| 1958-06-01 - Das revolutionäre Programm der kommunistischen Gesellschaft beseitigt jede Form des Eigentums am Boden, an den Produktionsanlagen und an den Produkten der Arbeit |
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Turin - Juni 1958Das revolutionäre Programm der kommunistischen Gesellschaft beseitigt jede Form des Eigentums am Boden, an den Produktionsanlagen und an den Produkten der ArbeitEngels und die sozialistischen AgrarprogrammeIm September 1894 nahm die französische marxistische Arbeiterpartei (diejenige Guesdes und Lafargues) auf ihrem Kongress in Nantes ein Aktionsprogramm für das flache Land an.1 Im Oktober desselben Jahres befasste sich in Frankfurt die deutsche sozialdemokratische Partei mit dem gleichen Thema. In den letzten Jahren seines Lebens widmete Engels der 1889, nach Marx' Tod, gegründeten II. Internationale größte Aufmerksamkeit. Mit dem von den Franzosen verabschiedeten Beschluss konnte er keinesfalls einverstanden sein, während er mit dem Parteitag der Deutschen zufriedener war, auf dem eine Rechtstendenz - die in Nantes überwogen hatte - zurückgedrängt wurde.
Engels schrieb zu diesem Thema einen höchst wichtigen Artikel, herausgegeben in der Zeitschrift „Die Neue Zeit" vom November 1894.2 Dieser Artikel ist in einer ungenauen französischen Übersetzung in der stalinistischen Zeitschrift „Cahiers du Communisme" vom November 1955 veröffentlicht worden. In der Einleitung sagen die Redakteure, dass sie bei einem Urenkel von Marx einen sehr umfangreichen Briefwechsel Engels' mit Lafargue gefunden hätten (Lafargue war bekanntlich Marx' Schwiegersohn). Engels macht in diesen Briefen keinen Hehl aus seinem Unmut, und seine Äußerungen sind wirklich wichtig. Seltsam ist nur, wie ungeniert die Stalinisten historisches Material vorlegen, das sie an den Pranger stellt.
Ihr, sagt der alte Engels zu Lafargue - mit einem gewissen Verdruss, trotz des gelassenen Tons -, „Ihr, die kompromisslosen Revolutionäre von früher, neigt jetzt etwas mehr zum Opportunismus hin als die Deutschen" [MEW 39, S. 294]. In einem späteren Brief unterstreicht Engels nachdrücklich, dass er den kritischen Artikel so freundschaftlich wie möglich geschrieben habe, dennoch scheut er sich nicht zu wiederholen: „Tatsächlich haben Sie sich ein wenig zu sehr auf die Seite der Opportunisten ziehen lassen" [MEW 39, S. 324]. Diese Zitate sind auch nützlich, weil sie zeigen, wie weit unsere Terminologie, der wir immer größte Bedeutung beigelegt haben, zurückreicht. Schon vor dem Tode Engels' verstanden sich die Marxisten der Linken (die sich 1882 auf dem Parteitag in Roanne von den „Possibilisten", den Anhängern des Eintritts in die bürgerlichen Ministerien, getrennt hatten) als kompromisslose Revolutionäre; und mit demselben Ausdruck bezeichnete sich im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts die sich den Reformismus Turatis und den Possibilismus Bissolatis widersetzende Fraktion der Linken in der Sozialistischen Partei Italiens, aus der infolge späterer Spaltung die Kommunistische Partei hervorging.
Das Wort Opportunismus, von dem viele Jüngere glauben, es sei von Lenin in seinem großen Kampf während des I. Weltkriegs geprägt worden, gebrauchten bereits Marx und Engels in ihren Schriften. Mehrmals haben wir angemerkt, dass es semantisch nicht das gelungenste ist, weil es die Vorstellung eines moralischen statt gesellschaftlich determinierten Urteils weckt. Dennoch hat das Wort mittlerweile eine historische Berechtigung und drückt für uns den Mist und den Schlamm gegenüber dem unversehrten Marxismus aus.
Engels gibt uns in diesem Brief, der geschrieben wurde, um den nicht ganz klaren Revolutionär Lafargue ein bisschen zu „ménager"3, eine messerscharfe Definition. Auf den Satz: Sie haben sich auf die Seite des Opportunismus ziehen lassen, folgt die Äußerung: „In Nantes waren Sie drauf und dran, die Zukunft der Partei einem Tageserfolg zu opfern" [MEW 39, S. 324]. Die Definition kann so lapidar stehen bleiben: Der Opportunismus ist die Methode, die Zukunft der Partei einem Tageserfolg zu opfern. Schande über all die, die ihn damals und später praktiziert haben!
Es ist an der Zeit, zur Engels'schen Schrift und zum Kern der Frage zu kommen. Engels bemerkte abschließend, dass für die Franzosen noch Zeit zum Innehalten sei und er hoffe, sein Artikel könne dazu beitragen. Aber wo stehen die Franzosen (und die Italiener) im Jahre 1958? Sozialisten und Bauern am Ende des 19. JahrhundertsDie Engels'sche Studie gibt zunächst ein Bild der allgemeinen Lage der Landbevölkerung im damaligen Europa. Die bürgerlichen Parteien hatten immer geglaubt, die sozialistische Bewegung entwickele sich nur unter den städtischen Industriearbeitern, und waren einigermaßen überrascht, als in allen sozialistischen Parteien die Bauernfrage auf die Tagesordnung kam. Die Antwort von Engels ist immer wieder eine Hilfe: z.B. wenn wir zeigen, dass mitten im 20. Jahrhundert die sozialen Fragen der farbigen und industriell nicht-entwickelten Länder nicht in den strengen Dualismus Kapitalisten/Proletarier gezwängt werden können. Denn der Marxismus muss immer und überall für jede aus mehreren, und nicht nur zwei Klassen bestehende Gesellschaft die theoretische und praktische Antwort haben.
Was das Vorhandensein einer großen Bauernklasse angeht, die weder den Lohnarbeitern noch den Unternehmern angehört, kann Engels nur zwei Ausnahmen nennen: das eigentliche Großbritannien und das ostelbische Preußen. Nur in diesen beiden Gebieten haben Großgrundbesitz und Agrarindustrie den auf eigene Rechnung wirtschaftenden kleinen Bauern restlos verdrängt. Wir merken an, dass selbst in den zwei Ausnahmefällen drei Klassen benannt werden (wie immer bei Marx, sogar wenn es sich um das Modell der bürgerlichen Gesellschaft handelt): städtische und ländliche Lohnarbeiter, kapitalistische Industrie- und Agrarunternehmer, bürgerliche bzw. nicht-feudale Grundeigentümer.
In allen anderen Ländern ist - für Engels wie für jeden Marxisten - „der Bauer ein sehr wesentlicher Faktor der Bevölkerung, der Produktion und der politischen Macht" [MEW 22, S. 485]. Sage daher keiner: Für mich existieren die Bauern nicht, in der Art einer Palinodie4: Für mich existieren die Bewegungen der kolonisierten Völker nicht.
Aber wenn die Theorie über die Funktion dieser sozialen Klassen und das Verhalten der marxistischen Partei ihnen gegenüber im Fahrwasser der kleinbürgerlichen Demokratie segelt, ist das eine weitere Ungeheuerlichkeit, gegen die Engels eine seiner „Klarstellungen" setzte. Wir sagen sogar, dass dies nur eine andere Variante der oben genannten Ungeheuerlichkeit ist.
Da nur ein Verrückter das demographische und ökonomische Gewicht der Bauern abstreiten kann, kommt Engels sofort zum Kern der Sache: Welches Gewicht haben die Bauern als politischer Machtfaktor?
Die Folgerung liegt auf der Hand: Meistens haben die Bauern nichts anderes als ihre in der Isolierung des Landlebens begründete Apathie bewiesen. Aber diese Apathie bleibt nicht ohne Folgen: Sie „ist die stärkste Stütze nicht nur der parlamentarischen Korruption in Paris und Rom, sondern auch des russischen Despotismus" [MEW 22, S. 485]. Rom, das haben nicht wir hinzugefügt, sondern Engels, vor nicht weniger als 64 Jahren.
Engels zeigt, dass seit dem Entstehen der städtischen Arbeiterbewegung die Bourgeois nie aufgehört haben zu versuchen, die bäuerlichen Grundeigentümer gegen eben diese aufzuhetzen, indem sie die Sozialisten als diejenigen darstellen, die es auf das Bauerneigentum abgesehen hätten; und wie die Bourgeois, so die Grundbesitzer, die so tun, als stünden sie mit den Kleinbauern auf derselben Seite der Barrikade.
Muss das Industrieproletariat es als unvermeidlich hinnehmen, dass im Kampf um die Eroberung der politischen Macht die gesamte bäuerliche Klasse zu einer aktiven Verbündeten der Bourgeoisie wird, die es ebenso wie diese auszuschalten gilt? Engels gibt uns einen Einblick in die marxistische Auffassung dieser Frage, wobei er sogleich klarstellt, dass eine solche Perspektive verurteilt werden muss und der revolutionären Sache genauso wenig nützt wie jene, dergemäß das Proletariat nicht siegen könne, bevor nicht alle Mittelklassen verschwunden sind.
In Frankreich hat die Geschichte gezeigt - die klassischen Schriften von Karl Marx stellen dies in unübertrefflicher Weise dar -, wie die Bauern immer ihr ganzes Gewicht in die der Arbeiterklasse entgegengesetzte Waagschale geworfen haben - vom I. bis zum II. Kaiserreich, und gegen die Pariser Revolutionen von 1831, 1848/49 und 1871.
Wie lässt sich also dieses Kräfteverhältnis ändern? Was kann man den Kleinbauern versprechen und in Aussicht stellen? Wir befinden uns jetzt inmitten der Agrarfrage. Der Engels'sche Artikel zielt darauf, jeden konservativen Versuch, das bäuerliche Kleineigentum zu erhalten und zu schützen, als anti-marxistisch und konterrevolutionär zu brandmarken. Was hätte der große alte Engels gesagt, wenn irgend jemand vorgeschlagen hätte - wie heute in Italien und Frankreich -, das Programm müsse dahingehend erweitert werden, der gesamten Landbevölkerung das volle Eigentumsrecht am bebauten Boden zu übergeben? Französische AgrarprogrammeSchon auf dem Parteitag in Marseille 1892 hatte die französische Arbeiterpartei erstmals ein Agrarprogramm angenommen (es war das Jahr, in dem sich die italienischen Sozialisten von den Anarchisten trennten und in Genua die Sozialistische Partei Italiens gegründet wurde).
Dieses erste Programm wird von Seiten Engels' weniger missbilligt als das von Nantes, insofern das letztere, wie wir sehen werden, den theoretischen Grundprinzipien übel mitspielte, um sich den Tagesinteressen der Kleinbauern besser anzupassen. In Marseille hatte sich die Partei darauf beschränkt, konkrete Forderungen in der Bauernagitation aufzuzeigen (damals hing man der wohlbekannten Unterscheidung zwischen „Maximal-" und „Minimalprogramm" an - was später zur historischen Krise der sozialistischen Parteien führen sollte). Engels merkt an, dass die für die Kleinbauern - worunter damals mehr noch als die selbstwirtschaftenden Eigentümer die selbstwirtschaftenden Pächter verstanden wurden - vorgeschlagenen Maßnahmen derart bescheiden waren, dass auch andere nicht-sozialistische Parteien sie schon gefordert und sogar etliche bürgerliche Regierungen sie bereits durchgeführt hatten: bäuerliche Genossenschaften zum Ankauf von Dünger etc., Anschaffung von Fuhrparks durch die Gemeinden (mit staatlicher Hilfe) zur Vermietung der Maschinen an die Bauern, Verbot des Pfandrechts auf die Ernte seitens der Eigentümer, Revision des Landkatasters, usw.
Was den Forderungskatalog für die Landarbeiter angeht, geht Engels noch weniger darauf ein, denn die Forderungen sind dieselben wie die der industriellen Lohnarbeiter, z.B. nach Zahlung des Minimallohns; andere, wie die der Bildung von Produktionsgenossenschaften auf Gemeindeland (städtische Güter) kann man durchgehen lassen.
Dennoch verschaffte dieses Programm der Partei bei den Wahlen von 1893 einen beachtlichen Wahlerfolg, so dass man am Vorabend des darauffolgenden Kongresses darüber hinausgehen wollte, um die Bauern noch stärker anzuziehen. „Man fühlte allerdings, dass man sich da auf gefährlichen Boden begab" [MEW 22, S. 490], weshalb man dem neuen Programm eine theoretische „Motivierung" voranstellte, um nachzuweisen, dass zwischen dem sozialistischen Maximalprogramm und dem Schutz des Kleinbauern mitsamt seinem Eigentumsrecht kein Widerspruch bestünde! Dies ist dann auch der Punkt, auf den Engels, nachdem er die „Erwägungen" zum Programm vorgetragen hat, seine ganze Kritik konzentriert. Es wird versucht nachzuweisen, sagt er, „dass es im Prinzip des Sozialismus liegt, das kleinbäuerliche Eigentum gegen den Untergang durch die kapitalistische Produktionsweise zu schützen, obwohl man selbst vollkommen einsieht, dass dieser Untergang unvermeidlich ist" [MEW 22, S. 490].
Die erste „Erwägung" besagt, dass „nach dem Wortlaut des allgemeinen Programms der Partei die Produzenten frei sein können nur soweit sie sich im Besitz der Produktionsmittel befinden". Die zweite besagt, dass man zwar in der Industrie die Rückgabe der Produktionsmittel an die Produzenten in gemeinschaftlicher oder gesellschaftlicher Form voraussehen kann; „dass dies aber - wenigstens im heutigen Frankreich - auf dem Gebiet des Landbaus keineswegs der Fall ist, das Produktionsmittel, nämlich der Boden, vielmehr noch in sehr vielen Orten sich als Einzelbesitz in den Händen der einzelnen Produzenten befindet".
Gemäß der dritten Erwägung ist das bäuerliche Eigentum „unrettbar dem Untergang geweiht"; dennoch hat „der Sozialismus diesen Untergang nicht zu beschleunigen", „da ja seine Aufgabe nicht darin besteht, das Eigentum von der Arbeit zu scheiden, sondern im Gegenteil in denselben Händen diese beiden Faktoren aller Produktion zu vereinigen".
In der vierten Erwägung wird gesagt, dass die großen Domänen den Landproletariern übergeben werden müssen (ebenso wie die den Privatkapitalisten enteigneten Industriebetriebe den Industriearbeitern); und folglich sei es auch die Pflicht „des Sozialismus", „die selbstarbeitenden Bauern im Besitz ihrer Landstückchen zu erhalten gegenüber dem Fiskus, dem Wucher und den Eingriffen der neuerstandnen großen Grundherren".
Die fünfte Erwägung ist die, die Engels am haarsträubensten fand. Schafften die erstgenannten Erwägungen eine schreckliche Konfusion auf dem Gebiet der Theorie, so löscht die letzte Erwägung gar den Begriff des Klassenkampfes aus: Es sei angemessen, „diesen Schutz auszudehnen auf die Produzenten, die unter dem Namen Pächter oder Teilpächter fremdes Land bebauen und die, wenn sie Tagelöhner ausbeuten, dazu gewissermaßen gezwungen sind durch die an ihnen selbst verübte Ausbeutung". Die armselige SchlussfolgerungAus diesen unseligen Prämissen leitet sich nun der praktische Vorschlag ab, nämlich „alle Elemente der ländlichen Produktion, alle Tätigkeiten, die unter verschiedenen Rechtstiteln den nationalen Grund und Boden verwerten, zusammenzubringen in demselben Kampf gegen den gemeinsamen Feind: die Feudalität des Grundbesitzes". Wenn nun im Frankreich des Jahres 1894 die in der großen Revolution ein Jahrhundert zuvor untergegangenen feudalen Großgrundbesitzer mit den bürgerlichen Grundbesitzern verwechselt werden - immerhin wirft man sie nicht mit den kapitalistischen Pächtern durcheinander, die jedoch als Verwerter des Grund und Bodens (!) gar aufgefordert werden, dem Kampfbündnis beizutreten -, dann ist, wie Engels zeigt, wobei er offensichtlich darum bemüht ist, die alten Marxisten nicht als Esel zu bezeichnen, unsere gesamte historische Position über Bord geworfen. Diese Grundeigentümer im bürgerlichen Sinn, die den landwirtschaftlichen Betrieb nicht bewirtschaften, sondern von der durch Klein- oder Großpächter gezahlten Rente leben, stellen die dritte Klasse im marxistischen Schema der kapitalistischen Gesellschaft dar und sie hat mit dem alten Feudaladel nicht das Geringste zu tun; sie hat ihre Landgüter gegen Geld gekauft und kann sie ebenso verkaufen, seit „die bürgerliche Revolution aus dem Grund und Boden einen Kommerzartikel" gemacht hat. Im Gegensatz dazu verfügte die feudale Klasse über ein unveräußerliches Recht nicht nur über den Boden, sondern auch über die ihn besiedelnden Produzenten. Engels erinnert die unbesonnenen Schüler daran, dass gegen diese feudale Klasse „für bestimmte Zwecke und eine Zeitlang" in einem gemeinsamen Block gekämpft wurde; es ist aber klar, dass sich an diesem historischen Kampfbündnis - dessen Zeit in Frankreich längst abgelaufen, aber im Russland von 1894 noch aktuell war - sogar die „bürgerlichen Herrn Pächter" beteiligten.
Dieser schwere Fehler verdüstert, dank des triumphierenden stalinistischen Opportunismus, immer noch den proletarischen Horizont in Europa. Die theoretischen Waffen zur Bekämpfung seiner verheerenden Folgen sind nicht in den Fakten des überlieferten Geschehens von 1894 bis heute zu suchen, sondern in dem nach wie vor gültigen Instrumentarium, dessen Engels sich hier bedient.
Jene ausgesprochen blockierende Agrarpolitik erstickt den Klassenkampf, und wenn sie von denselben Parteien, die die Fabrikarbeiter sammeln, angewandt wird, nützt sie obendrein ausschließlich den industriellen Kapitalisten; solange diese riesigen Parteien nicht untergegangen sind, sichert diese Blockpolitik das Überleben der bürgerlichen Gesellschaftsform.
Doch bevor wir zum politischen Teil übergehen, bleiben wir noch beim theoretischen. Hier ist eine weitere pessimistische Bemerkung zu machen, die wegzulassen heute keinem helfen würde, denn im Unterschied zu 1894 ist der Opportunismus heute nicht mehr etwas, was uns bedroht, sondern er hat bereits alle Kräfte der Arbeiterklasse mit sich fortgerissen. Viele, ja fast alle Gruppen, die sich den stalinistischen und poststalinistischen Monsterparteien widersetzt haben - was auf deren Untergang hoffen lassen konnte -, haben vom „contenu du socialisme" (wir beziehen uns, da von Frankreich die Rede ist, auf die Gruppe „Socialisme ou Barbarie")5 dieselben a-marxistischen Vorstellungen, die wir im Programm von Nantes vor uns hatten. Wir würden anti-marxistisch sagen, wenn wir nicht die gelassene Sprache Friedrich Engels' vor Augen hätten, der offensichtlich aus Erfahrung und durch viele Rüffel des alten Marx wusste, dass die Franzosen weder „choqués" [geschockt], noch „froissés" [gekränkt] sein möchten. Im ersten Fall ziehen sie ein Gesicht wie ein d'Artagnan, im zweiten wie ein Talleyrand. Tunlichst vermeiden wird es zumindest derjenige, der sich an eine Frotzelei auf dem II. Kongress der KI in Moskau erinnert: Frossard (ein Weltmeister im „A-Marxismus") wurde „froissé"! Und der, der so was gewagt hatte, hieß Lenin! Eine Reihe falscher FormelnDie falschen Formeln sind äußerst nützlich, um den wirklichen „Inhalt" des modernen revolutionären Programms zu verdeutlichen. Die alten sozialen Ideologien waren mystisch, nichtsdestotrotz sind die Erfahrungen der Menschengattung darin ebenso verdichtet wie in den reiferen ideologischen Formen (die aus dem gleichen Holz geschnitzt sind), zu denen in der kapitalistischen Epoche und im Kampf um ihre Überwindung gelangt wird. Wir könnten sagen, die alten Geheimlehren wiesen eine ehrwürdige Reihe affirmativer Thesen auf, während die moderne „Mystik", also die Aktionsregeln der subversiven Kräfte in der gegenwärtigen Gesellschaft, eher eine Reihe negativer Thesen beinhaltet. Die heute erreichte Stufe des Bewusstseins von der Zukunft, zu dem nicht das Individuum, sondern allein die revolutionäre Partei gelangen kann, erhält ihren stärksten Ausdruck (jedenfalls solange die klassenlose Gesellschaft noch keine Tatsache ist) in einer Reihe von Regeln folgenden Typs: So kann man das nicht sagen - So kann man das nicht machen.
Wir hoffen, in bescheidener und verständlicher Form ein bedeutendes und sicher schwieriges Resultat nachzeichnen zu können. Zu diesem Zweck, und unter Anleitung Engels, des Meisters einer solchen Methode, wird es sinnvoll sein, sich die falschen Formeln der „Erwägungen" von Nantes näher anzusehen.
Zur ersten Erwägung sagt Engels, es sei nicht richtig, aus unserem allgemeinen Programm die Formel abzuleiten, dass „die Produzenten frei sein können nur soweit sie sich im Besitz der Produktionsmittel befinden". Dem fügte das französische Programm gleich hinzu, dass ein solcher Besitz nur möglich ist: entweder in individueller Form, die tatsächlich nie allgemein gegolten hat und die die industrielle Entwicklung ohnehin verunmöglicht, oder in gemeinschaftlicher Form, deren Bedingungen sich mit der Stabilisierung der kapitalistischen Gesellschaft herausgebildet haben; dass daher das einzige Ziel des Sozialismus sei, „die gemeinschaftliche Besitzergreifung der Produktionsmittel zu erkämpfen" [MEW 22, S. 491]. Engels liegt daran festzuhalten, dass keine Eroberung oder Bewahrung des Einzelbesitzes von Produktionsmitteln als Forderung im sozialistischen Programm auftauchen darf, und er fügt hinzu: „Nicht nur für die Industrie, wo der Boden schon vorbereitet ist, sondern allgemein, also auch für die Agrikultur" [MEW 22, S. 492].
Dies ist eine grundlegende These in jeder klassischen marxistischen Schrift. Die proletarische Partei - es sei denn, sie bekennt sich offen zum Revisionismus - kann nicht einen einzigen Augenblick lang eine sich individuell und parzellär realisierende Vereinigung des Arbeiters mit seinen Arbeitsmitteln verteidigen und schützen. Der hier untersuchte Text wiederholt das in fast jedem Abschnitt.
Weiter kritisiert Engels die Vorstellung, die in der falschen Formel von der „Freiheit" der Produzenten zum Ausdruck kommt. Sie wird keineswegs durch jene - aus der heutigen Gesellschaft nicht wegzudenkenden - hybriden Eigentumsformen gesichert, in denen sich der Einzelproduzent im Besitz des Bodens und zum Teil auch der Arbeitsmittel befindet. In der heutigen Wirtschaft ist dies eine heikle Angelegenheit für den Kleinbauern, der keinerlei Garantien hat. Wenn ihn die bürgerliche Revolution von den feudalen Fesseln befreit, aus der persönlichen Knechtschaft - nämlich einen Teil seiner Arbeitszeit oder -produkte abzugeben - entlassen hat, so hat der zum Eigentümer eines „lopin"6 Erde avancierte Kleinbauer noch lange nicht die Garantie, dasselbe auch zu behalten. Auf die praktischen Vorschläge des Programms eingehend, zählt Engels die hundertfachen Formen auf, die dem Kleinbauern sein Fleckchen Land nehmen und mit der kapitalistischen Gesellschaft untrennbar verknüpft sind: Steuern, Hypothekenschulden, Zerstörung der ländlichen Heimindustrie, Beschlagnahme bis hin zur Expropriierung. Keine gesetzliche Maßnahme (Reform) kann verhindern, dass sich der Bauer - bevor er Hungers stirbt - „freiwillig" mit Leib und Seele (samt Boden) verkauft. „Euer Versuch, den Kleinbauern in seinem Eigentum zu schützen" (die Kritik grenzt jetzt an Schmähung), „schützt nicht seine Freiheit, sondern nur die besondere Form seiner Knechtschaft; sie verlängert seine Lage, worin er weder leben noch sterben kann..." [MEW 22, S. 492]. Das Hirngespinst der FreiheitDie fragwürdige Formel der ersten „Erwägung", die, ist man erst mal auf der schiefen Bahn, zu noch schlimmeren Fehlern führt, werden wir nicht so generös wie der große Engels behandeln. Wir haben nicht einen Paul Lafargue vor uns, den man nur einmal kräftig wachrütteln musste, sondern eine widerliche Bande von Verrätern und Defätisten, deren Seelen schon verdammt sind.
Wann werden die Produzenten frei sein? ist die Frage, worauf die Erwägung antworten will: Wenn Arbeitsmittel und Arbeiter nicht mehr geschieden sind. Auf diesen Abweg geraten, der eine unmögliche und elende Gesellschaft von kleinen Bauern und Handwerkern idealisiert, hält Engels nicht den harten Vorwurf reaktionärer Orientierung zurück, denn eine solche Gesellschaft ist sehr viel rückständiger als eine der Proletarier und Kapitalisten. Aber der völlig metaphysische und idealistische Irrtum, in dem jede historisch-dialektische und deterministische Anschauung ausgelöscht ist, besteht in der blödsinnigen These, die heute viele angebliche „Linke" beiderseits des Atlantiks stillschweigend voraussetzen: Der Sozialismus sei die Kraft zur individuellen Befreiung des Arbeiters. Diese These presst bestimmte ökonomische Theoreme in den engen Rahmen einer Philosophie der Freiheit.
Einen solchen Ausgangspunkt lehnen wir ab: Er ist schwachsinnig bürgerlich und führt directement in den Untergang - eine Entwicklung, die uns der Stalinabschaum in aller Welt überdeutlich vor Augen führt. Die Formel würde auch nicht richtiger, wenn von der kollektiven Befreiung der Produzenten die Rede wäre, denn dann müsste man klar die Grenzen dieser Kollektivität aufzeigen, und genau hieran scheitern alle „Immediatisten"7, wie wir noch sehen werden. Diese Grenze ist soweit gezogen, dass sie Industrieproduktion und Landwirtschaft sowie überhaupt jede Form menschlicher Tätigkeit einschließen muss. Wenn die menschliche Tätigkeit - allerdings in einem viel weiteren Sinne als dem der Produktion (ein an die Warengesellschaft gebundener Begriff) - in ihrer kollektiven Dynamik keine Grenzen mehr haben wird und auch keine zeitlichen Grenzen mehr zwischen den Generationen zieht, wird man verstehen, dass das Postulat der Freiheit eine vorübergehende, dem Untergang geweihte bürgerliche Ideologie war - einst explosiv, heute bloß einschläfernd und trügerisch. Eigentum und ArbeitWenn in der unglücklichen dritten „Erwägung" gesagt wird, Aufgabe des Sozialismus sei es, Eigentum und Arbeit in denselben Händen zu vereinigen, und nicht beide Faktoren zu scheiden, tut man so, als sei das der von allen anerkannte Ausgangspunkt. Engels, der nicht grausam werden wollte, wiederholt nur, dass „letzteres in dieser Allgemeinheit keineswegs die Aufgabe des Sozialismus (ist); seine Aufgabe ist vielmehr nur die Übertragung der Produktionsmittel an die Produzenten als Gemeinbesitz" [MEW 22, S. 493]. Verliert man dies aus den Augen, sagt er, so ist klar, dass man dahin kommt, dem Sozialismus die Pflicht zu übertragen, „etwas durchzuführen, was man im vorigen Absatz für unmöglich erklärt hat. Sie gibt ihm auf, das Parzelleneigentum der Bauern zu ‘erhalten', trotzdem sie selbst sagt, dies Eigentum sei ‘unrettbar dem Untergang geweiht'" [MEW 22, S. 493].
An diesem Punkt angekommen, muss man erst einmal den ganzen Ballast abwerfen, wozu man sich die von Marx und Engels errichtete Struktur und Gesamtheit unserer Lehre vergegenwärtigen muss. Zunächst mal ist die Frage der „Scheidung" nicht metaphysisch, sondern historisch. Es geht nicht darum zu sagen: Die Bourgeoisie hat das Eigentum von der Arbeit getrennt, und um sie zu ärgern, werden wir beides wieder vereinigen. Das wäre blanker Unsinn. Der Marxismus hat für die bürgerliche Revolution und Gesellschaft nie einen Prozess der Trennung des Eigentums von der Arbeit beschrieben, sondern den der arbeitenden Menschen von den Bedingungen ihrer Arbeit. Eigentum ist eine historisch-juristische Kategorie; die genannte Trennung ist aber ein Verhältnis zwischen sehr realen und materiellen Elementen: Auf der einen Seite die arbeitenden Menschen, auf der anderen die Möglichkeit, Zugang zu Grund und Boden zu haben und sich an die Arbeit zu machen. Die feudale Knechtschaft und das Sklavenhaltertum hatten beide Faktoren einfach dadurch vereinigt, dass sie beide in dasselbe Arbeitslager sperrten, wobei sie einen Teil der Produkte (ein anderes, physisch konkretes Element) für sich behielten - einen mehr oder minder großer Teil, ganz nach dem Gutdünken der herrschenden Klasse.
Die bürgerliche Revolution stieß dann den Holzzaun mit ein paar Fußtritten um und sagte den Arbeitern: „Ihr seid frei". Nachdem diese hinausgegangen waren, machten die Bourgeois wieder dicht, diesmal mit Stacheldraht, und verwirklichten so die oben genannte Scheidung. Sie monopolisierten die Arbeitsbedingungen, die sie nur für die Zeit, in der den Arbeitern der Zugang zur Produktion geöffnet wurde, wieder freigeben sollten, wobei die Bourgeois das ... ganze Produkt für sich behielten. Und die - in den Hunger und die Ohnmacht - geflüchteten Leibeigenen tanzen noch immer um dieses Wunder der Freiheit!
Der Sozialismus will die Möglichkeit abschaffen, Stacheldrahtzäune zu errichten - durch wen auch immer: ob durch ein Individuum, eine Gruppe, eine Klasse oder einen Staat. Dies kann aber nicht mit der unsinnigen Forderung erreicht werden, Eigentum und Arbeit wieder schön aufs Neue zu vereinigen! Sozialismus heißt: das bürgerliche Eigentum und die Lohnarbeit - die letzte und schlimmste Knechtschaft - aus dem Weg zu schaffen und zu beseitigen.
Wenn dann der Text von Nantes sagt, Arbeit und Eigentum seien die zwei Faktoren der Produktion, „deren Trennung die Knechtschaft und das Elend der zu Proletariern herabgedrückten Arbeiter zur Folge hat" [MEW 22, S. 491], ist das noch ungeheuerlicher. Das Eigentum ein Faktor der Produktion! Hier ist der Marxismus vergessen, vollkommen verleugnet. Selbst bei der bloßen Beschreibung der kapitalistischen Produktionsweise ist die zentrale These des Marxismus, dass es einen einzigen Faktor der Produktion gibt, nämlich die menschliche Arbeit. Das Eigentum an Boden, oder an Werkzeugen und Anlagen ist nicht ein weiterer Faktor der Produktion. Es als einen Faktor zu kennzeichnen, hieße die trinitarische Formel wieder hervorzukramen, die Marx im III. Band des „Kapital" erledigte. Nach dieser Formel hat der Reichtum drei Quellen: Boden, Kapital und Arbeit, und damit rechtfertigt diese dreiste Lehre ja die drei Formen der Revenue: Rente, Profit und Lohn.
Die kommunistische Partei ist die historische Form des Kampfes gegen die Herrschaft der kapitalistischen Klasse, deren Lehre behauptet, das Kapital sei, ebenso wie die Arbeit, ein Faktor der Produktion. Um jedoch die Lehre zu finden, die den dritten Begriff, den Boden, als Faktor der Produktion behauptet, müssen wir noch weiter, hinter Ricardo, zurückgehen, bis zu den Physiokraten, deren Theorie historisch für die Rechtfertigung der verhassten Feudalherrschaft herhalten sollte!8
Den Boden mit der, gleich ob individuellen oder kollektiven, Arbeit vereinigen zu wollen, ist daher eine schwere Häresie des Marxismus. Industrie- und AgrarunternehmenGerade die ziemlich „glitschige" vierte „Erwägung", mit der Fußangel der Verteidigung des parzellären Kleinbetriebs, ging vom Vergleich der großen Industrie - die ihren „jetzigen müßigen Eigentümern" entrissen werden müsste, d.h. den städtischen Bourgeois (die in Wirklichkeit zur Zeit der „maitre des forges"9 nicht müßig waren) - mit den großen Domänen aus, in deren Besitz die Ackerbauproletarier „in gemeinschaftlicher oder gesellschaftlicher Form" wieder gesetzt werden müssten.10 Weiter oben hat Engels die sozialistische, revolutionäre Enteignung der Industrie- und Agrarherren ganz anders beschrieben.11 Nicht nur wird im Programm von Nantes die just angerissene wesentliche Unterscheidung zwischen „gemeinschaftlicher" und „gesellschaftlicher" Leitung nicht weiter erklärt, es umgeht auch die nicht minder wichtige Unterscheidung zwischen großer Domäne bzw. Großgrundbesitz und agrikolem Großbetrieb. Wenn mit der einheitlich gelenkten Produktion vermittelst der Lohnarbeiter - auch wenn ein Teil des Lohns nicht in Geld, sondern in Lebensmitteln gezahlt wird (eine Form, die Marx als mittelalterliches Überbleibsel definiert und die die italienischen togliattistischen12 „Marxisten" „schützen", um das Landproletariat besser an die widerliche Form eines Teilwirtschafts-Systems zu binden) - eine zentralisierte Bewirtschaftung begründet ist, gibt es keinen Grund, mit dieser Produktionseinheit anders zu verfahren als mit der Fabrik eines Herrn Krupp, um beim Engels'schen Beispiel zu bleiben. Schwierig wird es, wenn sich große Bodenflächen in Einzelbesitz befinden, die jedoch in eine große Anzahl von kleinen, wirtschaftlich gesehen selbständigen Familienbetrieben kleiner Pächter oder Halbpächter zerfallen. In einem solchen Fall weist die Enteignung historisch nicht den Charakter wie in der zentralisierten Großindustrie auf; wenn feudale Formen noch überleben, wie im Russland des Jahres 1917, beschränkt sich die Sache auf eine Befreiung der Leibeigenen, was den Nachteil der parzellären Teilung noch nicht zu überwinden vermag. Unter einem konsolidierten bürgerlichen Regime, wie Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich, durfte sich nach Engels' Ansicht die programmatische Formel nicht auf die Umwandlung der eine Geld- oder Produktenpacht zahlenden Kleinpächter in „freie" Eigentümer beschränken, sondern die sozialistischen Parteien sollten den Bauern, die für die Partei gewonnen werden konnten, als Ziel auf gemeinsame Rechnung bewirtschaftete Produktionsgenossenschaften vorschlagen; auch diese sind eine Übergangsform, insofern sie die allmähliche Verwandlung zur „großen nationalen Produktionsgenossenschaft" [MEW 22, S. 503] einleiten müssen. Engels gebraucht diese Formel, um jeden Programmpunkt, der die Aufteilung des großen Landbesitzes unter die Bauern mittels Rückverwandlung in Parzellen- oder Familienbetriebe einschließt, rigoros an den Pranger zu stellen; selbst in einem „Sofortprogramm" wäre das völlig ausgeschlossen.
An dieser Stelle ist eine weitere, an andere marxistische Schriften anknüpfende und das sozialistische Programm betreffende Bemerkung angebracht. Denkt man sich die Gemeinschaft der dem Betrieb zugehörenden Arbeiter als Träger einer gemeinschaftlichen Bewirtschaftung - zusammengefasst werden die Betriebe ja schon unter dem bürgerlichen Unternehmertum -, kann dies zwar als vorübergehender Notbehelf aufgefasst werden, doch darf dies nicht zum Gedanken verleiten, der Sozialismus erschöpfe sich darin, das betriebliche oder kapitalistisches Eigentum (das heute in den Aktiengesellschaften schon „vergemeinschaftlicht" ist) durch gemeinsames Eigentum der Arbeiter zu ersetzen. Wenn die programmatischen Aussagen stimmen, kommt darin keinesfalls das Wort „Eigentum" vor, sondern das des „Besitzes", der Inbesitznahme der Produktionsmittel, und noch genauer der Mittel zur Bewirtschaftung, Leitung, Führung, wobei es das richtige Subjekt zu bestimmen gilt: Der Ausdruck der „gesellschaftlichen Leitung" ist genauer als der der „genossenschaftlichen Leitung"; während ein „genossenschaftliches Eigentum" völlig bürgerlich und mitnichten sozialistisch ist. Der Ausdruck „nationale Betriebsleitung" ist sinnvoll, wenn unterstellt ist, dass Anlagen sowie Grund und Boden in nur einem Land enteignet werden; andererseits denkt man hier zumeist an Staatsbetriebe, was wieder nur heißt, die Betriebe sind kapitalistisches Staatseigentum.
Um noch bei der Landwirtschaft zu bleiben: Im kommunistischen Programm werden Boden und Produktionsmittel auf das Gemeinwesen, das auf neuen, nicht mehr der Warenproduktion angehörenden Grundlagen organisiert ist, übertragen. Boden und landwirtschaftliche Produktionsanlagen - ganz genauso wie die Industrieanlagen - gehen also an die Gesamtheit der Arbeiter über, ob Industrie- oder Landarbeiter. Nur in diesem Sinne ist Marx zu verstehen, wenn er von der Aufhebung der Trennung zwischen Stadt und Land und von der Aufhebung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung als Eckpfeilern der kommunistischen Gesellschaft spricht. Die alten, wenn auch in jüngster Zeit noch viel zu oft gebrauchten Agitationsformeln: „die Fabrik den Arbeitern" und „der Boden den Bauern", vom gleichen Schlage wie etwa: „die Schiffe den Seefahrern", sind nur eine Parodie auf das ungeheure Potential des revolutionären marxistischen Programms. Die schlimmste AbweichungBevor wir andere Marx'sche Texte nach den hier angesprochenen und bereits damals antizipierten Prinzipien durchforsten, schließen wir unsere ausführliche Paraphrase der Engels'schen Studie mit der letzten - übrigens höchst aktuellen - fünften „Erwägung" ab, die Engels einigermaßen in Rage brachte: Der Partei sollte zur Pflicht gemacht werden, auch die - Tagelöhner ausbeutenden! - Pächter und Halbpächter unter ihren Schutz zu stellen.
Engels' rücksichtsvolle, aber vernichtende Kritik an den einzelnen reformistischen Maßregeln, die das Programm von Nantes vorschlug, lassen wir hier beiseite, da diese entweder gar nicht durchführbar waren oder aber die Bauern auf den Punkt zurückgeworfen hätten, der ihr Elend und ihren Stumpfsinn verursacht. Engels bemerkt dazu milde, dass man, um die Bauern zu gewinnen, „den Hebel nicht am richtigen Punkt" angesetzt habe [MEW 22, S. 498]. Übergehen wir auch den Schlussteil zu Deutschland (wo die Partei glücklicherweise ähnliche Fehler vermieden hatte), in dem Engels begründet, weshalb man sich eher auf die ostelbischen besitzlosen Bauern, Halb-Leibeigene der preußischen Junker, stützen musste als auf die westdeutschen Kleinbauern, denen das revolutionäre Potential fehlte.
Wir bedauern, in dieser Schrift Engels' keinen Hinweis auf Italien gefunden zu haben, wo die Partei zu jener Zeit mit großem Klasseninstinkt den Kampf der ländlichen Tagelöhner gegen die reichen bürgerlichen Pächter in äußerst gewaltsamen Formen führte (wie z.B. in der Romagna und in Apulien). Wobei sie das verwirklichte, was Engels das Wünschenswerte nannte: Dass nämlich die ländlichen Lohnarbeiter in der sozialistischen Partei sind und die Pächter und Halbpächter in einer kleinbürgerlichen (in Italien die republikanische). Heute allerdings setzen die „Kommunisten" das in die Tat um, was im Frankreich des Jahres 1894 so „unbesonnen" vorgeschlagen wurde, nämlich den Klassenkampf der (von Mittelbauern und Pächtern in Lohn und Brot gesetzten) Arbeiter zu ersticken.
Die Worte Engels' antworten auch den heutigen Verrätern: „Hier kommen wir schon auf ein ganz absonderliches Gebiet. Der Sozialismus richtet sich ganz speziell gegen die Ausbeutung der Lohnarbeit. Und hier wird es für die gebieterische Pflicht des Sozialismus erklärt, die französischen Pächter dabei zu schützen, wenn sie ‘Taglöhner ausbeuten' - so heißt es wörtlich! Und zwar, weil sie gewissermaßen dazu gezwungen werden ‘durch die an ihnen selbst verübte Ausbeutung'! Wie leicht und angenehm es sich doch abwärts rutscht, ist man erst einmal auf der schiefen Ebene!" (Oh alter Engels, du konntest nicht ahnen, wie weit diese Sucht nach demagogischem Erfolg und Verrat gehen sollte!) „Wenn nun der Groß- und Mittelbauer Deutschlands kommt und bittet die französischen Sozialisten, sich beim deutschen Parteivorstand zu verwenden, dass die deutsche sozialdemokratische Partei ihn schütze in der Ausbeutung seiner Knechte und Mägde, und sich dabei beruft auf die durch Wucherer, Steuereinnehmer, Getreidespekulanten und Viehhändler ‘an ihm selbst verübte Ausbeutung' - was werden sie antworten? Und wer steht ihnen dafür, dass nicht auch unsere agrarischen Großgrundbesitzer ihnen den Grafen Kanitz" (Vertreter der Grundbesitzer im deutschen Reichstag) „schicken [...] und ebenfalls um sozialistischen Schutz bitten für ihre Ausbeutung der Landarbeiter, unter Berufung auf die ‘an ihnen selbst verübte Ausbeutung' durch Börse-, Zins- und Getreidewucherer?" [MEW 22, S. 493/94].
Wir können mit einem letzten Zitat über Bauern und Parteizugehörigkeit abschließen, das wirklich eine Norm setzt, an der man nicht mehr vorbeikommt: „Ich leugne geradezu, dass die sozialistische Arbeiterpartei irgendeines Landes die Aufgabe hat, außer den Landproletariern und Kleinbauern auch die Mittel- und Großbauern, oder gar die Pächter großer Güter, die kapitalistischen Verwerter des nationalen Grund und Bodens in ihren Schoß aufzunehmen".
„(...) in unserer Partei können wir zwar Individuen aus JEDER Gesellschaftsklasse, aber durchaus keine kapitalistischen, keine mittelbürgerlichen oder mittelbäuerlichen INTERESSENGRUPPEN gebrauchen" [MEW 22, S. 494/95].
So also wird die Partei, ihr Charakter, ihre Lehre (die kein Kommerzartikel ist), ihre revolutionäre Zukunft verteidigt! Und eben darum ist allein die politische Partei die Form, die in allen Ländern den Klassenkampf des städtischen und ländlichen Proletariats vor der Degeneration bewahrt. Ein großer Marx'scher ImperativUnsere französischen Genossen brachten uns nach Turin einen Text von Marx mit, dessen Publikation mit der folgenden Anmerkung versehen war: „Dieses nach dem Tod von Karl Marx in seinen Archiven gefundene Manuskript ist wahrscheinlich ein ‚Entwurf' einer Arbeit zur Nationalisierung des Bodens, die Marx auf Wunsch von E. Dupont geschrieben hatte. Diese Arbeit ist noch nicht wiedergefunden worden. Der Titel des Auszugs lautet: ‘Über die Nationalisierung des Grund und Bodens'".
Diese lehrreiche Abhandlung bestätigt, was wir als bescheidene Schüler immer wiederholt haben: Dass der Marxismus die Eigentumsformen nicht verändert, sondern die Aneignung des Bodens radikal negiert. Geben wir zunächst eine theoretisch weniger schwierige Passage wieder: „Auf dem Internationalen Kongress in Brüssel 1868 sagte einer meiner Freunde" (wir sind bei der I. Internationale, und der Ausdruck sagt uns, dass es sich nicht um einen Anarchisten handelte): „'Das kleine Privateigentum hat der Urteilsspruch der Wissenschaft zum Untergang verdammt, das große die Gerechtigkeit. Es bleibt also nur eine Alternative. Der Boden muss entweder das Eigentum von landwirtschaftlichen Assoziationen werden oder das Eigentum der gesamten Nation. Die Zukunft wird diese Frage entscheiden.' Ich hingegen sage: Die Zukunft wird entscheiden, dass der Boden nur nationales Eigentum sein kann. Das Land an assoziierte Landarbeiter zu übergeben, würde heißen, die ganze Gesellschaft einer besonderen Klasse von Produzenten auszuliefern" [MEW 18, S. 61/62].
Hier wird mit wenigen Wörtern Ungeheures gesagt. Zunächst mal wird deutlich, dass es nicht Sache des Marxismus ist, sich schwieriger Fragen zu entledigen, indem ihre Beantwortung der zukünftigen Geschichte überlassen wird. Von Anfang an weiß der Marxismus die Wesensmerkmale der zukünftigen Gesellschaft scharf herauszuarbeiten, und er formuliert sie explizit.
Zweitens: Die Ausdrücke „national" und „nationales Eigentum" werden nur als eine Art sokratischer Dialog, als erste zum eigentlichen Sinn hinführende Formulierung, gebraucht. In der positiven These ist die Rede nicht von Eigentum, sondern von Übertragung oder Überweisung, und nicht mehr von Nation, sondern von der ganzen bzw. Welt-Gesellschaft.
Und schließlich kann die vorliegende, in einem tiefen Sinn vollkommene Aussage folgerichtig so erläutert werden: Das sozialistische Programm wäre noch nicht sehr deutlich, wenn darin nur stünde, die Auslieferung eines Produktionsmittelsektors an irgendeine Klasse von Privatleuten oder an eine Minderheit von Müßiggängern, Nicht-Produzenten, zu unterbinden. Gefordert ist ganz klar, dass kein Produktionszweig von einer Klasse allein kontrolliert wird, auch nicht von einer Produzentenklasse, sondern von der ganzen Gesellschaft. Grund und Boden gehen also auch nicht an landwirtschaftliche Assoziationen oder an die bäuerliche Klasse, sondern an die ganze Gesellschaft.
Damit haben wir hier die erbarmungslose Verurteilung aller immediatistischen Abweichungen - auch unter angeblichen Linksrevolutionären -, denen wir seit langem unaufhörlich nachstellen.
Dieses Theorem des Marxismus zerstört jeden Kommunalismus und Syndikalismus, ebenso wie jedes Betrieblertum (seht dazu die eindeutigen Abschnitte der Pfingstversammlung vom Juni 1957 in Paris)13, weil diese „surannés"14 Programme die der Gesellschaft als Ganzes zugehörenden und unteilbaren Lebenskräfte an bestimmte Gruppen „ausliefern".
Und selbstredend sind in dieser grundlegenden Aussage jedwede von Stalinisten oder Post-Stalinisten abgegebenen Definitionen „sozialistischen Eigentums" - wie es ihnen gerade passt und je nachdem, woher der Wind weht - hinsichtlich der agrarischen Formen eliminiert: So auch, wenn die ganze Gesellschaft, also die Bedingungen ihres physischen Lebens, an kolchosianische Gruppierungen, als einer besonderen Klasse von Produzenten, ausgeliefert werden.
Im Übrigen verdient die Auslieferung aller Industriebetriebe an den Staat, wie im heutigen Russland, ebenso wenig den Namen „Sozialismus". Dieser Staat, der die Auslieferung an „besondere Gruppen von Produzenten" auf Betriebe oder Regionen ausdehnt, ist nicht mehr der historische Repräsentant der klassenlosen Gesellschaft von Morgen. Diese Charakterisierung verwirklicht und erhält sich nur auf der Ebene der politischen Theorie, und zwar vermittelst der Parteiform, die jeden Immediatismus gnadenlos hinwegfegt und gleichzeitig allein die opportunistische Pest abwehren kann.
Doch kommen wir noch mal kurz auf die Marx'sche Textstelle zurück, die uns vor Augen führt, dass die Zuerkennung - erst recht jede faktische Übergabe - von Grundeigentum an bestimmte Gruppen den Königsweg zum Kommunismus versperrt.
„Die Nationalisierung des Grund und Bodens wird eine vollkommene Änderung in den Beziehungen zwischen Arbeit und Kapital mit sich bringen und schließlich die gesamte kapitalistische Produktion beseitigen, sowohl in der Industrie wie in der Landwirtschaft. Nur dann werden die Klassenunterschiede und Privilegien verschwinden, zusammen mit der ökonomischen Basis, der sie entspringen, und die Gesellschaft wird in eine Assoziation freier ‘Produzenten' verwandelt werden" (wohlgemerkt, die Anführungszeichen sind von Marx, und für „eine" lies: eine einzige). „Von anderer Leute Arbeit zu leben wird eine Angelegenheit der Vergangenheit sein! Dann wird es weder eine Regierung noch einen Staat geben, die im Gegensatz zur Gesellschaft selbst stehen!" [MEW 18, S. 62].
Bevor wir diese wesentlichen, unveränderlichen und niemals veränderten Prinzipien des Marxismus noch einmal erläutern, schicken wir voraus, dass Marx niemals zögert, klar und entschieden die kommunistische Gesellschaft zu beschreiben, wobei er für die gesamte revolutionäre Bewegung einer historischen Ära eine gewaltige Verantwortung übernimmt.
Es ist reines Metall aus dem ursprünglichen Guss, das durch tausendschichtige Überkrustungen des Magmas hindurchschimmert und morgen in seinem vollen Glanz erstrahlen wird. Marx und das GrundeigentumIn der Schrift von Karl Marx, die wir schon im vorangegangenen Abschnitt heranzogen, definiert er das Programm der Kommunisten unter zwei Aspekten. Historisch und ökonomisch muss sich der große Agrarbetrieb, oftmals als „Großeigentum" bezeichnet, gegen den Kleinbetrieb und das Kleineigentum durchsetzen. Weiter enthält das kommunistische Programm das Verschwinden oder, wie man ungenauer zu sagen pflegt, die Abschaffung jeglicher Form von Grundeigentum, was meint, jeglichen individuellen oder auch gemeinschaftlichen Subjekts von Eigentum.
Marx hält sich nicht lange mit den traditionellen, philosophischen und juristischen Rechtfertigungen der Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden auf. Sie gehen auf die uralte Banalität zurück, dass das Eigentum eine „Fortsetzung" der Person sei. Bereits die stillschweigend vorausgesetzte Prämisse dieses antiquierten Syllogismus ist falsch: Meine Person, mein physischer Körper gehören mir, sind mein Eigentum. Schon dies negieren wir; denn im Grunde ist dies nur eine aus der Sklavenwirtschaft, in der der Boden zusammen mit den menschlichen Körpern gewaltsam angeeignet wurde, stammende und in ihr befangene Vorstellung: Bin ich Sklave, so hat mein Körper einen fremden Eigentümer, den Herrn. Bin ich kein Sklave, so bin ich mein eigener Herr. Das scheint völlig logisch und ist doch blanker Unsinn. An jenem Wendepunkt im gesellschaftlichen Gefüge, an dem diese verhasste Herrschaftsform über das menschliche Dasein unterging, konnte der ideologische Überbau - der berühmte Nachzügler aller realen Prozesse -, anstatt den Untergang aller späteren Eigentumsformen vorauszusehen, begreiflicherweise nur folgenden Zwergenschritt machen: Es fand ein einfacher Wechsel des Sklavenhalters statt, eine Sache, an die der arme menschliche Kopf gewohnt war. Erst wurde ich vom Sklaven des Titus zum Sklaven des Sempronius; nun bin ich zum Sklaven meiner selbst geworden... Vielleicht ein sehr schlechtes Geschäft!
Die vulgäre, anti-sozialistische Argumentationsweise ist dümmer als der Mythos, der einen ersten Menschen - mutterseelenallein auf dieser Welt - annimmt, der sich als Krone der Schöpfung sah. Nach der biblischen Konstruktion musste ja zugegeben werden, dass sich infolge der Vermehrung der Menschen das Beziehungsgeflecht zwischen diesem Einzigen und den anderen immer mehr verdichten und die scheinbare Autonomie des Ichs immer mehr verlieren würde. Für uns Marxisten wird mit jedem Übergang von einfachen zu neuen und komplexeren Produktionsweisen der vielschichtige Zusammenhang zwischen dem Einzelnen und Seinesgleichen enger, wodurch die gewöhnlich mit den Ausdrücken von Autonomie und Freiheit bezeichneten Verhältnisse schrumpfen und jeder Individualismus verblasst.
Der moderne und atheistische, das Eigentum verteidigende Bourgeois sieht den geschichtlichen Verlauf durch die Brille seiner Klassenideologie (deren Scherben heute das Erbgut nur der Kleinbürger und so vieler angeblicher Marxisten sind), er sieht den Prozess verkehrt herum, als Aufeinanderfolge von Etappen, in denen sich das menschliche Individuum aus dem gesellschaftlichen Zusammenhang löst - richtig ist vielmehr, dass historisch gesehen auch das Verbindungsgeflecht zwischen dem Menschen und der äußeren Natur das gesellschaftliche Netz immer dichter knüpft. Befreiung des Menschen von der Sklaverei, Befreiung von der Leibeigenschaft und dem Despotismus, Befreiung von der Ausbeutung!
In dieser, der unsrigen entgegen gesetzten Konstruktion befreit bzw. löst sich das Individuum von den Banden, und die Person erstrahlt in ihrer ganzen Autonomie und Pracht. Und diese Abfolge halten viele Leute für die revolutionäre.
Individuum, Person und Eigentum harmonieren bestens miteinander. Einmal das eben genannte falsche Prinzip gesetzt: Mein Körper und daher meine Hand gehören mir; dann ist auch das Werkzeug, mit dem ich meine Hand „fortsetze", um zu arbeiten, meins. Der Boden (und hier stimmt die zweite Prämisse) ist auch ein Instrument der menschlichen Arbeit. Die Produkte meiner Hand, und ihre vielen Fortsetzungen, sind also ebenfalls meine: Das Eigentum steht daher als ein unvergängliches Attribut der Person da.
Wie sehr sich eine solche Konstruktion widerspricht, wird an folgender Tatsache deutlich: In der Ideologie derer, die das Eigentum an landwirtschaftlich nutzbarem Boden verteidigen, also in der den Aufklärern und Kapitalisten vorangegangenen Ideologie, wird die Erde selbst als Erzeugerin des Reichtums angesehen, vor und ohne Hinzufügung von Arbeit durch den Menschen. Wie ist dann aber die Herrschaft des Menschen über Landstücke zum geheimnisvollen „Naturrecht" geworden? Wie Marx damit fertig wirdAufgefordert, sich über die Nationalisierung des Grund und Bodens zu äußern, fertigte Marx zuerst diese kraftlosen Philosopheme ab.
„Das Eigentum an Grund und Boden, diese ursprüngliche Quelle allen Reichtums, ist das große Problem geworden, von dessen Lösung die Zukunft der Arbeiterklasse abhängt. Ohne hier alle Argumente diskutieren zu wollen, die von den Verteidigern des Privateigentums an Grund und Boden - Juristen, Philosophen und politischen Ökonomen - vorgebracht werden, werden wir zunächst nur feststellen, dass sie das ursprüngliche Faktum der Eroberung unter dem Mantel des ‘Naturrechts' verbergen. Wenn die Eroberung ein Naturrecht der wenigen schuf, dann brauchen die vielen nur genügend Kraft zu sammeln, um das Naturrecht auf Rückeroberung dessen zu erlangen, was ihnen genommen worden ist. Im Verlauf der Geschichte" (Marx will sagen, nachdem die ersten Gewaltakte das Eigentum am Boden schufen, der ja anfangs frei zugänglich war und später gemeinschaftlich wurde) „versuchen die Eroberer vermittels der von ihnen selbst erlassenen Gesetze, ihrem ursprünglich der Gewalt entstammenden Besitzrecht eine gewisse gesellschaftliche Bestätigung zu geben. Zum Schluss kommt der Philosoph und erklärt, diese Gesetze besäßen die allgemeine Zustimmung der Gesellschaft. Gründete sich das Privateigentum an Grund und Boden tatsächlich auf solch eine allgemeine Zustimmung, so wäre es offensichtlich in dem Augenblick aufgehoben, wo es von der Mehrheit einer Gesellschaft nicht mehr anerkannt wird. Lassen wir indessen die sogenannten ‘Rechte' des Eigentums beiseite, (...)" [MEW 18, S. 59].
Nun, wir haben vor, dem Marx'schen Denken zu folgen: bis hin zur Negation „jeglichen" Eigentums, d.h. jeglichen Eigentumssubjekts (privates Individuum, assoziierte Individuen, Staat, Nation und sogar Gesellschaft) wie auch jeglichen Eigentumsobjekts (die Erde, von der wir hier ausgegangen sind, die Arbeitsinstrumente im Allgemeinen und die Produkte der Arbeit).
Wie wir immer gesagt haben, ist dies alles in der ursprünglichen Formel der Negation des Privateigentums enthalten, was heißt, diese Form wird als vorübergehendes Merkmal in der Geschichte der menschlichen Gesellschaft gefasst, in deren gegenwärtigem Verlauf es bereits dem Untergang geweiht ist.
Auch terminologisch wird das Eigentum nur als privates aufgefasst. Was den Boden angeht, ist die Sache sehr handgreiflich, da die Eigentümlichkeit dieses Rechtsgebildes die Abriegelung eines Gebietes ist, deren Grenzen man ohne Zustimmung des Eigentümers nicht passieren darf. Privateigentum heißt, dass der Nichteigentümer der Befugnis einzutreten beraubt wird [privatus = beraubt, ursprüngliche Bedeutung des Wortes „privat"]. Gleich wer das Rechtssubjekt auch sein mag, ob eine einzelne Person oder viele, dieser Charakter des „Privatismus" dauert fort. Gegen jedes parzelläre EigentumOhne große Umschweife bezieht Marx sogleich Stellung gegen die Bodenbewirtschaftung in Betrieben mit geringer Nutzfläche. Nachdem er die philosophische Frage durch einige Sarkasmen beiseite geschoben hat, fährt er so fort:
„(...) so stellen wir fest, dass die ökonomische Entwicklung der Gesellschaft, das Wachstum und die Konzentration der Bevölkerung, die Notwendigkeit der kollektiven und organisierten Arbeit sowie die Maschinerie und andere Erfindungen für die Landwirtschaft, die Nationalisierung des Grund und Bodens zu einer ‘gesellschaftlichen Notwendigkeit' machen, wogegen kein Gerede über Eigentumsrechte aufkommen kann. Änderungen, die von einer gesellschaftlichen Notwendigkeit diktiert werden, bahnen sich früher oder später ihren Weg; wenn sie zu einem dringenden Bedürfnis der Gesellschaft geworden sind, müssen sie befriedigt werden, und die Gesetzgebung wird immer gezwungen sein, sich ihnen anzupassen. Was wir brauchen, ist eine tägliche Steigerung der Produktion, deren Erfordernisse nicht befriedigt werden können, wenn es einigen wenigen Individuen erlaubt ist, sie nach ihren Launen und privaten Interessen zu regeln oder aus Unwissenheit die Kräfte des Bodens zu erschöpfen. Sämtliche modernen Methoden wie Bewässerung, Entwässerung, Anwendung des Dampfpflugs, chemische Bearbeitung etc. müssten endlich in der Landwirtschaft Eingang finden. Aber die wissenschaftlichen Kenntnisse, die wir besitzen, und die technischen Mittel der Landbearbeitung, die wir beherrschen, wie Maschinerie etc., können wir nie erfolgreich anwenden, wenn wir nicht einen Teil des Bodens in großem Maßstab bearbeiten. Wenn die Bearbeitung des Bodens in großem Maßstab - sogar in seiner jetzigen kapitalistischen Form, die den Produzenten zum bloßen Arbeitstier herabwürdigt - zu Ergebnissen führt, die denen der Bearbeitung kleiner und zersplitterter Flächen weit überlegen sind, würde sie dann nicht, in nationalem Maßstab angewendet, der Produktion zweifellos einen ungeheuren Impuls geben? Die ständig wachsenden Bedürfnisse der Bevölkerung einerseits, das dauernde Steigen der Preise landwirtschaftlicher Erzeugnisse andererseits liefern den unbestreitbaren Beweis, dass die Nationalisierung des Grund und Bodens zu einer ‘gesellschaftlichen Notwendigkeit' geworden ist. Der Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion, der seine Ursache im individuellen Missbrauch hat, wird unmöglich, sobald die Bodenbearbeitung unter der Kontrolle, auf Kosten und zum Nutzen der Nation durchgeführt wird" [MEW 18, S. 59/60].
Man sieht, dass dies eine Propagandaschrift ist, die auf einen Kreis von Leuten zielt, die dem Marxismus noch nicht folgen. Dennoch werden sehr bald die radikalen Thesen ausgesprochen, die wir schon unter der Überschrift „Ein großer Marx'scher Imperativ" behandelt haben. Hier werden die Vorteile einer staatlichen nationalen Betriebsführung benannt, sofern von Kosten und Profiten die Rede ist. Weiter unten wird Marx klarstellen, dass der bürgerliche Staat unfähig ist, die Landwirtschaft auf ein höheres Niveau zu heben.
Aber Marx ist im Moment noch mit sekundären Fragen befasst, und es wird interessant sein zu sehen, wie die Fragestellung 1868 lauten wird - nämlich so wie die Engels' im Jahre 1894, wie wir im ersten Teil dieser Studie darlegten. Wie sollte sich heute jemand zu Recht „Marxist" nennen können, der dahin gekommen ist zu postulieren (wie die heutigen „Kommunisten" in Italien und Europa), dass zuerst der Pächter, dann der Halbpächter, dann gar der Landarbeiter zu Eigentümern werden sollen? Der in diesem Text behandelte wesentliche Bestandteil des Marxismus ist heute so gültig, wie er es von 1868 (eher noch früher) bis 1894 war. Die französische AgrarfrageMarx geht jetzt dazu über, dem Gemeinplatz der „reichen" französischen Kleinlandwirtschaft zu Leibe zu rücken. Seine Worte brauchen nicht kommentiert zu werden. Sie können vom Leser selbst in Zusammenhang nicht nur mit der Engels'schen Einführung gebracht werden, sondern auch mit der Lenins, dessen strenge Orthodoxie in der Agrarfrage wir schon nachgewiesen haben.15
„Es ist oft auf Frankreich hingewiesen worden, aber mit seinen bäuerlichen Eigentumsverhältnissen ist es weiter von der Nationalisierung des Grund und Bodens entfernt als England mit seiner Großgrundbesitzerwirtschaft. In Frankreich ist zwar der Grund und Boden allen zugänglich, die ihn kaufen können, aber gerade diese Möglichkeit führte zur Aufteilung des Grund und Bodens in kleine Parzellen, die von Menschen bearbeitet werden, welche nur über spärliche Mittel verfügen und vornehmlich auf ihre eigene körperliche Arbeit und die ihrer Familien angewiesen sind. Diese Form des Grundeigentums mit seiner Bearbeitung zersplitterter Flächen schließt nicht nur jede Anwendung moderner landwirtschaftlicher Verbesserungen aus, sondern macht zugleich den Landmann selbst zum entschiedensten Feind jeden gesellschaftlichen Fortschritts und vor allem der Nationalisierung des Grund und Bodens. Gefesselt an den Boden, an den er alle seine Lebenskraft wenden muss, um einen verhältnismäßig kleinen Ertrag zu erzielen; gezwungen, den größeren Teil seiner Erzeugnisse in Form von Steuern dem Staat, in Form von Gerichtskosten dem Juristenklüngel und in Form von Zinsen dem Wucherer abzutreten; in völliger Unkenntnis der gesellschaftlichen Bewegung außerhalb seines engen Tätigkeitsfeldes - hängt er trotzdem mit blinder Liebe an seinem Stückchen Erde und seinem bloß nominellen Besitzrecht. Dadurch ist der französische Bauer in einen höchst verhängnisvollen Gegensatz zur Industriearbeiterklasse gedrängt worden. Eben weil die bäuerlichen Eigentumsverhältnisse das größte Hindernis für die ‘Nationalisierung des Grund und Bodens' sind, ist Frankreich in seinem jetzigen Zustand gewiss nicht der Ort, wo wir eine Lösung dieses großen Problems suchen müssen. Die Nationalisierung des Bodens und seine Verpachtung in kleinen Parzellen an Einzelpersonen oder an Arbeitergenossenschaften würde unter einer bürgerlichen Regierung nur eine rücksichtslose Konkurrenz unter ihnen auslösen und eine gewisse Steigerung der ‘Rente' mit sich bringen und dadurch den Aneignern die Möglichkeiten bieten, auf Kosten der Produzenten zu leben" [MEW 18, S. 61].
Die in diesem letzten Absatz gemachte Annahme nimmt vorweg, dass staatlich begünstigte Landzuweisungen eine Klasse von kapitalistischen Pächtern hervorbringen, die sich auf Kosten der Lohnarbeiterschaft die Taschen füllen. ProduzentenklassenAn diese Stelle des Marx'schen Manuskripts schließt sich die von uns schon wiedergegebene und kommentierte grundlegende Passage zur Diskussion auf dem Internationalen Kongress des Jahres 1868 an. In dieser Textstelle haben wir besonders die These unterstrichen, nach der der Boden der „Nation" und nicht den assoziierten Landarbeitern übergeben wird. Dieser letzte Halbsatz - und seine nicht zu vergessende Hervorhebung - ist deshalb anti-sozialistisch, weil so „die ganze Gesellschaft einer besonderen Klasse von Produzenten ausgeliefert" würde. Der Sozialismus schließt nicht nur die Unterwerfung des Produzenten unter den Besitzer, sondern auch die der Produzenten unter die Produzenten aus.
Völlig verfehlt - wenn vom Kommunismus die Rede ist - ist das russische Agrarsystem mit seinen Kolchosen. Die Kolchosniki bilden eine Klasse von Produzenten, in deren Händen die Versorgung der gesamten „Nation" liegt. Von Jahr zu Jahr erweitern sich ihre Rechte gegenüber dem „Staat": so mit der Aufhebung der Pflichtabgabe zu festgelegten Preisen, mit der „wirtschaftlichen" Schätzung derselben, d.h. ad libitum16 der Assoziation, etc. Wir werden zwischen den Begriffen Staat, Nation und Gesellschaft genau unterscheiden; vorderhand sind wir berechtigt zu sagen, dass in der russischen Wirtschaftsstruktur Konkurrenz und Rente wiedererscheinen.
In den Sowchosen sind die Landarbeiter, wie die der Industrie, bloße Lohnempfänger, ohne Anspruch auf die Landprodukte (bis jetzt). Sie bilden keine der Gesellschaft gegenüberstehende Produzentenklasse, wie auch die Industriearbeiter nicht, die doch als Herren (obwohl man bei diesem Ausdruck in Russland errötet) der Gesellschaft, d.h. als den Bauern überlegen (!), gefeiert werden.
Die klassische Diskussion der Agrarfrage, die vor der Oktoberrevolution die Gemüter in Russland erhitzte, bot drei Lösungskonzepte: Teilung - die Volkstümler; Munizipalisierung (Überführung in Gemeindeeigentum) - die Menschewiki; Nationalisierung - die Bolschewiki. Sowohl in der Theorie wie in der revolutionären Politik beharrte Lenin stets auf der Nationalisierung, wie Marx sie („gerade erst" - ich meine, weiter oben) verteidigt hat. Die Bodenaufteilung im Sinne der Volkstümler, dieses fade bäuerliche Ideal, befindet sich auf demselben Niveau wie die heutige kommunistische Parteipolitik (etwa in Italien), die sich mit dem Adjektiv „populär" schmückt und wahrlich „populistisch" ist. Die Munizipalisierung entsprach dem Programm, das Monopol auf den Boden nicht der Gesellschaft, sondern der bäuerlichen Klasse zuzusprechen. Mit russischem „Munizipium" war hier das allein von Bauern bewohnte Dorf gemeint, das sich an die Tradition des „Mir" (die alte russische Dorfgemeinschaft) anlehnende - was ziemlich trostlos war. Das Kolchos-System seinerseits ist weder marxistisch noch tampoco 17 leninistisch, denn - vor allem, wenn man sich die eingeleiteten „Reformen" ansieht18 - es muss als eine Provinzialisierung des Bodens gekennzeichnet werden, worauf die Arbeiter-Städte zunehmend jede Einflussnahme verlieren. Eine solche, durch die Maßnahmen von 1958 beförderte Missbildung steht der 1868 festgelegten Parteitheorie diametral entgegen, wonach der Boden nicht einer „Klasse von Produzenten" (den Kolchos-Mitgliedern), sondern der Gesamtheit der ländlichen und städtischen Arbeiter übergeben werden muss.
Doch darf die These der Nationalisierung nicht im Ricardo'schen Sinne aufgefasst werden; laut Ricardo nämlich soll der Boden Staatseigentum werden, der Staat also auch die ganze Grundrente einstecken, was bloß heißt, dass der Boden Gemeineigentum der kapitalistischen industriellen Klasse bzw. ihres potenziellen Repräsentanten, also des kapitalistischen industriellen Staates würde (wie des russischen). Die marxistische Nationalisierung des Bodens ist das dialektische Gegenteil der Parzellierung und Übergabe an Bauernassoziationen oder -genossenschaften. Dieser dialektische Gegensatz gilt sowohl für die Struktur der kommunistischen klassen- und staatenlosen Gesellschaft (siehe die entsprechenden Stellen in den vorangehenden Abschnitten) wie auch für den politischen Kampf der Klasse und ihrer Partei in der kapitalistischen Gesellschaft, wo die Forderung nach parzellärer Teilung ungleich schädlicher ist, als sie es unter dem zaristischen Regime je sein konnte. Die Thesen der Parteitheorie sind, vorausgesetzt sie bleiben sowohl von Seiten des Zentrums als auch von Seiten der Basis der Militanten unverändert und unverletzt, ein Bollwerk gegen die zukünftige Bedrohung durch die opportunistische Seuche - die Frage der Nationalisierung ist ein treffendes und typisches Beispiel dafür. Nation und GesellschaftDoch sowohl in der theoretischen als auch in der auch agitatorischen Praxis ist der Ausdruck Nation dem der Gesellschaft vorzuziehen. Klar ist, dass die sozialistische Gesellschaft im räumlichen Sinne international aufzufassen und der Internationalismus ein dem Klassenkampf inhärenter Begriff ist. Aber immer, wenn es um die Kritik der kapitalistischen Wirtschaftsstruktur geht und die Dynamik der ökonomischen Kräfte untersucht werden soll, wird Marx, seinen eigenen Angaben zufolge, von Nation sprechen (auch wenn es sich um einen Vielvölkerstaat handelt), doch ohne je den revolutionären Übergang zum Sozialismus in enge nationale Grenzen zu bannen. Andererseits darf nicht vergessen werden, auch wo besser von „Nation" als von „Staat" zu sprechen ist, dass, solange der Klassenstaat als Ausdruck der Herrschaft der Kapitalistenklasse existiert, die Nation nicht alle Bewohner eines Territoriums in einem homogenen Ganzen zusammenfasst, und dies nicht einmal nach der Errichtung der revolutionären Diktatur des Proletariats in einem oder mehreren Ländern verwirklicht sein wird.
Der internationalistischen revolutionären Klassenforderung gegenüber zwar borniert, ist der Begriff „Nation" doch ein starker Ausdruck, jedenfalls immer dann, wenn bestimmte Sektoren von Produktionsmitteln (hier der Grund und Boden) besonderen Gruppen oder Klassen der nationalen Gesellschaft, ob Orts- oder Betriebsgruppen oder Berufszweigen, ausgeliefert werden sollen.
Der andere kurz erwähnte Vorzug bezieht sich auf die zeitliche Einengung. Nation kommt von „nascere", „geboren werden", und umfasst die Aufeinanderfolge der lebenden (wie auch vorangegangenen) und zukünftigen Generationen. Das wirkliche Subjekt der gesellschaftlichen Tätigkeit wird auch im zeitlichen Sinne über die Gesellschaft der zu einem bestimmten Zeitpunkt lebenden Menschen hinausgehen. Der Begriff des „Geschlechts" (den wir auf das ganze Menschengeschlecht, auf die Gattung beziehen - ein Wort, das von Marx und Engels benutzt wird und kraftvoller ist sowohl als das der Nation oder auch das der Gesellschaft) lässt die ganze bürgerliche, den Demokraten eigene Ideologie der Macht und rechtlich-politischen Souveränität hinter sich.
Der Klassenbegriff genügt, um den „alle Bürger repräsentierenden Staat" Lügen zu strafen; und wir können uns ein Lächeln nicht verkneifen, wenn diese gewagte Aussage aus der Eintragung aller Volljährigen in die Wahllisten gefolgert werden soll. Wir wissen ganz gut, dass der bürgerliche Staat die Interessen und die Macht nur einer Klasse repräsentiert, ungeachtet dann und wann inszenierter Plebiszite.
Mehr noch. Selbst wenn wir ein repräsentatives System für nur eine Klasse, nämlich die der Lohnarbeiter, geltend machen wollen (schlimm, wenn der Allerweltsbegriff „Volk" von den Russen übernommen wird), begnügen wir uns nicht damit, die Souveränität durch ein Abstimmungsverfahren (wenn es denn so was geben könnte) unter allen dieser Klasse angehörenden Mitgliedern abzustützen. Und dies gilt sowohl unter der bürgerlichen Herrschaft, wo der revolutionäre Kampf zu führen ist, als auch nach ihrer Niederschlagung.
Schon mehrmals, namentlich auf der Pfingstversammlung in Paris 1957, haben wir gesagt, dass allein die Partei, die ja innerhalb der Gesellschaft und der proletarischen Klasse eine Minderheit darstellt, dass allein sie, als geschlossene Kampftruppe im zeitlichen und räumlichen, im theoretischen, organisatorischen und strategischen Sinne, das historische Vermächtnis der aufeinander folgenden Generationen im Übergang von dieser zur nächsten Produktionsweise zum Ausdruck bringen kann.
Die revolutionäre Kraft des Proletariats drückt sich daher nicht durch eine interne konsultative Demokratie der Partei, ob noch im Kampf oder schon nach dem Sieg, aus, sondern durch den von einem zum anderen „Ufer" reichenden - und keine Nahtstellen aufweisenden - Brückenbogen der historischen Parteilinie.
Wir behaupten also nicht nur, dass eine Minderheit den historischen Vormarsch gegen die Mehrheit (auch die der Klasse) führen kann, sondern denken darüber hinaus, dass auch nur diese Minderheit die Richtlinien einzuhalten vermag, die sie mit den Kämpfen und Anstrengungen der Revolutionäre früherer wie auch künftiger Generationen verbindet, wobei ihr Handeln durch das Programm der neuen Gesellschaft determiniert wird, das als geschichtliche Lehre klar und präzise im voraus festgelegt ist.
Unbestreitbar ist dieses Bauwerk, das uns allen Philistern zum Trotz die unverhüllte Forderung der Diktatur der Kommunistischen Partei proklamieren lässt, dem Marx'schen System implizit. Nicht einmal die Gesellschaft ist Eigentümerin des BodensIm III. Band des „Kapital", der von Engels nach Marx' Tod herausgegeben wurde, trägt der 46. Abschnitt die Überschrift: „Baustellenrente - Bergwerksrente - Bodenpreis". Diese Kategorien ordnen sich in die mächtige Lehre über die Grundrente ein, die der große Kämpfer Lenin sein Leben lang Wort für Wort verfochten hat. Da unsere ökonomische Wissenschaft gezeigt und bewiesen hat, dass die vom Grundbesitzer abgefangene Rente Bestandteil des herausgepressten Mehrwerts ist - den die Klasse der Lohnarbeiter produziert und der zum kapitalistischen Profit wird -, ist klar, dass der Gegner folgenden Einwand erheben kann: „Auch beim Handel mit Baugrundstücken, ein Geschäft so gut wie jedes andere, fällt dem Eigentümer die Rente zu - obwohl doch dies Land völlig unberührt unter der Sonne liegt und kein Arbeiter je einen einzigen Spatenstich darauf getan hat. Aus welcher Arbeit, aus welchem relativen Mehrwert entspringt denn dieser Unternehmergewinn?"
Doch bringt dies unsere ökonomische Wissenschaft nicht in Bedrängnis. Wir sind keine akademische Fakultät, sondern eine zum Kampf aufgestellte Armee, und wir verteidigen die Sache derjenigen, die gearbeitet haben und tot sind, ebenso wie derjenigen, die noch nicht geboren sind und noch nicht gearbeitet haben.
Wer nun mit der mickrigen bürokratischen Formel des „Soll und Haben" der Geschäftsbücher argumentieren will, mag gemeinsam mit demjenigen zur Seite treten, der meint, die Rechtmäßigkeit der Macht sei durch die Namen und den Umfang der Wahllisten verbürgt.
Marx antwortet auf die oben genannte Frage, indem er die zukünftigen Generationen auf den Schauplatz des Geschehens führt; eine Sache, die unserer Lehre seit langem eigen ist, und nicht etwa ein schlauer Einfall unsererseits, um die richtige These durchzukriegen. Gegen die Theorie und das Programm der Revolution kann sogar die Mehrheit der heutigen proletarischen Klasse Unrecht haben und im feindlichen Lager stehen.
„Dass es nur der Titel einer Anzahl von Personen auf das Eigentum am Erdball ist, der sie befähigt, einen Teil der Mehrarbeit der Gesellschaft sich als Tribut anzueignen und mit der Entwicklung der Produktion sich in stets steigendem Maß anzueignen, wird durch den Umstand verdeckt, dass die kapitalisierte Rente, also eben dieser kapitalisierte Tribut als Preis des Bodens erscheint und dieser daher wie jeder andre Handelsartikel verkauft werden kann" [MEW 25, S. 784].
Ist das klar? Wenn ich schätze, dass ein Grundstück, das dem Grundherrn wahrscheinlich 5000 Lire jährlich einbringen wird, für 100.000 verkauft werden kann, so habe ich die Mehrarbeit der Arbeiter, die nicht 20, sondern eine unbegrenzte Zahl von zukünftigen Jahren arbeiten müssen, zu einer tätigen Kraft werden lassen.
„Ganz so erscheint einem Sklavenhalter, der einen Neger gekauft hat, sein Eigentum an dem Neger nicht durch die Institution der Sklaverei als solche" (die ihm von vergangenen Generationen hinterlassen wurde), „sondern durch Kauf und Verkauf von Ware erworben". Und er wird die Lebensjahre des Schwarzen und die seiner Nachkommen in Geld zählen! „Aber der Titel selbst wird durch den Verkauf nicht erzeugt, sondern nur übertragen. Der Titel muss da sein, bevor er verkauft werden kann, und sowenig wie ein Verkauf, kann eine Reihe von solchen Verkäufen, ihre beständige Wiederholung, diesen Titel schaffen" (die Anspielung des Dr. jur. Marx bezieht sich auf die Fiktion des bürgerlichen Gesetzbuches, wonach eine Reihe von Eigentumsübertragungen, z.B. über 20 oder 30 Jahre hinweg, Eigentumsnachweis ist). „Was ihn überhaupt geschaffen hat, waren die Produktionsverhältnisse. Sobald diese auf einem Punkt angelangt sind, wo sie sich umhäuten müssen, fällt die materielle, die ökonomisch und historisch berechtigte, die aus dem Prozess der gesellschaftlichen Lebenserzeugung entspringende Quelle des Titels und aller auf ihm begründeten Transaktionen fort" [MEW 25, S. 784].
Um die Sache noch deutlicher zu machen: wenn z.B. die Zeit der Sklavenwirtschaft abgelaufen ist und durch einen Aufstand hinweggefegt wird, werden alle Sklaven zu Freien, und jeder früher abgeschlossene Kaufvertrag über sie wird null und nichtig! Und nun fordern wir euch noch einmal auf, dem stets ebenso unerwarteten wie machtvollen Übergang von der genialen und ursprünglichen Darstellung der Menschheitsgeschichte zur nicht minder scharfen Charakterisierung der künftigen Menschengesellschaft zu folgen.
„Vom Standpunkt einer höhren ökonomischen Gesellschaftsformation wird das Privateigentum einzelner Individuen am Erdball ganz so abgeschmackt erscheinen wie das Privateigentum eines Menschen an einem andren Menschen. Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als boni patres familias [gute Familienväter] den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen" [MEW 25, S. 784]. Utopie und MarxismusAuch diese entscheidende Passage macht das Marx'sche Vorgehen deutlich. Die Voraussicht, dass Eigentum und Kapital vom Erdboden verschwinden werden (eine ganz andere Sache als die, das Eigentum vom individuellen auf das gesellschaftliche Subjekt übertragen zu wollen) sowie die Entschlossenheit und der Wille dazu (die ebenso wenig dem individuellen Subjekt und nicht mal dem unterdrückten Subjekt Klasse angehören, sondern allein dem Organismus Partei - ein Organismus, dessen Kraft nicht quantitativ, sondern allein qualitativ messbar ist) gründen sich auf eine wissenschaftliche Gesamtanalyse der bestehenden Gesellschaft und ihrer Geschichte. Wir haben zunächst die Pflicht, den Kapitalismus, den wir an den Pranger stellen und zerschlagen wollen, zu untersuchen und seine Struktur und seinen wirklichen Gang zu erkennen. Was keine moralische und persönliche Pflichterfüllung, sondern eine unpersönliche Funktion der Partei ist, eines Wesens, das die Meinungsäußerungen der Menschen weit hinter sich lässt und die zwischen den Generationen hochgezogenen Mauern überwindet.
Darin liegt auch die Antwort auf einen möglichen Einwand gegen unsere Auffassung des Marxismus - der einzigen, die seine Mächtigkeit und seine Tiefe erfasst. Der Marx, auf den sich seit Jahrzehnten - jedes Mal, wenn sie das Maximalprogramm der gesellschaftlichen Struktur des Kommunismus in den Vordergrund rückt - die revolutionäre Strömung beruft, ist derselbe Marx, der jeden Utopismus bekämpfte, überwand und hinter sich ließ.
Der Gegensatz des wissenschaftlichem Sozialismus zum Utopismus besteht nicht darin, dass der marxistische Sozialist wie der Utopist erklärt, hinsichtlich der Merkmale der zukünftigen Gesellschaft müsse man ihr Auftreten in Ruhe abwarten, um dann ihre Formen zu beschreiben! Die Utopisten sahen die sozialen Gebrechen der bestehenden Gesellschaft sehr klar, weshalb Marx von ihren Meistern mit großem Respekt sprach. Ihr Irrtum lag darin, die Struktur der morgigen Gesellschaft nicht aus den sich verkettenden Ereignissen des wirklichen Prozesses - die den uns vorangegangenen Verlauf mit dem zukünftigen verbinden - zu folgern, sondern aus der menschlichen Vernunft, aus dem eigenen Kopf, statt aus der Wirklichkeit von Natur und Gesellschaft. Der Utopist glaubt, der gesellschaftliche Verlauf münde in den Sieg einiger allgemeiner, der menschlichen Vernunft inhärenter Prinzipien. Ob diese vom Schöpfer offenbart oder von der nach Selbsterkenntnis strebenden philosophischen Kritik enthüllt wurden - diese Prinzipien mit ihren Tausenden von Namen, wie: Gerechtigkeit, Gleichheit, Freiheit usw., bilden die Farben der Palette, in die der idealistische Sozialist seine Pinsel taucht, um die morgige Welt, so wie sie sein sollte, zu malen.
In diesem naiven, jedoch nicht unbedingt trivialen Beginn der sozialistischen Bewegung liegt begründet, dass der Utopismus seine Durchsetzung von einer Überzeugungsarbeit unter den Menschen erwartet - von der „Emulation"19, gemäß dem heute in Mode gekommenen Sprachgebrauch, was den stürmischen Geschichtsverlauf in wahrhaft dilettantischer Art und Weise darstellt. Erfüllt von ihren guten Absichten haben die Utopisten einst geglaubt, ihr Sieg sei sicher, sobald nur die Zentren der schon konstituierten Mächte für ihre rosa-roten Projekte eingenommen wären. In diesem Glauben befangen, waren sie außerstande, die Praxis zu begreifen, die zum Kampf drängt, zum gesellschaftlichen Zusammenstoß führt, zum Umsturz der Macht und zum Einsatz nicht der Überzeugung, sondern der erbarmungslosen Gewalt treibt, jener Gewalt, die die Geburtswehen der neuen Gesellschaft begleitet.
Unsere Position zum Problem der Menschheit ist die entgegengesetzte. Die Dinge laufen nicht deshalb so, wie sie laufen, weil irgend jemand sich geirrt oder seine Pflicht nicht getan hätte (überlassen wir solche Beurteilungen lieber den „kommunistischen" Politfunktionären), sondern weil die Entwicklung der Menschengattung durch eine Reihe kausaler und maßgebender Kräfte determiniert wird: Es gilt zunächst zu verstehen, wie und weshalb, und kraft welcher allgemeinen Gesetze, um dann Rückschlüsse auf ihre zukünftige Richtung zu ziehen.
Der Marxismus verzichtet also nicht darauf, in seinem Kampfprogramm die Merkmale der morgigen Gesellschaft zu benennen, insbesondere, wie sie denen entgegenstehen, die in der letzten, der kapitalistischen und warenproduzierenden Gesellschaftsform genauestens erkannt wurden. Der Marxismus ist der Weg, diese Merkmale definitiv und mit großer Sicherheit anzugeben, während der blasse, wenn auch für seine Zeit manchmal kühne Utopismus sie kaum zu beschreiben vermochte.
Wenn man sich der Pflicht verweigert, die Brandmale der kommunistischen Gesellschaftsstruktur zu antizipieren, hat das mit Marxismus nichts zu tun - es ist dies eine Haltung, die des mächtigen Korpus der klassischen Schriften unserer Schule nicht würdig ist. Es handelt sich vielmehr um einen ängstlichen, auf den Status Quo bedachten Revisionismus, der als Zielsetzung ausgibt, was nur Gemeinheit und Zynismus ist: Nämlich die Enthüllung eines mysteriösen Plans auf weißer Leinwand, der uns als Geheimnis der Geschichte noch verborgen sei. Diese Methode ist in ihrer philiströsen Hybris nur das Alibi, das sich die Klüngel der Politprofis zurechtgelegt haben. Sie haben nicht die leiseste Ahnung von der Größe der Parteiform, die für sie nur eine Theaterbühne für die Verrenkungen einiger weniger Aktivisten ist. Sie werden ewig beim „Geheimnis" stehen bleiben müssen, etwa so, als warte man in einer Sakristei auf die Offenbarung des göttlichen Willens, oder im Vorzimmer eines Mächtigen darauf, endlich an der Reihe zu sein, ihm die Füße küssen zu dürfen. Eigentum und NießbrauchMit diesem Passus, in dem Marx die Struktur der Zukunft ebenso definitiv wie eindeutig umreißt, wie er es bezüglich der Beschreibung der Gesellschaft als Nicht-Eigentümerin des Bodens tut, haben wir ist ein treffendes Beispiel für den Gegensatz zwischen Marxismus und Utopismus, den wir theoretisch genau fassen wollten.
Agrarwirtschaft darf in der Tat nicht so betrieben werden, dass sie den Bedürfnissen nur der heutigen Generation gerecht wird. Eine immer wiederkehrende Anklage Marx' ist die, dass die kapitalistische Produktionsweise die Ressourcen des Bodens erschöpft und das Problem der Ernährung unlösbar macht. Heute, wo die Menschen immer zahlreicher werden, erforschen „Wissenschaftler", deren Ernsthaftigkeit uns allen hinlänglich bekannt ist, neue Wege, um den Hunger der Erdbewohner zu stillen.
Die Bodenbewirtschaftung - Schlüsselfrage des ganzen sozialen Problems - muss auf die am besten der zukünftigen Entwicklung der Erdbewohner entsprechende Weise betrieben werden. Auch wenn wir die gegenwärtige Gesellschaft ohne ihre räumlichen, d.h. staatlichen, nationalen Grenzen denken, wir also zu einer „höheren Organisation", die auch die Klassen hinter sich lässt, übergegangen sein werden (wir uns demnach nicht nur jenseits des gewöhnlichen Gegensatzes zwischen „müßigen" und „produzierenden" Klassen befinden, sondern auch, wie Marx lehrt, jenseits des Gegensatzes zwischen städtischen und ländlichen Produzentenklassen, zwischen Hand- und Kopfarbeitern), auch dann wird diese Gesellschaft, als Aggregat einiger Milliarden Menschen, immer noch zeitliche Grenzen haben und insofern ein kleineres Aggregat der „menschlichen Gattung" darstellen - ganz unabhängig von der größer gewordenen Anzahl der Menschen infolge der durchschnittlich längeren Lebenszeit.
Freiwillig und wissenschaftlich, und zum ersten Mal in der Geschichte, wird sich die Gesellschaft der Gattung unterordnen, d.h. sie wird sich in Formen organisieren, die den Zwecken der kommenden Generationen am besten entsprechen.
Dass es hierin nichts Phantastisches - oder gar, Gott bewahre, Science-fictionmäßiges - oder Utopistisches gibt, belegt das von Marx benutzte, wirkliche und handgreifliche Kriterium des Unterschieds zwischen Eigentum und Nießbrauch.
In der modernen Rechtsprechung ist das Eigentum „ewig", während der Nießbrauch auf eine im Voraus festgelegte Anzahl von Jahren oder auf die Lebensdauer des Nießbrauchers beschränkt ist. In der bürgerlichen Theorie heißt Eigentum „jus utendi et abutendi", d.h. das Recht zu brauchen und zu missbrauchen. Theoretisch darf der Eigentümer sein Gut zerstören; z.B. könnte er sein Feld mit Salzwasser bewässern, um es unfruchtbar zu machen - wie es die Römer taten, nachdem sie den Boden Karthagos verbrannt hatten. Die heutigen Juristen basteln an einer gesellschaftlichen Grenze für dieses Recht; dies hat aber nichts mit Wissenschaft zu tun, sondern ist bloße Klassenangst. Das Recht des Nießbrauchers indes geht nicht so weit: Gebrauch - ja, Missbrauch - nein. Bei Ablauf der Frist oder - wenn es auf die Lebensdauer bezogen ist - mit dem Tod des Nießbrauchers fällt der Boden wieder dem Eigentümer zu. Das positive Recht schreibt vor, dass der Boden im gleichen Zustand wie zu Beginn des Nießbrauchs zurückgegeben wird. Auch der einfache Kolone20, der den Boden gepachtet hat, darf dessen Nutzung nicht umstellen, sondern muss seine Wirtschaft wie ein „guter Familienvater" betreiben - wie es der „gute" Eigentümer tut, in dessen Augen die Nutzung oder Nutznießung durch das Erbrecht ewig dauert. In Italien ist die Sakramentsformel des guten Familienvaters in den Artikeln 1001 und 1587 des bürgerlichen Gesetzbuches zu finden.
Die Gesellschaft hat also nur die Nutzung und nicht das Eigentum am Boden.
Der Utopismus ist metaphysisch, der marxistische Sozialismus dialektisch. In den jeweiligen Phasen des gigantischen Bauwerks kann Marx folgende sukzessive Forderungen aufstellen: - das Großeigentum (auch das kapitalistische, wenngleich die Lohnarbeiter bloße Arbeitstiere sind) gegen das Kleineigentum, auch wenn dieses keine Lohnarbeiter beschäftigt (taktvollerweise wird der Kleinbetrieb wie der des französischen Halbpächters von 1894 und des italienischen von 1958 nicht erwähnt, wo außer der Verwendung menschlicher Arbeitstiere noch die reaktionäre Parzellierung dazukommt); - das staatliche (ebenfalls kapitalistische) Eigentum gegen das private Großgrundeigentum = Nationalisierung; - das Staatseigentum nach dem Sieg der proletarischen Diktatur; - die einzige rationelle Nutzung des Bodens seitens der Gesellschaft durch die höhere Organisation des vollständigen Kommunismus, wobei das unselige Wort „Eigentum" auf dem von Engels erwähnten „Müllhaufen der Geschichte" landet. Gebrauchs- und TauschwertDie grundlegende These des revolutionären Marxismus dehnt die Negation des individuellen und dann gesellschaftlichen Eigentums am Boden schlicht und einfach auf die anderen, durch menschliche Arbeit geschaffenen Produktionsinstrumente wie auch auf die Produkte der Arbeit aus - seien es nun Produktions- oder Konsumtionsgüter.
In der Bodenbewirtschaftung sind die Instrumente Kapitalgüter. Eines der wichtigsten Kapitalgüter, von dem das Wort „Kapital" auch abstammt (woran Marx häufig erinnert), ist das Arbeits- und Zuchtvieh. Im Italienischen nennen wir es „scorta viva" [wörtlich: „lebendiges Geleit"]; im Französischen „cheptel", was eben das gleiche Wort für „Kapital" ist. Der Ausdruck für diese schäbige Sache, nämlich das „Kapital", kommt von „caput", lateinisch „Kopf". Aber die Bourgeois brauchen sich nicht einbilden, es handele sich hierbei um den menschlichen Kopf, um uns ein weiteres Naturrecht aufzutischen: Das Kapital als Fortsetzung der Person.
Gemeint ist nämlich der Kopf des Ochsen. Die Fortsetzung des Bourgeois-Schädels sind nicht die „ewigen Prinzipien" der menschlichen Gesetze - diese sind bloß die Hörner.
Wenngleich in der Geschichte schon mehrmals vorgekommen, kann der Bewirtschafter des Bodens nicht sein ganzes Vieh aufessen, ohne dieses besondere Produktionsmittel (das die Fähigkeit besitzt, sich bei richtiger Züchtung zu reproduzieren) zu vernichten.
Die Gesellschaft ist Nießbraucherin und nicht Eigentümerin der Tierarten. In der oben erwähnten kleinen Arbeit Engels' findet sich eine schöne Stelle über die lächerliche Forderung der französischen Bauern nach Freiheit der Jagd und des Fischfangs, obwohl gewisse Wildarten schon von der Ausrottung bedroht waren - später wurden sie auch tatsächlich ausgerottet.21
Langwierig, aber keineswegs schwierig wäre es, wenn wir unsere Folgerungen auch bezüglich anderer landwirtschaftlicher und industrieller Kapitalunternehmen deutlich machten. Aber suchen wir in großen Schritten vorzugehen.
In den meisterhaften Kapiteln über die Grund- und Bodenfrage (in denen Marx beweist, dass der Preis und Wert des Bodens, der aus der kapitalisierten Grundrente gebildet wird, nicht in das Betriebskapital des Agrarunternehmens eingeht, weil, wenn es keine rücksichtslose Aussaugung der Fruchtbarkeit des Boden gibt, man ihn am Ende des jährlichen Zyklus unverändert wieder vorfindet), zieht er den klaren Vergleich zum „fixen Anteil des konstanten Industriekapitals", der nicht mit in die Rechnung des zirkulierenden Kapitals aufgenommen wird (außer dem geringfügigen Teil, der im Laufe jedes Produktionszyklus abgenutzt und ersetzt wird: Amortisierung). Der Boden erneuert sich selbst; auch das „lebendige Geleit" reproduziert sich selbst (mit einem gewissen Anteil Zuchtarbeit). Das „tote Geleit" muss in der Landwirtschaft zum großen Teil jedes Jahr erneuert werden, als Teil des Gesamtwerts der Produkte. In der Industrie dagegen wird es zu einem geringeren Teil erneuert.
Die quantitative Untersuchung vorerst beiseite lassend, wollen wir anmerken, dass die Menschheit auch totes Geleit oder fixe Kapitalien hat, deren Amortisierung sich in sehr langen Zyklen vollzieht, wie die Brücken der Römer, die nach 2000 Jahren immer noch benutzt werden. Der verbrecherische Kapitalismus sucht die Amortisierung in kurzen Zyklen und versucht, auf Kosten des Proletariats, jedes fixe Kapital schnellstens zu erneuern.22 Warum? Weil über das fixe Kapital das verrückte Eigentum herrscht, über das zirkulierende der einfache Nießbrauch.
Der Kapitalismus kann gar nicht anders als die Arbeitsmühe der Lebenden wahnsinnig zu steigern und aus der Arbeit der Toten sein unmenschliches Eigentum zu machen. In der kommunistischen Ökonomie werden wir das, was ihre Technokraten Amortisierung - Erneuerung des Anlagekapitals - nennen, ganz anders verstehen: als Wiederbelebung.
Die Antithese von Eigentum und Nießbrauch wiederholt sich in der zwischen fixem Kapital und zirkulierendem Kapital; und der zwischen toter Arbeit und lebendiger Arbeit.
Wir stehen auf der Seite des Gattungslebens, unsere Feinde auf der dunklen Seite des Todes. Aber das Leben wird sie zermalmen, indem es jene Gegensätze in der Wirklichkeit des Kommunismus aufhebt.
Doch formulieren wir dieselbe Antithese noch mal anders: Warentausch und physischer Gebrauch. Tauschwert der Ware versus Gebrauchswert.
Die kommunistische Revolution besteht in der Vernichtung der Warenproduktion, der Marktwirtschaft. Vergegenständlichte Arbeit und lebendige ArbeitUnsere Leser, die unsere Arbeitsmethode nachvollziehend an der gemeinsamen Parteiarbeit teilnehmen, müssen an diesem Punkt auf den gesamten zweiten Teil der Nummern 19 und 20 (1957) von „Il programma comunista" zurückgreifen (Bericht über die Versammlung in Piombino23), worin die Marx'schen „Grundrisse" ausführlich vorgestellt werden.
In diesem großartigen Bauwerk wird der ökonomische Individualismus vernichtet, und der gesellschaftliche Mensch erscheint, dessen Grenzen die der gesamten menschlichen Gesellschaft, genauer die der Menschengattung sind.
Das fixe Industriekapital, das in der kapitalistischen Produktionsweise der menschlichen Arbeitzeit feindlich gegenübersteht, die ihrerseits zum Maß des Tauschwerts der Produkte oder Waren wird, ist das feindliche Ungeheuer (welches wir nicht, unsere diesbezüglichen Marx' Zitate sind unzählbar, mit der Person des Kapitalisten durcheinander bringen dürfen). Dieses Ungeheuer unterwirft sich die Masse der Produzenten und monopolisiert ein Produkt, das nicht nur allen Menschen, sondern dem jahrtausendealten Tätigkeitszyklus, der im gesellschaftlichen Hirn erarbeiteten und in ihm gespeicherten Wissenschaft und Technologie der Gattung, angehört. Heute, wo der Kapitalismus völlig heruntergekommen ist, tötet dieses Monstrum die Wissenschaft selbst, lässt sie verkommen, lenkt den Nießbrauch in verbrecherische Bahnen, indem es das Erbe der zukünftigen Generationen verschleudert.
Auf diesen Seiten24 ist vom modernen Phänomen der Automation die Rede, das für die ferne Zukunft erwartet und theoretisch untersucht wurde. Das, was wir „Romanze der vergegenständlichten Arbeit" nennen wollen, hat zum Epilog ihre Palingenese25, womit das Ungeheuer zur wohltätigen Kraft für die gesamte Menschheit wird und, statt das Herauspressen unnützer Mehrarbeit zu erzwingen, „die Reduktion der notwendigen Arbeit der Gesellschaft zu einem Minimum" erlaubt, „der dann die künstlerische, wissenschaftliche etc. Ausbildung der Individuen (...) entspricht" - die dann zu gesellschaftlichen Individuen geworden sein werden [MEW 42, S. 601].
Greifen wir aus den authentischen Materialien, die heute viel definitiver und handgreiflicher zu fassen sind als in der Zeit, in der sie entstanden, noch eine nicht minder authentische Aussage heraus. Wenn mit der proletarischen Revolution die Vergeudung wissenschaftlicher Erkenntnis (dieses Werks des gesellschaftlichen Gehirns) aufgehört hat, die Arbeitszeit auf ein Minimum herunterdrückt ist (was die Arbeit zu einer reinen Freude machen wird), das heutige Ungeheuer des capital fixe dem Menschen adäquat umgewandelt ist, wenn also das Kapital als historisches Übergangsprodukt aufgehoben26, nicht etwa für den Menschen oder die Gesellschaft „erobert" sein wird, wird es sich - einmal Anlagen und Boden von jedwedem Eigentumsrecht befreit - mit der Industrie wie mit dem Boden verhalten.
Eine ziemlich läppische Errungenschaft wäre es, wenn die Produktionsanlagen aufhörten, Monopol einer Bande von Müßiggängern zu sein; letzteres ist nur ein hohler Allgemeinplatz, denn die Bourgeois waren anfangs eine Klasse kühner Träger des gesellschaftlichen Gehirns und der vorgeschrittensten gesellschaftlichen Praxis. Für die in höherer Form organisierte Gesellschaft, den internationale Kommunismus, werden die Produktionsanlagen nicht Eigentum und Kapital sein, sondern Gegenstand des Nießbrauchs, wobei sie die Zukunft der Gattung jederzeit gegen die physischen Gewalten und Zwänge der Natur, nunmehr die einzige Gegnerin, schützen wird.
Wenn sowohl das ländliche wie auch das industrielle Eigentum und Kapital der Vergangenheit angehören, wird auch ein anderer Allgemeinplatz, nämlich das „persönliche Eigentum an den Produkten des Konsums" (was ein Zugeständnis an die schwere Aufgabe der traditionellen Propagandatätigkeit war), zu den Schatten der Vergangenheit gehören. Und wirklich wird die ganze revolutionäre Palingenese eine Totgeburt sein, wenn nicht jedes Ding seinen Warencharakter verliert und die Arbeitszeit aufhört, Maß des „Tauschwerts" zu sein - ebenfalls eine Form, die wie das Geldmaß mit der kapitalistischen Produktionsweise untergehen muss.
Wir zitierten jetzt wörtlich: „Sobald die Arbeit in unmittelbarer Form aufgehört hat, die große Quelle des Reichtums zu sein, hört und muss aufhören, die Arbeitszeit sein Maß zu sein und daher der Tauschwert (das Maß) des Gebrauchswerts" [MEW 42, S. 601]. Angesichts der Mittelmäßigkeit Stalins und seiner russischen Gefolgschaft, die das Wertgesetz im Sozialismus (!) bestehen lassen wollten, mussten wir zu dem Schluss kommen: Das Jüngste Gericht komme über Euch!
Der Unglückliche, der Alkohol schluckt und sagt: „Das ist meine Sache, ich habe ihn von meinem Lohn gekauft", ist ein Opfer der Kapitalform, also der kapitalistischen Gesellschaftsform, ebenso wie der Raucher, der sich an der Gattung versündigt. Auch ein solches „Eigentum" wird in der höheren Organisation der Gesellschaft passé sein.
In Zeiten der Krise und der Arbeitslosigkeit, sinken die Lohnsklaven noch tiefer herab. Am 7. Dezember 1857 schreibt Engels an Marx: „Unter den Philistern hier wirkt die Krisis stark aufs Trinken. Niemand kann es zu Hause allein mit der Familie und den Sorgen aushalten, die Klubs beleben sich, und die Konsumtion von liquor [Alkohol] wächst stark. Je tiefer einer drein sitzt, desto gewaltsamer strebt er, sich aufzuheitern. Am nächsten Morgen ist er dann das schlagendste Exempel von moralischem und physischem Katzenjammer" [MEW 29, S. 221]. 1857 oder 1958?!
In der kommunistischen Zukunft wird niemand, im Namen des schäbigen „Eigentums" am „ausgetauschten" Gegenstand, als Tier-Mensch konsumieren; Gebrauch oder Verbrauch werden nicht mehr, wie es heute die Regel ist, von irgendwelchen Drogeneinflüssen diktiert sein, sondern sich nach den ganz anderen Bedürfnissen des gesellschaftlichen Menschen, dem Bewahrer der Gattung, richten. Tod des IndividualismusWenn das Material der Agitation auch nur minimal von den theoretischen Grundlagen, die festgelegt und nicht-veränderbar sind, abweicht, kann die proletarische Klassenpartei selbst nicht in die revolutionäre Richtung gehen.
Die Fragen der konkreten Aktion und des kommunistischen Programms sind nur zwei dialektische Seiten derselben Frage: unzählige Interventionen von Marx (bis zu seinem Tode) und von Engels und Lenin (Aprilthesen, Oktobersitzung des Zentralkomitees!) haben dies gezeigt.
Sie haben den Kompass unserer Aktion, der leicht abhanden kommen kann, weder preisgegeben noch mit ihm gespielt, sondern ihn fest in Händen gehalten.
Dieser Kompass weist klar auf die Gefahren hin; wenn wir all den falschen Richtungen den Rücken zukehren und in die entgegen gesetzte Richtung gehen, sind unsere Fragen richtig gestellt. Die Formeln und Worte können von Verrätern und Dummköpfen gefälscht und entstellt werden, doch wenn wir auf dasselbe Ziel lossteuern und den Kompass nicht immer wieder, z.B. aus opportunistischen Gründen, aus der Hand legen, ist es ein sicherer Kompass.
Philosophisch und historisch ausgedrückt, ist unsere Feind der Individualismus, der Personenkult; im Politischen, auf jedwedem Felde, das demokratische Wahlsystem; und ökonomisch ausgedrückt ist der Feind die Warenproduktion, oder anders ausgedrückt: die Marktwirtschaft.
Jede Annäherung an diese tönernen Kolosse um eines scheinbaren Vorteils willen stellt den ersten entscheidenden Schritt dahin dar, die Zukunft der Partei einem Tages- oder auch Jahreserfolg zu opfern, den Schritt zur bedingungslosen Kapitulation vor dem Ungeheuer der Konterrevolution.
Quellen:„Il programma rivoluzionario della società comunista elimina ogni forma di proprietà del suolo, degli impianti di produzione e dei prodotti del lavoro": Il programma comunista, Nr. 16 + 17, September 1958; veröffentlicht als „Corollario della riunione di Torino": im Sinne von „Folgerung" bzw. „Vertiefung" der in Turin gehaltenen Referate. * * *MEW 18: Marx - Über die Nationalisierung des Grund und Bodens, 1868. MEW 22: Engels - Die Bauernfrage in Frankreich und Deutschland, 1894. MEW 25: Marx - Das Kapital III, 1894. MEW 29: Engels an Marx, 7. Dezember 1857. MEW 39: Engels an Lafargue, 22. August 1894. MEW 39: Engels an Lafargue, 22. November 1894. MEW 42: Marx - Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 1857/58.
1 Im September 1892 hatte die französische Arbeiterpartei in Marseille ein Agrarprogramm angenommen, das auch Abweichungen von den sozialistischen Grundprinzipien aufwies. Diese Fehler wurden dann durch den motivierenden Teil des Programms (zwei Jahre später auf dem Kongress in Nantes bestätigt) noch vertieft.
2 Es handelt sich um den Artikel: „Die Bauernfrage in Frankreich und Deutschland", MEW 22, S. 485 ff.
3 menagèr (fr.): schonen, Rücksicht nehmen.
4 Palinodie (grch.): Widerruf. Ein in der Antike entwickeltes dichterisches Verfahren, in dem die inhaltlichen Mitteilungen unter genauer Beibehaltung der formalen Merkmale in ihr Gegenteil verkehrt werden. 5 Contenu du socialisme (fr.): „Inhalt des Sozialismus", Jargon vieler Anti-Stalinisten, wie auch der französischen Gruppe Socialisme ou Barbarie, welche sich nach dem 2. Weltkrieg von einer trotzkistischen Organisation abspaltete und in den 60er Jahren zu einem guten Teil in der Sozialdemokratie landete. Sie nahm anarchistische und rätesozialistische Argumentationen auf, und kam zunehmend dahin, die Totalität des Marx'schen Denkens und die proletarische Theorie radikal zu kritisieren. Der Verfasser bezieht sich des Öfteren auf diese Gruppe, weil die theoretische Verwirrung angeblich linker Marxisten in solchen Formulierungen besonders deutlich wird. 6 lopin (fr.): Stückchen.
7 Immediatismus (lat.): hier im Sinne von Unmittelbarkeitsdenken. Mit diesem Ausdruck bezeichnet der Verfasser jene politische Richtung, die nur die sofortige Lösung der aktuellen Tagesfragen ins Auge fasst, ohne nach deren tieferliegenden mittelbaren Ursachen zu fragen. Durch den Versuch, unmittelbare Probleme unmittelbar zu lösen, bleiben sie im Käfig der kapitalistischen Widersprüche gefangen. Der Aktionismus dieser „Politik" führt direkt in den Opportunismus, der, wie Engels in seiner Kritik sagt, „die Zukunft der Partei einem Tageserfolg opfert." 8 Physiokratie: Auch wenn die Ideologie der Physiokraten die Ideologie eben ihrer Zeit, also des Feudalismus war, ist ihre Theorie bereits Ausdruck der kapitalistischen Ära, denn die Physiokratie enthält die Embryonalform der Mehrarbeitslehre. Siehe auch: „1954-01-22 - Die Agrarfrage weiter verfolgend".
9 maitre des forges (fr.): Stahlbarone.
10 Ein, der falschen Übersetzung des Engel'schen Textes ins Italienische bzw. Französische, geschuldeter Irrtum, denn in der vierten Erwägung wird kein Vergleich zur Industrie gezogen. Dies ändert jedoch nichts an den vorliegenden grundsätzlichen Aussagen.
11 Siehe MEW 22, S. 504.
12 Togliatti, Palmiro (1893-1964): Stalinist, Reformist. 1921 Mitbegründer der KPI. Nach dem II. Weltkrieg Parteivorsitzender der KPI, verfolgte mit seiner ideologischen Formel „Einheit in der Vielfalt" den parlamentarischen (und immer schon nationalen) Weg, auf dem er glaubte, Staat und Gesellschaft revolutionieren zu können. 13 Parteiversammlung 1957 in Paris: Es handelt sich um den Text „Die Grundlagen des revolutionären Kommunismus in der Lehre und in der Geschichte des internationalen proletarischen Kampfes".
14 surannès (fr.): völlig überholten. 15 Siehe dazu insbesondere die 15 Etappen der Agrarfrage: „Niemals wird die Ware den Hunger des Menschen stillen" (Faden der Zeit: Nr. 120-134), wo der Verfasser auch die Lenin'sche marxistische Behandlung dieser Frage anführt, und „Struttura economica e sociale della russia d'oggi", 1955. 16 ad libitum (lat.): nach Belieben.
17 tampoco (spa.) auch nicht, ebenso wenig. 18 In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gingen die Maschinen- und Traktorenstationen (MTS) von Staatseigentum in Eigentum der Kolchosen über: diese unentbehrlichen Produktionsmittel wurden also „ländlichen Produzentenklassen ausgeliefert". Siehe auch: „1952-10-10 - Dialog mit Stalin" und „1956-03-03 - Dialog mit den Toten". 19 Emulation (lat.): Wetteifer, Nacheiferung: die Stalin'sche Verbrämung des Wettbewerbs und der Konkurrenz. 20 Kolone: Sklave des Bodens, Vorläufer der Leibeigenen in der Epoche der Merowinger und Karolinger. Sie besitzen weder eigenes Land noch Gerätschaften, wirtschaften zwar selbständig, aber ohne ein Eigentumsrecht. Sie haben nur ein Nutzungsrecht. 21 Siehe MEW 22, S. 496. 22 Amortisierung: bezogen auf die lateinische Etymologie: Abtötung (AMORTisierung = das italienische Wort morte heißt tot). In diesem Fall enthüllt der etymologische Sinn die wirkliche Bedeutung des Begriffs unter kapitalistischen Verhältnissen. Je kürzer der Zyklus, in dem die Maschine und allgemein das fixe Kapital einem Produkt den Wert überträgt, also je schneller ihr Verschleiß als Gebrauchsgegenstand, desto schneller die Amortisierung.
23 Es handelt sich um: „Traiettoria e catastrofe della forma capitalistica nella classica monolitica costruzione teorica del marxismo" (Katastrophischer Verlauf der kapitalistischen Produktionsweise im klassischen, in sich geschlossenen theoretischen Bauwerk des Marxismus).
24 Fixes Kapital und Produktivkräfte der Gesellschaft; MEW 42, S. 90 ff.
25 Palingenese (grch.): Wiedergeburt, Wiederentstehung.
26 „Aufheben": hier nicht als „negieren", sondern als „Negation der Negation". Z.B. existiert der Mensch zuerst als Nicht-Individuum (im Urkommunismus), dann wird er historisch zum Individuum (im Kapitalismus), um endlich wieder Nicht-Individuum zu werden (im Kommunismus). Das Nicht-Individuum existierte in seiner natürlichen Existenz (seine Lebensbedingungen waren von der Natur gesetzt). Das Individuum wird wieder Nicht-Individuum, aber dieses Mal in seiner gesellschaftlichen Existenz. |

