicklung zu entwaffnen und seine Klassenaktion zu zerschlagen, können niemals – egal, um welche Periode es sich handelt und welche Taktik eingeschlagen wird – als Verbündete einer revolutionären Bewegung, die auf den Sturz der bürgerlichen Macht in allen Ländern abzielt, angesehen werden.

Deshalb muss die suggestive Propaganda der Verherrlichung des russischen Krieges, die die Traditionen der leninistischen Revolution ausbeutet, als eine der vielen historischen Formen der opportunistischen Mobilisierung des Proletariats angesehen werden, denn sie bildet nichts anderes als eine Neuauflage der früheren und gleichgearteten Kampagne, die im Laufe des II. Weltkriegs mit genau denselben Mitteln geführt wurde, um das Proletariat davon zu überzeugen, dass es sich für den Sieg des amerikanischen und englischen Kapitalismus über den deutschen niedermetzeln lassen sollte.

Jenen Parteien, die das Proletariat dazu aufriefen, für die englische und amerikanische Bourgeoisie zu kämpfen, darf man kein Gehör schenken, wenn sie zum Kampf gegen diese Bourgeoisien aufrufen.

Die marxistische Bewegung muss sie auf ihre Verantwortung festnageln: als Kollaborateure der kapitalistischen Kräfte, als Apologeten der bürgerlichen Demokratie, als Büttel des englischen und amerikanischen Imperialismus.

Und die erneute abrupte Wendung, die die Politik dieser Parteien vollziehen muss, wenn sich eine neue Kriegssituation abzeichnen sollte, ist als eine erneute Bestätigung der konterrevolutionären Natur dieser Organisationen anzusehen.

Der zukünftige Krieg als antitotalitärer Feldzug

Was die andere Seite eines möglichen bewaffneten Zusammenstoßes betrifft, so werden die bürgerlichen Oligarchien Englands und Amerikas ihrerseits ebenso wenig auf den Versuch verzichten, sowohl im eigenen Land (bzw. bei ihren Vasallen) als auch in den feindlichen Ländern proletarische Strömungen auf ihre Seite zu ziehen.

Das Leitmotiv der revolutionären und blutigen Bedrohung durch den Bolschewismus, der mit den russischen Armeen die Welt erobern und die Reichen enteignen und ausrotten würde, wird, sofern es sich an die Schichten der Kleineigentümer wendet, von der Kriegspropaganda dann wieder breitgetreten (ein Leitmotiv, das den nazistischen und faschistischen Bourgeoisien Deutschlands und Italiens keinen Erfolg bescherte). Der Schwerpunkt der zukünftigen antirussischen Kampagne seitens der mächtigen, in ihrer technischen Perfektion bis jetzt unübertroffenen Propagandamaschinen Englands und Amerikas wird woanders liegen.

Obwohl die westlichen Demokratien zwar nach und nach totalitäre und faschistische Formen annehmen, werden sie aufgrund ihrer sozialen Basis bzw. ihrer besonderen Stellung in der Welt (besonders Amerika) allerdings noch für lange Zeit die Komödie der Verteidigung aller Freiheiten spielen können. Ob man sich nun die Einstellung und Orientierung vieler bürgerlicher Parteien vor Augen hält oder sich mit den ersten Wortgefechten zwischen den Ex-Verbündeten befasst: hier wie dort wird man feststellen können, wie sich schon heute die Tendenz abzeichnet, das russische System als diktatorisch, totalitär und faschistisch anzugreifen.

Dass es in Russland nicht den Hauch einer formalen Demokratie – reale Demokratie ist sowieso eine Chimäre – oder eines liberalen Vertretungssystems gibt, ist seit eh und je bekannt, aber im Interesse der Antinazi-Propaganda täuschte der Westen jahrelang vor, an eine Demokratisierung des russischen Regimes zu glauben.

Es wird sich aber immer deutlicher zeigen, wie sich dieser „Glaube“ nach und nach in sein Gegenteil verkehrt. Dem russischen Regierungsapparat wird dann vorgehalten, er stelle die erdrückende Diktatur einiger Despoten dar und bediene sich gewalttätiger und grausamer Methoden, die bis dato den Nazi-Bestien von den demokratisch-parlamentarischen Lämmlein vorgeworfen wurden.

Den sowjetischen Führer Molotow soll man angeblich bereits bezichtigt haben, dass sein Verhalten an Hitler erinnere; die Namen stehen hier nur als banales Symbol für die Stellung der historischen Kräfte. Jedenfalls liegt eine gravierende Fehleinschätzung nicht darin, Molotow für weniger brutal als Hitler zu halten, sondern darin, sich weißmachen zu lassen, der britische Sozialist Bevin repräsentiere Kräfte, die weniger kriegerisch und brutal sind als die der beiden anderen Mächte. Wie dem auch sei, der inzwischen unter der strohdummen Mitwirkung der Verräter des Marxismus neu aufgewertete Gemeinplatz des „Kampfes gegen alle Diktaturen“ wird weidlich ausgenutzt werden und die westliche Presse wird entdecken, dass Stalin ein Diktator und die sowjetische Staatsordnung nichts anderes als Faschismus ist. Und darauf wird man die These gründen, dass die demokratischen Freiheiten erst dann in einer friedlichen Welt triumphieren können, wenn Stalin oder sein Nachfolger (wie früher Mussolini, Hitler und Hirohito) durch einen siegreichen Krieg gestürzt sein wird.

Erneut wird man die Proletarier davon überzeugen wollen, dass die freiheitlich-parlamentarische Ordnung eine für sie bedeutende Errungenschaft darstellt, ein geschichtliches Erbe, das der Moskauer Imperialismus, wie gestern der teutonische oder japanische, bedroht und ihnen wegnehmen will.

Beitreten werden einer einheitlichen Kriegsfront im Namen der Freiheit, neben anderen unzähligen kleinbürgerlichen Schattierungen, die Sozialisten à la II. Internationale (diese werden sich dann wieder antirussisch gebärden, wie sie es zu Zeiten Lenins aus anderen Gründen taten), viele Anarchisten und die verschiedenen scheinheiligen und konfessionellen Sozialreformisten, die heute alle Länder verpesten. Auf die Propaganda und den Aufruf zur Einheitsfront wird die proletarische Partei mit der entschiedensten Bekämpfung des Krieges antworten, mit der Entlarvung der Kriegsverfechter und, wo sie dazu in der Lage sein wird, mit dem direkten Klassenkampf auf internationaler revolutionärer Grundlage.

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die zentralisierte und totalitäre Form des russischen Staates, der zu einem Flügel des kapitalistischen Imperialismus wurde, zwar kein proletarischer Staat ist, sich andererseits aber moderner als die überholte und absterbende parlamentarische Demokratie zeigt. Das Postulat nach Wiederherstellung der Demokratie anstelle eines totalitären Systems innerhalb der Grenzen des kapitalistischen Werdegangs ist anachronistisch und keine Forderung, die das Proletariat zu verfechten hätte.

Im Übrigen steht dieses Postulat im Gegensatz zur allgemeinen historischen Entwicklung und wird durch den militärischen Sieg der sie propagierenden imperialistischen Staaten keineswegs realisiert.

Die marxistische Opposition in Hinblick auf den zukünftigen Kriegsopportunismus

In einem möglichen III. imperialistischen Krieg wird unsere Bewegung demzufolge in beiden Kriegslagern jegliche Parolen zur „Verteidigung des Vaterlands“ und jegliche „Zwischenschritte“ ablehnen und bekämpfen. Die Politik der „Vaterlandsverteidigung“ wurde 1914-18 durch die erste opportunistische Welle geprägt und bereits von Lenin theoretisch und politisch erledigt.[2] Unter Politik der „Zwischenschritte“ verstehen wir hier eine Politik, die den Sturz der kapitalistischen Klassenherrschaft hinten anstellt und von der Verwirklichung einer bestimmten Organisationsform der bürgerlichen Gesellschaft abhängig macht. Diese soll dem Proletariat angeblich bessere Bedingungen für seinen weiteren Kampf bieten und wird als erstes und unabdingbares Ziel des revolutionären Proletariats ausgegeben.

Die „Bewahrungspolitik“ des Opportunismus geht davon aus, dass die Arbeiterklasse, die in der bestehenden Gesellschaftsordnung von den höher stehenden Klassen unterdrückt und ausgebeutet wird, immer wieder der Gefahr ausgesetzt ist, dass sich ihre Lage allgemein verschlechtert, wenn gewisse Merkmale dieser bestehenden Gesellschaftsordnung bedroht werden.

So konnte man unzählige Male erleben, wie die opportunistischen Führer das Proletariat dazu aufriefen, den Klassenkampf aufzugeben, um sich national wie international mit anderen sozialen und politischen Kräften zu verbünden zwecks Verteidigung der verschiedensten Werte: der Freiheit, der Demokratie, des Parlamentarismus, des Vaterlandes, der nationalen Unabhängigkeit, des allgemeinen Pazifismus usw. usf. Für den Marxismus hingegen ist das Proletariat die einzige revolutionäre Klasse und hat im revolutionären Kampf nichts zu verlieren als seine Ketten, wobei all jene Erscheinungen der bürgerlichen Welt nichts anderes sind als lauter Schutzmechanismen, mit denen sich das kapitalistische Privileg umgibt. In den verheerenden Krisen des I. und II. imperialistischen Krieges konnte die opportunistische Politik der „Vaterlandsverteidigung“ gerade dieses Proletariat, das zum Sachwalter eines künstlichen geschichtlichen Erbes und zum Retter der gescheiterten Ideale der bürgerlichen Politik gemacht wurde, noch elendiger und gefesselter als jemals zuvor an seinen Klassenfeind ausliefern.

Die Politik der „Zwischenschritte“ erfüllt hierbei eine ergänzende Funktion. Bei ihr geht es nicht mehr allein um den Schutz von Vorteilen, die die Arbeiterklasse hat und die sie verlieren könnte. Diese Politik hat nämlich einen viel suggestiveren Aspekt: Sie stellt Zwischenziele auf, die das Proletariat – selbstverständlich mit der gefälligen und selbstlosen Hilfe eines fortgeschrittenen Flügels der Bourgeoisie und dessen Parteien – zunächst verwirklichen müsse, um dadurch leichter den Sprung zu seinen Endzielen machen zu können. Es gibt tausende von Beispielen für diese Politik der „Zwischenschritte“, die alle in die Klassenkollaboration münden: vom revolutionären Krieg, zu dem Mussolini die italienischen Sozialisten 1914 aufrief, bis hin zum Partisanenaufstand und zur fortschrittlichen Demokratie, die im Verlaufe des jüngsten Krieges von den Verrätern der III. Kommunistischen Internationale als Ersatz für den revolutionären Kampf und die Diktatur des Proletariats erschaffen wurden, wobei erschwerend hinzukam, dass dieser Prinzipienschacher als eine Anwendung der „elastischen“ Taktik Lenins ausgegeben wurde. Diese Methode äußert sich in inhaltslosen und abstrusen Parolen vom „proletarischem Europa“ und den „Vereinigten Staaten der Welt“ sowie ähnlichen zwielichtigen Formeln, die man anstelle der bewaffneten Eroberung der ganzen Macht durch das Proletariat, dieses zentralen programmatischen Postulats von Marx und Lenin, setzt.

Die Politik der „Vaterlandsverteidigung“ des Opportunismus wird beim nächsten imperialistischen Krieg das Proletariat dazu aufrufen, sich mit Haut und Haar für folgende Ziele einspannen zu lassen: auf der einen Seite der Front für die Rettung der freiheitlich-parlamentarischen Ordnung der westlichen Demokratien, auf der anderen für die Rettung der proletarischen und kommunistischen Macht Russlands. Die revolutionäre Arbeiterbewegung wird nur dann in der Lage sein, sich zu behaupten, Widerstand zu leisten und den Weg einer historischen Wiedererstehung aufzunehmen, wenn sie diese Lügengebilde vernichtet. Gleichermaßen wird eine Bedingung für die Wiederaufnahme des revolutionären proletarischen Kampfes die Ablehnung der Politik der „Zwischenschritte“ sein, da der Opportunismus dem Proletariat je nach Kriegslager vorgaukeln wird, dass der Weg seiner späteren revolutionären Emanzipation nur über die Festigung der parlamentarischen Regierungsmethode gegen den Moskauer Totalitarismus geht bzw. die Ausdehnung des pseudo-sowjetischen Systems auf die kapitalistischen Länder des Westens voraussetzt.

Im Vergleich zu der Zeit nach dem I. imperialistischen Krieg wird diese richtige Linie der proletarischen Politik heute leider nur von äußerst kleinen und isolierten Gruppen vertreten. Auf diese Positionen werden die mächtigen Propagandaapparate, diese Maschinen, die im Dienste der großen staatlichen Monster eine opportunistische Gehirnwäsche betreiben, zunächst mit einer Verschwörung des Schweigens oder mit dem modernen Monopol der Informations- und Organisationsmittel reagieren – und falls notwendig mit Repression und Terror gegen das Proletariat. Sollte aber das Terrain der sogenannten unparteiischen Diskussion (für Marxisten eine inakzeptable Hypothese) noch offen bleiben, so würde man den oben skizzierten Richtlinien den Vorwurf des aprioristischen Dogmatismus, der blinden Indifferenz gegenüber den mannigfaltigen Entwicklungsmöglichkeiten der geschichtlichen Wirklichkeit machen. Nicht anders argumentierten die Anhänger Mussolinis im ersten opportunistischen Zyklus und die demokratisch-kommunistischen Fortschrittler im zweiten.

Die linken Kommunisten hätten lediglich einige starre Formeln wie „Klassenkampf“, „Kompromisslosigkeit“, „Neutralität“ usw. parat und würden sich nicht die Mühe machen, die verschiedenen Situationen und ihre komplizierte Entwicklung zu untersuchen, sondern sich immer nur schablonenhaft für eine sterile und negative theoretische wie praktische Indifferenz gegenüber den zwei übermächtigen Konfliktparteien entscheiden.

Als könnte es möglich sein, dass Marxisten, d.h. Vertreter einer wissenschaftlichen, von allen Dogmen und Vorurteilen befreiten Untersuchung der gesellschaftlichen und geschichtlichen Erscheinungen, behaupten, dass Sieg oder Niederlage z.B. der mitteleuropäischen Kaiserreiche im I. Weltkrieg, des Nazi-Faschismus im II. und morgen der amerikanischen Plutokratie oder des pseudo-sowjetischen Totalitarismus keinen Einfluss auf den ganzen Entwicklungsprozess vom Kapitalismus zum Sozialismus gehabt hätten oder haben würden! Der Opportunismus hingegen hat mit dieser Unterstellung stets seine Kämpfe begonnen und bisher gewonnen.

Nun, es stimmt absolut nicht, dass sich die Linke durch die gewollte Unkenntnis dieser Alternativen und durch die Ablehnung einer differenzierten Untersuchung dieser verschiedenen und komplexen Erscheinungen und Wechselverhältnisse der kapitalistischen Krise charakterisieren ließe. Darin liegt im Gegenteil eine ständige Aufgabe der Bewegung, eine immer weiter zu führende kritische und theoretische Untersuchungsarbeit, deren Schlussfolgerungen keineswegs durch die Annahme unveränderlicher Prinzipien präjudiziert oder unüberwindbar begrenzt werden. Gerade die Kritik, die der revolutionäre Marxismus leistet, ist tiefer und stringenter, vor allem aber wird sie nicht bedingt durch die explizite oder (was noch öfter vorkommt) implizite Annahme von Vorurteilen, die die Interessen der uns feindlichen Kräfte widerspiegeln. Und gerade deshalb kann der revolutionäre Marxismus den liquidatorischen Opportunismus theoretisch widerlegen, wobei es allerdings noch wichtiger sein wird, ihn mit den Waffen im Klassenkampf zu schlagen.

Wir behaupten ganz klar, dass die verschiedenen Ergebnisse nicht nur der großen Kriege, die die ganze Welt erfassen, sondern in jedem, auch begrenzten Krieg die Kräfteverhältnisse zwischen den Klassen in bestimmten Gebieten oder in der ganzen Welt entscheidend beeinflussen und die Entwicklungsmöglichkeiten der Klassenaktion erweitern oder verengen. Marx, Engels und Lenin haben dies an den verschiedensten historischen Beispielen gezeigt, und wir müssen dies bei der Ausarbeitung der Plattform unserer Bewegung immer wieder darlegen und nachweisen.

Hierbei beruht die Widerlegung der Ausgangsthese der Sozialverräter – d.h. die Indifferenz der Sinistra – auf der Kritik an drei willkürlichen Positionen, die diese These in ihren unzähligen Varianten jedes Mal enthält.

1.) In jedem Krieg sei es auf beiden Seiten der Front möglich, die Kriegsziele als einen vermeintlichen Sieg allgemeiner, den Bestrebungen der Menschheit oder der armen Klassen entsprechender Werte oder Ideale auszugeben. Als Beispiel wird der preußisch-französische Krieg von 1870 angeführt, wobei sich aus den beiden Alternativen soziale und revolutionäre Entwicklungen hätten ergeben können: einerseits als Folge eines Sieges des Vaterlandes der Großen Revolution über das noch feudale Preußen, andererseits als Auswirkung des Sturzes der bonapartistischen Reaktion. Beide Perspektiven hatten einen vom marxistischen Standpunkt gewissen richtigen Inhalt. Daraus konnte man aber nicht folgern, dass die internationalistischen Kommunisten sich politisch und militärisch hinter die Fahne der Hohenzollern oder Bonapartes stellen sollten. Die Untersuchung aller späteren Situationen ist bekannt (siehe Lenins Thesen von 1916[3]).

2.) Völlig willkürlich ist die Hypothese, der zufolge die Verschiebung der Kräfteverhältnisse, die sich aus dem Sieg einer militärischen Macht ergibt, eine allgemeine historische Entwicklung in Richtung auf die internationale Verbreitung der sozialen und politischen Ordnung des Siegers bewirkt. Nicht nur dass die möglichen Auswirkungen sehr viel komplizierter sind, sondern darüber hinaus hat der geschichtliche Verlauf in seiner Gesamtheit meistens dialektisch die gegenteilige Erscheinung zu Tage gefördert. So haben z.B. die Invasionen der Barbaren den militärischen Schutz des römischen Reiches zerschlagen, und dennoch hat ganz Europa die Gesellschaftsordnung und die Gesetze Roms übernommen.

Die Koalitionen gegen das revolutionäre Frankreich besiegten Napoleon und zerstörten unwiderruflich seine Armee, und dennoch haben sich die bürgerlichen Grundsätze und der Code Napoléon[4] nach und nach auf ganz Europa ausgedehnt.

In zwei Weltkriegen sicherte sich die Seite den Sieg, welche behauptete, die Demokratie zu vertreten (wobei Russland allerdings im I. Weltkrieg absolutistisch und im II. totalitär war, d.h. in beiden Fällen über kein parlamentarisches System verfügte). Wenn man die Entwicklung der modernen Welt untersucht, ohne sich dabei von bürgerlichen Vorurteilen leiten zu lassen, kann man jedoch eine unerbittliche Zunahme der Kontrolle von oben, der bürokratischen Verfilzung, der Staatsinterventionen, der Knebelung und Erstickung jeder lokalen Initiative und Autonomie seitens monströser monopolistischer Organisationszentren feststellen. Wobei natürlich klar ist, dass wir Marxisten dies alles nicht sub specie aeternitatis[5] feststellen und bewerten, um dann in große Entrüstung auszubrechen. Wir untersuchen dies eben als die Entwicklungslinien der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, und zwar nicht so sehr unter dem Aspekt des Verhältnisses zwischen Bourgeoisie und Proletariat, das seit eh und je durch eine gnadenlose Unterdrückung gekennzeichnet ist, sondern eher der Beziehungen zwischen den Bourgeois untereinander.

3.) Auch wenn es je nach Kriegsausgang verschiedene Möglichkeiten gibt, die die Bewegung genau voraussehen kann und von denen sie ausgehen muss, muss die Ausnutzung dieser Möglichkeiten dadurch gesichert werden, dass die wesentlichen Klassenkräfte und der Aktionsspielraum der Partei nicht durch eine opportunistische Versumpfungspolitik kompromittiert werden.

Wenn die sorgfältige Dechiffrierung der Entwicklung günstiger Bedingungen für die entscheidende Klassenaktion zu den wichtigsten Aufgaben der Partei gehört, so hat die Partei andererseits nicht die Aufgabe, hierfür Bedingungen für irgendwelche Zwischenschritte zu schaffen: sie muss hingegen im gesamten historischen Verlauf diese Aktion vorbereiten und zum Sieg führen. Dies ist natürlich im marxistischen und dialektischen Sinne zu verstehen, insofern der Kapitalismus selbst die zentrale Bedingung für den Sieg des Sozialismus ist. Und dennoch hat die revolutionäre Partei seit ihrem Entstehen den Kapitalismus unerbittlich bekämpft und diesen Kampf je nach den realen Kräfteverhältnissen gesteigert: wissenschaftliche Kritik, grundsätzliche Opposition, politische Agitation, bewaffneter Kampf. Aber gerade und nur infolge der Kontinuität dieser Haltung bildet ihre Funktion einen Aspekt des Heranreifens der revolutionären Bedingungen, in denen die Krise des Kapitalismus zum Ausdruck kommt.

Kommen wir zum Schluss. Dass „Verfassungsurkunden“, Parlamente, liberale Gesetze und dergleichen in der hochmodernen Phase der Geschichte leere Worte sind, merken nicht nur kluge Marxisten, sondern auch die naivsten Beobachter. Und selbst wenn wir davon ausgehen könnten, dass wir aus diesen Dingen für eine gewisse Zeit und in gewissen Ländern noch ausnahmsweise einen Vorteil ziehen könnten, so müssten wir dennoch dialektisch vorgehen und anderen Kräften den Kampf für derartige Zielsetzungen überlassen, um uns unablässig der Entlarvung und Sabotage dieser Zielsetzungen und ihrer Verfechter zu widmen.

Italien und die internationale Lage

Die Bestimmung der Aufgaben der Partei in dem jeweiligen Land, in dem sie wirkt, stellt nicht den Ausgangspunkt, sondern das Ergebnis der internationalen proletarischen Politik dar. National ist der proletarische Kampf nur in dem Sinne, dass das Proletariat sich zunächst seiner eigenen Bourgeoisie entledigen muss (siehe das „Kommunistische Manifest“). Das Proletariat geht also nicht von der Frage aus, ob es mit der Bourgeoisie seines Landes Interessen, Werte und Forderungen teilt und in der Weltpolitik zu vertreten hat, sondern von der Einschätzung der Strategie der zwei entgegengesetzten Klassenlager im Weltmaßstab.

Spülte die opportunistische Welle anlässlich des I. Weltkrieges diese Positionen hinweg, so brach sie sich bald an der mächtigen Gegenwelle der leninistischen Revolution. Heute dagegen, nach Ende des II. Weltkrieges gibt es offensichtlich keinen Führer oder Vertreter des Proletariats, der sich nicht der absoluten Notwendigkeit einer nationalen Solidarität zur Verteidigung der Interessen und der Sache des Vaterlandes, der Nation, Italiens, des italienischen Staates (ob nun im Krieg oder im Frieden) vorbehaltlos verpflichtet fühlt. All diese Begriffe, die die Verdrängung der inneren Klassengegensätze voraussetzen, werden von angeblichen Marxisten vertreten, die nicht erkennen können oder verschleiern wollen, dass sie sich direkt in den Fußstapfen der faschistischen Politik bewegen, ja diese Politik fortführen und vervollkommnen.

Im I. Weltkrieg hat sich die herrschende Klasse Italiens mit Erfolg in der Kunst geübt, sich auf die Seite des Siegers zu stellen. Daraus konnte sie gewisse Vorteile ziehen, die jedoch durch den entfesselten Appetit der stärkeren imperialistischen Räuber beträchtlich eingeschränkt wurden. Die italienische Bourgeoisie versuchte, dafür einen Ausgleich auf dem Rücken der Arbeitermassen zu finden. Die Massen hatten aber während des Krieges nicht ganz auf den Klassenkampf verzichtet und waren daher in der Lage, eine Politik der „nationalen Unsolidarität“, der offenen Opposition, ja der Versuche revolutionärer Kämpfe zu führen. Darauf antworteten alle bürgerlichen Parteien mit der Losung: „Der schlimmste Feind steht im eigenen Lande“, und so konnte die Bourgeoisie im Klassenkrieg den Sieg davontragen. Sie hielt die Staatsmacht fest in der Hand und segelte durch die Stürme der Weltpolitik in der Hoffnung, sich der mächtigsten und aussichtsreichsten Gruppe für den Sieg anschließen zu können.

Mit dem Ausgang des II. Weltkrieges stellt sich die Situation ganz anders dar. Der Staat trägt die Last der militärischen Niederlage und die bürgerliche Klasse, deren Instrument er ist, wartet ab, welches Schicksal die Sieger ihr vorbehalten haben. Um die schlimmsten Konsequenzen abzuwenden, versucht sie, ihre seit eh und je betriebene Politik unter veränderten Bedingungen fortzusetzen.

In der Plattform unserer Partei wird die Kontinuität dieser Politik sowohl unter der faschistischen Regierung seit dem 28.10.1922 als auch nach deren Sturz vom 25.7. und 8.9.1943 lückenlos bewiesen.[6]

Nachdem sie der deutschen Bourgeoisie die Arbeitskraft und das Leben der italienischen Massen „verpachtet“ hatte, distanzierte sich die italienische Bourgeoisie von ihrer bisherigen Politik als einer kriminellen Ausbeutung und Zerstörung der Mittel und Energien des italienischen Volkes, kostümierte sich dementsprechend mit neuen Parteien, um dann dem bisherigen Kriegsgegner denselben Pachtvertrag anzubieten, indem sie sich an einer patriotischen und kriegshetzerischen Neuauflage versuchte. Wenn es sich dabei nicht um einen erneuten Betrug handeln würde, so wäre die Sache selbst im Vergleich zu den früheren Katastrophen als noch krimineller anzusehen.

Um von den übermächtigen Siegerstaaten ein neues Mandat für die Herrschaft und parasitäre Ausbeutung zu erhalten, bietet die bürgerliche Klasse, die sich entsprechend der heute allgemeinen Tendenz zunehmend mit der oligarchischen Schicht der Spekulanten und Politikaster identifiziert, in internationalen Verhandlungen erneut die Arbeitskraft und das Leben der italienischen Proletarier zu Ramschpreisen an.

Die proletarische Klassenpartei kann keine andere Politik verfolgen als die Ablehnung nicht nur jeder Zusammenarbeit mit der Regierung, sondern auch jedweder Solidarität mit den internationalen Forderungen der Bourgeoisie, auch wenn diese scheinheilig als vorteilhaft für die ärmsten Klassen dargestellt werden. Sie muss erklären, dass die italienische herrschende Klasse als besiegte Klasse zu behandeln ist und dass alles andere nur einen zur Verschlechterung der Lebensbedingungen der italienischen Arbeiter dienenden Kompromiss verschleiern würde.

Welche besonderen Aspekte ergeben sich durch diese kriminelle Politik hinsichtlich eines möglichen Bruchs in der internationalen Siegerfront?

Die Führer der italienischen Gesellschaft und des italienischen Staates werden zurzeit von einem einzigen Problem geplagt, wobei es sich natürlich nicht um das Problem der Sicherstellung besserer Lebensbedingungen für die von den Kriegskatastrophen heimgesuchten Massen handelt, sondern um folgendes: Verbleibt die Weltherrschaft bei einem einzigen Machtzentrum (als Interessenausgleich zwischen Engländern, Russen und Amerikanern) oder wird sie sich in zwei Blöcke spalten, deren Konflikte zunächst nicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen führen werden? Und im Fall der Spaltung: Von welchem der beiden Blöcke wird der italienische Staat seine Befehle erhalten?

Im ersten Fall wird der heutige Regierungskompromiss einen hohlen Meinungsstreit über die institutionellen und verfassungsrechtlichen Fragen durchlaufen und in mehr oder weniger zwitterhaften Formen fortbestehen.

Für die revolutionäre Partei lassen sich diese Fragen faktisch und aufgrund der Einschätzung der historischen Lage nicht auf die Utopie einer Selbstbestimmung des italienischen Volkes zurückführen. Sie würden auf jeden Fall durch eine Reihe von Spiegelfechtereien und Kuhhändel innerhalb der herrschenden Oligarchie entschieden werden, wobei diese in den Wahlorgien (die ebenso wie nach dem I. Weltkrieg herbeigesehnt werden) die Versammlungen, Gremien und Institutionen leicht manipulieren würde. Das Spiel wird aber in Wirklichkeit woanders entschieden; denn die Statuten, Institutionen, Wahlen und Entscheidungen werden von den ausländischen Hierarchien diktiert, um dann von den hiesigen unterwürfig angenommen zu werden.

Diesen Zyklus mit Aktionen der Massen zu durchbrechen ist keine nationale, sondern eine europäische und weltweite Aufgabe, die nicht auf legalem Boden und mit legalen Mitteln zu realisieren ist. Im Einklang mit der entschiedenen marxistischen Diagnose muss sich unsere Partei daher auf die Losung beschränken: Entlarvung des Sieges, des Antifaschismus, des Waffenstillstands, des Kriegsendes in Italien, des Weltfriedens und auch der betrügerischen Rezepte der konstituierenden Versammlung und der Republik als x-malige grausame Irreführungen des Proletariats.

Was die andere Hypothese, d.h. die Auswirkungen einer Spaltung der internationalen Hierarchie auf die italienische Regierungskonstellation angeht, so werden einige politische Organisationen dann von der unterwürfigsten Kollaboration zu einer oppositionellen Haltung übergehen: Die Partei muss schon jetzt dieses absehbare schändliche Manöver brandmarken.

Die offiziellen Parteien werden auf jeden Fall an einen der drei ausländischen Kolosse gebunden bleiben: die Kommunisten und ein Teil der Sozialisten an Russland, die Rechten, die Liberalen und vielleicht einige Linke an die anglo-amerikanischen Mächte. Ein Zentrum aus opportunistischen Parteien und Grüppchen (jedoch nicht opportunistischer als die anderen) wird ängstlich das Horoskop zu Rate ziehen: über die Kräfte, die in Italien herrschen werden und, vielleicht schon morgen, über den voraussichtlichen Sieger des III. Weltkrieges. Zu den heute dringenden Aufgaben revolutionärer Klarstellung gehört nicht so sehr die Hervorhebung früherer faschistischer Erklärungen der heutigen Antifaschisten, sondern eher, dass man denjenigen, die heute gegen die amerikanische Herrschaft zetern, ihre eigene idiotische und servile Anbiederung an die USA und an die Propagandarichtlinien der Roosevelts und Churchills vorhält; gleichermaßen muss man den Kritikern der totalitären Barbarei Stalins ihre komödienhafte Verherrlichung der enormen Kriegsopfer von Millionen von russischen Proletarierleben für die von ihnen damals vertretene Sache vorhalten. Da sie die Verantwortung dafür tragen, müssen beide auch dafür verurteilt und ihr Einfluss auf die Reihen des italienischen Proletariats unmöglich gemacht werden.

In dem weltweiten Interessenkonflikt und vor allem bei der Neuaufteilung der Einflusssphären in Europa müssen die Arbeitermassen dahin kommen, sich nicht durch die Interessen der „italienischen Sache“ beirren zu lassen. Zu unserem Unglück hat Italien eine geographische Schlüsselstellung. Jede Gruppe behauptet die Notwendigkeit der Freiheit Italiens, um sie nicht anderen auszuliefern, wobei die beste Garantie dann darin besteht, es fest unter eigener Kontrolle zu halten. Unter diesem Gesichtspunkt muss das Problem der Landesgrenzen angegangen und die Klassenlüge, die den innenpolitischen Auseinandersetzungen über Grenzfragen und den irredentistischen Forderungen innewohnt, entlarvt werden.[7] Jede Gruppe der herrschenden politischen Oligarchie löst diese Frage nach den Interessen ausländischer Mächte, vor deren Karren sie sich hat spannen lassen, oder je nach Einschätzung über die wahrscheinliche Vorherrschaft der einen oder anderen ausländischen Macht, in deren Dienste man sich dann stellen wird.

Im möglichen Falle eines Krieges auf italienischem Boden wird die Partei ihre Lagebeurteilung und ihre Politik aus Richtlinien und Einschätzungen internationaler Bestimmung ableiten. Sie wird jedwede bewaffnete Formation, die hinter der Front in direkter Abhängigkeit von ausländischen Mächten operiert und der diese Mächte Propagandamaterial, Geld und Waffen liefern, um sie demzufolge nach Belieben mobilisieren und demobilisieren zu können, offen verurteilen. Die Möglichkeit, mit bewaffneten Truppen zu operieren, besteht nur, wenn ihre Kampfkraft und Aktion ausschließlich durch internationale revolutionäre Zusammenhänge bestimmt werden, und wenn diese Truppen keinesfalls davon abhängig sind, ob sich die eine oder andere Militärmacht im Krieg oder im Frieden, vor einem Sieg oder einer Niederlage befindet, wenn sie unabhängig vom Generalstab und der Polizei des einen wie des anderen Staatenbündnisses handeln.

Eine einfache und klare Parole: Kein Mann und keine Kugel für keines der beiden Lager.

Quelle:

“Le prospettive del dopoguerra in relazione alla piattaforma del partito”: Prometeo, Nr. 3, Oktober 1946.

 


[1] Bezieht sich auf die Plattform die Ende 1944, Anfang 1945 von Genossen der Sinistra in Süditalien verfasst wurde, während im Norden Italiens noch Kriegshandlungen stattfanden. Die 21 Paragraphen behandelten grundsätzliche Fragen des Marxismus: den historischen Zyklus des Kapitalismus und der Arbeiterbewegung; die russische Frage, die Agrarfrage, taktische Fragen, die Entwicklung der herrschenden Klasse und der proletarischen Bewegung in Italien. Des Weiteren wurde ein politisches Aktionsprogramm umrissen.

[2] Siehe zum Beispiel die Rede Lenins „in der Versammlung bolschewistischer Delegierter“ vom 4. April 1917:

„In unserer Stellung zum Krieg darf auch unter der neuen Regierung, die imperialistisch bleibt, der ‚Vaterlandsverteidigung‘ nicht das geringste Zugeständnis gemacht werden. (…) Wir sind durchaus keine Pazifisten. Die Grundfrage ist aber: Welche Klasse führt den Krieg? Die Klasse der Kapitalisten, die mit den Banken eng verknüpft ist, kann keinen anderen Krieg führen als einen imperialistischen. (…)

Ihr, Genossen, seid der Regierung gegenüber vertrauensselig. Wenn die Dinge so liegen, so trennen sich unsere Wege. Dann bleibe ich lieber in der Minderheit. Ein Liebknecht ist mehr wert als 110 ‚Vaterlandsverteidiger‘ vom Schlage Steklows und Tschcheides. Wenn ihr mit Liebknecht sympathisiert, aber den ‚Vaterlandsverteidigern‘ auch nur den kleinen Finger reicht, so wird das Verrat am internationalen Sozialismus sein. (…)

Wie nun, wenn der Sowjet der Arbeiterdeputierten in seiner Mehrheit auf dem Standpunkt der ’Vaterlandsverteidigung‘ steht? Da ist nichts zu machen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als geduldig, beharrlich, systematisch klarzumachen, dass ihre Taktik falsch ist. Solange wir in der Minderheit sind, ist es unsere Aufgabe zu kritisieren, damit die Massen nicht weiterhin betrogen werden. Wir verlangen nicht, dass uns die Massen aufs Wort glauben. Wir sind keine Scharlatane. Wir wollen, dass die Massen durch die Erfahrung ihre Fehler überwinden“ [LW 36, S. 423, 425/26 + 427].

[3] LW 22: „Die sozialistische Revolution und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen (Thesen)“, 1916. Siehe auch: LW 22: „Über die Junius-Broschüre“, 1916 und LW 23: „Über eine Karikatur auf den Marxismus und über den ‚imperialistischen Ökonomismus‘“, 1916.

[4] Code Napoléon bezeichnet zwei französische Gesetzbücher: Code civil (bürgerliches Gesetzbuch, 1804) und den Code pénal (Strafgesetzbuch, 1810). Beide Gesetzbücher hatten für andere Länder eine Vorbildfunktion.

[5] sub specie aeternitatis (lat.): unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit.

[6] Machtübernahme der Faschisten („Marsch auf Rom“); Entmachtung Mussolinis und Waffenstillstand mit den Alliierten.

[7] Gemeint sind die sich abzeichnenden Grenzstreitigkeiten (im Besonderen: Triest) mit Jugoslawien.