Turin, Mai 1956

Russland in der großen Revolution und in der heutigen Gesellschaft*

I. Rückzug und Untergang der bolschewistischen Revolution

Der Kampf innerhalb der russischen Partei

Die Geschichte dringt nicht durch den Kopf in den Menschen ein, nicht auf diesem Weg führt sie ihn zum Handeln: auch wenn sich manch armer Tropf einbildet, er sei es, der sie lenkt. Weswegen keiner von uns, der die Lehren der Geschichte zu schmecken und zu verdauen bekommt, dem Reiz widerstehen kann, das unvermeidlich Geschehene umzudeuten: Erst nach gründlichem Kauen und Wiederkäuen gelingt es, den Sinn aus dem zu ziehen, was gewesen ist – weil es so sein musste.

 

Die erdrückenden Ereignisse des sozialen Dramas sind nicht so wie einige Erzeugnisse Pirandellos[1] und wie so manche auf den Markt geworfene Filme, die eine doppeldeutige Schlussszene haben, so dass sich die – auch bejahrten – Snobs beiderlei Geschlechts von dem begeistern lassen können, was sie am meisten in Erregung versetzt.

 

Es macht daher wenig Sinn, sich zu fragen, „was man hätte tun sollen“, um zu verhindern, dass Stalin bzw. der Stalinismus das Spiel gewinnt und die Partei (die den Oktobersieg errang) sowie der Staat (den sie gründete) das klägliche Ende nehmen, dessen gesamten Verlauf wir schon gezeigt haben.

 

Heute macht das alles noch mehr Eindruck, wo sich sogar die verdammten Apologeten dieser von der Geschichte bereits ad acta gelegten Lösung genötigt sehen, nicht länger von der besten aller möglichen Revolutionen[2] zu reden, sondern davon, dass sich eine Reihe von Irrtümern, Schandtaten, Verleumdungen und unnützen (!?) fürchterlichen Blutbädern mit dem Verlauf der Ereignisse verkettet habe.

 

Wenn wir etwas überlegter nach den Ursachen fragen, die auf den anderen, von der Arbeiterbewegung in jener Zeit eingeschlagenen Weg eingewirkt haben, können wir die Hauptursache vor allem in der Niederlage des westeuropäischen Proletariats ausmachen, das wiederholt geschlagen wurde und sich außerstande zeigte, den Kampf um die Macht zu gewinnen. Europa war schon seit mehreren Jahren in eine für alle kommunistischen Parteien sehr ungünstige Lage geraten und die bürgerliche Macht hatte sich nach der schwierigen Nachkriegsphase überall konsolidiert, da sie die Alternative zwischen Arbeiterdiktatur und kapitalistischer Diktatur begriffen und ohne Zögern die Repressionsmittel angewandt hatte, deren sich ausnahmslos und ohne große Umstände jedes Land angesichts der Drohung einer kommunistischen Machtergreifung bedient hätte.

 

Als die Revolution im Ausland ins Stocken geriet, traten alle Schwierigkeiten der russischen Revolution zutage; zu deren Verständnis ist es jedoch keineswegs notwendig, die gewisse, von Lenin während langer Perioden verfochtene Perspektive auch nur im Geringsten zu ändern. Sie stützte sich auf zwei Kräfte: Die eine, das Proletariat, war nach dem nationalen Krieg und dem Bürgerkrieg infolge der Zerstörungen in der Industrie zahlenmäßig noch schwach; von der anderen, quantitativ riesigen Kraft, der Bauernschaft, wusste man, dass sie nur in der Übergangsphase revolutionär auftritt, solange nichtsozialistische, noch der bürgerlichen Revolution eigene Forderungen durchzusetzen waren. Immer wieder ist gesagt worden, dass diese Verbündeten in einer späteren Phase zwangsläufig zu Feinden werden würden (wir haben gezeigt, wann und wie). Die russische Bauernschaft konnte nicht den natürlichen Verbündeten der bolschewistischen Revolution ersetzen, d.h. die westliche Arbeiterklasse: jene war ein minderer Ersatz und nur während einer bestimmten Zeit nützlich, die erlaubte, Luft zu holen, um den reinen Proletariern das Übergewicht wiederzugeben.

Der große Zusammenstoß von 1926

Es war offensichtlich, dass es zur Stützung der Energie des städtischen Proletariats notwendig war, die Industrie wiederaufzubauen und zu erweitern: Das war schon vor Lenins Tod klar (der jedenfalls nicht zu den „Ursachen“ dessen, was dann passierte, zählt). Alle waren sich darüber einig. Wollte man aber die Unterstützung der Bauernschaft im Bürgerkrieg und in der Wirtschaft gewinnen, so war man im Grunde dazu gezwungen, auf dem Lande nicht weiter in Richtung einer Proletarisierung zu gehen. Lenin hatte ohne Umschweife zugegeben, nicht über das Programm der Sozialrevolutionäre hinausgehen zu können, die sowohl auf theoretischer Ebene als auch auf dem Terrain des sozialen Kampfes vom Bolschewismus geschlagen worden waren. In der Tat war man gezwungen, so zu handeln, dass sich die Zahl der Landbearbeiter – mit persönlichem Verfügungsrecht über das bebaute Feld und über das Produkt – erhöhte. Dadurch, dass den halbfeudalen und halbbürgerlichen Landherren die Verfügung über das Produkt genommen wurde, setzte man ein riesiges revolutionäres Potential frei, und ohne diese Kräfteverschiebung hätte der Bürgerkrieg nicht gewonnen werden können. Kein Grund zur Reue also. Wie wir gezeigt haben bzw. noch zeigen werden, ist die theoretische Erklärung, dass der Grund und Boden nationalisiert, Eigentum des Arbeiterstaates war, eine magere Ausrede, denn nicht das juristische Eigentum, sondern die betriebswirtschaftliche Leitung mit ihren ausschlaggebenden Verhältnissen erzeugt die sozialen Auswirkungen politischer und kämpferischer Aktivität.

 

Auch hatte Lenin nie verschwiegen, dass, einmal die kapitalistischen Angriffe bewaffnet zurückgeschlagen, zur Beschleunigung des industriellen Wiederaufbaus – Sauerstoff für die Revolution – eine steigende Einfuhr von Maschinen, Experten, Technikern und schließlich auch Kapitalien verschiedenster Art aus dem Ausland notwendig würde; etwas, was ohne Gegenleistungen (Konzessionen) nicht zu haben war. Diese wiederum konnten nur in inländischer Arbeitskraft und einheimischen Rohstoffen bestehen.

 

Der intakte und proletarische, den Klassentraditionen treue Teil der russischen Partei (den wir der Kürze halber die Linke nennen) legte in den schon mehrfach zitierten Reden von Sinowjew, Trotzki und Kamenew (auch Letzterer war besonders entschieden und eindeutig und hielt mutig dem Wutgeschrei der Versammlung stand) die Frage auf der VII. Sitzung der Erweiterten Exekutive der KI im Dezember 1926 vor, wie auch schon der XV. Reichskonferenz der KPdSU vom November des gleichen Jahres.

 

Mit dem entscheidenden Argument der internationalen Revolution – besonders ausführlich in der Rede Sinowjews – bewiesen diese großen Genossen, dass die russische Revolution bis zum Sieg der Arbeiterdiktatur in wenigstens einigen der entwickelten kapitalistischen Länder für eine mehr oder weniger lange Zeit nur in einer Phase übergangsmäßiger Aufgaben verharren kann. Dies nicht nur in dem Sinne, die Stalin‘sche Formel vom „Aufbau des Sozialismus in einem Land“, vor allem in einem Land wie Russland, zurückzuweisen. Aufgrund der Verzögerung der Revolution in Europa war nicht nur das Entstehen einer sozialistischen Gesellschaft und Produktionsweise in Russland unmöglich, auch die Klassenverhältnisse konnten nicht die einer rein proletarischen Diktatur sein, d.h. einer gegen alle überlebenden bürgerlichen und halbbürgerlichen Klassen gerichteten Diktatur. Aufgabe des proletarischen und kommunistischen Staates wäre gewesen, einen industriellen Staatskapitalismus aufzubauen (was auch zur militärischen Verteidigung des Landes unerlässlich war) und auf dem Land eine Politik durchzuführen, die den Städten die lebensnotwendigen Produkte sichert sowie die noch ganz in den Kinderschuhen steckende staatliche Agrarindustrie entwickelt (was auch die Gefahr einer privaten Akkumulation der Bauern gebannt hätte).[3]

Die „fünfzig Jahre“ Trotzkis

Immer wieder kommen wir auf die revolutionäre Weltanschauung in der abgebrochenen Rede Trotzkis zurück, in der mit großartiger Klarheit gezeigt wird, wie die wirtschaftlichen und politischen Einflüsse des Weltkapitalismus im Zuge der Entwicklung der russischen Wirtschaft zu moderneren Formen immer zwingender würden und dies für das rote Russland sogar lebensbedrohend wäre, jedenfalls solange das Weltproletariat ihn nicht an einigen Fronten geschlagen hätte.

 

Wir bestehen weiterhin auf der schon bekräftigten Tatsache: Als in den Reden Bucharins und Stalins (lassen wir die Zwischenrufe der verschiedenen zentristischen Gefolgsleute beiseite) die Entwicklung des vollständigen Sozialismus in einem von der bürgerlichen Welt eingekreisten Russland als möglich verkündet wurde, schlossen sie einen mörderischen Krieg zwischen dem sozialistischen Russland und dem bürgerlichen Westen keineswegs aus – im Gegenteil: An Hand der Lenin‘schen Lehre hielten sie ihn sogar für sicher und man legte – die Weltrevolution im Auge behaltend – die in einem solchen Krieg zu verfolgende Linie fest: ein Klassen- und Staatenkrieg, worauf sich, wie wir zeigten, Stalin auch später noch bezog, sowohl am Vorabend des II. imperialistischen Weltkrieges von 1939, als auch in seinem „Testament“ von 1953, das der 20. Parteitag mit allen anderen Sachen auf den Müll geworfen hat.[4]

 

Trotzki und die anderen (besonders Kamenew) zeigten ohne Zögern, dass die Prahlerei vom Aufbau des Sozialismus nichts anderes als die Rückkehr des schlimmsten Opportunismus war und dass diejenigen, die eine solche Fahne hissten (Stalin und die heutigen Anti-Stalinisten), unweigerlich in den Armen des imperialistischen Kapitalismus landen würden – was denn auch geschah. Auf die Fangfrage: Was sie denn im Falle einer langen Stabilisierungsphase des Kapitalismus „tun würden“, antworteten sie, dass die Partei, wenn sie jene mutige, jedenfalls nicht heuchlerische Haltung einnähme, sehr wohl auch jahrzehntelang im Schützengraben der kommunistischen Revolution ausharren könne, unter der Voraussetzung mithilfe des politischen Staates eine noch kapitalistische und warenproduzierende Wirtschaft zu lenken.

 

Manchen Genossen schien, Lenin habe einen solchen Zeitraum mit nur 20 Jahren angegeben. Was die von uns übernommenen 50 Jahre, von denen Trotzki sprach, angeht, so weisen sie auf das Jahr 1976 hin; das Datum, auf das wir den möglichen Beginn der nächsten allgemeinen Weltkrise des kapitalistischen Systems – oder auch den III. ungeheuren imperialistischen Weltkrieg – festsetzen. Es ist also geboten, die auf diesen Punkt bezogenen Zitate anzuführen. Es ist nicht schlimm, wenn eine Revolutionär die Revolution näher sieht als sie tatsächlich ist; unsere Schule hat sie schon viele Male erwartet: 1848, 1870, 1919. Verquere Auffassungen erwarteten sie für das Jahr 1945. Schlimm ist nur, wenn der Revolutionär zu ihrem historischen Beweis einen Termin festlegt: Nie hat der Opportunismus einen anderen Ursprung gehabt, nie hat er anders seine Verfälschungskampagnen geführt, von denen die des „Sozialismus in Russland“ die verderblichste ist.

 

Trotzki verteidigte auf der XV. Reichskonferenz der bolschewistischen kommunistischen Partei die Thesen der Opposition. Auf der VII. Sitzung der Erweiterten Exekutive antwortete ihm Stalin auf die damalige Rede. In seiner Erwiderung war Trotzki bis zu dem oben genannten Punkt gekommen – wobei er bemerkte, dass, hätte es je die von Stalin in seiner Rede gegen die Opposition gestellte Alternative gegeben[5], diese seine pessimistische Schlussfolgerung der gesamten Partei, inklusive Stalin höchst selbst bis 1924, der gesamten Internationale und insbesondere Lenin zum Vorwurf hätte gemacht werden müssen, denn das unlösbare Band zwischen dem Übergang Russlands zum Sozialismus und der Weltrevolution hätte sich immer „für alle von uns doch von selbst“ verstanden –, als ihm rücksichtslos das Wort abgeschnitten wurde.

Die Position Stalins

Wie wir wissen, schwächte Stalin seine ökonomische These mit der Behauptung ab (wobei er sich wiederholt selbst Lügen strafte), seine Formel von Aufbau des Sozialismus bedeute Sieg über die „innere“ Bourgeoisie und danach Aufbau der wirtschaftlichen Grundlagen des Sozialismus (was zeigt, dass die These von vornherein ein demagogischer Kunstgriff war). Seine Gegner zeigten wieder und wieder – durch den schlagenden Beweis, dass seine Formel nicht bei Lenin zu finden war und, bis 1924, noch nicht einmal bei Stalin selbst oder bei anderen –,[6] wie er sich genötigt sah, hinterhältig und (heute können wir sagen) in Molotow‘scher Manier[7] aufzutreten.

 

Seiner „Gepflogenheit“ gemäß zog es Stalin damals vor, seine Widersacher mit ebenso banalen wie publikumswirksamen Argumenten zu verleumden: Die Oppositionellen würden nicht an den Sozialismus in Russland und nicht einmal an die baldige Revolution in den kapitalistischen Ländern glauben, folglich seien sie Pessimisten und Liquidatoren; sie wollten eine kapitalistische Entwicklung in Russland zulassen, folglich seien sie Sympathisanten des ausländischen Kapitalismus.

 

Das war nicht Trotzkis Niveau. Als großer Dialektiker erwiderte er ihm, dass er an die (womöglich in naher Zukunft stattfindende) europäische Revolution glaube und dafür kämpfe, dass aber, falls sie nicht stattfinde und die Macht nicht erobert würde, das bolschewistische Russland auch fünfzig Jahre lang standhalten könne, ohne die Traditionen, die Lehre und das revolutionäre Programm zu verfälschen.

 

Am Schluss der Versammlung in Genua (August 1955) bemerkten wir unter dem Gelächter der Zuhörer, dass sich damals unter denen, die Trotzki hochmütig des „Pessimismus“ gegenüber der Revolution bezichtigten, auch Ercoli (neben anderen Pharisäern) befand, der für eine unmittelbar bevorstehende Revolution garantierte. Dieser Ercoli ist kein anderer als Togliatti, der Typ, der bereits im vergangenen Jahr – heute allerdings, nachdem auch er auf Stalin gespuckt hat, noch viel platter und seichter – historische, konstitutionelle und legalistische Pläne im Schoß der gegenwärtigen Republik und in Kollaboration mit der schwarzen Demokratie der Christdemokraten schmiedete und schmiedet; Pläne mit einem Fälligkeitstermin von mehr als fünfzig Jahren: Was soll man dazu noch sagen? Im Einklang mit Moskau sichert er der bürgerlichen Welt eine unbegrenzte Existenz, in friedlicher, wettstreitender Koexistenz zu!

 

Zitieren wir also Trotzki aus dem Munde Stalins: „Die 6. Frage betrifft das Problem der Perspektiven der proletarischen Revolution. Der Genosse Trotzki sagte in seiner Rede auf der XV. Parteikonferenz: ‚Lenin war der Ansicht, dass wir in 20 Jahren den Sozialismus auf keinen Fall errichten, dass wir ihn infolge der Rückständigkeit unseres bäuerlichen Landes auch in 30 Jahren nicht errichten werden. Nehmen wir 30 bis 50 Jahre als Minimum an‘.

Ich muss hier erklären, Genossen, dass diese von Trotzki erfundene Perspektive mit der vom Genossen Lenin aufgezeigten Perspektive der Revolution in der UdSSR nichts gemein hat. Einige Minuten darauf fängt Trotzki selber an, in seiner eigenen Rede gegen diese Perspektive zu kämpfen. Das ist aber schon seine Sache“ [SW 9, S. 25].

 

Selbstverständlich hat sich Trotzki nicht widersprochen, sondern er setzte vor allem auf eine baldige Revolution im Ausland. Er fügte dann hinzu, dass deren Verzögerung die Partei nicht daran hindere, voll und ganz auf ihrer Position zu beharren, ohne die dumme Alternative Stalins: „Entweder können wir (…) den Sozialismus aufbauen und ihn letzten Endes errichten“, oder wir müssen „offen und ehrlich von der Macht zurücktreten und Kurs darauf nehmen, für die Zukunft eine neue Revolution in der UdSSR zu organisieren“ [SW 9, S. 17].

 

Trotzki vernichtete diese verfängliche Alternative mit Hilfe der Autorität Lenins, der (obwohl er immer und überall erklärte, dass die Umwandlung der russischen Gesellschaft nach der europäischen oder zumindest der deutschen Arbeiterrevolution rasch fortschreiten könne) deutlich die Möglichkeit einer Isolierung Russlands ausgesprochen hatte und voraussah, dass Jahrzehnte notwendig sein würden, nicht um den Sozialismus aufzubauen, sondern etwas viel Bescheideneres und Vorläufigeres![8]

 

Wir können hier nicht die ganze Rede der XV. Parteikonferenz wiedergeben; als Beweis beschränken wir uns auf eine Textstelle Lenins, denn es ist Stalin selbst, der sie gleich darauf zitiert.[9]

Die „zwanzig Jahre“ Lenins

Hier also die Worte Lenins, wie wir sie in der Rede Stalins vom 7.12.1926 finden, und es ist nicht nötig, sie mit dem Originaltext zu vergleichen, so beredt sind sie und von so großem Gewicht, dass sie jedermanns Zweifel und Bedenken zerstreuen. Man findet sie ebenfalls in: Lenin Werke, Band 32 auf der Seite 335.[10]

 

„10-20 Jahre richtiger Beziehungen zur Bauernschaft, und der Sieg ist im Weltmaßstab (sogar bei einer Verzögerung der proletarischen Revolutionen, die anwachsen) gesichert, sonst 20-40 Jahre Qualen weißgardistischen Terrors“ [SW 9, S. 25].

 

An dieser Stelle bitten wir Stalin, mit seiner darauffolgenden lächerlichen Erklärung beiseite zu treten, obwohl wir nicht so rüpelhaft wie die heutigen Anti-Stalinisten des 20. Parteitages sein wollen, was die Tatsache zeigt, dass wir seine Schriften nicht aus unseren Archiven verbannt haben. Stalin schließt nämlich daraus, dass die 20 Jahre die Zeitspanne für die Verwirklichung des vollen Sozialismus angeben. Was für ein Trauerspiel!

 

Lenin sagt Folgendes: Richtige Beziehungen zu den Bauern sind notwendig, und zwar für lange Zeit. Dies wird nicht der offenkundigen Tatsache widersprechen, dass dort, wo es Bauern, Beziehungen zu den Bauern gibt (und schlimmer, wenn es gute Beziehungen sind), weder der Sozialismus erreicht ist noch seine vollständige Grundlage. Es gibt indessen nur den Weg, die Bauern in ihren bürgerlichen Interessen zu respektieren, um mit Hilfe ihrer militärischen Unterstützung den Einkreisungs- und Aggressionsversuchen der (noch nicht durch die westliche Revolution gestürzten) kapitalistischen Welt standzuhalten.

 

Was anderes kann man nicht tun; und wenn man sich aus theoretischen oder sentimentalen Skrupeln weigert, sich mit der in der Zukunft konterrevolutionär werdenden Bauernschaft zu verbünden, so würde die bürgerliche und zaristische Reaktion unsere Streitkräfte schlagen und wir müssten die 40 Jahre weißen Terrors schlucken.

 

Nach 20 Jahren, nimmt Lenin an, wird der bewaffnete Feind im In- und Ausland nicht mehr die Gefahr Nr. 1 sein. Dann, sagt Stalin, ist der Sozialismus fertig! Aber nein, unglückseliges, heute zerbrochenes Idol: Dann beginnt eine neue Phase – immer unter der Hypothese der Verspätung der westlichen Revolution –, die immer noch kein Sozialismus ist. Man kündigt jegliche guten Beziehungen zu den Bauern auf, unterstellt die bisherigen Verbündeten der Diktatur und leitet auf Grundlage der mächtigen städtischen Staatsindustrie die neue Phase des totalen Staatskapitalismus ein, auch auf dem Land. Mit anderen Worten, auch die Kleinbauern werden enteignet und zu reinen Proletariern gemacht. Derartige Absichten schrieb eine Meldung der „Associated Press“ dem heutigen Sowjetregime zu: Theoretisch wäre das richtig, denn die 20 Jahre sind vorbei – doch die Sowjetmacht ist zu einer bürgerlichen Macht heruntergekommen und nicht einmal mehr imstande, die bürgerliche Verstaatlichung auf dem Land durchzuführen!

 

Wie immer ist die Perspektive Lenins in ihrer Kraft und ihrem Mut beeindruckend. Sie knüpft an die alte Voraussicht an: demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft. Damit erklärt er: Wenn die Revolution in Europa ausbleibt, werden wir in Russland keinen Sozialismus erleben. Deswegen werden wir aber nicht die Macht abgeben, deswegen werden wir nicht sagen (wie die menschewistische Formel von 1903 und die rein polemische Stalins von 1926): „Bourgeoisie, regiere du nur, wir ziehen uns still und bescheiden in die Opposition zurück“, sondern wir werden unseren klaren Weg weiterverfolgen: Einige Jahrzehnte Bündnis mit den Bauern – im Falle einer früheren Erhebung des externen proletarischen Verbündeten werden wir den 4. Gang einlegen und das Bündnis mit den Bauern sofort lösen – und Kampf unter der Führung des Proletariats gegen Aufstände im neuen Staat, gegen die Angriffe des Auslands und um die industriellen Grundlagen des zukünftigen Sozialismus zu legen. Nach dieser ersten Übergangszeit (wenn keine anderen politischen Revolutionen stattfinden): Phase des totalen Staatskapitalismus, in Stadt und Land. Von dieser letzten, klassischen Stufe Lenins aus, wird man eines Tages an der Seite der siegreichen Arbeiter ganz Europas zum Sozialismus gelangen – nicht-warenproduzierend, jenseits des komplizierten Verfahrens eines „Austauschs“ zwischen Industrie und Landwirtschaft, basierend auf der selbstverständlichen Zusammenarbeit zweier Industriezweige innerhalb eines allgemeinen gesellschaftlichen Plans.

 

Daher das glänzende Korollarium Leo Trotzkis: auch nach 50 Jahren, falls notwendig, denn auch nach mehr als einem halben Jahrhundert wird man nicht erleben, dass die von einer Generation von proletarischen und bäuerlichen Märtyrern eroberte Macht abgegeben wird – es sei denn, man unterliegt mit der Waffe in der Hand – oder der noch feigherzigere Schritt getan wird, die Fahne der Diktatur und des Kommunismus einzuziehen!

 

So wie es heute durch das schimpfliche Friedensangebot an den Weltkapitalismus geschieht, angesichts dessen selbst ein Stalin vor Scham im Boden versinken würde.

Revolutionen, die überfällige Aufgaben erledigen

Im Verlauf der Darstellung führte der Referent einige historische Beispiele an, die sich dafür eignen, eventuelle, letzte Unsicherheiten bezüglich der Folgerichtigkeit der Lösungen zu zerstreuen: Die proletarische, sozialistische, kommunistische Macht lebt und kämpft mit ihrer Partei und im revolutionären Staat, während die gesamten ökonomischen Aufgaben einen niederen, kapitalistischen und sogar vor-kapitalistischen Inhalt haben.

 

Eine solche Frage muss von jener anderen unterschieden werden, die ganz natürlich auftaucht und auf die wir bereits seit Jahren antworten. Wenn vertreten wird, dass die Klassenmacht in Russland nicht mehr die des Proletariats und noch nicht einmal die eines Bündnisses zwischen Proletariat und armen Bauern ist, sondern eine bürgerliche und kapitalistische Macht (denn trotz der angenommenen physischen Vernichtung ihrer Mitglieder gibt es eine soziale bürgerliche Klasse), wieso gab es dann keinen Wendepunkt zum offenen Kampf um die Besitznahme und Eroberung der Macht, was selbstverständlich nur mit Waffengewalt hätte geschehen können? Auf diese Frage (abgesehen von der Bemerkung, dass die massenhafte Vernichtung der Opposition in der machthabenden Partei äußerst blutig war, obwohl ja der Repression kein kollektiver Widerstand entgegengesetzt worden war) antworteten wir damals auch mithilfe der historischen Methode, indem wir Fälle angaben, in der eine Klasse die Macht einbüßt, ohne geschlagen worden zu sein. So wie die italienischen Kommunen, dem ersten Beispiel der Klassenherrschaft der Bourgeoisie. Ohne dass es zum allgemeinen Kampf kam, verschwanden sie und traten ihren Platz an Signorien feudalen Typs und einen aus der ländlichen Umgebung der Stadt stammenden Landadel ab. Auf einem ganz anderem Weg musste diese bürgerliche Klasse Jahrhunderte später an die Macht kommen: dieses Mal nach Aufständen und wirklichen Kriegen.

 

Wir wollen nun nicht nur das mit der allgemeinen Theorie zu vereinbarende historische Geschehen der Involution einer gesellschaftlichen Macht aufzeigen, sondern von einer anderen in der Theorie errichteten historischen Hypothese sprechen, die sich nicht infolge wiederkehrender Situationen bestätigt hat: Das Fortbestehen einer Klassenmacht, die während einer langen Phase die ihr eigenen gesellschaftlichen Formen nicht verwirklicht und durch den historischen Determinismus gezwungen ist, andere, historisch frühere, rückständigere Formen zu realisieren und das durchzuführen, was wir als eine zurückrollende Welle der Revolution bezeichneten. Denn anzunehmen, dass ein bestimmter Verlauf nur für ein einziges Land (Russland) oder nur für eine einzige historische Periode (den Sturz des zaristischen Regimes zu Beginn des Jahrhunderts) gelten soll, widerspricht unserer Verteidigung der Gültigkeit der mit dem materialistischen Marxismus entstandenen Geschichtslehre.

 

Wir stellen fest, dass andere, nicht-proletarische Klassen in anderen Ländern (außer Russland) ähnliche Aufgaben vor sich hatten, die ihnen durch ökonomische und soziale Ursachen und die Entwicklung der Produktionsverhältnisse aufgedrängt wurden. Wir beziehen uns dazu auf die USA und den Bürgerkrieg von 1865.

Amerikanische Sklavenbefreiung

Bei anderen Gelegenheiten hatten wir von der amerikanischen nationalen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts zu sprechen. Marx zog eine Parallele zwischen diesem Unabhängigkeitskrieg, der die Sturmglocke für die französisch-europäische Revolution der Jahrhundertwende läutete, und dem Sezessionskrieg der Nord- und Südstaaten, von dem er das Signal für die europäische proletarische Bewegung erwartete,[11] die jedoch durch die nationalen Kriege jener Jahre 1866-71 nicht hervorbrach.

 

Der Befreiungskrieg der Kolonisten New-Englands von den Engländern war ein Unabhängigkeitskrieg, aber man kann ihn nicht, wie jene in Europa (Italien, Deutschland usw.) einen eigentlichen nationalen Revolutionskrieg nennen. Es fehlte das Element der Rasse, denn die Siedler waren von gemischter und überwiegend mit jener des Mutterlandes identischer Nationalität; es waren vor allem wirtschaftliche und kommerzielle Faktoren, die den Antrieb zur politischen Emanzipation gaben.

 

Noch weniger konnte ein derartiger Krieg als bürgerliche Revolution bezeichnet werden, da der Kapitalismus in Amerika nicht aus dynastischen und feudalen Formen lokaler Art hervorgegangen war – es gab keine Aristokratie und keinen wirklichen Klerus. Zum anderen war England, gegen das man sich erhob, seit dem 17. Jahrhundert vollkommen bürgerlich und hatte seither den Feudalismus vollständig geschlagen.

 

Die Theorie des Klassenkampfs und der historischen „Serie“ der Produktionsweisen, die von allen menschlichen Gesellschaften in ähnlicher Art und Weise durchlaufen wird, wurden nie als banale und formale Symmetrien aufgefasst und ihre Anwendung ist ohne ein Engels‘sches Training in der Handhabung der Dialektik nicht möglich. Bezüglich der amerikanischen Unabhängigkeit vermerkt die marxistische Schule stets und wiederholt, wie das noch feudale Frankreich von vor 1789 mit den Aufständischen sympathisierte – gegen das kapitalistische England. England sollte dies dann mit den konterrevolutionären Koalitionen heimzahlen und siegte schließlich zusammen mit der feudalen Heiligen Allianz bei Waterloo.

 

Im amerikanischen Bürgerkrieg von 1861-65 sind keine Faktoren nationaler Befreiung im Spiel und im Grunde nicht der Faktor der Rasse. Die Nordstaaten kämpften, um die im Süden verbreitete und geschützte Sklaverei der Schwarzen abzuschaffen. Aber es handelte sich nicht um eine Rebellion der Schwarzen, die bestenfalls an der Seite ihrer Herren in der Südstaatenarmee kämpften. Es handelte sich um keine Revolution der Sklaven zur Abschaffung der Sklavenproduktion, worauf die aristokratische Form gefolgt wäre (also: Leibeigenschaft auf dem Land und freies Handwerkertum in der Stadt). Nichts, was mit dem großen historischen Übergang zwischen diesen beiden Produktionsweisen vergleichbar gewesen wäre – wie beim Niedergang des römischen Imperiums, dem Auftreten des Christentums und der Invasionen der Barbaren: alles Faktoren, die das Eigentum an der menschlichen Person, rein rechtlich, abschafften.

 

Die industrielle Bourgeoisie Nordamerikas führte den sozialen und revolutionären Krieg nicht, um die Macht gegen eine feudale Aristokratie (die in Amerika nie existiert hat) zu erobern, sondern um, wenn auch ziemlich spät, den Übergang zu jener Produktionsweise herbeizuführen, mit der die bürgerliche Gesellschaft historisch entsteht: Die Produktion der Sklaven durch die der Handwerker und freien Bauern oder Lohnarbeiter zu ersetzen. Die europäischen Bourgeoisien hingegen hatten nur darum zu kämpfen, die Form der Leibeigenschaft, die gegenüber der Sklavenproduktion sehr viel moderner und weniger rückständig ist, zu beseitigen.

 

Was beweist, dass eine Klasse nicht zu einer einzigen Aufgabe des Übergangs zwischen gesellschaftlichen Formen „prädestiniert“ ist. Die amerikanische Bourgeoisie hatte nicht all ihre Kräfte für die Abschaffung der feudalen Privilegien und der Leibeigenschaft anzuspannen, sondern musste noch dahinter zurückgehen und die Gesellschaft von der Sklaverei befreien.

Dialektische Parallele

In diesem Beispiel haben wir eine Analogie zur Aufgabe des russischen Proletariats. Die Aufgabe bestand nicht darin, vom Kapitalismus zum Sozialismus überzugehen, sondern im vorhergehenden, überfälligen geschichtlichen Sprung vom feudalen Despotismus zum warenproduzierenden Kapitalismus; ohne dass dies die Lehre des Klassenkampfs zwischen Lohnarbeitern und Kapitalisten sowie der Serie der Produktionsweisen, hier die Ablösung der kapitalistischen durch die sozialistische Gesellschaftsform (was das Werk der modernen Lohnarbeiterklasse sein wird), im Geringsten verletzt.

 

Die Grundbesitzer des Südens wurden von der industriellen Bourgeoisie in der Revolution von 1865 geschlagen, obwohl sie historisch, als Sklavenhalter, noch unter dem feudalen Adel standen, und obwohl sie diesem voraus waren, insofern schon ein gesellschaftlich warenproduzierender Zweig existierte. Die Bourgeoisie der Nordstaaten zögerte nicht, eine überfällige Aufgabe zu übernehmen, die anderswo bereits ganz andere Klassen erfüllt hatten, wie die feudalen und germanischen Ritter, oder die Apostel von Judäa – die Befreiung von der Sklaverei.

 

Man kann dem entgegenhalten, dass nach einer derartigen Arbeit geschichtlichen Groß-Reinemachens dem Kapitalismus der Nordstaaten keine anderen Revolutionsaufgaben zu tun blieben. Wenn jedoch die Südstaaten im Bürgerkrieg gesiegt hätten (was einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht entbehrte), wäre einerseits diese Aufgabe auf später verschoben worden, andererseits hätte das Hervorbrechen des Kapitalismus in Amerika, der bald auf den 1. Platz in der Welt katapultiert wurde, ganz anders ausgesehen.

 

In Russland war die Aufgabe der Sturz des Feudalismus, des letzten in Europa, für eine (so hart geprüfte) siegende Arbeiterklasse keine Kleinigkeit. Indessen war das, was Stalin vorgab von ihr zu wollen, mit Sicherheit zu viel: nämlich die Niederschlagung des Kapitalismus aller Länder. Dies blieb und bleibt, und musste bleiben, die Aufgabe der Arbeiterklasse in den großen, industriell am fortgeschrittensten Ländern.

Warum griff man nicht zu den Waffen?

Diese Frage musste sich Trotzki vorlegen, dem, zusammen mit anderen fähigen Bolschewiki bis zum Tode Lenins und darüber hinaus, die Streitkräfte unterstanden. Weder er noch die anderen der mit ihm damals und später solidarischen Gruppe machten von der Gewalt Gebrauch, noch dachten sie daran, eine bewaffnete Reaktion mithilfe der staatlichen Verbände auszulösen oder gar neue zu bilden. Die Polizei und die völlige Kontrolle der Armee gestatteten der in der Partei vorherrschenden Gruppe, ihre Gegner zu schlagen und später völlig auszuschalten; denn die Zahl derer, die vor die Exekutionskommandos kamen, beschränkte sich nicht nur auf die bekannten Opfer der Prozesse, sondern umfasste Tausende und Abertausende von alten und jungen Arbeitern und Bolschwiken.

 

Es entschieden also die Waffen, aber diesmal zeigten alle Mündungen nur in eine Richtung. Stalin sagte, musste sagen, dass sie auf eine Klasse gerichtet waren: Heute jedoch, 1956, versuchen seine damaligen Gefährten nicht mehr nachzuweisen, dass die Besiegten im Solde der ausländischen Bourgeoisie standen. Großartig die Beweisführung Kamenews, einem mitreißenden Redner, dass die opportunistische Rechte siegreich war und die blutige Schlacht vom Stalinismus gewonnen wurde, vom „rein russischen“ Teil, der heute mehr denn je an jene Anfänge im Dienste des internationalen Kapitalismus gebunden ist.[12]

 

Stalin spielte ein gewagtes Spiel, als er zusammen mit dem unglückseligen Bucharin behauptete, der Opposition mangele es an einer festen Linie und sie sei nur ein formloser Block von Saboteuren. Bucharin büßte für seinen Fehler, nicht mit idiotischen und kleinmütigen Reuebekenntnissen, sondern indem er sich wieder dem anschloss, was kein Block war, sondern die einzige Partei der Revolution, um sein stolzes Haupt den Häuptern der Gefallenen hinzuzufügen; und selbst die grausamsten Verhörmethoden vermochten nicht, es auch nur um einen Zentimeter zu beugen.

 

Allerdings ist es richtig, dass die Linie der russischen Opposition keine kontinuierliche war. Zur Zeit Lenins, der Kollontai, des Bresk-Litowsker Friedens (immer wieder Bucharin! damals verteidigte er die Position des „revolutionären Krieges“), des Widerstands gegen die NEP[13] (die als Schwäche gegenüber den Bauern ausgelegt wurde), der obskuren Revolte von Kronstadt: In den Beweggründen der Opposition gegen die ersten Regierungsmaßnahmen der bolschewistischen Partei vermischten sich großherzige Naivität mit ernsten anarchistischen, syndikalistischen und labouristischen Irrtümern sowie der Abneigung gegen grundlegende Prinzipien: Diktatur, Zentralismus, Beziehung zwischen Klasse und Partei.

 

Während der ersten Opposition Trotzkis 1923-24 (in der Sinowjew und Kamenew mit Stalin zusammengingen und Trotzki das militärische Kommando entzogen) war seine Position nicht erschöpfend. Weder wurde die Rechtsgefahr in der Partei angeprangert noch wurde – wie dann in großartiger Weise 1926 – die tödliche Gefahr der Theorie des Aufbaus des Sozialismus in Russland erkannt, mit der der internationalen Revolution der Rücken gekehrt wurde. Die stalinistischen Übergriffe wurden richtig als staatliche Zwänge gegenüber andersdenkenden Parteimitgliedern ausgesprochen – wo doch in der revolutionären Diktatur die Partei über dem Staat steht. Dies führte leicht zu Verwechselungen mit banalen Forderungen wie der nach „Demokratie“.

Die Bürokratie: eine falsche Zielscheibe

Damals wurde auch eine falsche und gefährliche Theorie aufgestellt. Die Macht in Russland sei nunmehr der Bourgeoisie entrissen und ganz und gar eine Arbeitermacht, falle aber nun in die Hände einer neuen, dritten Klasse, der Staats- und auch der Parteibürokratie.

 

Wir haben schon oft den Nachweis geführt, dass die Bürokratie keine Klasse ist und nicht Subjekt der Macht werden kann, so wie nach marxistischer Auffassung weder das Oberhaupt noch der Tyrann, weder die Clique noch die Oligarchie Subjekte der Macht sind! Die Bürokratie ist ein Machtinstrument aller historischen Klassen und wenn diese verknöchern, beginnt die Bürokratie als erste zu verfaulen, wie z.B. die Pharisäer und Schriftgelehrten von Judäa, die Prätorianer und die Freigelassenen im alten Rom. Ohne einen umfangreichen bürokratischen Apparat, mit all seinen Schwächen und Gefahren, war der Übergang vom Zarismus zum industriellen Kapitalismus, gemischt mit freier Landwirtschaft, kaum möglich. Eine zentralisierte Partei mit starken Traditionen braucht die Bürokratie als solche nicht zu fürchten und kann ihr mit den von Marx und Lenin hervorgehobenen Maßregeln der Pariser Kommune entgegentreten: Keine kostspielige Regierung, Rotation der öffentlichen Funktionen und kein Karrierismus, Löhne auf Arbeiterniveau. Der ganze Verfall war nicht Ursache, sondern Folge der auf den Kopf gestellten politischen Kräfteverhältnisse.

 

Nicht der Sozialismus wird das Gewicht der Bürokratie zu fürchten haben, wohl aber eine Wirtschaft, die auf buchhaltungstechnisch voneinander getrennten, aber verstaatlichten Unternehmen basiert: der in warenproduzierenden Gewässern schwimmende Staatskapitalismus.

 

Diese staatsdirigistische Warenproduktion entgeht nicht all den unnützen, anarchischen Verfahren einer doppelten Buchführung und der individuellen Rechte physischer und juristischer Personen. Im warenproduzierenden Umfeld bewegt sich dieser schwerfällige Verwaltungsapparat nur auf einzelne, private Initiativen hin: Alles geschieht aufgrund von Anträgen, die von der Peripherie ans Zentrum gehen, untereinander konkurrieren und mühsame Berechnungen und Vergleiche erfordern, sei es auch nur, um abgelehnt zu werden. Unter sozialistischer Leitung wird alles vom Zentrum aus geregelt, ohne Diskussionen, was alles sehr viel einfacher machen wird, etwa so, wie die Zuteilung von 600 Rationen durch den Kompaniefeldwebel viel einfacher ist als die Entnahme von 400 quantitativ und qualitativ verschiedenen Dingen durch soundso viele Leute, mit all dem Drum und Dran an Beratung, Registrierung, Bezahlung, Reklamation, Annahme oder Ablehnung des Umtausches usw. usf.

 

Ein kapitalistisches, auf Geldwirtschaft beruhendes System kann die Bürokratie als soziales Übel fürchten, aber nicht als dritte Klassenkraft. Selbst der Sozialismus der untersten, noch nicht kommunistischen Stufe, d.h. des noch rationierten Konsums, wird, insofern es keine Geld- und Marktwirtschaft mehr gibt, die Bürokratie zum alten Eisen werfen, was er, laut Engels, auch mit dem Staat tun wird.

 

Die russische Opposition erkannte erst spät ihren Feind und musste daher ohne entsprechenden Kampf unterliegen. 1926 blieb ihr nurmehr übrig, der Geschichte ihre theoretischen Waffen zu übergeben und heldenhaft zu fallen. Aber diese genügten, um uns noch nach Jahren den Tod vieler ihrer Henker erleben zu lassen, ebenso wie die politische Liquidierung des Führers Stalin, der zwar reichlich ramponiert aus diesem letztem Zusammenstoß der Theorien herauskam, doch über die Kadaver seiner Gegner triumphiert hatte, und zwar in einer Art und Weise, dass jeder ihn nicht nur für grausam hielt, sondern auch für nicht anfechtbar.

Warum hat man sich nicht an das Proletariat gewandt?

Diese letzte, naive Frage lässt sich sowohl auf das russische wie auf das Weltproletariat beziehen. Die Gruppe Trotzkis wurde nämlich beschuldigt, sich trotz der Warnung und gegen den Beschluss der russischen Partei an die Kommunistische Internationale gewandt zu haben; sie wurde also bezichtigt, ihr Versprechen gebrochen zu haben. An anderen Stellen haben wir berichtet, dass der Kampf in der russischen Partei seit dem Februar 1926, in der vorhergehenden VI. Erweiterten Exekutive der KI, offen ausgebrochen war und vor einen Ausschuss getragen wurde, nicht aber vor das Plenum. Dies war das letzte Mal, vor den Massenverhaftungen, dass Delegierte der italienischen Linken anwesend waren. Man sprach damals noch nicht vom „Block“ mit Trotzki – wir waren die einzigen, die ihn voraussahen, d.h. die Positionen von Trotzki, Sinowjew und Kamenew als identisch bezeichneten, wobei wir von Kennern der Geheimnisse des bolschewistischen Lebens belächelt wurden.

 

Nun gut, nachdem die italienischen Delegierten der Linken die einzigen waren, die gegen Stalin vertraten, dass die Frage der von Russland einzuschlagenden Richtung eine internationale Frage sei, wurden sie gewarnt, diese Frage vor dem erweiterten Plenum aufzuwerfen – mit dem äußerst „politischen“ Argument, dass sie wohl das Recht dazu hätten, dass aber diese Diskussion (die dann doch im Dezember stattfand) schwerste disziplinarische Maßnahmen gegen die Genossen der Opposition innerhalb der russischen Partei nach sich ziehen würde. Obwohl gelähmt durch diese schwere Verantwortung, stieg die italienische Linke auf die Tribüne des Kongresses, aber ihre Intervention verursachte nur einen Tumult und die Beendigung der Diskussion, unter dem Vorwand, die russische Partei, Mehrheit und Opposition, habe die Beendigung einstimmig verlangt![14]

 

In jenen Monaten schlugen die deutschen Oppositionellen – unter denen jedoch anarchistisch gefärbte und syndikalistische Tendenzen nicht fehlten – den Italienern vor, aus der Internationale auszutreten, sie als nicht-revolutionär zu denunzieren und eine neue Bewegung ins Leben zu rufen (die Trotzkisten sollten später die „vierte“ Internationale gründen).

 

Die italienische Linke, die seit Jahren und als Erste auf die opportunistische Gefahr hingewiesen und gesehen hatte, dass sie sich durchsetzen würde – was damals noch nicht so offensichtlich war wie heute –, sah sich auf der Grundlage ihrer klaren marxistischen Linie nicht in der Lage, einer derartigen Aufforderung zu folgen.[15] Ebenso wenig wie später der der Trotzkisten.[16]

 

Was den scheinbar naheliegenden Vorschlag angeht, die Beurteilung dieser schwierigen historischen Frage nicht nur den Parteimitgliedern, sondern dem gesamten russischen Proletariat zu überlassen, hat dies keinerlei begründeten Inhalt. Von jener Zeit an huldigten die Partei- und Sowjetkongresse immer mehr Stalin und seinen Methoden, die keine persönliche Laune darstellten, sondern eine Richtung kollektiver historischer Kräfte angaben und in der damaligen Situation imstande waren, sich durchzusetzen. Dieser Punkt, der sich auf den Polarstern der Geschichte bezieht, also den Kompass, der die Revolution führen soll, und der vom Operaismus, in all seinen Spielarten, opportunistisch und antirevolutionär gelöst wurde, dieser Punkt wird an anderer Stelle ausführlich behandelt.

 

Der Sieg des Stalinismus, dieser modernen und schlimmsten Form des Verrats an der kommunistischen Revolution, wurde jedenfalls seit dem Kampf von 1926 erwartet, und seit damals war für die internationale kommunistische Opposition klar, dass die fernliegende Rettung erst nach dem gesamten Zyklus der Degenerierung des russischen Staates und der Partei sowie der Reste der Internationalen kommen konnte; was heißt: Nicht bevor die – damals schon begonnene – Bilanz aus dem laufenden Über-Bord-werfen aller revolutionären Grundsätze von Marx und Lenin gezogen werden kann.

 

Zur Schande des II. Weltkriegs und der Ränkespiele der beiden bürgerlichen Imperialismen gesellte sich die noch schlimmere Schande des Waffenstillstands und des Friedens – und morgen der Identifizierung beider.

 

Dies wird, nach diesem bitteren und langen Leidensweg, zwar nicht sofort zur großen Erhebung führen, aber es wird sie zweifellos näher bringen.

 

Quellen:

„La Russia nella grande rivoluzione e nella società contemporanea”: Il programma comunista, Nr. 12, 1956.

* * *

LW 32: Lenin – Plan der Broschüre „Über die Naturalsteuer“, 1921.

 

SW 9: Stalin – Noch einmal über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei, 7.12.1926.

 

TS 3.1: Trotzki – Rede vor der XV. Parteikonferenz, 1.1.1926.

TS 3.1: Trotzki – Rede auf dem VII. EKKI-Plenum, 9.12.1926.

TS 3.3: Trotzki – Brief an die Redaktion von „Prometeo“, 19.6.1930.

 

„Die Linke Opposition in der Sowjetunion 1923-1928“, Band III und Band IV, 1976.

 

 


* Auf der Versammlung in Turin gab es drei Nachträge zum „1956-03-03 – Dialog mit den Toten“. Außer dem hier veröffentlichten Teil wiederholte ein weiterer Teil in anderer Form den Inhalt des dritten Tages (Abend). Im „Dialog“ wurde Italien bei den ökonomischen Tabellen nicht berücksichtigt bzw. in seiner wirtschaftspolitischen Entwicklung nicht behandelt: dies wurde im dritten Nachtrag nachgeholt.

 

[1] Pirandello, Luigi (1867-1936): italienischer Schriftsteller. Zählt zu den bedeutendsten Dramatikern des 20. Jahrhunderts, dessen Thema das Individuum im Konflikt mit der Gesellschaft ist.

 

[2] Abgewandeltes Zitat des berühmten Satzes von Gottfried Wilhelm Leibniz von „der besten aller möglichen Welten“.

[3] Im „1956-03-03 – Dialog mit den Toten (5)“ (3. Tag – später Nachmittag) wird der Kern dieser Debatte folgendermaßen zusammengefasst:

„Außergewöhnlich kraftvoll war der Gegenbeweis von Trotzki, Sinowjew und Kamenew, den wir auch heute noch eines äußerst aufmerksamen Studiums für würdig halten. Klar und unanfechtbar legten sie die Lehre von Marx und Lenin in folgenden Punkten dar:

1. Weltweit erscheint und entwickelt sich der Kapitalismus unterschiedlich in Zeit und Wachstumstempo.

2. Dasselbe gilt daher für die Formierung der proletarischen Klasse und ihrer politischen und revolutionären Kraft.

3. Die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat kann nicht nur in einem einzigen Land, sondern sogar noch in einem industriell wenig entwickelten Land erfolgen, während entwickelte Länder der Macht des Kapitalismus unterworfen bleiben.

4. Die Existenz von Ländern, in denen die politische proletarische Revolution bereits stattgefunden hat und das Proletariat an der Macht ist, beschleunigt den revolutionären Kampf in allen anderen Ländern außerordentlich.

5. In der aufsteigenden Phase dieses revolutionären Kampfes können die bewaffneten Kräfte der proletarischen Staaten sowohl zwecks Verteidigung als auch zwecks Angriff intervenieren.

6. In einer Pause der Bürger- und Staatenkriege kann ein allein stehendes proletarisches Land nur die Schritte „in Richtung“ Sozialismus unternehmen, die seiner wirtschaftlichen Entwicklung entsprechen und durch sie determiniert sind.

7. Handelt es sich um eines der großen entwickelten Länder, so würde es vor der vollkommenen Transformation in eine sozialistische Wirtschaft – was theoretisch nicht unmöglich ist – zu einem allgemeinen Bürger- und Staatenkrieg kommen.

8. Handelt es sich, wie im Falle Russlands, um ein soeben aus dem Feudalismus herausgetretenes Land, so wird es nach dem politischen Sieg des Proletariats keine anderen Schritte tun können, als die „Grundlagen“ des Sozialismus zu verwirklichen, d.h. die Industrialisierung zu forcieren. Es wird folgendes Programm aufstellen: Die politische Revolution im Ausland erwarten und darauf hinarbeiten, und im Innern den Staatskapitalismus auf warenproduzierender Basis aufbauen.

Ohne die Weltrevolution war – und ist – der Sozialismus in Russland unmöglich.

 

[4] Stalin: „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR“, 1953. Hier: „6. Die Frage der Unvermeidlichkeit des Krieges zwischen den kapitalistischen Ländern“, SW 15, S. 284 ff.

[5] In seinem am 7. Dezember 1926 auf der VII. EKKI gehaltenen Referat „Noch einmal über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“ stellte Stalin polemisch folgende Alternative auf:

„Wenn das nicht richtig wäre, wenn die Partei keinen Grund hätte zu der Behauptung, dass das Proletariat der UdSSR fähig ist, ungeachtet der relativen technischen Rückständigkeit unseres Landes die sozialistische Gesellschaft zu errichten, so hätte die Partei keinen Grund, weiter an der Macht zu bleiben, sie müsste so oder so die Macht aufgeben und die Position einer oppositionellen Partei beziehen.

Denn eins von beiden: Entweder können wir, indem wir unsere ‚nationale‘ Bourgeoisie überwinden, den Sozialismus aufbauen und ihn letzten Endes errichten – dann ist die Partei verpflichtet, an der Macht zu bleiben und den sozialistischen Aufbau im Lande zu leiten im Namen des Sieges des Sozialismus in der ganzen Welt; oder wir sind nicht imstande, aus eigener Kraft unsere Bourgeoisie zu überwinden – dann müssen wir, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass uns die sofortige Unterstützung von außen her, durch die siegreiche Revolution in anderen Ländern, fehlt, offen und ehrlich von der Macht zurücktreten und Kurs darauf nehmen, für die Zukunft eine neue Revolution in der UdSSR zu organisieren“ [SW 9, S. 17].

 

[6] Sinowjew auf dem XIV. Parteitag vom Dezember 1925: „Ich kann auch an der Frage des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande nicht vorbeigehen. Vor zwei Jahren hat diese Frage keine Streitigkeiten unter uns hervorgerufen, sie war vollkommen klar.“ Er zitiert dann Stalin, der sich gegen die These ausspricht, „zum endgültigen Sieg des Sozialismus, zur Organisierung der sozialistischen Produktion“ seien „die Anstrengungen eines einzelnen Landes, besonders eines solchen bäuerlichen Landes wie Russland“ bereits genügend. Sinowjew sagt dann weiter: „Das wurde im Jahre 1924 und – wenn sie neugierig sind – vom Genossen Stalin geschrieben, in seinem sehr volkstümlichen Hauptwerk: ‚Lenin und der Leninismus‘. Diese Fragestellung war im Jahre 1924 von niemanden bestritten.“ Aus: „Die Linke Opposition in der Sowjetunion 1923-28“, Band III; 1976.

 

[7] Hatte Molotow im Februar 1955 noch davon gesprochen, dass die „Grundlagen der sozialistischen Gesellschaft errichtet“ seien, widerrief er diese Aussage im September desselben Jahres: Dieser Satz verleite dazu zu denken, die sozialistische Gesellschaft sei in Russland sozusagen (dies „sozusagen“ verrät, dass Molotow „Probleme“ mit dem Widerruf hatte) noch nicht errichtet und man könne glauben, „in unserem Land sind nur die Grundlagen der sozialistischen Gesellschaft errichtet“ worden. Der demagogische Kunstgriff wird schnell durchsichtig, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass „die Grundlagen der sozialistischen Gesellschaft“ durch die kapitalistische Industrialisierung und Konzentration gelegt wurden – in Russland nicht durch Privatunternehmen, sondern mittels der staatskapitalistischen Wirtschaftspläne (Zum Sozialismus und seinen „Grundlagen“ siehe insbesondere: „1956-03-03 – Dialog mit den Toten (3)“, 3. Tag – Vormittag, „Die Kritik Mikojans“).

[8]Trotzki: „Das bedeutet, dass Lenin der Auffassung ist: in 10-20 Jahren werden wir den Sozialismus nicht vollenden. Warum? Weil wir unter Sozialismus eine Ordnung verstehen, in der es weder Proletariat noch Bauernschaft gibt, in der es keine Klassen mehr gibt.“

„Wenn wir von einer sozialistischen Wirtschaft und von einem wirklichen Aufschwung der sozialistischen Wirtschaft sprechen, dann heißt das: Aufhebung des Gegensatzes von Stadt und Land (…) Bis dahin ist es für uns noch schrecklich weit (…) Wir können auf die erreichten Erfolge stolz sein, dürfen aber die historische Perspektive nicht verzerren. Das ist noch kein wirklicher Aufstieg einer wirklichen sozialistischen Wirtschaft, das sind zunächst nur einige erste, ernsthafte Schritte auf der langen Brücke, die zwischen Kapitalismus und Sozialismus liegt“ [TS 3.1, S. 566 und 573].

 

[9] Trotzkis „Rede vor der XV. Parteikonferenz“ vom 1.11.1926 findet man in TS 3.1, S. 542 ff. Seine „Rede auf dem VII. EKKI-Plenum“ vom 9.12.1926 in TS 3.1, S. 594 ff.

[10] „Plan der Broschüre ‚Über die Naturalsteuer‘“, 1921.

[11] Siehe: „Das Kapital I“, Vorwort zur 1. Auflage; MEW 23, S. 15.

[12] Siehe: Kamenew am 11.12.1926 auf der VII. Tagung des EKKI in: „Die Linke Opposition in der Sowjetunion 1923-28“, Band IV, S. 479 ff; 1976.

[13] Der „Widerstand gegen die NEP“ kam vor allem von Seiten der „Arbeiter-Opposition“, mit den Arbeitergewerkschaften im Hintergrund.

[14] Siehe die Beiträge Bordigas zur VI. EKKI vom Februar/März 1926.

[15] Siehe: „1926-10-28 – An Karl Korsch“.

 

[16] Im April 1930 fand in Paris eine Vorkonferenz der internationalen linken Opposition statt. Die italienische Linke, vertreten durch die Gruppe um die Zeitschrift „Prometeo“ (Ottorino Perrone), hatte lediglich Beobachter entsandt. Wie sich auch in dem offenen Brief Trotzkis „an die Redaktion von Prometeo“ vom 19.6.1930 zeigte, waren die Meinungsverschiedenheiten unüberbrückbar. Siehe: TS 3.3, 294 ff.