Mailand – Oktober 1959

Klassische Lösungen der historischen marxistischen Lehre für die Wechselfälle der elenden bürgerlichen Gegenwart

Teil II

Dezember 1959 – Januar 1960

 

Grundlegende Fragen der marxistischen Ökonomie

Wie jeder weiß, sind die Formeln, die Marx im ersten Band des Kapital aufstellt, bereits vervielfältigt und verteilt worden; das sollte ebenso für die Formeln zu Beginn des zweiten Bandes gelten. Einen ersten Hinweis darauf gaben wir auf der Versammlung in Parma, wo wir die Symbolik mit der Notation, die wir in Teil I der „Grundzüge der marxistischen Wirtschaftslehre“ anwandten, in Übereinstimmung zu bringen suchten.

In diesen Spalten geben wir nicht den algebraischen Teil wieder, der Gegenstand der Versammlung war; vielmehr erscheint uns sinnvoll, noch einmal einige Grundbegriffe darzulegen, auf die der Referent ein-ging, als er die Formeln erläuterte, denn sie sind hilfreich, in die auf die Akkumulation bezogenen Frage-stellungen einzuführen. 

Im ersten Band des Kapital behandelt Marx, wie bekannt, die „Entwicklung der Produktion des Kapitals“. Das Thema ist also nicht „die Produktion von Waren oder Konsumgütern“, deren Prozess in der dem manufakturellen und industriellen Kapitalismus angehörenden Epoche untersucht wird. Ein solcher Titel ließe der These Raum, Antrieb oder Zweck der bürgerlichen Gesellschaft sei die Befriedigung mensch-licher Bedürfnisse, weshalb eine bestimmte gesellschaftliche Produktionsmaschine errichtet worden sei. Das aber wäre ebenso naiv und unvollständig wie mit dem Einfluss der falschen Lehren seitens der Apologeten des Kapitalismus behaftet, die das gesamte Marx’sche Werk nur zerstören. Um zu sagen, dass der Antrieb des der Bourgeoisie eigenen gesellschaftlichen Klassenmechanismus nicht die Produktion von Waren, sondern von Kapital ist, entscheidet sich Marx rigoros für den genannten Titel, der durchaus „Entwicklung der Produktion von Mehrwert im Kapitalismus“ hätte heißen können. Die so grundlegende Akzentuierung enthält bereits die These, dass, um Gegenstände zur Befriedigung der menschlichen Be-dürfnisse zu produzieren, nicht notwendig Kapital produziert werden muss, auch kein Mehrwert, auch kein „Wert“, das heißt, auch keine „Waren“ – womit wir schon mitten im revolutionären Programm sind. Hier haben wir die Grundlagen, denen die Proklamationen zugrunde liegen, die heute, nach so langer Zeit seit der Niederschrift jener Seiten, im Zentrum der von uns geführten Schlacht stehen: Die bürgerliche kapitalistische Ökonomie wird nicht überwunden, ohne die Warenwirtschaft zu überwinden. Seit mehr als 30 Jahren, vom Bürgerkrieg in Russland bis heute, ist die ganze ungeheure Entwicklung der russischen Wirt-schaft nur der erste historische Zyklus der Kapital- und Mehrwertproduktion – ohne die leiseste Spur von sozialistischer Ökonomie.

Der zweite Band des Kapital behandelt den „Zirkulationsprozess des Kapitals“. Wiederum heißt es nicht „Zirkulation der Waren in der historisch kapitalistischen Gesellschaftsform“. 99 Prozent der Marx-Aktuali-sierer haben nicht begriffen, dass wir vor 80 Jahren durch einen ebenso revolutionären wie historisch irre-versiblen Schritt ein für alle Mal den hohlen Gegensatz hinter uns gelassen haben, auf dem die bürger-lichen ökonomischen Lehren errichtet sind, welche Produktion und Zirkulation als getrennte Bereiche untersucht.

Für den Bourgeois, den philisterhaften Professor und den verräterischen, gestern revisionistischen, heute „bereichernden“ Marxisten ist in der Produktion das Kapital das aktive Subjekt, während die Ware passiver Gegenstand ist; in der Zirkulation treiben die Waren – gemäß dem Gesetz des Äquivalententausches – in alle Richtungen miteinander Unzucht. Für uns revolutionäre Marxisten sind der Markt und das Kapital auszurottende Ungeheuer: Wo der Markt überlebt, gedeiht das Kapital. Im ununterbrochenen, schäbigen Prozess der Selbstzeugung ist es ein hässlicher, passiver und aktiver Hermaphrodit.

 

Die Metamorphosen

Der erste Abschnitt des zweiten Bandes trägt den Titel: Die Metamorphosen des Kapitals und ihr Kreis-lauf. Die modernen, Abscheu erregenden „Wissenschaftler“ haben diese Theorie der Metamorphosen wie-derholt als literarisches Werk belächelt, zu dem sich der eloquente Autor nach dem Vorbild der sich gegen-seitig überbietenden Dichter – von Ovid über Vergil bis Dante – hätte inspirieren lassen. Doch handelt es sich hier um wirkliche Wissenschaft, frei von knechtenden Fesseln und fähig, die unterdrückte Klasse zu erobern und zu einer Waffe zu schmieden, die in den Augen der Konformisten aller Couleur natürlich eine teuflische Waffe ist. In dieser Epoche, die zur Zeit der Abfassung des zweiten Bandes genauso stank wie heute, nimmt das Kapital für uns Normalsterbliche im praktischen Leben und in der Alltagssprache ver-schiedene Formen und Gestalten an, die es, von einer Form zur anderen wechselnd, auch schnell wieder ablegt – wie die mythischen Nymphen oder in vielerlei Gestalt erscheinenden Verdammten in der Hölle. Welche Form charakterisiert das Kapital im historischen Sinn, das heißt, in welcher Figur der Metamor-phosen lässt sich sein Entstehen ausmachen? Die Untersuchung ist wichtig, denn in unserer ursprünglichen ökonomischen Wissenschaft handelt es sich um die Form, in der wir seine Entwicklung lesen können und in der es von unserer revolutionären Praxis aufgefunden werden muss, um es zu vernichten – es ist nicht die Interpretation der Welt, sondern ihre Veränderung, die wir seit damals und als erste und einzige zum Ziel haben.

Es gibt drei wesentliche Figuren. Zwei liegen für den gesunden Menschenverstand auf der Hand: das Geld und die aufgehäuften Waren. Kapitalist nennt man den Besitzer einer Geldsumme und auch den Besitzer der stocks: Warenbestände, die auf dem Markt jederzeit in Geld verwandelt werden können. Doch reichen diese beiden Formen zur Charakterisierung des modernen Kapitalismus nicht aus; zum anderen führt die Zirkulation nur dieser beiden Formen, wo sich die eine in die andere umwandelt, nicht zu den Phänomenen des ersten Bandes des Kapital – zur Produktion des Kapitals, oder mit anderen Worten, zur Produktion des Mehrwerts. Die Metamorphose wird dreieinig, wobei die dritte Figur nichts Abstraktes an sich hat; um einem gewöhnlichen Menschen die konkrete Bedeutung deutlich zu machen, braucht man ihm lediglich eine Fabrik zeigen, wo die Menschen nicht anders als die Waren hineingehen und herauskom-men.

Diese dritte Form nennt Marx den Produktionsprozess, und dieselbe gemeinsame Sprache stößt auf den Kapitalisten, als es sich nicht mehr um den Schatzbildner handelt, der sein Gold in der Truhe inspiziert, oder um den Kaufmann, der in seinem gut gefüllten Warenlager herumspaziert, sondern um den König der Fabrik, dem Zuchthaus von Menschen, um den romantischen Herrn der Eisenhütten.

Diese drei Figuren, die in unseren kleinen Formeln mit G für Geld, W für Ware und P für den Produk-tionsprozess benannt sind, erscheinen abwechselnd auf der Bühne und verwandeln sich wie durch Zauber-hand die eine in die andere. Doch erfolgt die Metamorphose kontinuierlich – zyklisch, wie die bornierten Wissenschaftler sagen. W, P, G, P, G, W … man kann ewig so weitermachen. Marx merkt ganz einfach an, nirgendwo stünde geschrieben, dass der ablaufende Film mit W als „erster Sequenz“ beginnen müsse. Nie-mand verbietet, mit G oder P anzufangen, das heißt, dass es drei „Filmvorführungen“ des Kreislaufpro-zesses geben kann. Es könnte so aussehen, als wäre die Sache eine trockene formale Übung, doch sehr rasch wird alle Welt das schlicht höllische Filmende gesehen haben. In den kommenden zehn Jahren werden sich besoldete Professoren und bezahlte Demagogen damit beschäftigen, die Wirkungen der revo-lutionären Erforschung so einfacher und furchtbarer Wahrheiten aus der Welt zu schaffen.

Da es sich bei dem, was geschrieben werden musste, nicht um ein fades akademisches Elaborat handelt, sondern um das lebendige Drama des geschichtlichen Verlaufs, war für die Darstellung im ersten Band eine tätig werdende Person zu bestimmen: der Kapitalist. Es handelt sich nicht darum, einen Schuldigen auszumachen, auch nicht darum, die Frage durch seine Exekution zu lösen. Von Beginn an geht es um etwas ganz anderes als das Gerede über persönliche Verantwortung, und nachdem der Schauspieler enga-giert war, bittet man um Entschuldigung, ihn nicht in rosaroten Farben gemalt zu haben.

Das Anfangsszenario wie auch die von uns im „Abaco“ aufgestellten Formeln starten mit diesem Herrn als einem Eigner von Geld. Marx sagt daher, der „erste Akt“ des Kapitalisten ist der eines Menschen, der über Geld verfügt. Doch sind wir keine Metaphysiker und es gibt auch keinen Grund mehr, Mythen zu schaffen; der erste Satz lautet daher nicht: „Am Anfang war das Geld“. Es geht vielmehr darum, den Kreis-lauf korrekt nachzuzeichnen, und weiter jenes Glied zu erfassen, das den Daseinsgrund des Kapitalisten birgt und der geschichtliche Grund seines Todes sein wird.

 

Bourgeois, Achtung Aufnahme!

Jedenfalls ist das Schema bekannt. Der erste Akt ist eine Warenakt, das heißt, der Kapitalist kauft Waren mit einer bestimmten Geldsumme – allerdings zwei sehr verschiedene Waren, die wir im ersten Band des Kapital als konstantes und variables Kapital definierten, also das c und das v in den ersten Formeln, die wir nicht noch einmal schreiben brauchen. Als Marx an die Untersuchung der Zirkulation geht, symboli-siert er sie auf andere Art und bezeichnet sie mit den äquivalenten Begriffen Produktionsmittel und Ar-beitskraft. Die Akte auf dem Markt sind abgeschlossen und wie wir wissen, ist noch keiner … beschwin-delt worden. Der Arbeiter hat seine Lohnsumme, v, nicht einmal vorgeschossen bekommen. Die Rechnung kommt nachher, am Schluss des zweiten Aktes. Bislang wurde das Gesetz des Äquivalententausches nicht verletzt, und auch später wird das nicht der Fall sein.

Wenn wir zum zweiten Akt der „Funktion des produktiven Kapitals“ kommen, konsumiert der Kapitalist oder die unpersönliche teuflische Macht, die für ihn tätig wird, das, was er gekauft hat, also die Produk-tionsmittel und die Arbeitskraft. Das Drama ist Millionen Mal aufgeführt und geschildert worden, und wir laufen Gefahr, für Nervensägen gehalten zu werden. Doch das wird uns nicht die Waffen aus der Hand schlagen.

Keines der Hautstadien des ablaufenden Dramas wäre möglich gewesen, wenn der Käufer die beiden von ihm benötigten Warenarten, einerseits eben die Produktionsmittel und andererseits die Arbeitskraft der Arbeiter, nicht „getrennt“ vorgefunden hätte. Marx charakterisiert diese „Verteilung“ als grundlegende Bedingung, die er an anderer Stelle beschrieben hat. Diese Verteilung zwischen den beiden Klassen galt jedoch nicht für die Konsumgüter oder die „Einkommen“ auf gesellschaftlicher Ebene, die eben nicht verteilt wurden. Der Punkt ist nicht, wie der Blauäugige und ebenso der Philister glauben, dass die Raben-muttergesellschaft zwischen Reichen und Armen, zwischen Kapitalisten und Arbeitern eine bestimmte Warenmasse oder Geldmenge – für die modernen Gelehrten das Produkt oder das „National“einkommen – ungerecht verteilt hätte. Das wäre nur ein gewöhnlicher kleiner Schwindel gewesen, doch dermaßen sim-pel, dass es ein zweites Mal nicht geklappt hätte. Etwas ganz anderes ist die Niedertracht des Kapitalismus, der sich ununterbrochen und mit unverminderter Intensität reproduziert.

Der erste Akt des Kreislaufprozesses „unterstellt historische Prozesse, durch welche die ursprüngliche Verbindung der Produktionsmittel mit der Arbeitskraft aufgelöst wurde; Prozesse, infolge deren die Masse des Volks, die Arbeiter als Nichteigentümer und die Nichtarbeiter als Eigentümer dieser Produktionsmittel sich gegenüberstehn. Wobei es nichts zur Sache tut, ob die Verbindung“ (zwischen Arbeiter und Arbeits-mittel) „vor ihrer Zersetzung die Form besaß, daß der Arbeiter selbst als Produktionsmittel zu den andern Produktionsmitteln“ (Sklavenhaltertum und Leibeigenschaft) „gehörte, oder ob er deren Eigner“ (Bauern- und Handwerkergesellschaft) „war. Der Tatbestand, der hier also dem Akt 

G – W < A
Pm

zugrunde liegt, ist die Verteilung; nicht die Verteilung im gewöhnlichen Sinn als Verteilung der Konsumtionsmittel, sondern die Verteilung der Elemente der Produktion selbst, von denen die gegenständlichen Faktoren auf der einen Seite konzentriert sind, die Arbeitskraft davon isoliert auf der andern“ [MEW 24, S. 38].

Die Produktionsmittel müssen daher bereits Kapital geworden sein; Unser erster Akt der ersten Auf-führung ist nicht wirklich der erste.

In jedem Fall aber findet im zweiten Akt die „Reaktion“ zwischen beiden getrennten Elementen statt und es vollzieht sich der Produktionsprozess. Zwei Körper, die zuvor nicht vom Kontakt ferngehalten wurden, können nicht aufeinander „reagieren“ – der Dame Wissenschaft tun wir also Genüge.

 

Das zweite Stadium

Im Zirkulationsprozess des Kapitals folgt auf den ersten Akt oder das erste Stadium, in dem der Geld-kapitalist die beiden Warenarten Arbeitskraft und Produktionsmittel erwarb, das zweite Stadium, der eigentliche Produktionsprozess. Marx bezeichnet dieses Stadium, wie wir sagten, synthetisch mit dem Großbuchstaben P, dem Auslassungspunkte vorhergehen und folgen, also … P …

Die beiden Elemente der Produktion, menschliche Arbeit sowie Rohstoffe und Arbeitsmittel, die die Ge-schichte zuvor und in der Regel durch brutale Gewalt voneinander getrennt hat, kommen in den Händen des Kapitalisten (der teuflischen Person, des Hexers, ganz gleich wie wir ihn nennen wollen) wie zwei ge-fährliche Reagenzien in Händen des Chemikers in Kontakt und verbinden sich zu einer explosiven Misch-ung. Zur Zeit Marx‘ war von nuklearen Explosionen noch nicht die Rede, wohl aber von explosiven, che-mischen Reaktionen (nach jener, die im Topf des Mönchs Schwarz stattfand, der so das Schwarzpulver entdeckte, können wir die in der Brennkammer von Motoren und dann die durch flüssigen Sauerstoff und Superkraftstoff bewirkte Reaktion des Strahlantriebs bei Raketen nennen). Die Reihe der Prozesse P im Drama des Kreislaufs des Kapitals, das Marx darstellt, können wir völlig zu Recht als Kettenreaktion be-zeichnen. Ohne der klassischen Theorie irgendetwas Neues hinzuzufügen, nennen wir die höllische und heftig diskutierte Akkumulation des Kapitals eine Kettenreaktion; diese setzt eine Superenergie frei – und die Akkumulation einen Mehrwert.

Die Kettenreaktion beschreibt Marx so: „Der Kreislauf des produktiven Kapitals hat die allgemeine Formel: P … W – G – W … P. Er bedeutet die periodisch erneuerte Funktion des produktiven Kapitals, also die Reproduktion, oder seinen Produktionsprozeß als Reproduktionsprozeß mit Bezug auf die Ver-wertung; nicht nur Produktion, sondern periodische Reproduktion von Mehrwert; die Funktion des in seiner produktiven Form befindlichen industriellen Kapitals, nicht als einmalige, sondern als periodisch wiederholte Form, so daß der Wiederbeginn durch den Ausgangspunkt selbst gegeben ist“ [MEW 24, S. 69].

Schon hier nimmt Marx seine zweite entscheidende Formel von P zu P vorweg: die des modernen Kapi-talismus, nicht jene für ihn erste Formel von G zu G (Geld zu Geld) oder die dritte von W zu W (Ware zu Ware). Hier ist der Wendepunkt zwischen der herkömmlichen Ökonomie (worin wir neben den Marx be-kannten alle späteren offiziellen, akademischen und höchst modernen Schulen zählen) und unserer Ökono-mie; es ist ein revolutionärer, in Jahrhunderten nur einmal möglicher Wendepunkt, der vollständig und auf explosive Art und Weise vorhergesehen wurde.

„Während in der ersten Form G – G der Produktionsprozeß, die Funktion von P, die Zirkulation des Geldkapitals“ (und Warenkapitals) „unterbricht und nur als Vermittler zwischen seinen beiden Phasen G – W und W – G erscheint, bildet hier“ (in der Form P – P; die Buchstaben mit dem Akzent G' - W' - P', wo-von später, lassen wir zunächst absichtlich weg) „der gesamte Zirkulationsprozeß des industriellen Kapi-tals, seine ganze Bewegung innerhalb der Zirkulationsphase“ (Ware – Geld – Ware, aus der Sicht der großen Wirtschaftsprofessoren der entscheidende Punkt), „nur eine Unterbrechung und daher nur die Ver-mittlung zwischen dem produktiven Kapital, das als erstes Extrem den Kreislauf eröffnet und als letztes ihn in derselben Form, also in der Form seines Wiederbeginns, schließt. Die eigentliche Zirkulation“ (die nach dem von Stalinisten und Keynesianern vergöttertem Wertgesetz auf dem Markt verbleibt) „erscheint nur als Vermittlung der periodisch erneuerten und durch die Erneuerung kontinuierlichen Reproduktion“ [MEW 24, S. 69-70].

 

Das dritte Stadium

Die Stadien werden nach ihrem historischen Gang und den Erkenntnissen der Vulgärökonomen darge-stellt. War das erste Stadium Geld – Ware (in beiden bekannten Formen), besteht das zweite im explosiven Prozess P; wie das erste gehört das dritte Stadium der Zirkulationssphäre an, dem Markt also, der den Hochwohlgeborenen so am Herzen liegt; unser Interesse richtet sich indes auf die Zirkulation des Kapitals. Das dritte Stadium macht den Akt G – W durch, doch die Wirkung des im zweiten Stadium P erfolgten Ausbruchs ist W' – G', äquivalente Mengen von Waren und Geld, doch offensichtlich höhere als zu Be-ginn: das vorgeschossene Geldkapital und die erste damit herausgeschlagene janusköpfige Ware. Klar, W' sind die verkauften Produkte und G' der Erlös. Die uns wohlbekannte Differenz ist der im Ausbruch … P … „erschaffene“ Mehrwert.

Bereits hier zeigt Marx den grundsätzlichen Unterschied zwischen der einfachen und erweiterten Repro-duktion bzw. Akkumulation, wie sie sich in der historischen Realität der kapitalistischen Gesellschaft dar-stellt.

Der Unterschied liegt auf der Hand und besteht, wenn wir der Einfachheit halber an einen Einzelbetrieb denken, in der Verwendung des Mehrwerts, das heißt der Differenz zwischen G und G', dem Gewinn von G' gegenüber der Ausgabe G. Wo der Mehrwert, in der Form des entsprechenden Anteils von G' gleich G' minus G vom Kapitalisten eingesteckt wird, wird der typische Kreislauf G – W …P … W' – G' wieder ge-nauso wie der erste beginnen. Es wird also einfache Reproduktion stattgefunden haben.

Ist der Mehrwert hingegen nur zum Teil oder gar nicht in den Konsumtionsfonds des Kapitalisten einge-gangen (wie Marx aus Gründen der theoretischen Untersuchung annimmt und wie die Geschichte im Russ-land ohne die Fabrikherren zeigt, wo wir das sehen, was wir schon lange vorher wussten, dass nämlich die wirkliche Niedertracht des Kapitalismus hervortritt, wenn die individuellen Kapitalisten verschwunden sind), wird das gesamte Geld G' industrielles produktives Kapital. Im folgenden Kreislauf explodiert es erneut in Kette, woraus W'' und G'' und weiter n-te W und G hervorgehen – im Rhythmus des friedlichen und abscheulichen Wettbewerbs im Zeichen der Entspannung.

Dieser Unterschied zwischen der einfachen und erweiterten Reproduktion bleibt Grundlage für die Un-tersuchung der weiteren wichtigen Kapitel des Marxismus und für das Verständnis des historischen und nicht allein ökonomischen Aspekts der Frage (deren rein ökonomisches Schema als „Modell“ zur Zeit der Entstehung unserer Lehre unverzichtbar war). Doch wir finden (wenn es uns erlaubt ist) den Unterschied viel wichtiger, den der Entdecker des „Geheimnisses“ der Kapitalform durch diese so einfache Methode eingeführt hat, um den Zirkulationskreislauf (des Kapitals, ihr feindlichen Herren, mit dem der Waren wis-sen wir nicht, was tun) nicht mehr zwischen G und G oder zwischen W und W zu untersuchen – wie es die „Zirkulationisten“ taten, tun und tun werden, solange wir nicht stark genug sind, sie widerlegen zu können, wie wir sollten: indem wir sie, wie Don Carlo lehrte, zum Schweigen bringen und ihnen eine Tracht Prügel auf ihre „vertrusteten“ Hirne und zugleich gehörnten Schädel geben). Nein, wir untersuchen den Kreislauf P – P, das heißt, wenn nicht mehr mit einem Warenstock oder Geldfonds in Händen gestartet wird, sondern einer Höllenmaschine, die nicht dem Wertgesetz gemäß zu quotieren, sondern dazu bestimmt ist, vom re-volutionären Terror in Stücke geschlagen zu werden.

Eben zu diesem Zweck werden wir zu den „drei Figuren“ des Kreislaufprozesses, den Marx in diesem Kapitel meisterhaft darlegt, einige Kommentare abgeben – und Zitate anführen, um wie stets nachzuwei-sen, dass wir nichts entdeckt haben und nichts verfälschen; den Prozess haben wir in der ursprünglichen symbolischen Form sowie in der von uns übersetzten Form in der bald erscheinenden Veröffentlichung ausgedrückt.

 

Die drei Figuren

Wie wir gesehen haben, gibt es drei Stadien oder Akte. Ohne damit schon die Philister zum Schweigen zu bringen, können der erste und dritte Akt in Begriffen der Ware – Geldzirkulation interpretiert werden; allein der zweite Akt, das Stadium P, definiert den uns interessierenden Kreislaufprozess: den Kreislauf des produktiven Kapitals und eben drum des Mehrwerts.

Die Figuren stellen drei Arten dar, den Kreislauf „in Kette“ zu lesen. Auch diesmal sind die erste und dritte Figur in aller Munde, weil nicht revolutionär, und wir überlassen dieses Gebiet, nach dem Wortlaut von Marx, den feindlichen Lagern: Es sind die Figuren, die die Bahnen Ware – Ware sowie Geld – Geld beschreiben (die erste und dritte Figur also). Diese beiden erledigen wir vor der zweiten, für uns letzten, weil sie die erste ist (erschrecken Sie nicht, meine Herren; wie auch euer Jesus von Nazareth sagt, der be-stimmt nicht so dumm ist, wie Ihr es seid, werden die Letzten die Ersten sein), und die erste ist diejenige, in der P Ausgangs- wie Rückkehrpunkt ist.

Es ist nicht nötig, ausführlich auf die erste Figur zurückzukommen, nachdem wir die Akte erläutert haben, die der Kapitalist vollzog, als wir ihn als Träger von Geldkapital auf die Bühne tretend vorstellten, und nachdem wir gezeigt haben, dass die bloße Geldakkumulation nicht die historischen Voraussetzungen der kapitalistischen Produktion liefert, die auf der erbarmungslosen Trennung der Produktionsmittel von den mit Arbeitskraft begabten Menschen basiert sowie darauf, dass diese modernen Sklaven der Lage ent-hoben sind, selbst zu den Produktionsmitteln zu gehören, wie ein Pferd (das deshalb mit mehr Rücksicht behandelt wird).

Ausgangspunkt für die zweite Figur ist W', das heißt, die Warenmasse, die, ausgehend von der Geld-summe G, die der Unternehmerkapitalist das erste Mal in eine geringere Warenmasse W umgewandelt hatte, aus einem vorhergehenden Produktionszyklus hervorgegangen ist. Marx merkt an, dass W' als in zwei Teile gespalten angesehen werden kann, indem W' = W + w gesetzt wird. Nachdem also vom ge-samten W' Besitz ergriffen wurde, wird es auf den Markt geworfen, um es zu Geld zu machen. Der Wert-teil W reicht aus, damit die Summe G zurückkehrt, so dass alles wie in der ersten Figur und im ersten Sta-dium wiederbeginnt. Noch fraglich ist es mit dem Wertteil m, der eine doppelte Bestimmung hat: entweder für den Konsum oder für die, wie es heute heißt, Reinvestition, was zwischen einfacher und erweiterter Re-produktion entscheidet. Abgesehen von seltenen Ausnahmen (die die Landwirtschaft betreffen, nicht die Industrie, denn Agnelli wird sich, unterstellen wir, kein Steak aus einem Metallblock servieren lassen) muss jedenfalls auch der Wertteil m auf den Markt gebracht werden, um sich in g – das vom Kapitalisten konsumierbare Einkommen – zu verwandeln: Für den Bourgeois bleibt m also auch in der einfachen Re-produktion im allgemeinen Kreislauf; für uns aber bleibt er nur im Kreislaufprozess des Kapitals, wenn er – dank einer „Enthaltung“, die weder Stalin erfunden hat noch Marx, sondern die klassischen Ricardianer – nicht in den Privatfonds des Kapitalisten eingeht: er muss dem Gott der erweiterten Reproduktion zum Opfer gebracht werden.

Wer sich hinsetzt, um die Zirkulation der Waren als ihr Subjekt zu studieren, wird nie etwas verstehen; Marx sagt das hundert Mal, z.B. mit folgenden Worten: „Wir haben also einfache Reproduktion voraus-gesetzt, d.h. daß g – w sich ganz trennt von G – W. Da beide Zirkulationen, w – g – w ebenso wie W – G – W“ der allgemeinen Form nach der Warenzirkulation angehören (und daher auch keine Wertdifferenzen zwischen den Extremen zeigen), so ist es leicht, wie die Vulgärökonomie es tut“ (die nichts davon wissen will abzutreten) „den kapitalistischen Produktionsprozeß aufzufassen als bloße Produktion von Waren, Ge-brauchswerten  zur Konsumtion irgendeiner Art bestimmt, die der Kapitalist nur produziert, um sie durch Waren von anderm Gebrauchswert zu ersetzen“ [MEW 24, S. 73-74].

Warum denn produziert das Kapital? Es produziert, weil es nicht Waren, sondern sich selbst, den Mehr-wert, produzieren muss; und es findet die „entspannten“ Dummköpfe, die sich in der Konsumtion jener irrwitzigen Waren gegenseitig zu übertreffen suchen!

 

Stalinisten und Immediatisten

Der wesentliche Grund, warum unsere Partei der kindischen Vorstellung trotzt, unseren zahlenmäßig schwachen Kräften durch einen „Block“ mit all jenen abzuhelfen, die kühn genug sind, den Russen, Stalin, kein Gehör zu schenken, ebenso wenig wie den angeblichen Poststalinisten, die noch übler als Letzterer sind, liegt gerade darin, dass sie in Sachen Ökonomie fast alle Immediatisten und in Sachen Politik ver-kappte Liberale sind – nicht minder als die schlimmsten Stalinisten. Das hat doch mit dem Abaco der marxistischen Ökonomie nichts zu tun! scheint es in unseren Ohren zu tönen. Doch, hat es sehr wohl. Gerade weil wir diesen offenkundigen Zusammenhang sehen, trifft unser hoffnungsloses Sektierertum auf die ärgsten Verwünschungen.

Immediatist ist jener, der ohne das Eingreifen des schrecklichen Vermittlers: der politischen Revolution, das heißt, der Partei, die die Diktatur leitet, das ökonomische Konto begleichen möchte. Immediatismus bedeutet, den Posten w – g – w zu begleichen, und dem Posten W – G – W, der alles einbegreift, seinen Lauf zu lassen. Was verherrlichen die Stalinisten anderes?

Die Schläge des diktatorischen Terrors gegen die zusehends verfaulende Mehrheit der bürgerlichen Ge-sellschaft sind gerade notwendig, um die Formel W – G – W aus den Angeln zu heben, auch wenn sie mit W' – G' – W' gleichgesetzt wäre. Innerhalb des engen Horizonts der Fabrik, der Gewerkschaft, der Ort-schaft, kann diese Wahrheit nicht gesehen werden; sie taucht vielmehr leuchtend am Horizont der Partei-form auf. Zu dieser Wahrheit gelangt man, wenn man nicht mehr – wie es der Kernpunkt der „ordino-vistischen“ Ideale war – auf den Fabrikherrn und dessen Bilanzen starrt, wenn es nicht mehr um die Aktionäre geht, deren Dividenden man den Arbeitern zugutekommen lassen will, und wenn nicht mehr das verteilt werden soll, was zum Beispiel die „Organisation“ FIAT den armen Trotteln abpresst.

Das hat Marx gesagt? Sicherlich, ihr Theoretiker, die ihr davon mehr versteht als er; doch seid ihr nicht mal auf der Höhe seiner Schuhsohle.

„Wir sahen, daß w – g – w, als Zirkulation der Revenue des Kapitalisten, nur in die Kapitalzirkulation eingeht, solange w Wertteil von W', dem Kapital in seiner Funktionsform von Warenkapital, ist: aber so-bald verselbständigt durch g – w, also in der ganzen Form w – g – w, geht sie nicht in die Bewegung des vom Kapitalisten vorgeschoßnen Kapitals ein, obgleich sie aus derselben hervorgeht.“ (Jetzt aufgepasst!) „Sie“ (g, das Einkommen, dessen sich der Kapitalist erfreut) „hängt damit soweit zusammen“ (mit der wirklichen Kreislaufbewegung des Kapitals, mit der sich unsere ökonomische Kritik nur befasst, um den Kernpunkt auszumachen, wo der Schwerthieb treffen muss), „als die Existenz des Kapitals die Existenz des Kapitalisten voraussetzt, und diese letztere ist bedingt durch seinen Verzehr von Mehrwert“ [MEW 24, S. 74].

Lesen wir das mit hinreichender Dialektik (jene, die nur monieren, dass die russischen Arbeiter wenig zu essen haben oder dass die von Moskau nach Budapest entsandten Armeen auf Parteibefehl auf die Stu-denten schossen, mögen bitte beiseitetreten). Die Konsumtion des Mehrwerts seitens des individuellen Kapitalisten ist eine Existenzbedingung desselben. Auf theoretischer Ebene macht das keine Schwierigkeit: Wir verwehren dem Kapitalisten zu essen, und er stirbt; doch in der historischen Realität geht man einen anderen Weg: wie liquidieren ihn, und er isst nicht. Das sind rein physiologische Ableitungen. Aber die Konsumtion des Kapitalisten ist keine Existenzbedingung des Kapitalismus, da in den Warenmetamor-phosen alles, W ebenso wie w, Kapital war. Tatsächlich zeigten wir mit –zig Zitierungen: die wirkliche Existenzbedingung des Kapitalismus ist das Gegenteil, nämlich die Überführung des Mehrwerts m in neu-es produktives Kapital, das sich (im großartigen, „entspannten“ Wettstreit) in eine größere Warenmasse verwandelt.

Die Russen haben die Hauptbedingung für das Dasein des Kapitalismus im höchsten Grad entwickelt. Keiner der Aspiranten, die mit uns einen Block bilden (oder uns blockieren) wollen, wird das zugeben.

Mit anderen Worten, der Skandal besteht nicht in der ungerechten Einkommensverteilung – dass die Chefs einen Teil des Arbeitsertrages der Lohnarbeiter aufessen; er besteht darin, dass die historische Ent-wicklung des kapitalistischen Systems verhindert wird, wenn man es auf das Schema der einfachen Repro-duktion festnagelt. Die Entwicklung ist durch die erweiterte Reproduktion bedingt, durch die Erzeugung also eines Mehrwerts, der sich wieder in neues Kapital verwandelt. Die kommunistische Forderung ist nicht eine Verteilung des Mehrwerts unter die Lohnabhängigen, sondern das Ende des Lohnsystems und der verfluchten Kapitalzirkulation.

Ganz gleich, in welcher der Metamorphosen, ob produktives Kapital, Warenkapital, Geldkapital – das Kapital muss verschwinden.

Der Betriebsfehler

Im Marx’schen Text wird gezeigt, dass man nicht wissen muss, was mit den Produkten einer be-stimmten Fabrik am Ende geschieht. Sobald die Produkte aus dem Stadium des Produktionsprozesses her-austreten, haben sie die Form von Warenkapital. Wie wir immer wieder betonen, misst sich in der marxisti-schen Ökonomie das Kapital am Wert der erzeugten Warenheere: den berühmten Umsatz. Als Warenmasse fällt das Gesamtprodukt in die allgemeine Bewegung der Warenzirkulation, um sich in Geld zurückzuver-wandeln. Die Waren können in den Kreislauf eines anderen industriellen Kapitals eingehen oder der Kon-sumtion dienen. Ab jetzt brauchen wir, um dem Kreislaufprozess des Kapitals zu folgen, nur zu wissen, wohin das Geld G' geht, in das sich die Ware W‘ verwandelt hat, um zu entscheiden, ob wir es mit der ein-fachen oder erweiterten Reproduktion zu tun haben. Das Wichtige ist der Übergang auf die gesellschaft-liche Stufe, auf deren Ebene eine Warenzirkulation und eine für uns viel wichtigere Kapitalzirkulation vor sich geht. „Die allgemeine Zirkulation umfaßt ebensosehr die Verschlingung der Kreisläufe der ver-schiednen selbständigen Bruchstücke des gesellschaftlichen Kapitals, d.h. die Gesamtheit der einzelnen Kapitale, wie die Zirkulation der nicht als Kapital auf den Markt geworfnen, beziehungsweise der in die individuelle Konsumtion eingehenden Werte“ [MEW 24, S. 75].

Im Teil w – g – w –, der durch die einfache Reproduktion aus dem Kreislauf des Kapitals heraus fällt, „fungiert Geld nur als Münze. Zweck dieser Zirkulation ist die individuelle Konsumtion des Kapitalisten. Es charakterisiert den Kretinismus der Vulgärökonomie, daß sie diese Zirkulation, die nicht in den Kreis-lauf des Kapitals eingeht – die Zirkulation des als Revenue verzehrten Teils des Wertprodukts – für den charakteristischen Kreislauf des Kapitals ausgibt.“

In anderen Textstellen geht Marx darauf ein, dass nicht nur die Ökonomie eines Betriebs, sondern die eines Landes zu betrachten ist (in MEW 24, Seite 101, wo er die dritte Figur der Zirkulation des Waren-kapitals behandelt, die wir gerade vor der zweiten, der Figur P – P, dem Kreislauf des produktiven Kapi-tals, betrachten). „Betrachten wir z.B. das jährliche Gesamtwarenprodukt eines Landes und analysieren die Bewegung, wodurch ein Teil desselben das produktive Kapital in allen individuellen“ (betrieblichen) „Geschäften ersetzt, ein anderer Teil in die individuelle Konsumtion der verschiednen Klassen eingeht, so betrachten wir W'…W' als Bewegungsform sowohl des gesellschaftlichen Kapitals, als des von diesem erzeugten Mehrwerts, resp. Mehrprodukts. Daß das gesellschaftliche Kapital = Summe der individuellen Kapitale (inkl. der Aktienkapitale resp. des Staatskapitals, soweit Regierungen produktive Lohnarbeit in Bergwerken, Eisenbahnen etc. anwenden, als industrielle Kapitalisten fungieren), und daß die Gesamtbe-wegung des gesellschaftlichen Kapitals“ (die vorherige Klammer im Marx’schen Text rechtfertigt auf-grund des Fehlers, auf den Marx hier hinweist, unseren Ausdruck des Betriebskapitals und des Betriebler-tums) „= der algebraischen Summe der Bewegungen der individuellen Kapitale ist, schließt in keiner Wie-se aus, daß diese Bewegung als Bewegung des vereinzelten individuellen Kapitals andre Phänomene dar-bietet, als dieselbe Bewegung, wenn sie unter dem Gesichtspunkt eines Teils der Gesamtbewegung des ge-sellschaftlichen Kapitals, also in ihrem Zusammenhang mit den Bewegungen seiner andren Teile betrachtet wird, und daß sie zugleich Probleme löst, deren Lösung bei der Betrachtung des Kreislaufs eines einzelnen individuellen Kapitals vorausgesetzt werden muss, statt sich daraus zu ergeben.“

Das Zitat sollte nicht schwierig sein, seine Bedeutung ist evident. Wenn das ganze Produkt Ware ist, ist die Ökonomie eine kapitalistische Ökonomie, auch wenn der Betriebsführer nicht mehr ein privater oder kollektiver Arbeitgeber ist. Wenn wir im Kreislauf des Einzelbetriebs auf das Stadium treffen, worin der Kreislauf mit dem Verkauf der Ware schließt und im folgenden Kreislauf mit dem Kauf der Ware, einer-seits Arbeitsmittel, andererseits Arbeitskraft, beginnt, haben wir – aus den gleichen Gründen, wie wir es nicht mit dem Sozialismus, sondern dem Kapitalismus zu tun haben, wenn die Arbeiter vom Privatunter-nehmer mit Geld entlohnt werden – die kapitalistische Ökonomie vor uns

Bis vor Kurzem war in der russischen Struktur der Erwerb des konstanten Ausgangskapitals durch den Betrieb verschleiert, nicht aber der der Arbeitskraft (abgesehen von der gegenüber dem Westen niedrigeren Entlohnung – das ist jedoch nicht entscheidend). Mit den jüngsten Reformen ist der schließliche Verkauf W' – G' und auch der ursprüngliche Kauf G – W, stets in Rubel, wieder offenkundig, wobei W nicht allein v, sondern ebenso c enthält, also nicht nur Arbeitskraft, sondern auch Produktionsmittel.

Das Geständnis Stalins, wonach in Russland das Wertgesetz in Kraft ist, ist das Geständnis kapitalisti-scher Ökonomie. Haben diese abgebrühten Marxisten noch eine klassische Textstelle nötig? „Ware wird Warenkapital als unmittelbar aus dem Produktionsprozeß selbst entsprungene funktionelle Daseinsform des bereits verwerteten Kapitalwerts. Würde die Warenproduktion in ihrem ganzen gesellschaftlichen Um-fang kapitalistisch betrieben, so wäre alle Ware von Haus aus Element eines Warenkapitals, bestehe sie nun aus Roheisen oder Brüsseler Spitzen, Schwefelsäure oder Zigarren. Das Problem, welche Sorte des Warenheers durch ihre Beschaffenheit zum Kapitalrang bestimmt, welche andere zum gemeinen Waren-dienst“ (erinnert ihr euch an den Disput Stalins mit den Dissidenten, ob in Russland auch die Industrie-maschinen Waren sind? Nach den Reformen breitete man den Mantel des Schweigens über Stalin), „ist eins der selbstgeschaffnen holden Drangsale der scholastischen Ökonomie“ [MEW 24, S. 43].

Achtzig Jahre nach dem Tod des Verfassers dieser Zeilen frönen die akademische Wirtschaftswis-senschaft und die trügerische Statistik im Westen wie im Osten noch immer diesem althergebrachten Zeitvertreib.

 

Wie Marx die Figuren zuweist

Die erste und dritte Figur, also jene, deren Ausgangsform einmal das Geld und einmal die Ware ist, ge-ben uns als unvollständige Figuren keine Vorstellung vom modernen Kapitalismus. Im Text ist das am Ende des dritten Kapitels über die dritte Figur ausgedrückt:

„W' … W' liegt dem Tableau économique Ouesnays zugrunde, und es zeigt großen und richtigen Takt, daß er im Gegensatz zu G … G' (der isoliert festgehaltenen Form des Merkantilsystems) diese Form und nicht P … P wählte“ [MEW 24, S. 103]. Am Ende des vorhergehenden Kapitels über den Kreislauf des produktiven Kapitals (zweite Figur) sagte Marx: „Der Kreislauf des produktiven Kapitals ist die Form, worin die klassische Ökonomie den Kreislaufprozeß des industriellen Kapitals betrachtet“ [MEW 24, S. 90].

Historisch ist es somit berechtigt, die drei Figuren so zu gliedern, wie wir es getan haben; die erste, die den Kreislauf des Geldes beschreibt, danach jene, die den der Ware und schließlich jene, die den des Un-ternehmerkapitals darstellt. Die Interessen der frühen Bourgeoisie, die sich am Überseehandel bereicherte, spiegelt die merkantilistische Schule wider; den Interessen dieser Schichten entsprechend sucht sie zu theo-retisieren, dass der Reichtum in jedem Tauschakt erzeugt wird. Der Merkantilist leugnet das Gesetz äqui-valenter Werte und behauptet, das Kapital erhöhe sich im Akt des Kaufs und Verkaufs um einen Mehr-wert. Von G zu W und von W zu erhöhten G'.

Die klassischen Ricardianer, und wir mit ihnen, stellen indes fest, dass in dieser Bewegung kein Mehr-wert erzeugt wird.

Die Physiokraten, die die Interessen nicht der Feudalherren, sondern der Grundbesitzer im bürgerlichen Sinn verfechten und ausdrücken, negieren ebenfalls die These der Merkantilisten und behaupten, dass der erhöhte und damit konsumierbare Reichtum in jedem saisonalen Zyklus aus dem Boden entsteht, in die zehn Samenkörner gelegt werden, um hundert zurück zu erhalten. Für sie entsteht der Mehrwert weder im Tauschakt noch in der Manufaktur, sondern allein in der Landwirtschaft, wo die angewandte W durch einen Mehrertrag vergrößert zu W' wird. Alle anderen Bilanzen sind ausgeglichen: die des Händlers wie die des Arbeiters und des Industriellen, die einen Teil der Bodenprodukte verzehren, ohne dem, was sie erhalten haben, irgendetwas hinzuzufügen, da ihre Tätigkeit nur Produkte zum gleichen Wert liefert.

Die Ökonomen der klassischen Schule widerspiegeln die Interessen der Fabrikanten. Nach ihnen ent-steht der Mehrwert, von dem die Menschheit lebt, nicht im Austausch, nicht in der Landwirtschaft, sondern in der Industrie. Der Profit steht folglich der Unternehmerklasse zu. In den Vordergrund stellen sie daher den Produktionsprozess, von Marx P genannt – treffend vertreten sind sie somit in Marx‘ zweiter Figur. Handelt es sich um einfache Reproduktion, wird diese zweite Figur mit der einfachen Formel beschrieben: P … W' – G' – W …P, bei der erweiterten Reproduktion: P … W' – G' – W …P', wobei P' eine intensi-vierte Produktion des Unternehmens beschreibt, die ein erhöhtes Produkt hervorbringt. Marx vereint beide Formeln zu einer, die er etwa so schreibt: P … W' – G' (G' – W') (G – W) … P (P').

Beide Varianten gehören den Apologeten des Unternehmerkapitalismus an; sie haben bereits die An-schauung hereingebracht, laut dem es der individuelle Kapitalist vorzieht, alles zu investieren und nichts zu konsumieren.

 

Die höllische Akkumulation

„Der ganze Charakter der kapitalistischen Produktion ist bestimmt durch die Verwertung des vorge-schoßnen Kapitalwerts, also in letzter Instanz durch Produktion von möglichst viel Mehrwert; zweitens aber (siehe Buch I, Kapitel XXII) durch Produktion von Kapital, also durch Verwandlung von Mehrwert in Kapital. Die Akkumulation oder Produktion auf erweiterter Stufenleiter, die als Mittel zu stets ausge-dehnterer Produktion von Mehrwert, daher Bereicherung des Kapitalisten, als persönlicher Zweck des letztren erscheint, und eingeschlossen ist in die allgemeine Tendenz der kapitalistischen Produktion, wird aber weiter, wie im ersten Buch gezeigt, durch ihre Entwicklung eine Notwendigkeit für jeden indivi-duellen Kapitalisten. Die stete Vergrößerung seines Kapitals wird Bedingung der Erhaltung desselben“ [MEW 24, S. 83-84].

Die dem Anschein nach freie Entscheidung des Einzelkapitalisten, „Profit zu machen“, um über einen größeren Konsumtionsfond als die anderen zu verfügen, stellt sich also als „Notwendigkeit“ heraus, das heißt als eine den menschlichen Willen ausschließende Bestimmung, nämlich sein Kapital, oder besser gesagt das Kapital, das gesellschaftliche Kapital zu vergrößern. Die Aussage der Ricardianer, wonach der Kapitalist, einem solchen kategorischen Imperativ gehorchend, der Konsumtion des Profits „entsagt“, sollte einem deshalb nicht abwegig vorkommen. Er tut noch mehr, nämlich als Individuum in der Vielzahl zu verschwinden, wenn sich das Kapital in eine größere Zahl von Händen, in eine größere Zahl von Aktiengesellschaften, im kapitalistischen Staat konzentriert.

Kehren wir zu unserer zweiten Figur zurück, die, insoweit die beiden Gesichtspunkte nicht getrennt wer-den können, sowohl die einfache wie auch die erweiterte Reproduktion einbegreift. Indem wir sie aber ab-sichtlich trennen, leiten wir daraus die Formeln ab, die weitere zwei gegnerische Schulen kennzeichnen, die direkt der bürgerlichen Ökonomie entstammen, auch wenn sie das leugnen.

Aus P … P ohne Erweiterung des Produktionsprozesses folgerten wir die Formel des „Immediatisten“. Der gibt sich zufrieden, wenn der Mehrwert (in der Version unseres Abaco als klein p symbolisiert) zu dem Lohnkapital addiert, also unter alle Arbeiter aufgeteilt wird und der Arbeitgeber oder die Dividenden der Aktiengesellschaft aus der Welt sind. P bleibt sich somit stets gleich, die Produktion muss nicht erweitert, sondern nur eine falsche Verteilung korrigiert werden. Marx sagt das so: „In dem Verhältnis zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter wird das Geldverhältnis, das Verhältnis von Käufer und Verkäufer, ein der Produktion selbst immanentes Verhältnis. Dies Verhältnis aber beruht der Grundlage nach auf dem gesell-schaftlichen Charakter der Produktion, nicht der Verkehrsweise; dieser entspringt umgekehrt aus jenem. Es entspricht übrigens dem bürgerlichen Horizont, wo das Geschäftchenmachen den ganzen Kopf einnimmt, nicht im Charakter der Produktionsweise die Grundlage der ihr entsprechenden Verkehrsweise zu sehn, sondern umgekehrt“ [MEW 24, S. 120].

Der Immediatist, den wir somit unter die abgekürzte Formel P …P eingeordnet haben, ist ein Arbeiter-tümler, seine Seele jedoch ist schlicht und einfach kleinbürgerlich.

Die Formel P … P', die zweite Seite der klassischen bürgerlichen Formel, taugt hingegen für die stali-nistischen Ökonomen. Auch sie haben den Mehrwert p, zusammen mit der physischen Person des Kapi-talisten, verschwinden lassen, doch nicht im Traum daran gedacht, den Mehrwert dem Lohn, v, zuzu-schlagen. Vielmehr haben sie den gesamten Mehrwert neuer produktiver Kapitalanlage zugeführt, um die Intensität von P schwindelerregend zu steigern – und behaupten glatt, diese Aufblähung der Produktion mache den … Sozialismus aus.

Nachdem wir nun alle Formeln den uns feindlichen Schulen zugeordnet haben, haben wir uns nicht für eine von ihnen zu entscheiden. Die Darlegung – Bestandteil einer vollständigeren Reihe sich wechselseitig entsprechender symbolischer Formeln der drei Gesichtspunkte der Kapitalzirkulation – schloss mit der Aussage, dass in der sozialistischen, der kommunistischen Ökonomie kein Kapital produziert wird und somit auch nicht zirkuliert. Es werden daher auch keine Waren produziert, die im Tausch gegen Geld zir-kulieren, und erst recht nicht im Tauschhandel.

Da für Marx der „Umfang der von der kapitalistischen Produktion erzeugten Warenmassen bestimmt [wird] durch die Stufenleiter dieser Produktion und das Bedürfnis der ständigen Ausdehnung dieser letztren, nicht durch einen prädestinierten Kreis von Nachfrage und Angebot, von zu befriedigenden Bedürfnissen“ [MEW 24, S. 80], ist unsere Forderung, die Produktion auf die Stufenleiter jener Bedürf-nisse, die der besten Entwicklung der menschlichen Gesellschaft – statt den Launen und Grillen des Individuums – entsprechen, zu senken, eine Entsprechung, die durch physische Maße, nicht durch die Maße des ökonomischen Werts zustande kommt, und zwar bis zu dem Punkt, dass die Befriedigung des menschlichen Bedürfnisses und die Tätigkeit, die sie ermöglicht, ein und derselbe Akt und eine Freude in sich selbst sind.

 

Der Dämon des industriellen Kapitals

Unsere bisherigen, umfassend entwickelten Ausführungen haben den Stoff des ersten Abschnitts des Zweiten Bandes des Kapital von Karl Marx dargestellt; sie reichen aus, die Basis einerseits unseres Vor-trags, andererseits unserer in Mailand entwickelten Fassung der Symbolik sowie jener Arbeit unserer Orga-nisation abzugeben, die an die vervielfältigten Seiten des entsprechenden Kapitels im „Abaco dell’econo-mia marxista“ anknüpfen. Unsere französische Zeitschrift „Programme Communiste“ hat ebenfalls mit der Veröffentlichung des Abaco begonnen.

Wir wären mit den Thesen schon fertig, wenn es vor weiteren systematischen Ausführungen nicht sinn-voll wäre, sie mit einer ersten Darstellung der Fragen zur Akkumulation des Kapitals zu verbinden, die ursprünglich im dritten Abschnitt des zweiten Bandes enthalten sind und die wir ebenfalls in Mailand be-handelten. Fragen, die innerhalb der marxistischen Schule lebhaft und manchmal kontrovers diskutiert wurden, was auch im Zusammenhang mit der Form steht, die dem Text nach dem Tode Marx‘ gegeben wurde; nicht sicher ist, dass die Reihenfolge und Gliederung tatsächlich jene ist, die die Schrift durch die Hand von Marx erhalten hätte; vielleicht ist diese Unsicherheit auch der übertriebenen Sorge geschuldet, die fragmentarischen, handschriftlichen Manuskripte wörtlich wiederzugeben.

In unserer Darlegung hoben wir hervor, dass im „Kreislauf der Metamorphosen“, den das Kapital in seiner Zirkulation beschreibt: Geld, Ware, Produktionsprozess, Ware, Geld und so fort, Marx‘ Einzig-artigkeit gegenüber den ihm vorangegangenen (und nachfolgenden) Ökonomen darin liegt, das ausschlag-gebende Kettenglied auf, möchten wir sagen, dramatische Art und Weise ergriffen zu haben. Nicht das Kettenglied Geld, wie in der ersten Formel für den Kreislauf des Geldkapitals, nicht das der Ware wie in der dritten Formel, sondern das Kettenglied Produktionsprozess, in der die Kapitalform, wie man heute sagen würde, explodiert. In dieser Form ist das Kapital, von alters her als Geld- und Warenkapital bekannt, das erste Mal in seiner Geschichte industrielles Kapital; es kann nicht mehr als Kapital „auf den Schultern einer Einzelperson“ begriffen werden, es ist vielmehr eine gesellschaftliche Form geworden – gegen die die Arbeiterklasse noch besser kämpft als gegen die Klasse der Kapitaleigentümer. Der Kampf ist die Re-volution, nach ihr wird es nicht nur keinen Charakter der Ware als kapitalistischem Produkt mehr geben, sondern nicht einmal mehr Waren- und Geldkapital.

Schon im IV. Paragraphen des ersten Kapitels zum „Gesamt-Kreislauf“ [S. 61] heißt es: „Das industri-elle Kapital ist die einzige Daseinsweise des Kapitals, worin nicht nur Aneignung von Mehrwert, resp. Mehrprodukt, sondern zugleich dessen Schöpfung Funktion des Kapitals ist.“ Historisch heißt dies, dass bereits in vorindustriellen Formen die frühen Besitzer von Geld,- und Warenkapital von der Arbeit der produzierenden Massen mitzehrten, indem sie sich einen Teil der Arbeit zu ihrem Nutz und Frommen aneigneten. Doch erst in der modernen, vollständig industriellen Form geht das Kapital über die per-sönliche Aneignung hinaus und macht – indem es den produzierten Mehrwert dem Magma des gesell-schaftlichen Kapitals zuweist – letztendlich die Existenz des individuellen Kapitalisten im Rahmen der Bedingungen der Kapitaldynamik überflüssig.

 

Der große Geschichtsabschnitt

In der Textstelle heißt es weiter: „Es bedingt daher den kapitalistischen Charakter der Produktion; sein Dasein schließt das des Klassengegensatzes von Kapitalisten und Lohnarbeitern ein. Im Maß wie es sich der gesellschaftlichen Produktion bemächtigt, werden Technik und gesellschaftliche Organisation des“ (alten) „Arbeitsprozesses umgewälzt, und damit der ökonomisch-geschichtliche Typus der Gesellschaft“ (die Produktionsweise). „Die andern Arten von Kapital“ (Geld und Waren) „die vor ihm“ (dem industri-ellen Kapital) „inmitten vergangner oder untergehender gesellschaftlicher Produktionszustände erschienen, werden ihm nicht nur untergeordnet und im Mechanismus ihrer Funktionen ihm entsprechend verändert, sondern bewegen sich nur noch auf seiner Grundlage, leben und sterben, stehen und fallen daher mit dieser ihrer Grundlage“ (der industrielle Kapitalismus kann also als gefallen gelten, wenn die Geld- und Waren-form gefallen ist). „Geldkapital und Warenkapital, soweit sie mit ihren Funktionen als Träger eigner Ge-schäftszweige neben dem industriellen Kapital auftreten, sind nur noch durch die gesellschaftliche Teilung der Arbeit“ (unter den Mitgliedern der kapitalistischen Klasse oder den kapitalistischen Staatsorganen) „verselbständigte und einseitig ausgebildete Existenzweisen der verschiednen Funktionsformen, die das industrielle Kapital innerhalb der Zirkulationssphäre bald annimmt, bald abstreift.“

Die näheren Angaben in den Klammern sind von uns, entsprechen aber streng der marxistischen, hier lapidar entwickelten Auffassung der gegenüber den vorhergehenden Formen unterschiedenen Merkmale der kapitalistischen Produktion und damit auch der zukünftigen nichtkapitalistischen Gesellschaftsform. Diese Textstelle ist in der Schrift bereits in dem Moment formuliert, da sich der Kreislaufprozess des Kapi-tals in der ersten Formel resp. Figur darstellt – von Geld zu Geld also. In dem Maße wie wir zum Kreislauf des industriellen, produktiven Kapitals, der Grundlage der Akkumulation, kamen, wurde völlig parallel zur ökonomischen Analyse das historische Zukunftsbild vervollständigt. Nachdem wir den Zusammenhang der drei Figuren klar rekonstruiert haben und der Leser damit vertraut ist, knüpfen wir nun an die Seite 118 der Schrift an.

„Eine der handgreiflichsten Eigentümlichkeiten des Kreislaufprozesses des industriellen Kapitals, also auch der kapitalistischen Produktion, ist der Umstand, daß einerseits die Bildungselemente des produktiven Kapitals aus dem Warenmarkt herstammen und beständig aus demselben erneuert, als Waren“ (Material und Arbeitskraft) „gekauft werden müssen; andrerseits das Produkt des Arbeitsprozesses als Ware aus ihm hervorgeht und beständig von neuem als Ware verkauft werden muß.“ Diese Vorstellung (die wie folgt ausgedrückt werden könnte: Der Kapitalismus ist vollkommener Merkantilismus; seine Vernichtung ist daher Vernichtung des Merkantilismus) klärt Marx mit historischen Beispielen. „Man vergleiche z.B. einen modernen Pächter von Nieder-Schottland mit einem altmodischen kontinentalen Kleinbauer. Der erstere verkauft sein ganzes Produkt und hat daher auch alle Elemente desselben, selbst die Aussaat, auf dem Markt zu ersetzen, der andere verzehrt den größten Teil seines Produkts direkt, kauft und verkauft mög-lichst wenig, verfertigt Werkzeuge, Kleidung etc., soweit möglich, selbst.“

Diese synthetische dialektische Gegenüberstellung genügt, um deutlich zu sehen, wie reaktionär jene Formen und Programme der kolchosianischen Parzelle in Russland oder, in Italien, die Verwandlung der Teilpächter, schlimmer noch: der lohnabhängigen Landarbeiter, in altmodische Kleinbauern sind. Wie Lenin zur Zeit der NEP sagte, dreht sich das Rad der Geschichte nach vorn, wenn jede Tätigkeit des Kreislaufs Warenform annimmt. Zum Sozialismus aber kommen wir dann, wenn die Warenformen, nach-dem sie den gesamten ökonomischen Raum eingenommen haben, zusammen mit der Lohnform und dem Charakter der Ware als kapitalistischem Produkt fallen und sterben.

 

Die Ausmerzung der akademischen Wirtschaftswissenschaft

Man hat daraufhin“ (nach der oben zitierten Gegenüberstellung) „Naturalwirtschaft, Geldwirtschaft und Kreditwirtschaft als die drei charakteristischen ökonomischen Bewegungsformen der gesellschaftlichen Produktion einander gegenübergestellt“ [MEW 24, S. 119].

Marx weist diese scholastische, auch heute noch geltende Unterscheidung zurück. „Erstens stellen diese drei Formen keine gleichwertigen Entwicklungsphasen dar. Die sogenannte Kreditwirtschaft“ (Bank-system) „ist selbst nur eine Form der Geldwirtschaft, soweit beide Bezeichnungen Verkehrsfunktionen oder Verkehrsweisen zwischen den Produzenten selbst ausdrücken. In der entwickelten kapitalistischen Produktion erscheint die Geldwirtschaft nur noch als Grundlage der Kreditwirtschaft. Geldwirtschaft und Kreditwirtschaft entsprechen so nur verschiednen Entwicklungsstufen der kapitalistischen Produktion, sind aber keineswegs verschiedne selbständige Verkehrsformen gegenüber der Naturalwirtschaft. Mit demsel-ben Recht könnte man die sehr verschiednen Formen der Naturalwirtschaft als gleichwertig jenen beiden gegenüberstellen.“

Marx spricht hier die sehr verschiedenen vorkapitalistischen Gesellschaftsformen an, wie die Stammge-meinschaften, die gemeinsam arbeiteten und aßen, die Einrichtung der Gens, die das Ackerland jährlich aufteilten, die Tauschwirtschaft etc. Marx erläutert dann einen zweiten Punkt:

„Da man in den Kategorien: Geldwirtschaft, Kreditwirtschaft, nicht die Wirtschaft, d.h. den Produk-tionsprozeß selbst betont und als unterscheidendes Merkmal hervorhebt, sondern die der Wirtschaft ent-sprechende Verkehrsweise zwischen den verschiednen Produktionsagenten oder Produzenten, so müßte dasselbe bei der ersten Kategorie“ (Naturalwirtschaft) „geschehn.“

In dieser Textstelle (deren Übersetzungen des ursprünglichen Manuskripts vielleicht nicht die glücklich-sten sind) ist der seit einem Jahrhundert immer gleiche grundlegende Gegensatz zwischen der offiziellen Wirtschaftswissenschaft und unserer revolutionären Schule ausgedrückt. Erstgenannte nimmt noch heute (bis zu Keynes, den amerikanischen welfare-Ökonomen und den russischen Akademikern, die Gesetze über die „Preise in der sozialistischen Ökonomie“ und ähnliche antiquierte Ungetüme theoretisieren) als unterscheidendes Merkmal der historischen Gesellschaftsformen (falls sie denn die Kraft hätte, eine historisch stimmige Reihe der gesellschaftlichen Produktionsweisen zu benennen) die Austausch- und Distributionsverhältnisse, die der Zirkulation bereits produzierter und von Hand zu Hand gehender Gegen-stände an, doch ist sie außerstande zu sehen, welche Beziehungen zwischen den Menschen bestehen, die im wirklichen „Produktionsprozess“ miteinander in Berührung kommen – eben aufgrund dieses Prozesses haben wir Marxisten den Schlüssel der allgemeinen ökonomischen, auch zukünftigen Geschichte gefun-den. Dass diejenigen, die den Lehrstuhlinhabern in der Hintern kriechen, zum Schluss kommen, ein sol-ches Bauwerk sei nicht möglich, glauben wir gern; doch stellt sich die Frage, aus welchen Gründen sie meinen, uns, und Karl Marx, zu einem Haufen von Trotteln erklären zu können. Der Streit ist alt, der glei-che, der sich mit Tonino Graziadei zutrug, als dieser angeblich in Marx den großen Mann bewunderte und zugleich Tausende von Seiten verbreitete, auf denen zu lesen war, dass man nur eine Wissenschaft der Preise und ihr Steigen auf dem Markt betreiben könne, nicht aber eine des im Produktionsakt entstehenden Mehrwerts.

Graziadei war voll des Lobes für Marx‘ Entdeckung der Klassendiktatur, aber all seine akademische Forschung ließ ihn nicht erkennen, dass die falschen Marxisten damals heuchlerisch seine Häresie der Mehrwerttheorie verurteilten (wir meinen nicht die Russen, sondern die Italiener jener Zeit). Heute, wo sie im Schlepptau des großen Schnauzers Stalin noch tiefer als er herunter gekommen sind, haben sie im Zuge der schändlichen Aktualisierung und Bereicherung des Marx’schen Werkes nicht nur Kleinholz aus der ökonomischen Theorie gemacht, sondern auch, wie wir es erwartet haben, die revolutionäre Theorie der Diktatur und sogar des Klassenkampfes verleugnet, die noch vor dem ursprünglichen und unantastbaren Material des Marxismus aufgestellt worden war.

 

Die älteren Produktionsweisen

Kehren wir zur Marx’schen Schrift mit einem Rückgriff auf die in unserer kollektiven Tätigkeit seit Langem ins Auge gefassten Tätigkeit der Gliederung der typischen „Serie“ der gesellschaftlichen Formen zurück; eine Arbeit, die den Gegenstand der nächsten Untersuchungen und Versammlungen bilden wird und international in den „Arbeitsprogrammen“ unserer Organisation vorgesehen ist, die weiß, dass man, ohne überstürzt zu handeln, erst in der Breite tätig werden kann, nachdem man in der Tiefe tätig war.

Marx erklärt die Kategorien der subalternen Wissenschaft, in denen zwischen Geldwirtschaft und Kre-ditwirtschaft unterschieden wird, für falsch, denn es gibt keinerlei historischen Bruch, der den sich auf den bloßen Warentausch beziehenden Unterschied zwischen dem Girokonto und dem Kontokorrent bzw. Wechselbriefen, die im 15. Jahrhundert in Italien und Flandern aufkamen, begründet. Diese beiden Syste-me tauchen in der großen Epoche des modernen Industriekapitalismus auf, die für die heutige, mit Bank-noten in Rubeln gespickte russische Geschichte noch nicht angebrochen ist.

Werden die typischen Formen nach der Art und Weise des Tausches statt der Produktion aufgefasst, dann, sagt Marx, müsste dasselbe bei der ersten der drei artifiziellen Kategorien der Fall sein. „Statt Na-turalwirtschaft also Tauschwirtschaft“ (wie die gelehrten Herren sagen würden, meint Marx damit). Das heißt, dass in einer solchen noch älteren Ökonomie das Produkt weder gegen ein Zahlung versprechendes Stück Papier noch gegen klingelndes Gold oder zirkulierendes Silber weggegeben, sondern Produkt gegen Produkt getauscht wird, die sich in Händen derjenigen befinden, die sie hergestellt haben und mit sich tra-gen, wir haben hier also den Austausch von Gebrauchswerten vor uns. In ungemein synthetischer Weise stellt die Schrift die Frage, ob es denn eine „vollständig abgeschloßne Naturalwirtschaft“ gibt. Ja es gab sie, aber die Produzenten empfingen weder Papier noch Gold noch ein anderes Produkt. Dank einer zen-tralen Organisation und weil sie den berühmt-berüchtigten Chruschtschow mit seinem Mist des „persön-lichen Anreizes“ nicht kannten, produzierten und konsumierten sie gesellschaftlich, kommunistisch. „Eine vollständig abgeschloßne Naturalwirtschaft, z.B. der peruanische Inkastaat, fiele unter keine dieser Kate-gorien.“

Die verschwundene geheimnisvolle Inkazivilisation im heutigen Peru, über deren großartige Überreste die bestialische Grausamkeit der ursprünglichen weißen und christlichen Akkumulatoren hereinbrach, besaß einen hohen Organisationsgrad in der wirtschaftlichen Verwaltung; sie produzierte nach umfas-senden Plänen und dank einer wissenschaftlichen Entwicklung, über die wir, da sie es wohl noch nicht zur Schrift gebracht hatte, keine Kenntnis besitzen. Mathematische Operationen scheinen jedenfalls mithilfe von Knotenschnüren bewerkstelligt worden zu sein. Eine offenbar geringe Bevölkerungsdichte, bei einem für die agrarische Produktion außerordentlich günstigem Klima, das wenig Energieaufwand und Arbeits-mühe erforderte, ermöglichte einer Gemeinschaft – die mit Sicherheit große naturwissenschaftliche und astronomische Kenntnisse hatte –, den Determinismus widriger Faktoren zu beherrschen, bis zu dem Punkt, dass im Wechsel von Jahrhunderten wunderschöne Städte versetzt wurden, wahrscheinlich, wenn das umliegende Land, die wahre Nährmutter der menschlichen Gattung, für einige Generationen erschöpft war. Reiche Ernten, die bei anderen Völkern und Epochen, die unter anderen und weitaus rauheren geo-physikalischen Bedingungen lebten, unbekannt waren, sollten einem wirklichen Kommunismus des Ver-brauchs erlauben, der der gesamten Masse, bar jeden Eigentums an Boden, Werkzeugen oder persönlichen Konsumgütern, zugutekam. Eine solche Ökonomie ohne „Zirkulation“ gab es: das ist die Bedeutung dieses leuchtenden Beispiels. Zwei gewaltige Lehren sind daraus zu ziehen. Die erste ist, dass die Ökonomie nach der Produktion und nicht nach der Zirkulation einzuordnen ist, was die gesamte ökonomistische Wissen-schaft bis heute auf ein Abstellgleis der Ohnmacht verbannt. Die zweite ist noch gewaltiger: Es wird wie-der eine Ökonomie ohne Zirkulation geben, nämlich die unsere, der Kommunismus, mit verhundertfachten Mitteln zur Beherrschung der Geophysik zu Gunsten einer verhundertfachten Menschheit. Weder wird sie Tauschhandel noch Geld noch Kredit noch einen Markt kennen, ebenso wenig wie menschliche Verskla-vung. Das ist kein Traum, wenn sie es trotz der katholischen und kapitalistischen Lüge, die sie zu besudeln sucht, einmal gegeben hat. Es wird sie wieder geben – ihre zukünftige Geschichte wurde erstmals etwa ein Jahrhundert vor uns geschrieben –, doch darf sie sich nicht von der Schar Kleingläubiger beirren lassen, die feige und hohle Fragen stellt und bei jedem Schritt stockend und zögernd die großen Siege preisgibt.

 

Die jüngste Wende

Mit großer Beständigkeit klärt der Marxismus den programmatischen Inhalt der revolutionären Trans-formation, die die der kapitalistischen Produktionsweise angehörenden Epoche ein Ende setzen wird. Und zwar tut er das durch genaue Ausführungen über die Merkmale der revolutionären Transformationen von einer zur anderen Epoche und von einer zur anderen historischen, dem Kapitalismus vorhergehenden Ge-sellschaftsform. Die Wissenschaft des Übergangs von den nichtkapitalistischen Ökonomien zur kapita-listischen Ökonomie als dem Produkt der bürgerlichen Revolution braucht keine Ergänzungen, auch nicht durch die Erfahrungen der sekundären Phasen, die der Kapitalismus in seiner nicht kurzen Lebenszeit durchläuft. Die einzige Art und Weise, diese Phasen oder Etappen – um sie mit dem Begriff Lenins zu bezeichnen – zu verstehen, besteht darin, sich an die vollständige Lehre zu halten, die beim Anbruch der kapitalistischen Form als Negation der vorhergegangenen errichtet wurde.

Um zu unterstreichen, dass die großen Umwälzungen in der Geschichte der menschlichen Gesellschaft nicht anhand der Formen der Zirkulation zu interpretieren und darzustellen sind, und um die Nichtigkeit der Einteilung in Natural-, Geld- und Kreditwirtschaften zu zeigen, kehrt Marx nach dem kurzen Ab-stecher in weit zurückliegende Zeiten zur jüngsten sozialen Revolution zurück.

„Geldwirtschaft ist aller Warenproduktion gemein, und das Produkt erscheint als Ware in den verschie-densten gesellschaftlichen Produktionsorganismen“ [MEW 24, S. 119]. In der Tat werden auch im Skla-venhaltertum Waren gegen Geld erworben, das heißt nicht nur Arbeitsprodukte der Sklaven, sondern auch die Sklaven selbst. In einer Ökonomie freier Kleinstproduzenten auf dem Land zirkuliert ein gewisser Teil des Produkts als Ware, ebenso in einer Ökonomie freier Handwerker. Sogar im Feudalismus existiert ein, wenn auch nicht bedeutender Marktplatz, auf dem ländliche und verarbeitete Erzeugnisse feilgeboten wer-den. Die Kategorie der Geldwirtschaft charakterisiert daher keine historische Gesellschaftsform, sondern gehört den verschiedensten historischen Formen an, einschließlich der so modernen privat- und staats-kapitalistischen Formen. Wie soll das gehen, wenn der Kapitalismus nicht, wie wir es tun, durch das Klas-senverhältnis im Produktionsprozess definiert wird, sondern durch die von unseren Widersachern in den Vordergrund gestellten Phänomene der Zirkulationssphäre? Marx antwortet auf die Frage, die wir für ihn gestellt haben: „Es wäre also nur der Umfang, worin das Produkt als Handelsartikel, als Ware produziert wird, also auch seine eignen Bildungselemente wieder als Handelsartikel, als Waren in die Wirtschaft, aus der es herkommt, eingehn müssen, welche die kapitalistische Produktion charakterisierte.“

„In der Tat ist die kapitalistische Produktion die Warenproduktion als allgemeine Form der Produktion, aber sie ist es nur, und wird es stets mehr in ihrer Entwicklung, weil die Arbeit hier selbst als Ware er-scheint, weil der Arbeiter die Arbeit, d.h. die Funktion seiner Arbeitskraft, verkauft, und zwar, wie wir annehmen, zu ihrem durch ihre Reproduktionskosten bestimmten Wert“ [MEW 24, S. 119, 120]. Der Aus-druck der allgemeinen Warenproduktion, wenngleich richtig, reicht zur Charakterisierung des Kapita-lismus nicht aus, der Charakter liegt vielmehr im System des Produktionsprozesses – ist die Arbeit gegen Geld ausgetauscht worden, haben wir es mit der vollständigen, reinen kapitalistischen Produktion zu tun (immer gegenwärtig ist hier Russland). Marx unterstreicht nachdrücklich, dass im vollständigen Kapita-lismus auch die selbstwirtschaftenden Produzenten zu Lohnarbeitern werden müssten. Die Tatsache, dass die Gesellschaften der modernen Staaten (eben auch des russischen) soziale Schichten fortbestehen lassen, die das Produkt ihrer Tätigkeit selbst verbrauchen, wie in den Zwergbetrieben der Kolchosparzellenwirt-schaft, berührt weder die Marx’schen Beweisführungen noch die revolutionären Schlussfolgerungen; be-wiesen ist nur, dass es sich um gemischte bzw. im vollständigen Kapitalismus parallel bestehende Gesell-schaften, auch um Geld- und Waren-, sogar Natural-, jedenfalls vorkapitalistische Formen handelt. Was uns nicht das Recht nimmt, zwecks historischer Vorhersagen den typischen Kapitalismus als reines Modell zu untersuchen. Eben dies haben wir gründlich zu tun versucht und das Ergebnis war die definitive Disqua-lifizierung jedweder „zirkulationistischen“ Ökonomie (noch schlimmer als die bürgerliche ist die klein-bürgerliche Ökonomie, dazu noch oftmals in linker Verkleidung), die wir in der Figur des „immedia-tistischen“ Prozesses P … P im vorherigen Kapitel „Die höllische Akkumulation“ nachgewiesen haben.

Der Einwand, die marxistische Charakterisierung des Arbeitslohns als eines der baren Notdurft des Le-bens entsprechenden Wertes habe sich nicht bestätigt, da die Lohnarbeiter ja etwas mehr Geld bekämen, hat uns nie ins Stocken gebracht, schon allein deswegen nicht, weil ihn die größten Staaten auf beiden Seiten, die industrielle Arbeitskraft dingen, mit gleicher Heuchelei ins Feld führen – der amerikanische Privat (?) und der russische Staatskapitalismus, die beide die Backen aufblasen, weil ihre Prämien einen höheren Lebensstandard gewähren würden!

 

Die Frage der Akkumulation

Die historische Diskussion über die Akkumulation oder erweiterte Reproduktion des Kapitals dreht sich um die „Schemata“, die Marx im dritten Abschnitt des zweiten Kapitalbandes quantitativ darlegt und deren Resultate wir in nächster Zeit in numerischer und algebraischer Form darstellen werden.

Zur klassischen Diskussion sind indes einige Anmerkungen nötig; wir bitten um Entschuldigung, wenn sie manchem zuweilen nicht nur präjudiziell, sondern auch widersinnig vorkommen. Einige der verschie-denen Marx-Kommentatoren halten die Reihe der Schemata für überzeugend, andere für widersprüchlich und nicht unbegrenzt weiterführbar. Doch in welchem Teil der allgemeinen Darstellung und zu welchem Zweck wurden die Schemata aufgestellt? Etwa um zu zeigen, dass der Kapitalismus, ohne auf Hindernisse zu stoßen, endlos weiterbestehen kann? Sicher nicht. Da die Akkumulationsschemata den Prozess in der reinen kapitalistischen Ökonomie darstellen sollen, hat Marx sie schlüssig und ohne in die Irre zu führen festlegen wollen. Aber der Zweck seines ganzen Bauwerks – das, wie wir immer nachwiesen, den Kapita-lismus nicht einfach als objektiv historische Gesellschaftsform beschreibt, sondern die Plattform des Pro-gramms seiner revolutionären Zerschlagung ist – ist gerade das Gegenteil, nämlich zu beweisen, dass der Kapitalismus, ob rein oder mit vorkapitalistischen Form durchsetzt, nicht von Dauer sein kann; seiner Le-benszeit sind unvermeidlich Grenzen gesetzt. Jede Gruppe von Schemata mag arithmetisch schlüssig sein, historisch jedoch müssen wir imstande sein zu beweisen, dass sich der Kapitalismus nicht halten kann.

Um zu diesem komplexen und dialektischen Zukunftsbild der Sache zu kommen, müssen viele wichtige Erwägungen berücksichtigt werden. Marx beginnt die Untersuchung des Kreislaufs des Kapitals – der zwei schon im vorliegenden ersten Abschnitt enthaltene Gesichtspunkte aufweist: die einfache und die erwei-terte Reproduktion – mit dem Hinweis, dass Gegenstand seines Studiums eine Bewegung der Produktion und Reproduktion der Kapitalien ist, die nicht auf der realen historischen Ebene stattfindet, jedoch unter der Arbeitshypothese, dass jeder den zentralen Produktionsprozess einschließende Austausch von Geld und Ware zu konstanten, dem allgemeinen Tauschwert entsprechenden Preisen und ohne Schwankungen der Marktnotierungen und des Geldstandards vor sich geht. Natürlich wird man geographisch gesehen kein kapitalistisches Land und auch keine, sei es auch noch so kurze geschichtliche Periode finden, in denen diese Voraussetzungen bestehen; andererseits bewirkt just die Veränderung all dieser Voraussetzungen, dass der Kapitalismus seinen Krisen und seiner Zerstörung entgegengeht. Den so heftig diskutierten und unterschiedlich angenommenen oder interpretierten „Schemata“ liegen noch viele andere, nicht minder explizite theoretische Annahmen zugrunde: dass sich die organische Zusammensetzung des Kapitals in der betrachteten kurzen Zeitspanne nicht verändert, ebenso wenig die Mehrwertrate, so dass die Verhältnisse immer die gleichen sind, welche die drei Bestandteile der Schemata miteinander verknüpfen, also das kon-stante Kapital c, das variable v und der Mehrwert m. Um bestimmte Schwierigkeiten auszuräumen, gesteht Marx gerade einmal zu, dass sich die Raten verändern können, wenn von der Produktionsmittel herstellen-den Abteilung I zu der Konsumtionsmittel erzeugenden Abteilung II übergegangen wird.

Würden all diese Bedingungen erfüllt, könnte der Kapitalismus auf jeden Fall ewig bestehen; aber ge-rade weil sie in der Realität niemals erfüllt werden, geht er seinem Ende entgegen.

Es wird eine weitere Bedingung unterstellt, dass nämlich alle Überbleibsel vorkapitalistischer Formen verschwunden sind, damit die vorhin behandelte vollständige Warenproduktion in Kraft tritt und es nur noch Lohnarbeiter gibt. Eine Bedingung, die nicht einmal in England zu Zeiten Marxens erfüllt war, und auch heute gibt es kein Land, wo sie besteht. Kernpunkt des Marxismus ist, dass nicht gewartet werden muss, bis die Ökonomie vollständig kapitalistisch ist, um das System in der kommunistischen Revolution umzustürzen.

Zu wissen, ob die Schemata buchhaltungstechnisch korrekt sind oder nicht und was geschehen muss, da-mit die Rechnungen stimmen, ist also nicht der wesentliche Aspekt der Frage, weder was die Darstellung der Mechanismen des Kapitalismus noch was den Verlauf seines Untergangs angeht. Beides ist wahr: die abstrakten Schemata Marx‘ funktionieren richtig – der wirkliche Kapitalismus funktioniert niederträchtig.

Die Theorie der progressiven Akkumulation ist daher noch nicht die historische Theorie der unvermeid-lichen Krisen der kapitalistischen Ökonomie. Von größtem Gewicht ist noch folgende Anmerkung: Zwi-schen der Lehre der Zirkulation des Kapitals, die wir nun verstanden zu haben scheinen, und jener der er-weiterten Reproduktion schiebt sich jene des fixen und zirkulierenden Kapitals, die sich im zweiten Ab-schnitt findet und gründlich zu untersuchen ist.

Das vorgeschossene, das Gesamtkapital bildende konstante und variable Kapital bleibt in allen Kreis-läufen der einfachen Reproduktion gleich: die Kapitalisten konsumieren den Mehrwert und die Arbeiter geben das variable Kapital aus. Man findet unschwer das Verhältnis, das garantiert, auf dem Markt so viel Konsummittel vorzufinden, dass sowohl der Gewinn der Kapitalisten als auch der Lohn der Arbeiter aus-gegeben werden kann. Wir sehen das weiter unten, wenn wir über die zwei Abteilungen sprechen und die Hypothese akzeptieren werden, wonach alle individuellen Kapitalisten oder Lohnarbeiter sind. Wenn wir zur erweiterten Reproduktion kommen, wird der Konsum der Kapitalisten jedoch geschmälert, das heißt ein Teil des Mehrwerts entzogen, mit dem neue Kapitalgüter, die sich in der Gesellschaft bereits vorfinden müssen, zu kaufen sind. Wie wir schon sahen, sagt Marx auf diesen Seiten, das Einfachste sei anzunehmen, dass der gesamte Mehrwert produktiv konsumiert wird; Marx eliminiert also die Personen, die Münder und Bäuche der Kapitalisten und zeigt, dass das Kapital auch weiterhin funktioniert (siehe wie immer Russ-land). Doch die Tatsache, dass ein solches Schema stimmt, erklärt nichts, da alle Gleichgewichte zwischen den zirkulierenden Kapitalien hergestellt werden, die in unserer ökonomischen Wissenschaft das wirkliche Kapital, die Summe des Gesamtwerts der gesellschaftlichen Produkte sind. Um aber eine Maschine mehr laufen zu lassen, die 1000 Pfund wert ist, haben wir den Schemata nur die 10 Pfund, die den jährlichen Verschleiß ausmachen, entnommen: Woher kommt der Rest? Marx hätte postwendend geantwortet, dieser sehr viel größere Rest stelle kein wirklich produktives, sondern fixes Kapital dar, das gesellschaftliche Vermögen also wie z. B. Gebäude. Es handelt sich um die berühmte „vergegenständlichte menschliche Arbeit“ aller vorherigen Generationen – Eigentum des herrschenden Klassenstaates. Historisch hat dieses Vermögen seinen Ursprung in der im ersten Kapitalband besprochenen ursprünglichen Akkumulation, und Marx sagt, alles Kapital hat sich so gebildet. Der zwangsläufige Zusammenprall zwischen der vollständig bürgerlichen Form und den ökonomisch vorbürgerlichen Formen, den Rosa Luxemburg zu Recht herein-bringt, ist somit offensichtlich, ohne jedoch dem Marxismus etwas hinzuzufügen, für den es eine klassische Wahrheit ist, dass der Kontakt historisch wie geographisch stattfinden muss. Wir haben hier noch ein immenses Arbeitsfeld unserer Organisation zum schrecklichen Problem der „rückständigen“ Völker vor uns.

 

Theorie der Krisen

Die andere Bemerkung, die so offenkundig ist, dass sie nicht paradox anmuten kann: Um die Unver-meidlichkeit der Krisen in der kapitalistischen Produktion zu beweisen, brauchen wir nicht auf das Gebiet der progressiven Akkumulation überzugehen.

Die marxistische Lehre der Krisen zeigt sich in der einfachen Reproduktion. Wesentlich ist, dass der Kapitalismus keine andere Wahl hat als zu akkumulieren, und zwar durch Ausdehnung des allgemeinen Kapitals, selbst wenn dieser unerbittlichen Tatsache alle Privilegien und sogar das Leben der individuellen Kapitalisten geopfert werden müssten. Gleichwohl bringt Marx selbst unter der bescheidenen Annahme der Beständigkeit des gesellschaftlichen Kapitals und der einfachen Reproduktion den Beweis der Theorie der Krisen. Anders gesagt bedeutet dies, dass die kapitalistische Welt oder eine ihrer Abteilungen in ihrem tur-bulenten Verlauf und getrieben vom Bedürfnis, mehr Mehrwert zu produzieren, um den Umfang des Ge-samtkapitals zu erhöhen, uns nicht nur Zeuge von sagenhaften Phasen progressiver Akkumulation, sondern auch von Phasen „regressiver Reproduktion“ sein lässt. Zeigen wir wie immer, dass nicht wir das entdeckt haben.

Die unselige immediatistische Formel, die zu dem führen würde, was Marx als „Verallgemeinerung des Elends“ vermittelst der Verteilung des Mehrwerts unter die Lohnarbeiter verspottet, würde nichts daran ändern, dass die ökonomische Maschine kapitalistische Warenproduktion bliebe und in die Luft fliegen müsste, wenn ihr Mechanismus, so normal er funktionieren mag, in die Krise kommt.

Der Paragraph zur einfachen Reproduktion, der dem zur „Akkumulation und Reproduktion auf erwei-terter Stufenleiter“ vorhergeht (wo es heißt: „um die Formel nicht zu komplizieren, ist es indes besser anzunehmen, daß der ganze Mehrwert akkumuliert wird“ [MEW 24, S. 84], beginnt auf Seite 70. Die eigentliche Krisentheorie findet sich auf den Seiten 80-82.

Marx stellt hier die entgegengesetzte Hypothese zu der auf, die die Grundlage der „Verifikation“ der Schemata bildet, dass also nicht alles verkauft und nicht alles konsumiert wird. Das Endprodukt W' muss verkauft werden, weil in der einfachen Reproduktion zwischen w, das dem Privatkonsum des Kapitalisten dient und W, das den Kreislauf des Kapitals fortsetzt, zu unterscheiden ist. Doch ob „W' daher vom defini-tiven Konsumenten gekauft ist oder vom Kaufmann, der es wieder verkaufen will, ändert unmittelbar nichts an der Sache“ [S. 80]. Und kurz darauf, gleich nach der uns schon bekannten Anmerkung, dass der Antrieb durch das Bedürfnis des Kapitals, sich zu reproduzieren, bestimmt ist und nicht durch die berühmt-berüchtigte Sache von Angebot und Nachfrage, wie die Herren „Zirkulationisten“ meinen, oder gar durch zu befriedigende Bedürfnisse, fährt er fort: „Innerhalb gewisser Grenzen kann der Reproduktionsprozeß auf derselben oder erweiterten Stufe vorgehn, obgleich die aus ihm ausgestoßenen Waren nicht wirklich in die individuelle oder produktive Konsumtion eingegangen sind. Die Konsumtion der Waren ist nicht ein-geschlossen in den Kreislauf des Kapitals, aus dem sie hervorgegangen sind. (…) Solange das Produkt verkauft wird, geht vom Standpunkt des kapitalistischen Produzenten alles seinen regelmäßigen Gang. Der Kreislauf des Kapitalwert, den er repräsentiert, wird nicht unterbrochen. Und ist dieser Prozeß erweitert – was erweiterte produktive Konsumtion der Produktionsmittel einschließt –, so kann diese Reproduktion des Kapitals von erweiterter individueller Konsumtion (also Nachfrage) der Arbeiter begleitet sein“ [ver-gessen wir nicht, dass Marx im Zusammenhang mit der Formel der erweiterten Reproduktion, wo mehr Kapital in den neuen Kauf von Waren vorzuschießen ist, anmerkt, dass bei veränderter Rate der orga-nischen Zusammensetzung zwar das konstante, nicht aber das Lohnkapital wachsen kann, weder relativ noch absolut; eine Sache, die vor Rosa Luxemburg in ihrer Arbeit zu den Schemata des dritten Abschnitts niemand voraussetzte], „da er durch produktive Konsumtion eingeleitet und vermittelt ist. Es kann so die Produktion von Mehrwert und mit ihr auch die individuelle Konsumtion des Kapitalisten wachsen, der ganze Reproduktionsprozeß sich im blühendsten Zustand befinden und dennoch ein großer Teil der“ [produzierten] „Waren nur scheinbar in die Konsumtion eingegangen sein, in Wirklichkeit aber unverkauft in den Händen von Wiederverkäufern“ [in jenen der Großhändler, die den Kapitalisten, den Produzenten und Investoren bereits bezahlt haben] „lagern, tatsächlich sich also noch auf dem Markt befinden. Nun folgt Warenstrom auf Warenstrom, und es tritt endlich hervor, daß der frühere Strom nur scheinbar von der Konsumtion verschlungen ist. Die Warenkapitale machen sich wechselseitig ihren Platz auf dem Markt streitig. Die Nachrückenden, um zu verkaufen, verkaufen unter dem Preis“ [es handelt sich hier um das, was in der marxistischen Ökonomie der Produktionspreis ist, der dem Wert, der das vorgeschossene Kapi-tal plus den Mehrwert zur gesellschaftlichen Durchschnittsrate enthält, gleiche Preis]. „Die früheren Strö-me sind noch nicht flüssig gemacht, während die Zahlungstermine dafür fällig werden. Ihre Inhaber müs-sen sich insolvent erklären oder verkaufen zu jedem Preis, um zu zahlen. Dieser Verkauf hat absolut nichts zu tun mit dem wirklichen Stand der Nachfrage. Er hat nur zu tun mit der Nachfrage nach Zahlung, mit der absoluten Notwendigkeit, Ware in Geld zu verwandeln. Dann bricht die Krise los. Sie wird sichtbar nicht in der unmittelbaren Abnahme der konsumtiven Nachfrage, der Nachfrage für individuelle Konsum-tion“ [dies wäre die übliche und höchst moderne Erklärung der konformistischen Ökonomen: ein aktuelles Beispiel findet sich in einer früheren Nummer unserer Zeitung über die Krise in der US-amerikanischen Agrikultur], „sondern in der Abnahme des Austauschs von Kapital gegen Kapital, des Reproduktionsprozesses des Kapitals“ [MEW 24, S. 80-81].

Dies ist vielleicht eine der bedeutendsten Beschreibungen der Krise im Marx‘schen Werk. Wenn das kapitalistische System in die Krise kommt, gerät es nicht nur in krassen Widerspruch mit seinem histo-rischen Bedürfnis nach Ausdehnung, sondern sein Kreislauf in gleichbleibendem Umfang wird schlicht-weg blockiert, das heißt, gegenüber der einfachen gibt es eine negative Reproduktion; ein Teil des Werts, der bereits die Form von produktivem, industriellem Kapital angenommen hat, wird pulverisiert und ge-genüber der historisch erreichten Stufe sinkt die Summe der als Kapital zirkulierenden Produktionsmittel in der Gesellschaft auf ein beängstigendes Niveau.

 

Anarchie der Produktion

Hinsichtlich der Folgen, die die Anarchie der kapitalistischen Produktion aufweist, liegt die Beweisfüh-rung in eben diesem Rahmen. Der Mechanismus, dessen Geheimnisse unsere ursprüngliche Lehre rück-sichtslos enthüllt hat, kann seine Aufgabe erfüllen: dem Leib des Ungeheuers (des Gesamtkapitals) die alten Vermögen zu inkorporieren, also die tote Arbeit der gewesenen Generationen sowie die Arbeit der proletarischen Armee, worin die Lebenden eingereiht sind. Unter schrecklichen Wechselfällen befolgt es das Gebot, sich selbst in immer monströserem Umfang zu reproduzieren; was es aber nicht schafft – sogar weniger als jede frühere historische Wirtschaftsform –, ist die richtige Proportion des produktiven Kraft-einsatzes zu den rationellen Bedürfnissen der Menschen.

Einer der Aspekte des hoffnungslosen Widerspruchs ist in dem Textabschnitt – wie überhaupt in unserer Rekonstruktion der Zirkulation des Kapitals, die etwas ganz anderes ist als die Zirkulation der Waren und des Geldes – sonnenklar geworden, den wir vor Kurzem wiedergegeben und zurückhaltend kommentiert haben. Wenn es für die bürgerliche Gesellschaft und kapitalistische Form gute Zeiten sind, wenn die „Schemata“ wie geschmiert laufen und die Akkumulation in einem positiven Tempo ansteigt, entspricht (siehe den Abaco) einem größeren konstanten (und größerem fixen) Kapital ein größeres Produkt, im Allgemeinen jedoch auch ein geringeres variables Gesamtkapital (Anteil der Arbeiterklasse) oder jeden-falls ein auf jeden Arbeiter fallender geringerer individueller Anteil (Lohn). Andererseits wächst mit dem Gesamtwert des erhöhten Produkts und der erhöhten Produktivität der Arbeit der Anteil der Kapitalisten-klasse, wobei es keine Rolle spielt, ob er ihren vielen Sklavenhaltern in den Rachen fällt oder dem einen Ungeheuer, das die gesellschaftliche Maschine des Kapitals personifiziert und noch mehr nach mensch-lichen Fleisch giert.

Wenn aber schlechte Zeiten für die Ungeheuer oder das Ungeheuer anbrechen, wenn sich die dieses Namens würdige Krise zeigt (was wir mit den amerikanischen Zahlen von 1929 nachwiesen), wenn der schwarze Freitag wiederkehrt, wenn die Lager mit unverkauften Waren überquellen und die Preise unter die Produktionspreise fallen, wird es, woran der Marx’sche Textabschnitt erinnert, zunächst eine für die Arbeiter vorteilhaftere Verteilung der Konsumgüter geben und das gesamte Proletariat als Klasse einen größeren Anteil erhalten, auch wenn sich die Arbeitslosigkeit in dem Spalt, den die sinkenden, vom Kapi-tal geraubten Profite öffneten, vergrößert. Das ist der Auftakt zum allgemeinen Ruin, wie auch das Vor-spiel der Phase, in der die Schemata hoher Produktion und Marktbeherrschung unerhört rotieren. Auch hinter diesem Trugbild lauert die große Krise: Krieg, immer erbarmungslosere militärische Zerstörung, Blutbäder, Verknappung der lebenswichtigen Konsumgüter und Entwertung des Geldes, das die über-lebenden, im Milieu „kolchosianischer“ und „entspannter“ Illusionen aufgepäppelten Kleinbürger in Händen halten.

Ganz gleich, ob die Schemata rund laufen oder ins Stocken geraten, in dem einen wie in dem anderen Extrem wird der revolutionäre Marxismus stets überlegen sein: gestern in der theoretischen Schlacht, in der die Lüge der Zirkulations- und Wohlstandstheoretiker zerrupft wurde, eine Lüge, die in den individuell freien oder von Kupplern manipulierten Geldtransaktionen, die den Abschluss einer langen Folge unauf-haltsamer Akkumulation bilden, die Täuschung absurder Gleichgewichte ausdrückt; morgen in der revolu-tionären Schlacht und dem sozialen Krieg, wenn die Kenntnis der Vulkanologie der gesellschaftlichen Krisen dem theoretischen Bewusstsein und der strategischen Zielsetzung der wiederentstandenen marxi-stischen Partei ermöglicht, unter den Schlägen der kommunistischen Diktatur die ungeheuerliche und men-schenfeindliche Bestie des akkumulierten Kapitals in all ihren teuflischen Metamorphosen der Waren-heere, der Finanzkonstrukte und der Betriebskerker für die Lohnsklaven niederzuringen.

 

Quellen:

Soluzioni classiche della dottrina storica marxista per le vicende della miserabile attualità borghese: Seconda seduta. Questioni fondamentali della economia marxista: Il programma comunista, Nr. 22-23, Dezember 1959 und Nr. 1, Januar 1960.